Ein gelungener Auspuff ist Augen- und Ohrenschmaus zugleich. Was gilt es beim Umrüsten zu beachten, wo könnte Ärger drohen? Hier finden Sie alle wichtigen Informationen rund um Motorrad-Auspuffe.
Warum einen Zubehör-Auspuff?
Nicht alle Serien-Auspuffanlagen sind attraktiv. Kein Wunder also, dass Zubehörschalldämpfer zu den beliebtesten Umbauteilen bei Motorrädern gehören. Je nach Motorradmodell wiegen die angebotenen schlanken Nachrüsttöpfe nicht einmal halb so viel wie die oft klobigen Serienteile. Außerdem erhöhen edle Hüllen aus Titan, Karbon oder anderen Werkstoffen die Attraktivität. Dafür sorgen auch unterschiedlichste Dämpferformen - beispielsweise rund, oval, trioval, hexagonal oder rhombisch, um nur einige zu nennen. Auch kerniger Sound ist ein Kaufkriterium, wobei sich die Nachrüstdämpfer selbstverständlich ebenso an die gesetzlichen Vorgaben halten müssen.
Verschiedene Arten von Auspuffanlagen
Grundsätzlich unterscheidet man meistens zwischen Slip-On und Komplettanlage (Full Exhaust System). Viele Motorräder lassen es zu, dass der Endschalldämpfer (das Stück am Ende) separat austauschbar ist. Die zu tauschen bringt oft etwas weniger, aber dafür kosten die Slip-Ons meist nur 350-450€. Andere Bikes wie die MT-07 oder MT-09 haben das nicht. Bei ihnen ist die gesamte Auspuffanlage ein großes Teil. Also musst du eine Komplettanlage kaufen und die sind meist um einiges teurer, 550-1100€.
Absorptionsdämpfer
Nach diesem Prinzip arbeiten etwa 95 Prozent aller Nachrüstdämpfer. Im Dämpferinneren sitzt ein zentrales Siebrohr, das von Dämmmaterial (meist Stahl- oder Mineralwolle) umgeben ist. Dieser Dämmstoff verwandelt Schallenergie in Wärme. Vorteile der Absorptionsdämpfer: kostengünstige Fertigung, geringes Gewicht. Nachteile: Die Dämmwolle altert, wodurch die Dämpfung mit der Zeit nachlässt.
Reflexionsdämpfer
Nur wenige Nachrüstdämpfer, jedoch die meisten serienmäßigen Auspuffanlagen arbeiten nach diesem Prinzip. Der Schall wird durch verschiedene Kammern, die untereinander mit Röhrchen verbunden sind, mehrfach reflektiert und umgeleitet. In diesen so genannten Resonanzkammern löscht sich der Schall durch Phasenumkehr selbst aus. Vorteile: Die Dämpfung bleibt konstant. Nachteile: teuer und schwer.
Sound und Leistung
Viele Sportlich orientierte Motorradfahrer wollen die oft grobschlächtig oder merkwürdig geformte „Serien-Tüte“ gegen besser aussehende, klingende und - wenn möglich - auch leistungssteigernde Zubehörteile tauschen. Geht es um Optik und Klang, sind Slip-ons die praktikabelste Lösung. Die Zubehör-Hersteller bewegen sich beim Klang innerhalb der gesetzmäßig gewährten Toleranz von fünf Prozent zum eingetragenen Geräusch der Serienanlage. Und das ist eine Menge, wenn man weiß, dass die Lautstärke, in dB (Dezibel) gemessen, progressiv zum Wert ansteigt. Eine Serienanlage mit 95 dB homologiert, kann folglich mit einem Slip-on-Endschalldämpfer ausgestattet werden, bis fast 100 dB erreicht sind.
Allzu große Hoffnungen hinsichtlich einer Leistungssteigerung sind jedoch nicht angebracht. Bei älteren Motorrädern mit Serienkrümmern ohne Kat funktionieren Slip-on auch unter dem Aspekt der Spitzenleistung noch recht gut. Natürlich sollten die Slip-on-Endtöpfe über ausreichendes Volumen verfügen. Mit dB-Killer sind zierliche Endtöpfe deshalb echte Leistungskiller. Im preisgünstigen Segment wird oft gnadenlos zugestopft, um die erforderlichen Geräuschwerte zu erreichen.
