Erfahrungen mit dem Autoreisezug für Motorradfahrer

Viele Motorradfahrer stehen jedes Jahr vor der gleichen Frage: Soll man den Autoreisezug in den Süden nehmen oder die Strecke auf eigener Achse zurücklegen? Will man sich durch den dichten Straßenverkehr quälen oder entspannt über Nacht ans Ziel schlummern? Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Motorradfahrern mit dem Autoreisezug, insbesondere auf Strecken wie Hamburg-Innsbruck und Hamburg-Lörrach, und vergleicht diese mit Alternativen wie der Anreise auf eigener Achse oder mit der Fähre.

Autoreisezug: Eine bequeme Alternative?

Früher war der Autoreisezug eine große Sache. Von Berlin, Hamburg und anderen Großstädten gab es tolle Verbindungen in den Süden. Die Parole „Güter gehören auf die Bahn“ wurde damals noch ernst genommen. Doch die Deutsche Bahn stellte 2016 eine Verbindung nach der anderen ein.

Einige Reisende berichten von positiven Erfahrungen: Das Verladen verläuft erstaunlich unproblematisch. Ein Einweiser der Bahngesellschaft klebt den Zettel mit dem Zielort an die Windschutzscheibe. Man reiht sich ein und fährt über eine Rampe in die untere Etage der Fahrzeugwaggons, bis man seinen Stellplatz erreicht hat. Dort kommt die Maschine auf den Seitenständer und wird von Bahnarbeitern routiniert verzurrt. Nur Vorsicht: Die untere Etage der Waggons ist nicht sehr hoch. Also Scheibe herunterfahren und mit Brust auf dem Tank vorsichtig nach vorne.

Nach dem Verladen kann man sich im Speisewagen entspannen oder im Schlafwagenabteil die Fahrt genießen. Als man am nächsten Morgen wieder erwachte, rauschte bereits die Etsch neben der Eisenbahnstrecke. Mit leichter Verspätung rollte der Zug in Verona P. N. ein. Dann verlief alles ganz unkompliziert: Wir stiegen aus, warfen einen Orientierungsblick in die Runde. Einer nach dem anderen rollte auf seiner Maschine tief geduckt über die Rampe auf festen Boden.

Die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) räumt ein, daß ihr Autoreisezug-Angebot vor allem von einer zahlungskräftigeren Kundengruppe genutzt wird, die ihre Rundreise durch Italien unmittelbar vor Ort beginnen will. Dem entsprechen auch unsere Beobachtungen und Unterhaltungen an den Verladestationen: Oldtimer und Cabrios vor allem, die materialschonend ins Zielgebiet gebracht werden sollen. Motorradgruppen oft aus Skandinavien, die von Verona aus eine Woche durch die Dolomiten oder die Toskana touren wollen. Und eben Leute wie wir, die der Weg noch viel weiter nach Süden führt und denen es keine Extra-Woche wert ist, um in ihr Zielgebiet zu gelangen.

Die Verladung ist unproblematisch, verlangt jedoch auf den Waggons ein wenig Geschick. Die Schlafwagenabteile sind ok. Luxus wird hier niemand erwarten. Immerhin, man spart 2 Tage Zeit und kommt ausgeruht an. Wer sich Essen im Speisewagen bestellt, wird kaum schlechter bedient als in einer Autobahnraststätte.

Vor- und Nachteile des Autoreisezugs

Es gibt jedoch auch kritische Stimmen und Herausforderungen:

  • Kosten: Die Strecke Hamburg-Lörrach-Hamburg kann zwischen 886 € und 1.718 € für eine Person mit Motorrad kosten.
  • Verlässlichkeit: Fahrten können ausfallen (z.B. durch Streik oder Baustellen).
  • Service: Einige Reisende bemängeln den Service bei der Verladung und den Zustand der Abteile.
  • Gepäck: Es kann Probleme mit der Gepäckmitnahme geben.

Einige Reisende berichten von schlechten Erfahrungen mit der Verladung und dem Zustand der Motorräder nach der Fahrt. Es wird empfohlen, Decken, Lappen, eigene Seile und Spanngurte mitzunehmen, um das Motorrad zusätzlich zu schützen.

