Um den richtigen Motorradhelm zu finden, sind einige Faktoren zu berücksichtigen.
Wichtige Faktoren bei der Auswahl eines Motorradhelms
- Passform: Der Motorradhelm sollte fest auf dem Kopf sitzen und während der Fahrt nicht verrutschen oder gar rotieren können. Jedoch darf es keine Druckstellen geben, die für Kopfschmerzen sorgen. Der Helm sollte oben ums Hutband (wie ein Basecap) fest sitzen. Bei Bewegung des Helms nach rechts oder links sollte sich maximal die Kopfhaut bewegen. Eine Drehung des Kopfes im Helm sollte nicht möglich sein. Druckstellen sollte man aber nicht spüren. Jeder Mensch hat seine eigene Kopfform und jedes Helmmodel seine eigene Passform. Das Wangenpolster darf eng sitzen. Kaugummikauen ist vielleicht nicht möglich. Die Wangenpolster setzen sich mit der Zeit noch. Der enge Sitz des Wangenpolsters ist nötig, da der Helm dadurch stabilen Seitenhalt bietet.
- Schutz: Der Motorradhelm sollte unbedingt zertifiziert sein und aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen, in Europa sind das die ECE 22.05 oder ECE 22.06, in Deutschland werden auch Helme mit der amerikanischen Norm DOT (Department of Transportation) toleriert.
- Gewicht: Ein leichter Motorradhelm ist angenehmer zu tragen und reduziert das Risiko von Hals- und Nackenverletzungen.
- Belüftung: Eine ausreichende Belüftung ist wichtig, um während der Fahrt konzentriert bei der Sache zu sein und Überhitzung zu vermeiden. Gleichzeitig sollte die Helmbelüftung keinen störenden Zug in die Augen zulassen.
- Sicht: Der Motorradhelm sollte ein ausreichendes Sichtfeld bieten, d. h. der Ausschnitt fürs Visier sollte nicht allzu schmal ausfallen. Eine klare Sicht, ohne Schlieren oder Kratzer sind selbstredend.
Verschiedene Bauarten von Motorradhelmen
Neben den verschiedenen Faktoren unterscheiden sich Motorradhelme in ihrer Bauart, die sich in Design, Eigenschaften und Zweck abgrenzen. Hier ein Überblick:
Integralhelme
Die am weitesten verbreitete Helmform bei Motorradhelmen. Größte Auswahl am Markt in allen Preisklassen, u. a. als möglichst leichter Sporthelm oder als üppig ausgestatteter Tourenhelm mit Sonnenblende erhältlich, teilweise bereits mit Kommunikationselektronik ausgestattet oder zumindest damit nachrüstbar.
Vorteile:
Der Integralhelm bietet die beste Sicherheit, weil Kopf- und Kinnteil aus einem Guss sind. Außerdem sind beim Integralhelm Fahrtwindgeräusche bauartbedingt am einfachsten gering zu halten, weshalb er sich - zusätzlich zum Sicherheitsaspekt - am besten für hohe Geschwindigkeiten und lange Strecken eignet.
Nachteile:
Manchen FahrerInnen vermittelt ein Integralhelm ein beengtes Tragegefühl, das Auf- und Absetzen ist bisweilen mühsam, hauptsächlich für Brillenträger.
Jethelme
Diese Motorradhelme haben keinen Kinnschutz und werden gerne für Cruiser, Stadt- und Kurzstreckenfahrten genutzt.
Vorteile:
Der Jethelm bietet ein subjektiv "freieres" Fahrgefühl, bauartbedingt das Maximum an Belüftung, großes Sichtfeld, relativ niedriges Gewicht, da weniger Materialeinsatz.
Nachteile:
Das größte Manko eines Jethelms ist der fehlende Kinn- und Gesichtsschutz. Hinzu kommt, dass Jethelme recht laut sein können.
Klapphelme
Diese Motorradhelme kommen mit einem klappbaren Kinnteil. Im besten Fall besitzt ein Klapphelm die Doppelhomologation J/P. Das heißt, der Helm ist sowohl als Integralhelm als auch als Jethelm zugelassen, darf also ebenfalls offen, mit nach oben bzw. hinten geklapptem Kinnteil gefahren werden.
