Egal ob Vier- oder Zweitakter, Vergaser oder Einspritzanlage, Ein- oder Sechszylinder, V4 oder Boxer - sie alle haben mindestens eines gemeinsam: Ohne Sprit geht nix. Bei Verbrennern werden Kraftstoff und Luft vom Kolben komprimiert, anschließend gezündet - und schwups, wird die im Benzin gespeicherte chemische Energie freigesetzt.
Welche Oktanzahl ist die richtige für mein Motorrad?
Natürlich lässt sich hier nicht jedes Motorenkonzept und jedes Krad über einen Kamm scheren, zumal ein moderner Supersportler ganz andere Ansprüche hat als eine alte Zweitakt-Enduro. So ist Letzterer beispielsweise die Oktanzahl relativ egal und liefe wohl sogar mit Benzin unterhalb der europäischen Norm von mindestens 95 Oktan.
Die vom Hersteller vorgeschriebene Oktanzahl darf man jedoch nicht unterschreiten, speziell bei Hochleistungsmotoren. Eine höhere Oktanzahl bedeutet mehr Klopffestigkeit, also eine kontrolliertere und passgenaue Zündung des Gemischs.
Im Fall der RC8 kam es zu spontanen, ungewollten Flammfronten im Motor, die mit der regulären zusammenstießen, was zu enormen Druckspitzen führte.
Benzin-Kunde: Was muss ich bei langen Standzeiten beachten?
Über die Winterpause, gerade bei niedrigen Temperaturen - und da sind sich die Experten noch einig -, ist dies jedoch das geringste Problem. Was also gilt es beim Einmotten zu beachten, was passiert mit dem Benzin im Tank, wie und weshalb sollte eventuell gegengesteuert werden? Grundsätzlich ist Benzin ein Produkt mit begrenzter Haltbarkeit. Die Alterung setzt ein, sobald es die Raffinerie und somit seinen Entstehungsort verlässt.
Der süddeutsche Motoröl-, Schmiermittel- und Additiv-Hersteller Liqui Moly schätzt die Haltbarkeit bei den meisten Kraftstoffen geringer ein und warnt bereits nach einer Lagerung von drei Monaten vor problematischen Alterungserscheinungen. Über allem schwebt die Frage, wie genau das Benzin gelagert ist.
Daher können Mineralölkonzerne kein exaktes Verfallsdatum angeben, schließlich verkaufen sie Benzin unverpackt und nicht in versiegelten Gebinden.
Ist der Verbrauch mit E10 höher?
Im Allgemeinen sagt man dem zwar günstigeren und umweltschonenderen E10-Kraftstoff (weniger CO2!) einen höheren Verbrauch nach. Dies hat ein MOTORRAD-Test im Jahr 2011 auf 30.000 Kilometern bedingt bestätigt: Knapp ein Prozent, etwa 0,06 Liter auf 100 Kilometer, verbrauchte die mit E10 getankte Flotte mehr. Insofern bliebe der Preisvorteil zu E5 noch im positiven Bereich.
Dennoch schadet es dem Kraftstoff bei längerer Standzeit: Ethanol ist hygroskopisch, zieht also Wasser aus der Umgebungsluft an.
Welches Benzin tanke ich bei langen Standzeiten?
Entgegen manchen Aussagen, dass gerade dies gut zur Überwinterung sei, da es das Wasser im Kraftstoff bindet, sind sich die Experten von Liqui Moly und Aral einig: zum Überwintern unbedingt ethanolfreien Kraftstoff, mindestens aber E5, nicht E10 betanken! Das Ziel ist es ja nicht, möglichst viel Wasser im Benzin zu binden, sondern dieses erst gar nicht in den Tank zu bekommen.
Vor allem bei älteren Metalltanks und längerer Lagerung bilden sich aggressive Wasserphasen und Rost; Korrosion greift Metallteile im Kraftstoffsystem an.
Ist altes Benzin im Tank schädlich?
Premium-Kraftstoffe wie Aral Ultimate 102 oder Shell V-Power Racing enthalten kein Ethanol, auch wenn Tankstellen dieses wegen möglicher geringer Spuren auf der Zapfsäule ausweisen müssen.
