Motorradtour mit Autozug und Fähre: Erfahrungen und Überlegungen

Lohnt sich eine Motorradtour mit Autoreisezug und Fähre, um über weite Strecken Zeit und Kosten zu sparen? Bei der Planung einer Tour stellt sich oft die Frage, ob die Anfahrt auf eigener Achse zurückzulegen ist oder ob es eine komfortablere Alternative gibt. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen mit dem Autozug und der Fähre als Transportmittel für Motorräder und gibt Aufschluss darüber, ob sich diese Option lohnt.

Die Anreise: Autozug als Alternative

Früher war der Autoreisezug eine große Sache mit tollen Verbindungen in den Süden. Doch die Deutsche Bahn stellte 2016 eine Verbindung nach der anderen ein. Nun musste man weitere Strecken zurücklegen, um den Autoreisezug zu erreichen. In Hamburg stießen wir auf eine Biker-Truppe, die das gleiche Ziel ansteuerte. Nachdem wir uns dem erfahrenen Leitwolf angeschlossen hatten, standen wir schon kurz darauf an der Verladerampe.

Das Verladen verläuft erstaunlich unproblematisch: Ein Einweiser der Bahngesellschaft klebt den Zettel an die Windschutzscheibe. Man reiht sich ein und fährt über eine Rampe in die untere Etage der Fahrzeugwaggons, bis man seinen Stellplatz erreicht hat. Dort kommt die Maschine auf den Seitenständer und wird von Bahnarbeitern routiniert verzurrt. Nur Vorsicht: Die untere Etage der Waggons ist nicht sehr hoch. Also Scheibe herunterfahren und mit Brust auf dem Tank vorsichtig nach vorne.

Nach dem Verladen zogen wir uns zunächst in den Speisewagen und genossen ein durchaus akzeptables Abendessen. Vom Schlafwagenabteil verfolgten wir die Fahrt, bis uns der Schlaf übermannte. Als wir am nächsten Morgen wieder erwachten, rauschte bereits die Etsch neben der Eisenbahnstrecke. Mit leichter Verspätung rollte unser Zug in Verona ein. Dann verlief alles ganz unkompliziert: Wir stiegen aus, warfen einen Orientierungsblick in die Runde. Einer nach dem anderen rollte auf seiner Maschine tief geduckt über die Rampe auf festen Boden.

Die zweite Etappe: Von Verona nach Genua

Zunächst bringt die Autobahn unser Zweierteam flott auf Südwestkurs Richtung Genua. Dann aber wird es richtig interessant auf den letzten 90 km auf der A7 zwischen Tortona und Genua. Für mich ist das fahrerisch die interessanteste Autobahnstrecke in Italien. Erst kurvt sie in schönen Schwüngen den Apennin hoch. Da kann man sich die SS 45 über Piacenza - Bobbio getrost sparen. Es sei denn, man bringt sehr viel Zeit mit und möchte das nördliche Mittelgebirge näher erkunden.

Fährüberfahrt: Genua - Palermo

Das Beladeverfahren verläuft wie in allen Fährhäfen unseres Kontinents: Beim Außenposten zeigen wir unsere Papiere (Personalausweis + Buchungsunterlagen) vor und beziehen Warteposition am zugewiesenen Platz. Ein halbes Dutzend Motorräder gesellt sich zu uns. Wer auf der Linie nach Palermo den Standard der Skandinavienfähren anlegt, wird in Genua wahrscheinlich eher enttäuscht werden. Nicht wegen der endlosen LKW-Auflieger, die eine Stunde lang aus dem Bauch unserer M/N Excelsior herausrollen.

Vielmehr ist der Verladevorgang das reine Chaos. Man wird erst hier eingewiesen, dann dort, um schließlich doch wieder umdirigiert zu werden. Alles verläuft vollkommen frei von vernünftiger Planung, geschweige denn gelassenem Vorgehen. Wer aber Spaß an Clownerien hat und seine Maschine ihrem Schicksal überlassen möchte, der ist im abgasgeschwängerten Schiffsinneren der M/N Excelsior bestens bedient. Aber schließlich ging alles doch irgendwie.

