Fahrrad mit Hilfsmotor: Eine Reise durch Technik, Geschichte und Recht

In einer Zeit, in der E-Bikes den Markt erobern, rücken auch Fahrräder mit Hilfsmotoren wieder in den Fokus. Diese motorisierten Zweiräder, die sowohl mit Benzin als auch mit elektrischem Strom betrieben werden können, bieten eine interessante Alternative für all jene, die sich eine zusätzliche Unterstützung beim Radfahren wünschen.

Was gilt als Fahrrad mit Hilfsmotor?

Unter diesen Oberbegriff fallen insbesondere Mofas, Leichtmofas, S-Pedelecs und E-Bikes.

Muss ein Fahrrad mit Hilfsmotor separat versichert werden?

Ja, der Gesetzgeber schreibt für diese eine Kfz-Haftpflichtversicherung samt Versicherungskennzeichen vor.

Welche Führerscheinklasse ist notwendig?

Möchten Sie ein Fahrrad mit Hilfsmotor führen, benötigen Sie dafür die Führerscheinklasse AM.

Allerdings gelten Pedelecs rechtlich in den meisten Fällen nicht als Krafträder und damit auch nicht als Fahrrad mit Hilfsmotor. Ferner muss sich die Laufleistung des Motors bei zunehmender Geschwindigkeit verringern.

Wenn ein Fahrrad mit einem Benzinmotor oder einem Elektromotor ausgestattet ist, aber die maximale Geschwindigkeit des Rades auf ebener Bahn nicht mehr als 25 km/h beträgt, gilt es rechtlich gesehen (§ 4 FeV) als Mofa.

Ein Leichtmofa zeichnet sich dadurch aus, dass sein Verbrennungsmotor nicht mehr als 30 cm³ Hubraum und 0,5 Kilowatt Leistung hat. Außerdem darf dessen durch die Bauart bestimmte Höchstgeschwindigkeit nicht mehr als 20 km/h betragen und das Leergewicht darf nicht mehr als 30 Kilogramm betragen.

Nach § 6 Absatz 1 FeV benötigen Sie normalerweise eine Fahrerlaubnis der Klasse AM, um ein Fahrrad mit Hilfsmotor zu fahren. Dieser Führerschein wurde am 19. Januar 2013 eingeführt.

Einen AM-Führerschein benötigen Sie auch für Kleinkrafträder wie Roller oder Mopeds. Sie dürfen ein Fahrrad mit Hilfsmotor sowie andere Fahrzeuge der Fahrerlaubnisklasse AM auch mit folgenden Führerscheinen fahren: A, A2, A1, B und T (§ 6 Abs. 2 FeV).

Allerdings spielt hierbei auch das Geburtsjahr des Fahrers eine Rolle. Wenn Sie ein Fahrrad mit einem Motor, welcher durch Benzin oder Strom angetrieben wird und nicht schneller als 25 km/h fährt, fahren möchten und vor dem 1. April 1965 geboren sind, benötigen Sie keine Prüfbescheinigung.

Mit einem Mofa dürfen Sie nach § 2 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) Radwege nur außerhalb geschlossener Ortschaften benutzen. Fahrräder mit Hilfsmotor, die eine höhere Geschwindigkeit erreichen als Mofas, gehören auch außerhalb von Ortschaften auf die Straße.

Historische Aspekte von Fahrrädern mit Hilfsmotor

Schon vor Jahrzehnten gab es motorisierte Fahrräder. Noch bis Anfang der 1960er Jahre knatterten Fahrräder mit Hilfsmotoren zumindest durch den Osten Deutschlands.

Eine eher kurzfristige Erscheinung im Straßenverkehr der 1950er Jahre waren Fahrräder mit Hilfsmotoren. Sie waren konstruktiv noch unterhalb der für die 1930er Jahren typischen Motorfahrräder (mit 98 cm³-Motor) angesiedelt.

Nach nur wenigen Jahren war die Phase der Fahrrad-Hilfsmotoren jedoch vorbei.

Sowohl Käufer als auch Konstrukteure mussten zudem einsehen, dass ein handelsübliches Fahrrad selbst mit einem nur etwa 1 PS leistenden Hilfsmotor überfordert war.

Wegen dieser Probleme, aber auch wegen der besser werdenden Verfügbarkeit von vollwertigen Krafträdern, verschwanden die Hilfsmotoren nach 1960 recht schnell wieder aus dem Straßenbild.