Vorteile:
Praktisch, hauptsächlich für Brillenträger sowie für Raucher und alle, die für einen Schluck aus der Wasserflasche nicht jedes Mal den Helm absetzen möchten.
Nachteile:
Sind oft schwerer als Integralhelme und bieten beim Aufprall - je nach Qualität des Verschlusses - nicht die gleiche Schutzwirkung wie ein gleichwertiger Integralhelm.
Modulhelme
Diese Helme können je nach Bedarf in Integral- oder Klapphelm umgebaut werden, indem etwa das Kinnteil werkzeuglos demontiert wird. Voraussetzung hier, wie beim Klapphelm: Die Doppelhomologation J/P. Modulhelme sind vielseitiger als andere Motorradhelmvarianten.
Vorteil:
Sie können als Integral oder als Jethelm gefahren werden, mit zusätzlichem Schild wird daraus sogar ein Enduro-Tourenhelm.
Nachteile:
Abgenommene Teile können verloren gehen, Anbringen des Kinnteils bei aufgesetztem Helm kann "fummelig" sein, Geräuschniveau oft höher als bei vergleichbarem Integralhelm.
Crosshelme
Crosshelme sind speziell für den Offroad-Einsatz entwickelt, aber auch bei Supermoto-Fahrern sehr beliebt. Sie bieten eine große Blicköffnung, sodass eine Cross-Brille getragen werden kann. Oft ist das Brillenband im hinteren Helmbereich fixierbar und auf der Helmoberseite ein justier- sowie abnehmbarer Schild angebracht.
Vorteile:
Hervorragende Belüftung, in Dreck, Staub und Schlamm gegenüber Helmen mit Visier überlegen.
Nachteile:
Schlechter Schutz bei Regen und Kälte, häufig hohes Geräuschniveau. Bei hohem Tempo erhöhter Druck auf die Nackenmuskulatur durch schlechtere Aerodynamik.
Enduro-Tourenhelm
Eine Kreuzung aus Integral- und Crosshelm. Vom Crosshelm hat er die Form und das große Schild, vom Integralhelm das Visier. Die Gattung ist recht jung und hat mit den großen Reiseenduros ihren Siegeszug angetreten.
Vorteile:
Luftig, großes Sichtfeld, Blendschutz durch Schild, im Gelände und bei Hitze wahlweise mit Endurobrille fahrbar.
Nachteile:
Durch Schirm und Form oft spürbar lauter als ein vergleichbarer Integralhelm. Gegen das gerne mal etwas höhere Gewicht hilft in oberen Preisklassen Carbon.
Halbschalenhelme
Diese Helme bieten einen minimalen Schutz für den Kopf und eignen sich, wenn überhaupt, nur für sehr wenige Einsätze. Da wir als Minimum die Helmart "Jethelm" empfehlen, testen wir keine Halbschalenhelme.
Materialien von Motorradhelmen
Was auch immer fantasievollen Werbe-Lyrikern an Materialbezeichnungen einfällt - Motorradhelme sind stets entweder aus Thermoplasten oder Duroplasten gefertigt.
Thermoplaste
Um Helme möglichst preisgünstig herzustellen, werden thermoplastische Granulate aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS), Polyamid (PA) oder Polycarbonat (PC) geschmolzen und im Spritzgussverfahren maschinell zu Helmschalen weiterverarbeitet. Bei Temperaturen um 300 Grad und unter dem Druck von mehreren hundert Tonnen entstehen komplette Außenschalen in einem Arbeitsgang. Da die hierfür benötigten Spezialwerkzeuge teuer sind, lohnt sich dieses Verfahren nur bei sehr großen Stückzahlen (überwiegend Helme der unteren und mittleren Preisklassen). Moderne Thermoplaste werden durch chemische Additive veredelt, um eine empfohlene Nutzungsdauer von rund fünf Jahren zu ermöglichen. Lackierte Exemplare halten etwa zwei Jahre länger, bevor das Material durch Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung spröde wird und an Schutzwirkung verliert. Thermoplaste werden von den Herstellern unter verschiedenen Bezeichnungen geführt wie etwa "Polycarbonat". Bei großer Hitze wird dieses Plastik weich, daher der Name Thermoplast.
