Hund jagt Radfahrer: Ursachen und Prävention

Viele Hunderassen wurden ursprünglich für die Jagd gezüchtet, doch in unserem heutigen Alltag kann der angeborene Jagdtrieb schnell zu einem Problem werden. Egal ob Reh, Feldhase, Vogel oder die Nachbarskatze - manche Hunde jagen einfach hinter allem her, was sich bewegt. Somit kann der tägliche Spaziergang mit dem geliebten Vierbeiner wahrhaftig zum Spießrutenlauf werden.

Ursachen des Jagdtriebs

Tatsache ist, die Veranlagung zum Jagen ist genetisch bedingt. Den Jagdinstinkt verdanken Hunde ihren Urahnen, den Wölfen. Wie stark der Jagdtrieb ist, hängt von der Hunderasse ab. Ob und wie schnell das Jagdverhalten des Hundes ausgelöst wird, hängt also vom jeweiligen Erbgut ab. Das Fatale: Haben Hunde einmal gejagt, werden sie dieses Jagdverhalten immer wieder zeigen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Stimmungsübertragung.

Der Grund dafür: Glückshormone. Im Körper des Hundes werden beim Jagen Endorphine freigesetzt, die sie in eine Art Glückszustand versetzen. Die Hunde brauchen gar nicht zwingend den tatsächlichen Jagderfolg, um diesen „Rausch“ zu erleben. Das erlebte Glücksgefühl ist dabei so stark, dass den Hund alles andere nicht mehr interessiert. Da kann sein Besitzer noch so sehr schimpfen. Das Beste wäre also, dass der Hund niemals in die Situation kommt zu jagen, so dass er die Glücksgefühle gar nicht kennenlernt. Entsprechend schwierig ist es, dem Hund das Jagen wieder abzugewöhnen.

Die Gefahren des Jagdtriebs

Schließlich bringt der Hund mit seinem Verhalten nicht nur das gejagte Tier, sondern auch sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr. Ratlos bis resignierend sehen viele Besitzer zu, wie ihr geliebter Vierbeiner, vom Jagdtrieb gepackt, sich losreißt und wegrennt. Um zu verhindern, dass der Hund zu einem Sicherheitsrisiko wird, greifen die meisten Hundehalter vernünftigerweise zur Leine. Tatsächlich gibt es extreme Jagdgebrauchshunde, die selbst nach einem Antijagdtraining den Jagdimpuls nicht unterdrücken können. Diese Hunde müssen leider ein Leben lang an die Schleppleine.

Antijagdtraining: Kontrolle statt Unterdrückung

Dann ist es an der Zeit ein Antijagdtraining mit dem Hund zu starten. Um den Hund dazu zu bringen, von seinem geliebten „Hobby“ abzulassen, muss man ihn überzeugen, dass das Kontrollieren des Jagdimpulses positivere Folgen für ihn hat als das Jagen selbst. Er muss lernen, dass es sich lohnt, bei seinem Herrchen zu bleiben. Und zwar nicht nur, weil dieser ein paar Leckerlis in der Tasche hat, sondern weil er mit seinem Menschen zusammen aufregender Abenteuer erleben kann. Der Jagdtrieb des Hundes lässt sich damit zwar nicht vollständig „ausschalten“, aber er lässt sich umlenken. Ein Antijagdtraining ist streng genommen also kein Training, durch das dem Hund das Jagen abtrainiert wird. Vielmehr zielt das Training darauf ab, den jagenden Hund kontrollierbar zu machen.

Bestandteile des Antijagdtrainings

Um die Kontrolle über den Hund und sein Verhalten zu erlangen, setzt sich das Antijagdtraining aus verschiedenen Übungen zusammen. Ein Grundgehorsam, bei dem der Hund zuverlässig die wichtigsten Kommandos, wie „Sitz“, „Platz“, „Aus“, „Bei Fuß“ und „Bleib“ beherrscht, ist für ein erfolgreiches Antijagdtraining unabdingbar. Doch keine Sorge: Auch erwachsene Hunde sind in der Lage, diese grundlegenden Kommandos zu lernen. Natürlich gibt es auch hier Hunderassen, die grundsätzlich kooperationsbereiter sind als andere. Zeigen Sie Ihrem Hund, dass sich Gehorsam lohnt. Wann immer er das gewünschte Verhalten zeigt, loben Sie ihren Hund. Üben Sie die Kommandos, wo immer Sie sind: Erst in der Wohnung, dann im eigenen Garten und später auf den gemeinsamen Spaziergängen. Wichtig ist, dass Ihr Hund die Grundkommandos in jeder Situation beherrscht.