Die Sonderausstellung „Die Welt der Fahrradhilfsmotoren“

Die Sonderausstellung „Die Welt der Fahrradhilfsmotoren“ im Kreisgagrarmuseum Dorf Mecklenburg widmet sich den einst beliebten Gefährten. 16 Exemplare, das älteste Modell aus dem Jahr 1930 mit fast 100 Jahren auf dem Buckel, hat Ulrich Wodars dem Museum zur Verfügung gestellt.

„Die Modelle in der Ausstellung sind allesamt Zweitakter mit nur einem Gang. Aber die konnten schon Geschwindigkeiten bis zu 40 km/h erreichen. Und die Reichweite mit einer Tankfüllung - egal, ob mit Benzin, Diesel oder Petroleum gefahren wurde -betrug immerhin bis zu 150 Kilometer“, erzählt Ulrich Wodars.

Ein besonders seltenes Modell ist ein Fahrrad der Marke Excelsior mit einem Hilfsmotor mit Nabenantrieb der Firma Nordap. Das Besondere daran ist, dass dieser im Vorderrad des Fahrrads verbaut wurde.

„Nach meinem Kenntnisstand wurden davon insgesamt nur 38 Stück gebaut“, sagt der Sammler aus Wismar. Der 0,9 PS starke Motor beschleunigte das Rad samt Fahrer bei einem Verbrauch von 1,4 Liter Benzin-Gemisch pro 100 Kilometer auf immerhin 35 km/h.

„Die Ausstellung zeigt Fahrräder mit Druckrollenantrieben, Keilriemen, Ketten, mit vorn, in der Mitte oder hinten gelagerten Motoren. Die Motoren stammen aus insgesamt sechs Staaten“, berichtet Dr. Björn Berg.

Doch die Fahrt mit diesen Rädern war alles andere als ungefährlich. Unfälle waren keine Seltenheit.

Die Motoren hätten oft einfach zu viel Kraft auf die Fahrräder gebracht, Rahmenbrüche und defekte Speichen seien die Folge gewesen, so Ulrich Wodars.

20 betagte Fahrräder mit ebenso betagten Hilfsmotoren nennt der 66-Jährige mittlerweile sein Eigen. Und ein Ende der Sammel-Leidenschaft scheint nicht in Sicht: „Ich habe noch genügend Einzelteile, um weitere Fahrräder zu bestücken.“

Bekannte Modelle und Hersteller

Das wohl erfolgreichste Produkt des VEB Meßgeräte und Armaturenwerk "Karl Marx" (MAW) war ein Anbaumotor, der in verschiedenen Varianten z.B. als Hilfsmotor für Fahrräder, aber auch für Boote konzipiert war.

Optisch und konstruktiv ähnelt der Motor sehr stark dem Hilfsmotor der Westberliner AMO Motoren GmbH Berlin-Schöneberg (1950 bis 1953 gebaut).

Markenname für einen Fahrradhilfsmotor, der im Herbst 1953 auf der Leipziger Messe vorgestellt wurde und von 1954 bis 1956 vom VEB Werkzeugmaschinenfabrik Treptow (Berlin) produziert wurde. Gebaut wurden wurden ca. 30.000 Motoren - nach dem MAW-Hilfsmotor war der "Steppke" somit der am zweithäufigsten produzierte Fahrrad-Anbaumotor in der DDR.

Montiert wurde der Motor unter dem Tretlager. Die Kraft wurde durch eine Reibrolle, die mit einem Gestänge betätigt wurde, auf das Hinterrad übertragen.

Eine Sonderstellung unter den DDR-Hilfsmotoren nimmt der vom Dresdner Unternehmer Gottlieb Haza und dem Konstrukteur Max Rietscher entwickelte und 1954 vorgestellte Haza 25 D ein.

Walter Kratzsch, geboren 1899, Ingenieur und Motorenkonstrukteur, fertigte, neben Modellbenzinmotoren, von 1947 bis 1951 im thüringischen Gößnitz (Kreis Altenburg) auch Fahrradhilfsmotoren, die unter dem Namen Kratmo bekannt sind.

Der Hilfsmotor "Student" wurde von Bernhard-Hellmuth Kratzsch, Zella-Mehlis entworfen und nur zum Selbstbau angeboten.

Ein weiterer Hilfsmotor mit der Bezeichnung "Student" wurde vom VEB (K) Metallwarenfabrik Zella-Mehlis gebaut und auf der Leipziger Messe (vrmtl. Herbstmesse 1953) vorgestellt.

Im VEB Mähdrescherwerk Weimar (ab 1964 VEB Weimar-Werk, ab 1978 zum Kombinat Fortschritt Landmaschinen) wurde Mitte der 1950er Jahre offenbar ein Fahrradhilfsmotor im Rahmen der Konsumgüterproduktion entwickelt.