Duroplaste
Harte glasartige Polymerwerkstoffe aus Kunstharz und Armierungsgewebe, die nach ihrer Aushärtung nicht mehr verformbar sind, nennt man Duroplaste. Die mit Harz getränkten Matten, Gewebe oder Gestricke aus Kunststoff, Glasfasern oder Carbon werden von Hand in mehreren Schichten aufeinander laminiert. Die Endstruktur der Helmschale entsteht in einem Heißpressverfahren. Duroplast-Helme gelten als sehr alterungsbeständig (rund zehn Jahre nutzbar) und resistent gegen Lösungsmittel, Kraftstoffe und Chemikalien. Duroplaste lassen sich durch einen "Fingernagelklopftest" erkennen, sie klingen heller als Thermoplast-Helme. Da traditionell hergestellte Fiberglas-Helme ein recht hohes Gewicht aufweisen, versuchen die Hersteller inzwischen durch Materialkombinationen Gewicht zu sparen. GFK (Fiberglas) wird beim Laminieren etwa mit Carbon oder Aramid (Kevlar) ergänzt. Der Materialmix wird vom Hersteller unterschiedlich bezeichnet.
Carbon-Helme nehmen als besonders leichte Helme eine Sonderstellung in der Gruppe der Duroplast-Helme ein. Anders als oft vermutet, bestehen sie nicht zu hundert Prozent aus dem teuren Werkstoff Carbon, sondern verfügen über mindestens eine Trägerschicht aus Fremdmaterial, meist Aramid oder GFK. Einige wenige Carbon-Sporthelme unterbieten sogar die 1.000-Gramm-Marke und werden dennoch der ECE-Prüfnorm gerecht. Dies gelingt den Herstellern nur durch den Einsatz möglichst weniger Carbonlagen aus besonders hochwertigen Fasern und setzt aufwendige Konstruktionsberechnungen voraus.
Nützliche Tipps zum Helmkauf
Mit dem richtigen Motorradhelm tun Sie viel für Ihre Sicherheit. Daher ist er kein Zubehör, das man mal eben im Vorbeigehen kauft. Diese Aspekte sollten Sie auf der Suche nach dem idealen Helm beachten:
- Planen Sie für den Kauf unbedingt genügend Zeit ein.
- Suchen Sie Fachhändler auf, die möglichst viele Helmmarken im Angebot haben. Das steigert die Wahrscheinlichkeit, schnell einen passenden Helm zu finden.
- Die ungefähr passende Helmgröße ermitteln Sie, indem Sie Ihren Kopfumfang im Bereich der Stirn, über den Ohren und am Hinterkopf messen. Der Kopfumfang in Zentimetern entspricht üblicherweise der numerischen Helmgröße. Die Helme verschiedener Hersteller fallen trotzdem unterschiedlich groß aus. Deswegen kann nur eine Anprobe über den richtigen Helm entscheiden.
- Ihr Helm muss am ganzen Kopf fest sitzen, ohne zu drücken. Sie erkennen den richtigen Sitz daran, dass sich die Kopfhaut an der Stirn beim Drehen des Helms mitverschiebt. Die Innenausstattung gibt bei der Nutzung noch etwas nach, wählen Sie den Helm daher nicht zu groß.
- Fragen Sie Ihren Händler nach einer individuellen Innenausstattung des Helms. Bei manchen Helmen können z.B. Wangenpolster oder Pads am Oberkopf an Ihre Bedürfnisse angepasst werden.
- Die Helmpolsterung sollte auch an Ihrem Oberkopf im Bereich des Scheitels vollständig aufliegen. Probieren Sie andernfalls einen größeren Helm.
- Wenn Sie Zweifel haben, ob der Helm die optimale Größe hat, versuchen Sie, das gleiche Helmmodell eine Größe kleiner aufzusetzen. Nur wenn dies nicht möglich ist oder der infrage kommende Helm unerträglich drückt, wissen Sie, dass Sie die kleinste Größe gewählt haben.
