Jedes Fahrzeug im Straßenverkehr - egal ob Auto oder Motorrad - besitzt eine Fahrzeug-Identifizierungsnummer. Diese individuelle Kennung dient nicht nur dazu, dem Vehikel einen Besitzer zuzuordnen. Der Code verrät auch so einiges mehr über das Auto. Vor allem beim Gebrauchtwagenkauf ist es sinnvoll, die Fahrzeug-Identifizierungsnummer online zu prüfen.
Was ist die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN)?
Die Fahrzeug-Identifizierungsnummer - kurz FIN - stellt eine international vereinheitlichte Seriennummer dar, durch die ein Kraftfahrzeug gekennzeichnet ist. Im Ausland spricht man von der als VIN abgekürzten vehicle identification number. Das genormte System geht auf eine EU-Verordnung zurück und wurde im Jahr 1981 eingeführt. Damit ersetzt die FIN die bis dahin gültige herstellerspezifische Fahrgestellnummer.
Bis heute ist die Fahrzeugidentifikationsnummer häufig noch unter dem Namen Fahrgestellnummer bekannt. So hieß die Identifikationsnummer offiziell bis zum Jahr 1981. Im Jahr 2022 wurde die uneinheitliche Fahrgestellnummer abgeschafft und die FIN durch einen dreistelligen Weltherstellercode (WMI) ergänzt. Die heutige Fahrzeug-Identifikationsnummer muss 17 Stellen enthalten. So ist es in der bereits genannten EU-Verordnung 76/114/EWG sowie nach der Norm DIN ISO 3779 festgehalten.
Wo finde ich die FIN?
Zum einen steht die FIN in den Fahrzeugpapieren. Sie ist sowohl in der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) als auch in der Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief) vermerkt. Im Fahrzeugschein unter Punkt 4 als Fahrzeug-Ident-Nummer.
Zum anderen ist die Seriennummer - ins Blech gestanzt - an mehreren Bereichen des Fahrzeugs zu finden. Allerdings treten hier herstellerspezifische Unterschiede auf. Häufig ist der Code auf dem Türrahmen, im Motor- oder Kofferraum sowie unter der Motorhaube oder am Armaturenbrett angebracht.
Die Fahrzeugidentifikationsnummer steht bei Krafträdern (Motorrad, Roller) am Lenkkopf oder auf der Gabel unter der Verkleidung. Die FIN deines Kraftrads steht auch im Fahrzeugschein. Die Nummer älterer Krafträder hat 11 Stellen, die von neueren Modellen 17 Stellen. Bei Motorrädern wird noch oft von der Fahrgestellnummer gesprochen.
Zusätzlich wird die Fahrzeug-Identifizierungsnummer auch auf Werkstattrechnungen und KFZ-Versicherungsverträgen vermerkt.
Wofür wird die FIN benötigt?
Grundsätzlich lässt sich bereits am Namen erkennen, dass die Nummer zur individuellen Kennzeichnung von Fahrzeugen gedacht ist. Damit erfüllt sie gleich einen mehrfachen Nutzen. Mithilfe des Codes lässt sich der Halter des Vehikels ausfindig machen - selbst bei einem Unfall. Darüber hinaus ist die Seriennummer vor allem bei Autodiebstählen von Relevanz. Mittels der FIN erhalten KFZ-Werkstätten außerdem alle benötigten Daten zu Ausstattungsmerkmalen sowie zur Servicehistorie des Autos. Dies ermöglicht oftmals eine schnellere und bessere Reparatur des Fahrzeugs.
Wer eine Fahrzeugzulassung anstrebt, benötigt die Seriennummer ebenfalls. Diese ist sowohl in Teil I als auch Teil II der Zulassungsbescheinigung angegeben. Im Falle eines Neuwagens legst du lediglich den Fahrzeugbrief vor, bei einem Gebrauchtwagen sind dagegen beide Dokumente notwendig.
Besonders beim Kauf und Verkauf von Fahrzeugen ist die Fahrzeugidentifikationsnummer wichtig, denn hierüber soll Autodiebstahl verhindert werden. Es ist daher ratsam, die FIN zu überprüfen, wenn man z. B. ein gebrauchtes Motorrad kaufen möchte.