Bei längerer Lagerung droht der Kraft- durch den Kunststoff zu diffundieren und Bestandteile aus diesem zu lösen - also "Plastetanks" bei längerer Stilllegung besser komplett leeren und konservieren. Auch bei einer sehr langen Stilllegung von Metalltanks lohnt sich eine komplett trockene Lagerung, was jedoch auch die Konservierung und Fettung aller Teile des Kraftstoffsystems mit sich zieht.
Handelt es sich jedoch wie üblich nur um ein paar kalte Monate, sollte man (falls vorhanden) unbedingt den Vergaser leeren. Er ist besonders anfällig für Korrosion und Ablagerungen.
Was passiert wenn Sauerstoff mit Kraftstoff in Verbindung kommt?
Der dritte unerwünschte Prozess ist die Oxidation. Durch Sauerstoff, der an den Kraftstoff gelangt, können zwei Arten von Verbindungen entstehen, so Chemiker und Kraftstoffforscher Wenzel Strojek von Aral: "Ungesättigte Verbindungen im Kraftstoff, Olefine genannt, können mit Luftsauerstoff reagieren. Zum einen können geringe Mengen korrosiver Säuren entstehen, zum anderen bilden sich Polymere, also langkettige Verbindungen, die im Kraftstoff nicht mehr löslich sind." Dieser harzige Schmodder kann Leitungen, Vergaser- oder Einspritzdüsen verstopfen.
Helfen Additive im Benzin?
Also abwarten oder vorsorgen - Beauty oder Basic? Unsere Experten meinen: vorsorgen. Und sind sich damit in ihrer Aussage ähnlicher als erwartet. Denn spezielle Additive, die dem Benzin zur Lagerung und Stabilisierung beigegeben werden, gibt es in zweierlei Ausführung. Wenzel Strojek von Aral/BP spricht von einem ganzen "Additivpaket", das ihrem Ultimate 102 (hier auch mit anderem Grundkraftstoff) von Haus aus zugefügt ist. Man tankt es direkt mit.
David Kaiser, Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei Liqui Moly, empfiehlt dennoch ein separates Additiv, den Benzin-Stabilisator, zur Lagerung von Benzin. Ein Korrosionsschutz bilde eine dünne Molekularschicht auf den (Metall-)Oberflächen und schütze diese; Antioxidantien, vergleichbar mit Vitamin E für Menschen, würden die Alterung des Benzins verlangsamen.
Wenzel Strojek von Aral/BP beschreibt schließlich sehr ähnliche Bestandteile in deren Additivpaket, dazu kommen Reiniger und Reibungsminderer. Der Vorteil bestehe darin, dass diese bereits in genau abgestimmter Dosierung im Kraftstoff eingemischt sind. Werden dann noch nachträglich Additive mit in den Tank gegeben, könne nicht ausgeschlossen werden, dass es zu negativen Wechselwirkungen oder sogar einer Überdosierung kommt. Das könne zu Ablagerungen im Kraftstoffsystem führen.
KTM empfiehlt im Handbuch der aktuellen 790 Duke: "Beim letzten Auftanken vor der Stilllegung des Motorrads Kraftstoffzusatz beimengen." Ebenso hält es Yamaha wie bei der aktuellen MT-09: "Den Kraftstofftank befüllen und Kraftstoff-Stabilisator hinzufügen."
Die verschiedenen Benzinsorten und ihre Eigenschaften
Super-Benzin ist ein weitverbreiteter Kraftstoff, der in vielen Verbrennungsmotoren Verwendung findet. Es handelt sich um einen Ottokraftstoff, der speziell für Benzinmotoren entwickelt wurde. Super-Benzin hat eine Oktanzahl von mindestens 95 ROZ (Research Oktanzahl) und ist somit für die meisten herkömmlichen PKW-Motoren geeignet.