- Für Personen mit besonders großem Kopf gibt es nur eine kleine Auswahl geeigneter Helme. Einzelne Hersteller wie z.B. HJC bieten Modelle an, die bis zur Größe XXXXL reichen. Dies entspricht einer Kopfgröße von 67 bis 68 Zentimetern.
- Ihr Helm darf sich bei geschlossenem und korrekt eingestelltem Kinnriemen auch mit hohem Kraftaufwand nicht nach vorn vom Kopf abziehen lassen.
- Der Kinnriemen sollte nicht auf dem Kehlkopf aufliegen, das Kinnriemenschloss nicht am Unterkieferknochen drücken.
- Wenn Sie Brillenträger sind, sollten Sie Ihre zum Motorradfahren genutzte Brille im Helm aufsetzen. Statt einer Sonnenbrille unter dem Helm wählen Sie lieber Helme mit eingebauter Sonnenblende.
- Tragen Sie den Helm im Laden mindestens zehn Minuten. Dieser Zeitraum reicht aus, um mögliche Druckstellen und eine mögliche Hautunverträglichkeit des Futters zu erkennen.
- Nutzen Sie unbedingt die Möglichkeit, den Helm für eine Probefahrt auszuleihen. Die individuellen Gegebenheiten auf Ihrem Motorrad lassen sich so am besten prüfen.
- Bevorzugen Sie Helme in hellen, leuchtenden Farben.
- Achten Sie darauf, dass der Luftaustausch bei geschlossenem Visier ausreichend ist.
- Prüfen Sie die Visier-Eigenschaften wie Beschlagneigung und optische Qualität bei vollständig geschlossenem Visier.
- Achten Sie darauf, dass das Innenfutter zur Helmpflege herausnehmbar ist.
- Lesen Sie die mitgelieferte Gebrauchsanleitung genau. Oft enthält sie wichtige Informationen zur Montage und Pflege der Helmteile.
- Denken Sie beim Kauf an den Service. Kundenorientierte Helmhersteller bieten einen umfassenden Reparatur- und Ersatzteilservice. Details erfahren Sie von Ihrem Händler oder aus der Gebrauchsanleitung.
Helmpflicht in Deutschland
In Deutschland besteht seit 1976 Helmpflicht für Motorradfahrer, seit 1978 auch für Moped- sowie Mokickfahrer. Selbst Mofafahrer müssen seit 1985 einen Helm tragen. Seit August 1980 wird eine Zuwiderhandlung zudem mit Verwarnungsgeld geahndet.
Seit 2006 steht im Paragraph 21a der Straßenverkehrsordnung (StVO), dass Fahrer und Mitfahrer von Krafträdern mit Höchstgeschwindigkeit über 20 km/h einen "geeigneten Schutzhelm" tragen müssen. Damit ist also das Benutzen von Arbeits-, Feuerwehr- oder Militärhelmen ohne ausreichende Schutzwirkung untersagt.
Die aktuelle Version ist die Norm ECE-R 22.06, mit der seit Juni 2022 geprüft wird. Seit Juni 2023 dürfen keine Helme mehr mit der früheren Norm ECE 22.05 produziert werden. Nach ECE 22.05 geprüfte Helme dürfen natürlich weiterverwendet werden. Hier gibt es keine Austauschpflicht. Bei einer Neuanschaffung sollte man aber auf die aktuellste Prüfnorm achten.
Wichtiger Hinweis für die Pflichtkennzeichnung von ECE-Motorradhelmen: Auf dem Prüflabel muss nicht "ECE" oder "ECE-R 22" stehen. Die Kennzeichnung mit dem E in dem Kreis und der Prüfnummer verweist ausreichend auf die Anwendung der Prüfnorm ECE-R 22.
Obwohl in Deutschland das Tragen eines ECE-Helms nicht zwingend vorgeschrieben ist (nur "geeigneter Schutzhelm"), sieht es im europäischen Ausland und ganz besonders in Italien anders aus: Wer dort als Motorradfahrer keinen ECE-geprüften Helm trägt, wird ziemlich schnell zum Fußgänger.