Beachte jedoch: Ein leichtfertiges Herausgeben der Nummer an Unbekannte ist nicht anzuraten - vor allem beim Online-Autohandel.
Wenn die Seriennummer wegrostet oder beispielsweise durch einen Unfall unlesbar wird, erlischt die Betriebserlaubnis für Deinen Wagen. In diesem Fall ist die Nummer durch eine KFZ-Werkstatt neu einstanzen zu lassen.
Wie ist die FIN aufgebaut?
Für die FIN existieren zwei unterschiedliche Normen. Während die Fabrikanten innerhalb der EU die ISO-Norm 3779 verwenden, nutzen Hersteller aus Nordamerika ein etwas strengeres System. Allerdings ist dieses mit der europäischen Variante konform. In beiden Fällen handelt es sich um einen Code mit 17 Stellen. Dabei lassen sich grundsätzlich die Zahlen 0 bis 9 verwenden und bis auf I, O sowie Q auch alle Großbuchstaben. Der Grund für die Sperrung der drei Buchstaben liegt in ihrer hohen Verwechslungsgefahr mit den Ziffern 0 und 1.
In Deutschland ist die Anbringung einer FIN durch den Hersteller verpflichtend und in § 59 der StVZO in Absatz 1 verankert: „An allen Kraftfahrzeugen und Anhängern muss an zugänglicher Stelle am vorderen Teil der rechten Seite gut lesbar und dauerhaft ein Fabrikschild mit folgenden Angaben angebracht sein: […] 4. Fahrzeug-Identifizierungsnummer“.
Bestandteile der FIN
- Weltherstellercode (WMI): Die ersten drei Stellen kennzeichnen den Hersteller und das Produktionsland.
- Fahrzeugbeschreibung: Die Stellen vier bis neun geben Auskunft über Modell, Baureihe, Motortyp und Ausstattung.
- Modelljahr: Die zehnte Stelle gibt das Modelljahr an.
- Herstellungsort: Die elfte Stelle kennzeichnet den Ort, an dem das Fahrzeug produziert wurde.
- Fortlaufende Fahrzeugnummerierung: Die letzten sechs Stellen sind die individuelle Produktionsnummer.
Der World Manufacturer Identifier (WMI), auf Deutsch Weltherstellercode, nimmt die ersten drei Stellen der Fahrzeugidentifikationsnummer ein. Vergeben wird der Code vom Verband der Automobilingenieure SAE International. Der Verband vergibt die Codes für die Herstellungsländer entlang des Alphabets bzw. Der Ländercode für Deutschland ist bspw. „W“.
Die Stellen vier bis neun der FIN geben Aufschluss über die Baureihe, den Motortyp und Ausstattung eines Fahrzeugs. Wobei an den Stellen sieben und acht das jeweilige Fahrzeugmodell eingetragen wird. Werden nicht alle Stellen vom Automobilhersteller verwendet, muss dies mit einem Füllzeichen deutlich gemacht werden - oftmals an Position 9 (z. B.
An Position zehn wird das Modelljahr eingetragen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um das Baujahr des spezifischen Fahrzeugs, sondern das erste Produktionsjahr des Modells aus einer fortlaufenden Serie. Das Modelljahr kann entweder durch eine Ziffer oder durch einen Buchstabend kenntlich gemacht werden. Dabei durchlaufen die Modelljahre erst alle Buchstaben, dann alle Ziffern bis einschließlich 9 und dann geht es wieder mit Buchstaben los. Ausgenommen von der Auflistung sind „I“, „O“, „Q“ sowie „U“, „Z“ und die Ziffer „0“.
Stelle elf der FIN steht für den Herstellungsort bzw. das Herstellungswerk des Fahrzeugbauers. Hierbei kann es sich um einen Buchstaben oder eine Ziffer handeln. So steht ein „W“ an dieser Position z. B.
Die Stellen 10 bis 17 sind herstellerspezifisch und enthalten daher unterschiedliche Informationen. Details dazu haben die Autohersteller.