Anders sieht das bei Komplettanlagen mit Krümmer aus - nicht nur, was den Preis angeht. Bezüglich einer Komplettanlage sollte man bei den meisten Motorradmodellen mit Erstzulassung ab 2006 auf einen Kat in der Krümmeranlage achten, wenn das Bike legal auf die Straße soll. Dabei ist es völlig egal, ob die Anlage auch ohne Kat die Abgasnorm schaffen würde. Komplettanlagen sind für die Straße schon allein wegen der hohen Kosten eher unüblich, denn letztendlich geht es hier dann um echtes Leistungsplus.
Grundsätzlich gilt: Dämpfervolumen ist durch nichts zu ersetzen. Das Volumen garantiert gute Leistungsentfaltung bei moderatem Geräusch. Ein extrem kleiner Endtopf kostet schnell mal ein paar PS, da der Abgasgegendruck unter Umständen relativ groß wird.
Messung von Standgeräusch und Fahrgeräusch
Bei Endrohren auf beiden Seiten muss das Standgeräusch von rechts und von links gemessen werden. Gemessen wird bei halber Nenndrehzahl - bei einem Motorrad, das seine Maximalleistung bei 10000/min erreicht, also bei 5000/min. Das Mikrophon wird in Höhe der Auspuffmündung in einem Winkel von 45 Grad zur Fahrzeuglängsachse und in einem Abstand von 0,5 Metern positioniert.
Als Ergebnis zählt der höchste von drei Messwerten, gerundet auf volle dB (A). Als Toleranzgrenze für Überprüfungen in Verkehrskontrollen durch die Polizei darf der in den Papieren eingetragene Wert um bis zu 5 dB (A) überschritten werden. Allerdings können die Ordnungshüter bei berechtigten Zweifeln bezüglich der Legalität der angebauten Auspuffanlage bereits bei geringeren Überschreitungen das Motorrad zu einer offiziell gültigen Fahrgeräuschmessung vorladen. Die Standgeräuschmessung am Straßenrand gilt vor dem Gesetz nicht als maßgebend.
Als Messstrecke für das Fahrgeräusch dient eine große Fläche mit Normasphalt, die im Umkreis von 50 Metern keine schallreflektierenden Gegenstände aufweisen darf. Das Motorrad fährt im zweiten und dritten Gang mit exakt 50 km/h (+/- ein km/h Toleranz) an die 20 Meter lange Messstrecke heran. Der Fahrer zieht am Anfang der Strecke das Gas voll auf und beschleunigt bis zum Ende der Strecke durch.
In jedem Gang werden zwei Vorbeifahrten von links und zwei von rechts aufgezeichnet. Das in 1,2 Metern Höhe angebrachte Mikrophon steht 7,5 Meter von der Mitte der Messstrecke entfernt. Die insgesamt acht Messwerte werden gerundet und dann ein dB (A) Toleranz abgezogen. Der Mittelwert daraus ergibt den alles entscheidenden Fahrgeräuschwert, der bei Nachprüfungen höchstens ein dB (A) über dem momentan gültigen Grenzwert von 80 dB (A) liegen darf.
Ausweispapiere und EG-Betriebserlaubnis
Benötigt man für einen Nachrüst-Schalldämpfer mit EG-Betriebserlaubnis (EG-BE) Ausweispapiere? Nein. Als Legitimation gilt eine am Dämpfer gut sichtbar angebrachte Plakette oder Prägung. Anhand derer kann die Polizei beim KBA die ordnungsgemäße Verwendung ermitteln. Zumindest theoretisch. Wurde die Freigabe im Ausland erteilt, ergeben sich in der Praxis schon mal Schwierigkeiten. Die von einigen Auspuffherstellern mitgelieferten Scheckkarten mit dem Verwendungsbereich können daher in Kontrollen durchaus hilfreich sein.