Super Plus ist eine Variante von Benzin mit einer noch höheren Oktanzahl von mindestens 98 ROZ. Es wird oft auch als "Premium" oder "Hochoktan" bezeichnet. Super Plus eignet sich vorwiegend für leistungsstärkere Motoren, die eine höhere Oktanzahl benötigen, um optimal zu funktionieren.
E5 und E10 beziehen sich auf die Menge an erneuerbaren, biologischen Komponenten im Benzin. Dies sind also bis zu fünf Prozent oder bis zu zehn Prozent. Durch die Beimischung von erneuerbaren Komponenten sind sie umweltfreundlicher als herkömmliches Benzin.
Nicht alle Motoren sind für die Verwendung von E10 ausgelegt. Ältere Modelle und bestimmte Spezialfahrzeuge könnten Probleme mit dem höheren Ethanolanteil haben.
Fehlbetankung: Was tun?
Grundsätzlich gilt: Beim Tanken von Benzin kannst Du nichts falsch machen. Aber selbst wenn Du an der Tankstelle einmal Normalbenzin statt Super Plus nachfüllst, ist das kein größeres Problem. Dann genügt es laut ADAC meist, dem Motor keine hohe Leistung abzuverlangen und Benzin der richtigen Güte im Nachhinein zu tanken.
Ist Dein Auto nicht für E10 vorgesehen, kann eine einzige Fehlbetankung zu ernsten Schäden führen. Hast Du nicht gerade randvoll E10 im Tank, kann es in Abstimmung mit dem Hersteller genügen, das Ethanol-Mischungsverhältnis durch Nachtanken von Super Plus in einen unkritischen Bereich zu bringen. Anderenfalls musst Du womöglich abpumpen lassen und dann frisches Benzin tanken.
Im Handel gibt es Bleiersatz, der von Hand in den Tank gefüllt wird. Zum einen seien die von bleifreiem Benzin bedrohten Ventilsitze bei den meisten Autos seit den 1980er-Jahren mit ausreichend gehärteten Bauteilen bestückt. Zum anderen seien ältere Motoren, die mit verbleitem Benzin betrieben wurden, durch Bleiablagerungen ausreichend geschützt.
Empfehlungen für Motorradfahrer
Die Wahl des richtigen Kraftstoffs ist entscheidend für die Gesundheit deines Motorrads. E10 kann bei längerer Nichtbenutzung zu erheblichen Schäden an Vergasern und Einspritzsystemen führen. Um dies zu vermeiden, ist es sinnvoll, auf E5 umzusteigen und zusätzliche Maßnahmen wie den Einsatz eines Kraftstoffstabilisators oder das vollständige Entleeren des Vergasers durchzuführen.
Wer mit seinem Auto, Motorrad oder Lkw eine Tankstelle in Deutschland ansteuert, hat in der Regel die Wahl zwischen Diesel und Benzin, wobei es letzteres in den Varianten Normalbenzin, Super und Super Plus gibt. Doch wie unterscheiden sich die Benzinsorten in Deutschland? Wann muss Diesel, wann Benzin getankt werden? Und welche Folgen hat das falsche Tanken für den Motor?
Überblick über die verschiedenen Benzinsorten:
| Benzinsorte | Oktanzahl (ROZ) | Ethanolanteil | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Super (95) E5 | 95 | Max. 5% | Standardkraftstoff für die meisten Benziner |
| Super (95) E10 | 95 | Max. 10% | Umweltfreundlicher, aber nicht für alle Fahrzeuge geeignet |
| Super Plus | 98 | Max. 5% | Für leistungsstarke Motoren |
| Premiumkraftstoffe (z.B. Ultimate 102) | Über 100 | Kein Ethanol oder geringe Spuren | Hohe Oktanzahl, oft mit Additiven |
Wenn Fahrer falsch tanken, kommt es darauf an, was getankt wurde. Haben Sie Diesel in einen Benziner gefüllt oder umgekehrt, sollte das Fahrzeug sofort stehen bleiben bzw. gar nicht mehr angelassen werden. Haben Sie statt E 10 Super E 5 getankt, sollte das keine Probleme geben, wenn der Motor auf der Verträglichkeitsliste steht.
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