Beispiel zur Entschlüsselung der FIN
Dieses Beispiel zeigt, wie du die Fahrzeug-Identifizierungsnummer liest. Die ersten drei Stellen zeigen an, dass es sich um ein Modell des deutschen Herstellers (W) Volkwagen (VW) handelt. Andere bekannte Herstellerkennungen sind beispielsweise WAU für Audi oder WBA für BMW. Bei der Fahrzeugbeschreibung (ZZZ1JZ) werden insgesamt vier Füllzeichen genutzt. An der zehnten Stelle steht die Ziffer 3. Demnach ist das Modelljahr im betrachteten Fall 2003.
Bedenke jedoch: Das Modelljahr meint nicht das Baujahr und auch nicht das Jahr der Erstzulassung. Vielmehr gilt es als erstes Produktionsjahr eines Vehikels aus einer festgelegten sowie fortlaufenden Serie. Die letzten sechs Ziffern 386752 stellen die individuelle Produktionsnummer des Fahrzeugs dar. Die fortlaufende Nummerierung fällt demnach bei jedem Golf IV beziehungsweise Bora aus demselben Produktionsjahr unterschiedlich aus.
Wie finde ich das Modelljahr heraus?
Das Baujahr ist in der Fahrgestellnummer nicht hinterlegt, nur das Modelljahr und das ist, wie erwähnt, die 10. Stelle der Nummer. Entscheidend ist doch das Modelljahr.
Die Modelle ab 2000 sind in der 10 Stelle der VIN nummerisch nach Jahreszahl zu identifizieren. Bis einschließlich 2000 wurde das Baujahr durch-"alphabetisiert".
An der 10. Stelle steht je nach Modelljahr eine Zahl oder ein Buchstabe. Steht dort beispielweise eine 9, dann handelt es sich um eine KTM Motorrad aus dem Modelljahr 2009. Steht dort zum Beispiel ein K, handelt es sich um ein KTM Motorrad aus dem Modelljahr 2019.
Online-FIN-Checker
Mittlerweile gibt es im Internet verschiedene Anbieter, die dir die Möglichkeit bieten, eine Fahrzeug-Identifizierungsnummer online zu prüfen. Ein solcher Bericht liefert dir nicht nur technische Angaben. Er enthält außerdem Informationen zur Historie des Autos sowie eine detaillierte Aufstellung der Inspektionen. Durch das Prüfen der FIN erfährst du zum Beispiel, ob Dein Auto in einer Datenbank für gestohlene Fahrzeuge erfasst wurde oder wie viele Vorbesitzer Dein Wagen hatte.
Die entsprechenden Dienstleister erhalten unter anderem Informationen von der staatlichen Verwaltung, von Finanzinstitutionen sowie aus zentralen Fahrzeugregistern. Du strebst es an, einen FIN-Bericht zu ordern? Dies lässt sich innerhalb von fünf Minuten verwirklichen. Dazu begibst du dich auf die Webseite Deines favorisierten Anbieters. Zunächst trägst du die FIN in die Suchmaske ein. Mit einem Klick auf den Prüfen- beziehungsweise Anfragen-Button erfährst du, welche Informationen in Bezug auf das jeweilige Auto überhaupt verfügbar sind.
Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, die Fahrzeug-Identifizierungsnummer kostenlos zu überprüfen. Nach einer erfolgreichen Transaktion erhältst du eine Zahlungsbestätigung. Kostenlos ist die Erstellung eines solchen Dokuments natürlich nicht. Allerdings fällt der Preis für einen Bericht über die Fahrzeughistorie mit etwa 15 bis 20 Euro auch nicht allzu hoch aus. Bei den meisten Anbietern hast du zudem die Option, weitere Berichte zu erwerben.
Probleme mit der FIN
Ist die Fahrzeugidentifikationsnummer am Fahrzeug nicht mehr lesbar aufgrund eines Unfalls oder Rost, kann dies zu Problemen führen. Das bedeutet auch, dass man ohne FIN streng genommen nicht am Straßenverkehr im Sinne von Paragraf 19 StVZO teilnehmen darf und mit einer Strafe rechnen muss. Eine Werkstatt kann die Fahrzeugidentifikationsnummer jedoch wieder neu einstanzen. Das muss im Anschluss von der Zulassungsstelle oder einer Prüforganisation wie dem TÜV schriftlich bestätigt werden.