Aufmerksamkeit und Bindung

Im Jagdfieber scheinen viele Hunde ihre gute Erziehung plötzlich zu vergessen. Sie rennen davon und hören selbst laute Rufe nicht mehr. Das ist gar nicht so leicht, schließlich sind die Verlockungen im Wald nicht zu unterschätzen. Gerüche, eine interessante Spur oder sogar der Sichtkontakt zum Wild, lenken ihn immer wieder ab. Wichtig ist, dass Ihr Hund Sie als seinen „Rudelführer“ trotz aller Ablenkungen und Sinneseindrücken nicht vergisst. Im Zentrum seiner Aufmerksamkeit müssen immer Sie stehen. Ein wirksames Mittel, die Mensch-Hund-Bindung zu verstärken, ist es, dass Sie Ihren Hund für dessen Aufmerksamkeit belohnen. Sucht er auf dem Spaziergang den Blickkontakt, kommt er hinter Ihnen her, wenn Sie die Richtung wechseln, oder dreht er sich nach Ihnen um, wenn Sie langsamer werden?

Wenn Sie merken, dass Ihr Hund mit seinen Gedanken nicht mehr bei Ihnen ist und nicht reagiert, wenn Sie plötzlich stehen bleiben, verstecken Sie sich doch mal hinter einem Baum. Ihr Hund wird zunächst verwirrt sein und dann nach Ihnen suchen. Belohnen Sie ihn ausgiebig, wenn er Sie gefunden hat.

Alternativen zum Jagen

Ein Hund mit einem starken Jagdtrieb wird sich nicht allein von Leckerlis überzeugen lassen. Dafür ist die Selbstbelohnung durch das Jagen einfach zu groß. Nehmen Sie die Bedürfnisse Ihres Hundes ernst und versuchen Sie seinen Trieb zum Stöbern, Buddeln oder Rennen auf andere Art zu befriedigen. Apportier- und Suchspiele, Dummyarbeit und natürlich Hundesportarten wie etwa Agility, Canicross oder Mantrailing lassen fast jedes Hundeherz höherschlagen. Hunde, die aus Langeweile jagen, werden vom Jagen bald ablassen, wenn Sie merken, dass Sie ihm ausreichend Ersatzbeschäftigung bieten. Vermeiden Sie stumpfes Spazierengehen auf den immer gleichen Wegen und seien Sie kreativ. Vergraben Sie ein Leckerli oder ein Hundespielzeug für Ihren Hund, das er ausbuddeln muss. Seien Sie ein Team und beweisen Sie Ihrem Hund, dass Sie verstehen, was er möchte und dass Sie ihm diese Bedürfnisse auch zugestehen. Viele Hundesportschulen bieten im Rahmen von Mantrailing oder Dummyarbeit ein passendes Jagdersatztraining an.

Impulskontrolle

Beim Antijagdtraining geht es immer auch um Impulskontrolle. Schließlich muss der Hund lernen, seinen Jagdimpuls zu widerstehen. Doch dieses kontrollierte Verhalten widerspricht seiner tierischen Natur und führt naturgemäß zunächst einmal zu Frust. Und wie alles andere auch, lernt er die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung nur, wenn sich dieser Weg als lohnenswert erweist. So muss zum Beispiel ein Hund, der impulsiv an jedem Besucher hochspringt, lernen, dass dies der falsche Weg ist, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ähnlich funktioniert es auch beim Antijagdtraining. Nur wenn der Hund zeigt, dass er seine Impulse beherrschen kann, darf er auf eine Belohnung hoffen. Eine gute Übung zur Impulskontrolle ist es, wenn Sie Ihren Hund durch das Kommando „Platz“ zunächst ablegen lassen und dann einen Dummy werfen. Springt er auf, ohne Ihr nächstes Kommando abzuwarten, ignorieren Sie ihn. Natürlich wird diese Übung nur Erfolg haben, wenn Ihr Hund entspannt und ruhig ist. In diesem Fall sollte sich Ihr Hund erst einmal austoben dürfen. Gehen Sie mit ihm joggen, spielen Sie mit ihm im Garten oder lassen Sie ihn neben Ihrem Fahrrad herlaufen.

Der Superrückruf

Um Ihren Hund beim Waldspaziergang von der Schleppleine zu lassen, müssen Sie sich hundertprozentig auf seinen Rückruf verlassen können. In dieser Situation brauchen Sie etwas Stärkeres als das oft gehörte „Bei Fuß“. Hilfreiche Mittel zum Einüben eines solchen Notfallsignals sind eine Hundepfeife und ein besonderes Leckerli, zum Beispiel ein Stück Fleischwurst. Üben Sie das Kommen mit der Pfeife zunächst zuhause. Sobald Ihr Hund auf Ihren Pfiff zu Ihnen kommt, belohnen Sie ihn mit dem „Super-Leckerli“. Natürlich sollten Sie die Übung nicht zu häufig wiederholen. Haben Sie den Superrückruf erfolgreich trainiert, sollten Sie ihn wirklich nur im Ernstfall einsetzen.

Geduld und Ausdauer

Ein erfolgreiches Antijagdtraining erfordert sicherlich eine Menge Arbeit. Kein Trainer der Welt kann den Jagdtrieb eines Hundes von heute auf morgen abstellen. Es wird immer wieder Rückschläge geben. Und während manche Hunde schon nach ein paar Wochen lernen, ihrem Jagdimpuls zu widerstehen, brauchen andere Hunde dazu fast ein Leben lang. Für welchen Weg Sie und Ihr Hund sich entscheiden: Geben Sie nicht auf!

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