Praktisch ist es bei Fährtransfers immer, sich eine Tasche mit den notwendigsten Übernachtungssachen mit in die Kabine zu nehmen. Die Koffer bleiben an der Maschine. Wer nicht gerade im First Class Restaurant tafeln will, ist gut beraten, die Wartezeit bis zum Verladen zum Einkauf in den hafennahen Länden zu nutzen und seine Mahlzeiten in der Kabine einzunehmen.

Das Schönste am Fährtransfer ist die 20stündige Mini-Kreuzfahrt bei strahlendem Wetter. Wir machen es uns ab Oberdeck gemütlich, blinzeln in den stahlblauen Himmel, während sich unser Schiff mit 21 kn durch das spiegelglatte Mittelmeer pflügt. Am Abend laufen wir in den Hafen von Palermo ein und finden - ei Wunder - unsere Maschinen brav aufrecht stehend im Fahrzeugdeck wieder. Über die lange Rampe rollen wir an Land, wo uns gleich uns der chaotische sizilianische Feierabendverkehr verschlingt. Aber unser Hotel ist nicht weit.

Kosten und Nutzen: Für wen lohnt sich der Autozug?

Die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) räumt ein, daß ihr Autoreisezug-Angebot vor allem von einer zahlungskräftigeren Kundengruppe genutzt wird, die ihre Rundreise durch Italien unmittelbar vor Ort beginnen will. Dem entsprechen auch unsere Beobachtungen und Unterhaltungen an den Verladestationen: Oldtimer und Cabrios vor allem, die materialschonend ins Zielgebiet gebracht werden sollen. Motorradgruppen oft aus Skandinavien, die von Verona aus eine Woche durch die Dolomiten oder die Toskana touren wollen. Und eben Leute wie wir, die der Weg noch viel weiter nach Süden führt und denen es keine Extra-Woche wert ist, um in ihr Zielgebiet zu gelangen.

Wer die Kosten einzukalkulieren bereit ist, für den ist ein Motorradtransfer mit dem Autoreisezug durchaus eine Überlegung wert. Die Verladung ist unproblematisch, verlangt jedoch auf den Waggons ein wenig Geschick. Die Schlafwagenabteile sind ok. Luxus wird hier niemand erwarten. Immerhin, man spart Zeit und kommt ausgeruht an. Wer sich Essen im Speisewagen bestellt, wird kaum schlechter bedient als in einer Autobahnraststätte.

Der Zeitfaktor schlägt natürlich bei der inneritalienischen Strecke noch viel stärker zu Buche. Eine Woche mit Ruhetag wäre von Verona bis Palermo wohl zu veranschlagen, besonders in der Sommerhitze. Anders ist es jedoch, wenn man sich auf der Anreise einiges ansehen oder bestimmte Strecken fahren möchte. Aber es geht schon in die Knochen. Beim Fährtransfer kehrt sich der Kostenvergleich drastisch gegenüber der Selbstfahrt um.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Die Verladung ist unproblematisch, erfordert aber etwas Geschick.
  • Die Schlafwagen sind zweckmäßig, aber nicht luxuriös.
  • Man spart Zeit und kommt ausgeruht an.
  • Die Kosten sind höher als bei der Anreise auf eigener Achse.

Tabelle: Kostenvergleich Autozug vs. Selbstfahrt (Beispiel)

Kostenfaktor Autozug (Beispiel) Selbstfahrt (Beispiel)
Transportkosten (Zug/Fähre) 886 - 1718 € -
Benzin - Ca. 300-500 € (abhängig von Strecke und Verbrauch)
Mautgebühren - Ca. 50-100 €
Übernachtungen (Zwischenstopps) - Ca. 100-300 €
Verschleiß (Reifen, etc.) Geringer Höher
Zeitaufwand Geringer Höher
Ermüdung Geringer Höher

Fazit

Auf meiner Motorradtour mit Autoreisezug und Fähre haben wir insgesamt gute Erfahrungen gemacht und würden eine Motorradtour mit weit entferntem Zielgebiet wieder so planen. Für eine kürzere Tour würde ich jedoch die Anreise durch Deutschland in Form einer eigenen Tour gestalten.

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