Ähnliches gilt, wenn ein Teil ausgetauscht werden muss, auf dem die FIN eingeprägt wurde. Mit der Bestätigung durch die Werkstatt kann man eine „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ bei der Zulassungsstelle anfordern. Diese wiederum wird benötigt, um beim Fahrzeughersteller eine neue Betriebserlaubnis zu beantragen.
Wird ein Fahrzeugteil samt FIN ausgebaut und soll für ein anderes Fahrzeug verwendet werden, muss die alte FIN durchkreuzt und die neue FIN danebenstehend eingeprägt werden (Vgl. § 59 Abs. (3) StVZO).
Ist eine Fahrzeug-Identifizierungsnummer nicht vorhanden oder lässt sie sich nicht mit Sicherheit feststellen, so kann die Zulassungsbehörde eine Nummer zuteilen. Absatz 2 gilt für diese Nummer entsprechend. (§ 59 Abs. (4) StVZO).
FIN und Datenschutz
Im Rahmen eines Gerichtsverfahrens wurde die Frage geklärt, ob es sich bei der Fahrzeugidentifikationsnummer um personenbezogene Daten bzw. ein personenbezogenes Datum handelt. Vorangegangen waren die Unstimmigkeiten zwischen einem Ersatzteilhändler und einem Autohersteller. Der Autohersteller gab Wartungs- und Reparaturinformationen zu einem Fahrzeug auf seiner Webseite bekannt, ohne die FIN mit anzugeben. Der Ersatzteilhändler bemängelte dies und reichte Klage ein, nachdem der Autohersteller, die Meinung vertrat, dass die FIN ein personenbezogenes Datum sei und so gem. DSGVO nicht veröffentlicht werden dürfe.
Mit dem Urteil aus November 2023 entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass die FIN für sich alleinstehend kein personenbezogenes Datum sei und Autohersteller gem. EU-Recht verpflichtet sind, die Fahrzeugidentifikationsnummer gegenüber unabhängigen Wirtschaftsakteuren, wie Ersatzteilhändlern, Werkstätten usw. zu veröffentlichen.
Berücksichtigt man nur den alphanumerischen Code, der u. a. Aufschluss über den Hersteller, das Baujahr, Modelljahr, Fahrzeugnummerierung gibt, für sich, stellt die FIN nur ein sachbezogenes Datum dar und hat somit keinen Personenbezug. Das Gericht stellte klar, dass die FIN erst durch Hinzunahme von Hilfsmitteln oder Dokumenten, wie bspw. den Fahrzeugpapieren, zu einem personenbezogenen Datum wird.
Zusammenfassung
Die FIN lässt sich an jedem im Straßenverkehr zugelassenen Auto finden und dient der individuellen Kennzeichnung eines Wagens. Zusätzlich gibt die Seriennummer Auskunft über verschiedene Fahrzeugdaten und ermöglicht es, den Halter ausfindig zu machen. Eine Fahrzeug-Identifizierungsnummer online zu prüfen, bietet sich vorwiegend beim Autokauf an. Derartige Berichte stellen eine kostengünstige Option dar, um die vom Verkäufer gemachten Angaben auf Richtigkeit zu überprüfen.
Da sie meist auf einer Plakette im Motorraum angebracht war, waren Manipulationen einfach. Seitdem hat sich als Standard durchgesetzt, dass eine Fahrzeugidentifikationsnummer auch ins Blech geprägt wird. Dieses Verfahren ist fälschungssicherer und erschwert den Weiterverkauf gestohlener Fahrzeuge.
| Stelle | Information |
|---|---|
| 1-3 | Weltherstellercode (WMI) |
| 4-9 | Fahrzeugbeschreibung |
| 10 | Modelljahr |
| 11 | Herstellungsort |
| 12-17 | Fortlaufende Fahrzeugnummerierung |
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