Moderne Nachrüstsätze für Fahrräder mit Benzinmotor

In einer Zeit wo E-Bikes den Markt erobern, haben wir bei GearBest ein Motor Komplett-Set gefunden, welches für die Montage an einem handelsüblichen Fahrrad gedacht ist. Mit einem Preis von ca 100€ ist dieser sogar einigermaßen bezahlbar - genau das Richtige für Hobbybastler 😀

So cool dieses Bastel-Projekt ist: Auf öffentlichen Straßen in Deutschland ist das Fahren mit einem damit gepimpten Fahrrad natürlich nicht erlaubt!

Hier ein Beispiel-Video:

Laut GearBest soll die zu erreichende Maximalgeschwindigkeit ungefähr bei 38 km/h liegen.

Das Zubehör des Motor-Kits ist soweit vollständig, so dass neben entsprechendem Werkzeug nichts weiter benötigt wird.

Enthalten ist:

  • Motor inkl. Starter und Auspuff
  • Vergaser
  • Gaszug + Drehgriff
  • Kupplung + Griff
  • Diverse Benzin- und Ölleitungen
  • Tank
  • Antriebskette, Ritzel + Befesstigung für das Hinterrad
  • Sämtliche Schauben + Zündkerze

Der Motor und Vergaser des Sets sind soweit vormontiert, dass die einzelnen Komponenten lediglich am Fahrrad montiert und relativ leicht angeschlossen werden können.

Ein geübter Schrauber, der von der Materie ein wenig Ahnung hat und über entsprechendes Werkzeug verfügt, sollte es grundsätzlich schaffen das Kit innerhalb eines Tages zu montieren, sofern keine größeren Komplikationen auftreten.

Zu beachten ist natürlich, dass ein solcher Umbau, genau wie diverse Elektroroller, Hoverboards oder auch E-Bikes aus China, keine Zulassung für den Straßenverkehr besitzen und somit nur auf privatem Gelände genutzt werden dürfen.

Was aber nichts daran ändert, dass dies ein ziemlich cooles Umbau-Projekt bleibt 🙂

Aktuelle Angebote für Fahrradmotoren

Im Folgenden werden einige aktuelle Angebote für Fahrradmotoren auf verschiedenen Online-Plattformen aufgelistet:

  • 49cc Zweitaktmotor, Pocket Bike Motor, Mini-Benzinmotor
  • STSREO49CC 2-Takt Einzelzylinder Mini-Motor
  • KUMGShuolinACROSSPART 49CC Einzylinder Complete Engine Motor Kit
  • ArieramJJsdwin 49cc 2Takt Pocket Bike Motor
  • ROMYIX 50cc Fahrradmotor Bausatz, 2 Takt Fahrrad Benzin Motor Motor Kit
  • ROMYIX49CC 2-Takt Engine Motor, Pull Start Mini Dirtbike Motor Bausatz
  • NSHAAA49Cc 2-Takt Pocket Bike Motor Aluminum Benzinmotor
  • PETITSHOPawolsrgiop 49cc 2Takt Motor, Pocket Bike Motor Mini Benzinmotor
  • AnifeirTenddya 49CC 2-Takt Engine Motor, Pull Start Mini Dirtbike Motor Bausatz
  • MINQINHFahrrad Benzin Bike Motor Kit,80cc Fahrradmotor Kits

Technische Details im Überblick

Die folgende Tabelle fasst einige technische Details von Fahrradmotoren zusammen:

Merkmal Beschreibung
Motortyp 2-Takt, 4-Takt, Benzin, Elektrisch
Hubraum Variiert je nach Modell (z.B. 49cc, 80cc)
Leistung Bis zu 1.9 kW / 7000 U/min
Kühlung Luftkühlung
Kraftstoffverbrauch ≤ 610g/kW.h
Höchstgeschwindigkeit Bis zu 48 km/h
Tragfähigkeit Bis zu 180 kg

Rechtliche Aspekte

Es ist wichtig zu beachten, dass der Betrieb von Fahrrädern mit Hilfsmotor im öffentlichen Straßenverkehr bestimmten Regeln unterliegt. In Deutschland ist für viele Modelle eine Fahrerlaubnis der Klasse AM erforderlich, und es besteht eine Versicherungspflicht.

Rechtsanwalt Mathias Voigt besitzt seine Zulassung seit 2013. Zuvor studierte er an der juristischen Fakultät in Rostock und absolvierte sein Referendariat in Nordrhein-Westfalen.

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