Wenn man von Jagdverhalten beim Hund spricht, dann ist eine Verhaltenskette gemeint, die beispielhaft aus den folgenden Elementen besteht:
- Ausschau halten (Appetenzverhalten)
- Anschleichen
- Fixieren
- Hetzen
- Packen
- Töten
- Fressen
Nicht jeder Hund in Privathand, hat alle Elemente (zum Glück). Für den Nicht-Jäger wird das Jagdverhalten des Hundes vor allem dann problematisch, wenn er:
- das Ausschauhalten zeigt, also quasi eine Weg-Phobie hat = den Weg verlässt, um nach Wildspuren und potentieller Beute zu suchen, indem er auf gut Glück Wildspuren ausarbeitet oder das Gelände durchstöbert
- das Hetzen zeigt, indem er Wild verfolgt
Das Packen und Töten ist meist nur dann ein größeres Problem, wenn es in Kombination mit dem Hetzen vorkommt.
Ursachen für das Jagdverhalten
Hunde reagieren generell auf Bewegungen. Je schneller ein Radler, Skater oder Jogger unterwegs ist, desto eher reagiert der Hund. Manche Hunde rennen hinterher, weil der Jagdtrieb rauskommt. Das kommt ganz auf den Hund an.
Es ist übrigens ein Trugschluss, zu denken, dass Hütehunde kein Jagdverhalten zeigen, denn Hüteverhalten ist nichts anderes als umgewandeltes Jagdverhalten (bzw. bestimmte Teile davon). Border Collies beispielsweise zeigen aus der Bewegungsabfolge des Jagens besonders ausgeprägt das „Fixieren“ in geduckter Körperhaltung mit „Anpirschen“ und anschließendem „Hetzen“.
Diese Neigung von Hütehunden, bewegliche Objekte zu fixieren und zu hetzen, kann dem Hütehundbesitzer, der kein Schäfer ist, im Alltag auf dem täglichen „Gassigang“, große Probleme bereiten. Solch bewegliche Objekte können dann beispielsweise Radfahrer:innen, Skateboardfahrer:innen und Jogger:innen sein.
Verhaltensweisen von Hunden gegenüber Radfahrern
Manche Hunde drehen um, sobald sie den Radler oder Jogger eingeholt haben. Andere Hunde versuchen den Radler zu stoppen, indem sie ihn anspringen oder nach den Füßen schnappen. Problematisch wird es, wenn der Hund anfängt, das Rad zu umkreisen.
Ob es ein Hund tatsächlich schlecht mit Ihnen meint, wissen Sie meist erst, wenn Sie angehalten haben. Auch hier gilt, je steifer und angespannter der Hund ist, desto aggressiver ist er. Wedelt er beispielsweise langsam und steif mit der Rute, ist dies ein Anzeichen für einen angespannten Hund.
Trainingsansätze zur Kontrolle des Jagdverhaltens
Kann man den Jagdinstinkt des Hundes abtrainieren bzw. unterbinden? Nein! Es geht bei so einem Training immer darum, das Jagdverhalten zu kontrollieren, also den Hund so gut zu trainieren, dass er sich stoppen oder abrufen lässt.
Es ist also auch aus dieser Sicht sinnvoll, eher zu versuchen, das jagdliche Interesse des Hundes zu kanalisieren, also umzulenken auf adäquate Ersatzbeschäftigung aus dem Bereich Nasenarbeit und Apportieren und Bewegung - wie z.B. das Longiertraining für Hunde.
Außerdem steht natürlich die gute Erziehung des Vierbeiners bzw. Beschäftigung im Vordergrund:
- Beschäftigung (rassengerecht, physisch als auch geistig im richtigen Maß) = der Hund ist im Anschluss an die Beschäftigung entspannt und ihm fallen die anderen Schwerpunkte leichter umzusetzen
- Orientierung am Menschen (Aufmerksamkeitstraining) = ca. Impulskontrolle
- stabiles Erregungsniveau (Entspannung und Impulskontrolle) = der Rasse entsprechend sich entspannt durch die Natur zu bewegen und nur bei sehr starken Reizen
- Spaziergänge mit der langen Leine/Schleppleine und Radius-Training = um das Ziel zu erreichen, das der Hund sich in annehmbarer Distanz zum Menschen und auf dem Weg aufhält, die Leine wird nur benötigt, um bei Wildkontakt den Hund an der Selbstbelohnung zu hindern, ansonsten hängt sie locker durch oder schleift in Trittnähe.
Umgang mit der Situation
In jedem Fall sollten Sie die Geschwindigkeit reduzieren. Wenn das nicht hilft, halten Sie an und ignorieren den Hund möglichst. Die meisten Hunde verlieren schon die Lust, wenn es nicht mehr so schnell dahingeht, andere erst, wenn Sie wirklich angehalten haben. Bitte auch jetzt den Hund nicht ansprechen, sondern warten, bis der Halter ihn wieder eingesammelt hat.
Als Erstes rufen Sie Ihren Hund ab. Wenn das nicht klappt, bitten Sie den Jogger oder Radler, anzuhalten. Dann gehen Sie so schnell wie möglich zu Ihrem Hund. Ist es das erste Mal passiert, sollten Sie darauf achten, Ihren Hund in Gebieten mit vielen Joggern und Radlern angeleint zu lassen. In jedem Fall sollten Sie sich beim Jogger oder Radler entschuldigen und Ihren Hund direkt anleinen, sobald Sie ihn wiederhaben. Bestrafen Sie Ihren Hund nicht, denn das verknüpft er nicht mehr mit dem vorangegangenen Fehlverhalten.