Wie Motorradhelme schützen
Die zwei Materialien der Helmschalen zur Helmschalen-Herstellung werden zwei Werkstoff-Gruppen genutzt: thermoplastische Kunststoffe und Duroplaste.
- Thermoplaste wie Acrylnitril-Butadien-Styrolt (ABS), Polycarbonat oder Polyamid sind unter Hitze leicht formbar. Sie eignen sich deshalb fürs Spritzguss-Verfahren, weil sich damit leicht große Helmmengen kostengünstig herstellen lassen.
- Duroplaste und Verbundwerkstoffe (z.B. Aramidfasern, Glasfaserverstärkter Kunststoff, Carbon) erfordern dagegen ein aufwendiges Laminat-Verfahren. Schalen dieser Materialien sind besonders hart und bruchfest, aber teurer.
Wie Langzeit-Materialtests beweisen, altern Duroplaste weniger schnell. Bei guter Pflege währt ihre Lebensdauer mindestens acht Jahre. Helme aus Thermoplasten, die keine zusätzliche Lackschicht besitzen, können bei starker Ultraviolett-Strahlung und durch andere Einflüsse (Lösungsmittel, Benzin) früher verspröden. Die ADAC Fachleute raten dringend, wegen nachlassender Schutzwirkung solche Helme nach rund fünf Jahren auszutauschen. Dieser Fünf-Jahres-Austauschzeitraum ist allerdings bei starker Nutzung für Helme aller Bauarten empfehlenswert, da auch das Dämmmaterial nachgibt und der Helm dann nicht mehr optimal sitzt.
Nach Aufprall: Austauschen
Motorradhelme schützen doppelt. Die Außenschale verteilt, unabhängig vom Material, eine punktuelle Krafteinwirkung durch hohe elastische Verformungsenergie und soll das Eindringen spitzer oder kantiger Gegenstände verhindern. Die eigentliche Dämpfung übernimmt das Innenmaterial zwischen Außenschale und Futter. Das wird in der Regel aus besonderen EPS-Hartschaummaterialen der Styropor-Familie hergestellt, die Aufprall-Energie absorbieren.
Aber: Ein Aufprall führt zu einer Komprimierung und damit bleibender Verformung des Materials. Deshalb müssen Helme nach Unfällen oder Stürzen ausgetauscht werden, selbst wenn sie äußerlich scheinbar unbeschädigt sind. Die ADAC Experten raten dringend dazu, diese Herstellervorschrift zu befolgen.
Ganz wichtig: Motorradhelme sollten nicht beklebt oder lackiert werden. Im Klebstoff oder in der Farbe enthaltenes Lösungsmittel kann die Stabilität der Helmschale beeinträchtigen. Eine Ausnahme bilden die Aufkleber des Instituts für Zweiradsicherheit (IfZ), die Ersthelfer über das Öffnen des Helms oder des Verschlusssystems des Kinnriemens bei Notfällen informieren: Sie besitzen einen lösungsmittelfreien Spezial-Klebstoff.
Praktische Tipps zur Helmpflege
Moderne, hochwertige Helme altern deutlich langsamer als Helme früherer Baujahre. Deswegen und wegen der Anpassung der aktuellen Prüfnormen sollten Sie keine Motorradhelme mehr verwenden, die nicht mindestens nach ECE-R 22.05, besser ECE-R 22.06 zugelassen wurden. Zu erkennen ist dies an einem kleinen Label, das meist am Kinnriemen angenäht ist. Beginnt die Genehmigungsnummer mit 05 oder 06, wurde der Helm nach den jeweiligen ECE-Normen geprüft. Bei regelmäßiger Verwendung des Helms gelten im Allgemeinen fünf Jahre als angemessene Nutzungsdauer.
