Baiersbronn Classic Motorrad Treffen: Eine Hommage an den Motorsport

Ende September rollten beim Baiersbronn-Classic wieder 64 Motorräder, darunter 10 Gespanne, an die Startlinie. Die Baiersbronn Classic erinnert an das legendäre Ruhestein Bergrennen vom 21. Juli 1946 - das erste Motorsportereignis nach dem Krieg in Deutschland.

„Schwarzwald-Rallye für Genießer“ wird die Baiersbronn Classic auch genannt. Die Baiersbronn Classic trägt ihren Beinamen „Schwarzwald-Rallye für Genießer“ zurecht, denn Baiersbronns Spitzenköche haben während des Rallye-Wochenendes viele kulinarische Überraschungen parat.

Anschauen ist das eine, aber nichts geht über den Sound einer Honda Four, Kawasaki Z oder Benelli 750 Sei. Auch die BMW Boxer Modelle aus den verschiedensten Baujahren und insbesondere die Vorkriegs-Klassiker erhielten von den zahlreichen Zuschauern begeisterten Beifall. Wann erlebt ein Motorradfahrer schon mal, dass er in einem Naturpark gefeiert und aufgefordert wird, am Gasgriff zu drehen? Da war der Gleichmäßigkeitsmodus schnell egal und nur der Spaß zählte.

Historischer Hintergrund

Das erste Ruhestein-Rennen startete wenige Monate nach Kriegsende. In diesem Sommer traten über 100 Motorrad- und Rennwagenfahrer an, um sich an der knapp acht Kilometer langen Bergstrecke zu messen. Zwar blieb es bei dieser einzigen Auflage, doch ging sie in die Motorsport-Geschichtsbücher ein, da es das erste Rennen in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg war.

Am Sonntag, dem 21. Juli 1946 fand das legendäre Bergrennen trotz zerstörter Straßen, Benzinknappheit, schwieriger Reisebedingungen und einer dramatischen Ersatzteilsituation statt. Große Begeisterung, noch mehr Idealismus und kreative Ingenieurskunst überwanden alle Widrigkeiten.

Für vier Reichsmark Eintritt feierten über 30.000 rennbegeisterte Zuschauer ihre ersten Motorsport-Helden nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Starterliste verzeichnete viele große Namen des damaligen Motorsports - insgesamt mehr als 100 Fahrer mit Autos und Motorrädern der Marken BMW, Bugatti, Morgan, Maserati und MG.

Radio Stuttgart berichtete sogar live von der Wiedergeburt des Motorsports in Deutschland und dem großen Sieger des Tages: Hermann Lang, der mit 1,6 Sekunden Vorsprung auf seinem Mille-Miglia BMW von 1940 den Sieg eingefahren hatte.

Ablauf und Besonderheiten der Baiersbronn Classic

Der dritte Tag der Rallye startete traditionsgemäß in Obertal am Originalschauplatz des legendären Ruhestein-Bergrennens. Los ging es pünktlich. Motorräder von mehr als 20 Herstellern reihten sich auf. Darunter waren acht Vorkriegsmotorräder und elf Gespanne.

Gut gefeiert hatten die Teilnehmer der Baiersbronn Classic am Abend zuvor im Kulturpark Glashütte Buhlbach, wo sie nach ihrer Zieldurchfahrt von der „Lebenden Musikbox“ empfangen wurden. In einem Trabbi sitzend, gab das Duo alles, um bei schlechtem Wetter die Wünsche ihrer Zuhörer - Schlager, Oldies und weitere Gassenhauer - zu erfüllen.

So, wie es tags zuvor aufgehört hatte, ging es am Samstagmorgen mit dem Regen weiter. Veranstaltungsleiterin Laura Klumpp und Maren Kohler waren dennoch bester Laune, denn die von ihnen organisierte Veranstaltung lief reibungslos.

„Es war schon viel Arbeit im Vorfeld, und es mussten einige Absprachen getroffen werden, doch die Teilnehmer sind sehr zufrieden“, sagte Klumpp. „Die Musikbox gestern kam richtig gut an, und die Teilnehmer sind happy“, ergänzte Kohler.

Bürgermeister Michael Ruf und Tourismusdirektorin Christina Palma Diaz schickten zunächst die Oldtimer auf vier Rädern auf die Strecke hinauf zum Ruhestein. Über Oppenau und Bad Peterstal ging es nach Wolfach, wo das Hotel Bareiss mit einer kulinarischen Stärkung in Form von einer Salatbowl mit Teriyaki-Hähnchenspieß auf die Rallyefahrer wartete.

Auch die Hotels Traube Tonbach - in Sasbachwalden -, Sackmann in Schwarzenberg und Engel in Obertal hatten sie an den Tagen zuvor mit kleinen Köstlichkeiten überrascht.

Über Schiltach, Dornhan und Loßburg ging es zur Mittagspause zu Alpirsbacher Klosterbräu und weiter nach Freudenstadt zur Wertungsprüfung, bevor das Ziel Obertal über den Kniebis und den Ruhestein angesteuert wurde. Am Samstagnachmittag konnte man die Oldtimer auch auf dem Freudenstädter Marktplatz bestaunen.