Schleppleinentraining
Generell sollten Sie während des Trainings nur noch angeleint mit dem Hund unterwegs sein, denn momentan können Sie nicht garantieren, dass Ihr Hund niemandem hinterherjagt. Mit Hilfe der Schleppleine können Sie dann weitere verschieden Übungen aufbauen, die alle zusammengenommen wie ein Baukastensystem helfen, das Problem zu lösen. Wertvolle Dienste, um den Selbstbelohnungseffekt zu unterbinden und um unerwünschtes Verhalten auf dem Spaziergang zu verhindern, leistet die Schleppleine.
Eine Schleppleine ist eine lange Leine (5 bis max. 10 Meter lang), die immer nur im Zusammenhang mit einem Brustgeschirr verwendet werden darf. Mit der Schleppleine verhindern Sie zum einen, dass sich der Hund selbst belohnt, denn er kann nun nicht mehr hinter irgendetwas herlaufen. Zum anderen ist die Schleppleine äußerst nützlich bei der Durchführung der Übungen auf dem Spaziergang, wie zum Beispiel für das Radiustraining, das Rückruftraining oder um dem Hund beizubringen auf dem Weg zu bleiben.
Radiustraining
Eine der wichtigsten Übungen, die mit Hilfe der Schleppleine aufgebaut werden können, ist es dem Hund beizubringen einen bestimmten Radius um Sie herum nicht zu verlassen. Ist Ihr Hund nämlich weit weg von Ihnen und es taucht unerwartet eine Ablenkung auf, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Hund auf Ihren Rückruf reagiert oder sich stoppen lässt.
Empfehlenswert ist es, mit einem kleinen Radius im Training anzufangen und diesen dann Schritt für Schritt zu erweitern. Zu Beginn sollte er nicht größer als 3 Meter sein. Schritt für Schritt kann der Radius dann bis auf 10 Meter (später max. 15 -20 Meter) erweitert werden. Wie gesagt ist es aber auch von Hund zu Hund unterschiedlich, wie weit man ihn weglassen kann.
Blickkontakt trainieren
Dies ist eine ganz einfache Grundübung. Die meisten Hunde drehen sich auf dem Spaziergang immer mal wieder um und schauen dabei nach ihrem Menschen. Viele Menschen nehmen dies zwar wahr, belohnen den Hund aber für dieses Verhalten leider nicht. Deshalb ist es sehr sinnvoll, spontanes Anschauen des Menschen seitens des Hundes zu belohnen.
Den Blickkontakt zu seinem Menschen auf ein bestimmtes Signal hin zu trainieren, ist eine weitere hilfreiche Übung für Hunde auf dem täglichen Spaziergang. Denn schaut der Hund seinen Menschen erst an, ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass der Hund nachfolgende Signale auch mitbekommt.
Rückruftraining
Auf ein Rückrufsignal zu reagieren, ist letztendlich eine Lebensversicherung für Ihren Hund. Dass ein Hund kommt, den man ruft - so glauben viele Menschen - sei eine Selbstverständlichkeit. Oft wird der Fehler gemacht, dass beim Welpen oder Junghund der Rückruf zu früh benutzt wird, ohne dass er durch intensives Üben genügend gefestigt wurde.
Übrigens: Auch ältere Hunde können noch ein sicheres Rückrufsignal erlernen. Manchmal ist es sinnvoll, ein neues Signal zu verwenden.
Verhaltenstipps für Radfahrer
Laufen beziehungsweise fahren Sie vorausschauend. Machen Sie sich bemerkbar! Klingeln Sie frühzeitig, so hat der Halter die Chance, seinen Hund abzurufen und anzuleinen. Reduzieren Sie die Geschwindigkeit beim Vorbeilaufen oder -fahren. Das ist erstens generell rücksichtsvoll und zweitens können Sie so zur Not rechtzeitig anhalten, falls der Hund doch nach vorne springt und verhindern somit womöglich einen Unfall.
Verhalten nach einem Unfall
Als erstes sollten Sie den Hund wegnehmen und sichern, dann schauen was passiert ist und ob Sie helfen können. Tauschen Sie gegenseitig die Kontaktdaten aus und melden Sie den Unfall der eigenen Versicherung - eine Hundehaftpflichtversicherung sollte jeder Hundehalter haben.
Zusammenarbeit für mehr Sicherheit
Mit gegenseitiger Rücksicht auf jeden Fall! Wenn sich Jogger oder Radler frühzeitig bemerkbar machen und ihre Geschwindigkeit reduzieren, ist das eine große Hilfe für alle Hundehalter. Im Gegenzug sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, seinen Hund abzurufen und bei sich zu halten, wenn Radler, Jogger und Co. vorbeikommen.
Genauso wie Sie natürlich einen Hund an der Leine sichern sollten, wenn dieser zum Hinterherjagen neigt. Passiert es doch einmal, dass ein Hund hinterherrennt: Seien Sie als Gejagter nicht zu ungnädig mit dem Halter.
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