Das Innenpolster von Helmen setzt sich bei regelmäßiger Verwendung des Helmes. Dadurch kann der ursprünglich straffe und sichere Sitz des Helmes am Oberkopf beeinträchtigt sein. Wenn möglich und vom Hersteller laut Gebrauchsanleitung so vorgesehen, sollten Sie dann das Innenfutter herausnehmen und reinigen. Das Futter bzw. der Schaumgummi dürfen dabei nicht gewrungen oder zu fest gezogen oder gepresst werden, da sonst das Futter überdehnt wird und nur noch unzureichend in die Helmschale passt. Unbedingt die Herstelleranweisungen beachten und im Zweifelsfall den Händler mit diesen Arbeiten betrauen. Nach der Reinigung und der richtigen Montage des Futters sitzt der Helm im günstigsten Fall so straff wie beim Kauf. Sollte eine Reinigung des Innenfutters nicht ausreichen, um den festen Sitz des Helmes wiederherzustellen, muss möglicherweise das Innenfutter durch ein neues ersetzt werden.
Unabhängig vom Reinigungszustand des Helmfutters sollten Sie von Zeit zu Zeit den Sitz des Helms und die Länge des Kinnriemens prüfen. Beides kann sowohl beim (schnellen) Fahren als auch bei einem Unfall entscheidenden Einfluss auf Ihre Sicherheit haben.
Darüber, wann die Schutzfunktion des Helms durch ein Ereignis eingeschränkt sein kann, lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen machen. Wenn ein Helm allerdings an einem Unfall beteiligt war, sollte er - unabhängig vom äußeren Zustand - unbedingt ersetzt werden.
- Alle Dichtungen - besonders die Visierdichtungen - am Helm regelmäßig prüfen.
- Auch bei starken Niederschlägen ist es mit guten, beschlagfreien Visieren möglich, durchgängig mit geschlossenem Visier zu fahren. Visiere mit beschlaghemmender Innenbeschichtung (kein Innenvisier) benötigen für eine nachhaltige Beschlagfreiheit eine ständige, wenn auch leichte Belüftung.
- Nach langen Regenfahrten Helme gut trocknen lassen. Dabei möglichst keine Wärmequellen (Heizung) verwenden.
Klapphelme dürfen rein formal nur geschlossen genutzt werden. Ausgenommen sind Helme, deren Kinnteil gemäß Bedienungsanleitung entfernt werden oder z.B. komplett hinter den Helm geschoben werden kann - aber nur dann, wenn sie eine zusätzliche Zertifizierung als Jet-Helm haben. So enthält die ECE-R 22-06 auch die P/J-Norm, die auf dem meist am Kinnriemen festgenähten Prüfnorm-Label vermerkt ist. P/J steht für eine Freigabe als Integral- und auch als Jethelm, also für das "legale" Fahren mit geöffnetem Kinnteil.
Visiere: Alles, was man wissen muss
Die Angebotspalette an Visieren ist groß, und der technische Fortschritt für Motorradfahrer oftmals verwirrend. Die meisten dieser Scheiben bestehen aus Polycarbonaten, die namhaftesten Markennamen sind Makrolon und Lexan. Für einen durchsichtigen Kunststoff sind sie sehr hart, schlag- und splitterfest. Laut der europäischen Norm für Motorradhelme (ECE-22-06) wird neben Größe, optischer Qualität, Größe des Gesichtsfeldes und Oberflächengüte auch die Kratzfestigkeit von Visieren geprüft.
Verspiegelte und stark getönte Visiere müssen für den Straßenverkehr ein E-Prüfzeichen besitzen und dürfen nur bei Tageslicht und guten Wetterbedingungen genutzt werden. Schon auf Dämmerungsfahrten und natürlich bei Dunkelheit sind sie verboten, in einigen (Urlaubs-)Ländern sogar generell. Bei Missachtung dieses Verbots ist mit rechtlichen Konsequenzen und im Fall eines Unfalls sogar mit Regressforderungen der Versicherung zu rechnen.
Seit einigen Jahren werden auch selbsttönende Visiere angeboten. Aber selbst schnelle Moleküle im Kunststoff brauchen Zeit, um abzudunkeln oder aufzuhellen - was beispielsweise bei Tunnel-Durchfahrten zu Problemen führen kann.
Da Visiere nicht nur bei Regen leicht beschlagen, sollten Sie beim Helmkauf Modelle mit Doppelscheiben-Visieren mit permanenter Antibeschlag-Beschichtung wählen. Gegebenenfalls sollten Sie Ihren Helm mit einem derartigen Visier nachrüsten, auch wenn das zusätzliche Kosten verursacht. Diese Investition in Ihre Sicherheit ist gut angelegtes Geld.