Auch im Motorrad-Fahrerlager herrschte schon früh Trubel. Ecke Möhrle hatte die Rennleitung von seinem Cousin Walter Möhrle übernommen und war ein gefragter Ansprechpartner. „Ich bin selbst schon zweimal mitgefahren und kenne viele Teilnehmer, aber in der Verantwortung bin ich heute das erste Mal“, sagte Ecke Möhrle. Sein Cousin stand ihm aber tatkräftig zur Seite.

„Wir haben ein volles Starterfeld mit 64 Teilnehmern“, berichtete Ecke Möhrle. „Der älteste Fahrer, Giuseppe Lucchinetti, ist 88 Jahre alt, der jüngste Starter, Toni Broß, ist 17.“

Lucchinetti, dessen Devise „Motorradfahren hält jung“ lautet, kam spät ins Fahrerlager, begrüßte alle und freute sich über das Wiedersehen. Lutz Degenkolb hatte mit der ältesten Maschine, einer Triumph 500 Trusty aus dem Jahr 1912 mit vier PS, den letzten Startplatz.

„Ich war schon neun Mal dabei, aber heute bin ich mit dieser Rarität am Start. Die Maschine kommt ursprünglich aus England“, erzählte er. Da sein Motorrad kein Getriebe hat, sei es nicht nur schwierig anzuhalten, auch für den Start standen schon junge Helfer parat, um anzuschieben, doch am Ende schaffte er es aus eigener Kraft. „Wenn es fährt, fährt es“, stellte Degenkolb mit einem Augenzwinkern fest.

Am Ende belegte der älteste Teilnehmer Platz 28, und auch das älteste Motorrad kam tatsächlich auf dem Ruhestein an und schloss mit Platz 31 ab. Der jüngste Fahrer, Toni Broß, freute sich über Platz sechs.

Der Oestol Ruhestein Bergpreis

Es war eine Rudge, die beim Ruhestein Bergrennen 1946 den Streckenrekord aufstellte. Mit durchschnittlich 98,63 km/h bewältigte Josef Faistenhammer die acht Kilometer lange kurvige Bergstrecke in 4:52 Minuten.

Im Gedenken an diese spektakuläre Fahrt wird traditionell am Samstag der Baiersbronn Classic der große Oestol Ruhestein Bergpreis für Motorräder ausgelobt. Auf ihren Maschinen folgen die Fahrenden der historischen Rennstrecke von 1946. Heute geht es jedoch nicht mehr um Tempo, sondern um zeitliche Präzision während der Gleichmäßigkeitsfahrt.

Zugelassen sind Motorräder bis Baujahr 1975.

Zeitplan des Ruhestein Bergpreises für Motorräder

  • ab 08:00 Fahrzeugabnahme, Startnummernausgabe und Fahrerbriefing für Motorräder, Feuerwehr-/Bergwachtgebäude Obertal
  • 9.30 Uhr Start Automobile
  • ca. 11:20 Start zum großen Ruhestein-Bergpreis für Motorräder in Baiersbronn-Obertal
  • ab 13:00 Zieleinfahrt am Rosenplatz Baiersbronn
  • ca. 14:00 Siegerehrung am Rosenplatz Baiersbronn

Die Baiersbronn Classic 2025

Viele Teilnehmer hätten bereits ihren Start 2025 zugesagt, so Palma Diaz. Erst einmal sprach sie aber großen Dank aus: „allen Helfern, Unterstützern und meinem Team, die eine Wahnsinnsleistung vollbracht haben“.

Auch im Jahr 2025 erwarten uns wieder viele spannende Rennen rund um die fahrenden Klassiker. Liebhaber historischer Fahrzeuge können sich auf eine Vielzahl von Veranstaltungen freuen, die sowohl für Fahrer als auch für Zuschauer einzigartige Erlebnisse versprechen.

Egal, ob Sie ein Oldtimer-Besitzer sind, der an einer Rallye teilnehmen möchte, oder ein Fan, der die Schönheit dieser zeitlosen Maschinen bewundern möchte, 2025 bietet zahlreiche Gelegenheiten, Ihre Leidenschaft zu leben. Wir freuen uns darauf, Sie bei einem dieser fantastischen Events zu sehen!

Restplätze für die Baiersbronn Classic 2025 sind noch verfügbar. Anmeldungen sind über unser Online-Anmeldeformular möglich (Fahrzeuge bis Baujahr 1979 sind jetzt teilnahmeberechtigt).

Termine Oldtimer-Rallyes Highlights 2025

Datum Veranstaltung Land Ort/Start der Rallye
04.01. - 05.01.2025 Dakar Classic Rallye SAU Sea Camp
09.01. - 11.01.2025 Planai-Classic Rallye AUT Gröbming
06.12. - 09.12.2025 Rallye 2025 LeJog GBR Land´s End - John O´Groats

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