Einige Tipps für die Fahrt mit dem Autoreisezug:

  • Nimm Dir was zum Augen abdunkeln mit.
  • Oropacks sind nicht schlecht.
  • Pack’ Dir eine kleine Tasche zum mit in den Zug nehmen und laß’ den Rest (gut verzurrt - aber auch nicht anders als zum fahren) auf dem Motorrad.

Alternativen zum Autoreisezug

Neben dem Autoreisezug gibt es weitere Möglichkeiten, um mit dem Motorrad in den Süden zu gelangen:

  • Anreise auf eigener Achse: Diese Option ermöglichtFlexibilität und die Erkundung interessanter Strecken, ist aber zeitaufwendig und kann anstrengend sein.
  • Fähre: Eine Kombination aus Autoreisezug und Fähre kann eine gute Alternative sein, um Zeit und Kosten zu sparen.
  • Motorradtransport per Spedition: Für längere Strecken kann der Transport des Motorrads per Spedition eine Option sein.

Motorradtour mit Autoreisezug und Fähre

Eine Motorradtour mit Autoreisezug und Fähre kann eine kluge Variante sein: Einfach mit dem Autoreisezug nach Verona fahren, dann auf eigener Achse bis Genua und von dort aus mit der Fähre nach Palermo.

Das Beladeverfahren verläuft wie in allen Fährhäfen unseres Kontinents: Beim Außenposten zeigen wir unsere Papiere (Personalausweis + Buchungsunterlagen) vor und beziehen Warteposition am zugewiesenen Platz. Ein halbes Dutzend Motorräder gesellt sich zu uns. Wer auf der Linie nach Palermo den Standard der Skandinavienfähren anlegt, wird in Genua wahrscheinlich eher enttäuscht werden. Vielmehr ist der Verladevorgang das reine Chaos. Man wird erst hier eingewiesen, dann dort, um schließlich doch wieder umdirigiert zu werden. Alles verläuft vollkommen frei von vernünftiger Planung, geschweige denn gelassenem Vorgehen.

Praktisch ist es bei Fährtransfers immer, sich eine Tasche mit den notwendigsten Übernachtungssachen mit in die Kabine zu nehmen. Die Koffer bleiben an der Maschine. Wer nicht gerade im First Class Restaurant tafeln will, ist gut beraten, die Wartezeit bis zum Verladen zum Einkauf in den hafennahen Länden zu nutzen und seine Mahlzeiten in der Kabine einzunehmen.

Das Schönste am Fährtransfer ist die 20stündige Mini-Kreuzfahrt bei strahlendem Wetter. Wir machen es uns ab Oberdeck gemütlich, blinzeln in den stahlblauen Himmel, während sich unser Schiff mit 21 kn durch das spiegelglatte Mittelmeer pflügt. Am Abend laufen wir in den Hafen von Palermo ein und finden - ei Wunder - unsere Maschinen brav aufrecht stehend im Fahrzeugdeck wieder.

Kostenvergleich: Autoreisezug vs. Selbstfahrt vs. Fähre

Die folgende Tabelle zeigt einen Kostenvergleich zwischen den verschiedenen Anreisemöglichkeiten:

Option Kosten Vorteile Nachteile
Autoreisezug 886 - 1.718 € (Hamburg-Lörrach-Hamburg, eine Person mit Motorrad) Zeitersparnis, entspannte Anreise Hohe Kosten, mögliche Unzuverlässigkeit, Servicequalität
Selbstfahrt Variabel (abhängig von Strecke, Verbrauch, Maut, Übernachtungen) Flexibilität, Erkundung der Strecke Zeitaufwendig, anstrengend, Reifenverschleiß
Fähre Variabel (abhängig von Strecke, Kabinenkategorie) Entspannte Überfahrt, Mini-Kreuzfahrt Verladevorgang kann chaotisch sein
Spedition ca. 150 € (bundesweit) Bequemer Transport, keine Anreisekosten Unflexibel, Motorradtransport

Wer die Kosten einzukalkulieren bereit ist, für den ist ein Motorradtransfer mit dem Autoreisezug durchaus eine Überlegung wert.

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