- Einige Hersteller bieten gegen das Beschlagen zusätzlich Innenvisiere an. Günstigere Wechselvisiere ohne Spezialbeschichtungen beschlagen vor allem bei regnerischem Wetter schnell.
- Angebotene Sprays gegen das Beschlagen sind meist nur eine kurzfristige Lösung. Gleiches gilt für den alten Trick, unbeschichtete Visiere mit sanftem Spülmittel zu präparieren und dann mit einem Wolltuch zu polieren. Dabei bleibt eine kleine Schicht des Mittels auf dem Visier und löst die Oberflächenspannung des ausgeatmeten Wasserdampfes, der sich als Wasser gleichmäßig auf der Visieroberfläche verteilt.
- Wer eine teure Antibeschlagfolie nachrüstet, ist schnell bei einem Preis, den ein gutes Visier mit Antibeschlag-Beschichtung kostet. Zudem entstehen beim Kleben oft Lufteinschlüsse, welche die Visiere schneller blind machen.
- Insekten und andere Verschmutzungen auf dem Visier können bei Regen oder Dämmerung die Sicht stark einschränken oder sogar zu Täuschungen führen, besonders bei Gegenlicht. Auf längeren Touren empfiehlt sich eine regelmäßige Reinigung, z.B. während der Pausen. Dazu möglichst viel Wasser über die geschlossene Visierscheibe laufen lassen, um hartnäckige Verschmutzungen aufzuweichen und zu lösen. Auch ein nasses, über das Visier gelegtes Papiertuch erfüllt diese Funktion.
Retro-Helme: Eine stilvolle Option
Retro-Helme erfreuen sich großer Beliebtheit, da sie Vintage-Design mit moderner Technik verbinden. Diese Helme müssen die gleichen technischen Bedingungen erfüllen wie moderne Helme und werden ebenfalls zertifiziert.
Wichtige Aspekte beim Kauf eines Retro-Helms:
- Passform: Der Helm sollte vor der ersten Fahrt getestet werden. Messen Sie Ihren Kopfumfang an der breitesten Stelle oberhalb Ihrer Ohren, um die richtige Größe zu ermitteln. Der Helm sitzt korrekt, wenn genau ein Finger zwischen Kopf und Helm passt. Drehen Sie Ihren Kopf in alle Richtungen, um sicherzustellen, dass der Helm nicht rutscht, drückt oder unbequem sitzt.
- Eigenschaften: Die Helmschale sollte aus einem leichten, aber robusten Material bestehen. Ein guter Helm leitet die einwirkenden Kräfte optimal ab. Achten Sie auf eine Helmschale aus Polycarbonat oder ABS (kostengünstiger) oder Carbonfasern (robuster und langlebiger).
- Sicherheitsnorm: Stellen Sie sicher, dass der Helm die ECE-22.05 Norm erfüllt. Helme ohne dieses Prüfzeichen bieten keinen optimalen Schutz.
- Visier: Ein Visier mit Pinlock-Linse (Doppelvisier) oder die Möglichkeit, eine solche Linse einzubauen, ist ein weiteres Qualitätsmerkmal. Das Visier sollte zudem eine Anti-Kratz-Beschichtung haben und austauschbar sein.
- Innenausstattung: Die Innenausstattung sollte herausnehmbar und waschbar sein. Luftausgänge sind besonders im Sommer wichtig, um eine Überhitzung des Kopfes zu vermeiden.
Wie lange kann ein Helm genutzt werden?
Auch wenn Ihr Helm sehr gut verarbeitet ist, sollte er alle 5 bis 7 Jahre neu gekauft werden. Der EPS-Kern (neben der äußeren Hülle) beeinflusst die Haltbarkeit und verschleißt ebenfalls nach einiger Zeit.
Wenn Sie Ihren ersten Retro-Helm kaufen, empfiehlt es sich, ein Fachgeschäft aufzusuchen und verschiedene Modelle auszuprobieren.
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