Katalysatorpflicht
Müssen Nachrüstanlagen einen Katalysator aufweisen, wenn das Serienmodell einen besitzt? Alle ab 2006 nach Euro 3 homologierten Kat-Motorräder dürfen nur auf einen Nachrüstdämpfer mit Kat umgerüstet werden - andernfalls werden sie wahrscheinlich Probleme haben, die Abgasuntersuchung für Krafträder (AUK) zu bestehen. Bei älteren, beispielsweise nach Euro 2 zugelassenen Motorrädern gilt: Selbst wenn sie serienmäßig mit Kat ausgestattet sind, dürfen Nachrüstanlagen ohne Kat angebaut werden. Allerdings nur, wenn diese Anlagen vor dem 18. Mai 2006 ihre EG-BE erhalten haben. Überschreitet das Motorrad dann bei der AUK den vom Hersteller angegebenen Abgaswert, gibt’s lediglich einen entsprechenden Vermerk im Prüfbericht.
Wichtig ist, dass die Anlage für dein Modell (Modellnummer zugelassen ist, die neuen MT ab 2017 haben eine andere Modellnummer, obwohl die gleich aussehen). Die neue Abgasregelung Euro 4 ist ab 2017 Pflicht für alle neuzugelassenen Fahrzeuge. Hast du eine MT, die nach dem 31. Dezember 2016 neuzugelassen wurde, musst du schauen, dass die Anlage Euro 4 konform ist. Diese Info bekommst du meist schnell heraus, da es so mit die wichtigste Angabe ist und die Hersteller das natürlich kommunizieren wollen, um den Verkauf zu fördern.
Zusätzlich musst du darauf achten, dass die Anlage einen Katalysator (Kat) besitzt. Das ist eine Art Filter, die die Abgase etwas filtern soll (Effektivität ist umstritten). Viele Auspuffhersteller liefern den Auspuff bereits mit Kat aus, andere jedoch nicht (z.B. SC-Project). Diese kosten meist noch einmal 50-100€, also aufpassen beim Auspuffpreis, manchmal denkt man, man macht ein Schnäppchen, aber es ist noch kein Kat dabei.
Rechtliche Aspekte
Zugelassene Auspuffanlagen haben eine entsprechende eingestanzte Kennzeichnung, die sogenannte E-Nummer. Aber Achtung: Nicht jeder Auspuff mit dieser Nummer ist auch zugelassen. Homologiert werden Auspuffe auf bestimmten Motorrädern. Dem wird die gezeigte Nummer zugeordnet. Wird also ein Auspuff X beispielsweise für eine Kawasaki ZX-10R homologiert, ist er auch nur für dieses Motorrad zugelassen. Wer diesen Auspuff aber an eine Suzuki GSX-R 1000 schraubt, verstößt trotz E-Nummer auf dem Auspuff gegen die Zulassungsbestimmungen.
Ebenso ist darauf zu achten, dass ein im Serienschalldämpfer vorhandener Kat auch im Nachrüstdämpfer zu finden ist und in der Betriebserlaubnis mit erfasst wurde. Im öffentlichen Verkehr müssen dB-Killer montiert sein. Wer ohne erwischt wird, kommt im besten Fall mit 20 Euro wegen nicht vorschriftsmäßigem Geräuschverhalten davon, meist droht aber eine Anzeige wegen Fahrens ohne Betriebserlaubnis, da der dB-Eater in der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung aufgeführt ist.
Achtung! Wer eine Auspuffanlage manipuliert, indem er zum Beispiel eine Racing-Anlage mit der Kennzeichnung einer zugelassenen Anlage versieht oder eine zugelassene Anlage aufbohrt, der begeht nicht nur verschiedene Ordnungswidrigkeiten, sondern auch Urkundenfälschung nach § 267 StGB und damit eine Straftat. Versicherungsrechtliche Probleme kommen noch hinzu.
Tabelle: Vor- und Nachteile verschiedener Auspufftypen
| Auspufftyp | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Absorptionsdämpfer | Kostengünstige Fertigung, geringes Gewicht | Dämmwolle altert, Dämpfung lässt nach |
| Reflexionsdämpfer | Konstante Dämpfung | Teuer, schwer |
| Slip-On | Verbesserte Optik und Klang, einfache Montage | Geringe Leistungssteigerung |
| Komplettanlage | Maximale Leistungssteigerung und Gewichtsreduktion | Hohe Kosten, komplexere Montage |
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