Bremsweg Berechnung für Motorräder: Formel und Einflussfaktoren

In Deutschland gibt es kein generelles Tempolimit, sofern Schilder nichts anderes regeln. Wer allerdings einmal richtig Fahrt aufgenommen hat, muss irgendwann auch wieder bremsen. Um ein Stück weit in solchen und vielen anderen Situationen sicher zu sein, lohnt es sich, den Bremsweg berechnen zu können.

Nachdem Sie auf die Bremse getreten haben, legt Ihr Fahrzeug noch eine gewisse Wegstrecke zurück, bis es endgültig zum Stillstand kommt. Bei dieser Strecke handelt es sich um den sogenannten Bremsweg des Autos. Den Bremsweg zu berechnen und zu kennen, hilft Ihnen, unangenehme Situationen und sogar Unfälle zu vermeiden. Denn kein Pkw kommt beim Betätigen der Bremse unmittelbar zum Stillstand.

Bis die Energie, die den Wagen vorwärtsbewegt, abgebaut ist, vergeht Zeit. So ist jeder Meter entscheidend, wenn es darum geht, einen Auffahrunfall zu verhindern. Zudem hilft die Kenntnis über den Bremsweg, Gefahren frühzeitig und richtig einzuschätzen, seine Geschwindigkeit anzupassen und die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten.

Was ist der Bremsweg?

Der Bremsweg ist die Strecke, die ein Wagen vom Betätigen der Bremse bis hin zum kompletten Stillstand zurücklegt. Der Bremsweg beschreibt die Strecke zwischen dem Beginn der Bremsung und dem Stillstand des Fahrzeugs. Er besagt demnach, wie viele Meter das Auto bremsend zurücklegt. Im Unterschied dazu steht die Bremszeit, die neben dem Bremsweg die Bremsansprechzeit einschließt. Diese ist von der Fahrgeschwindigkeit und einer möglichen Bremsverzögerung abhängig.

Man berechnet beim Bremsweg den normalen Bremsvorgang und im Unterschied dazu die Gefahrenbremsung bzw. In einer Gefahrensituation ist die Kraft, die auf das Bremspedal einwirkt, deutlich höher, da das Bremspedal meist voll durchgetreten wird. Der Bremsweg hängt maßgeblich davon ab, ob eine normale Bremsung oder aufgrund einer Gefahrensituation eine Vollbremsung durchgeführt wird. Wer den Bremsweg mittels Faustformel bei einer Notbremsung berechnet, wird feststellen, dass dieser sich um die Hälfte reduziert.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass der Bremsweg linear zur Geschwindigkeit ansteigt. Tatsächlich gilt: Verdoppelt sich die Geschwindigkeit, vervierfacht sich der Bremsweg. Wie bereits erwähnt, ist der Bremsweg keine Konstante, sondern verändert sich unter bestimmten Voraussetzungen. Er kann sich verkürzen oder verlängern. Den Bremsweg anhand der Formeln zu berechnen, liefert also immer nur einen Anhaltspunkt.

Formeln zur Berechnung des Bremswegs

Damit man die theoretische Führerscheinprüfung besteht, sollte man sich ein paar Faustformeln einprägen. Wer die im Kopf hat, sollte kaum Schwierigkeiten haben, den Reaktions-, Brems- und Anhalteweg in der Theorieprüfung berechnen zu können. Wichtig: Diese Faustformeln sind vereinfachte Merkhilfen und keine wissenschaftlich korrekten Rechnungen. In der Praxis ist etwa der tatsächliche Brems-, Reaktions- und Anhalteweg von vielen Faktoren abhängig und auf diese Weise nicht exakt auszurechnen.

Bremsweg (normale Bremsung)

Der Bremsweg ist die Strecke, die zwischen dem Treten der Bremse und dem Stillstand des Fahrzeugs noch zurückgelegt wird. Beim Bremsen wird zwischen dem "normalen Bremsen" und einer "Gefahrenbremsung" unterschieden. Zudem haben die Witterungsverhätlnisse Einfluss auf den Bremsweg. Liegt Schnee auf der Straße, verlängert sich der Bremsweg.

Die Faustformel lautet:

(Geschwindigkeit in km/h : 10) x (Geschwindigkeit in km/h : 10) = Bremsweg in Metern

Rechenbeispiel: Man ist mit 50 km/h in der Stadt unterwegs und will die wartenden Kinder am Zebrastreifen herübergehen lassen.

Die Rechnung: (50 km/h : 10) x (50 km/h : 10) = 25 (Meter). Der Bremsweg ist also 25 Meter lang.

Bremsweg (Gefahrenbremsung)

Da das Bremspedal bei einer Gefahrenbremsung in der Regel voll durchgetreten wird, halbiert sich hierbei der Bremsweg. Die Faustformel für eine Gefahrenbremsung:

(Geschwindigkeit in km/h : 10) x (Geschwindigkeit in km/h : 10) / 2 = Bremsweg in Metern

Rechenbeispiel: Man ist mit 50 km/h in der Stadt unterwegs und plötzlich rollt ein Ball über die Straße, ein Kind rennt hinterher. Der Fahrer macht eine Gefahrenbremsung.

Die Rechnung: (50 km/h : 10) x (50 km/h : 10) / 2 = 12,5 (Meter). Der Bremsweg bei einer Gefahrenbremsung beträgt hier 12,5 Meter.

Wichtig: Die Faustformeln sind keine wissenschaftlich korrekten Formeln und geben nur einen ungefähren Wert wieder!

Reaktionsweg

Der Reaktionsweg ist der Weg, der vom Erkennen einer Gefahr bis zur Betätigung der Bremse zurückgelegt wird. Die Faustformel lautet:

(Geschwindigkeit in km/h : 10) x 3 = Reaktionsweg in Metern

Rechenbeispiel: Man ist mit 100 km/h auf einer Landstraße unterwegs und muss plötzlich einem Wildschwein ausweichen.

Die Rechnung: (100 km/h : 10) x 3 = 30 (Meter). Der Reaktionsweg ist also 30 Meter lang. Hinzu kommt der Bremsweg, erst dann steht das Auto still.

Wichtig: Die Faustformeln sind keine wissenschaftlich korrekten Formeln und geben nur einen ungefähren Wert wieder!

Anhalteweg

Wer den gesamten Anhalteweg berechnen möchte, der muss den Bremsweg und den Reaktionsweg zusammenzählen. Die Faustformel für den Anhalteweg lautet:

(Geschwindigkeit in km/h : 10) x 3 + (Geschwindigkeit in km/h : 10) x (Geschwindigkeit in km/h : 10)

Die erste Formel ist die des Reaktionsweges. Die zweite Formel ist die des Bremsweges. Beide Ergebnisse müssen miteinander addiert werden.

Rechenbeispiel: Man ist mit seinem Auto mit 50 km/h unterwegs.

Die Rechnung: (50 km/h : 10) x 3 = 15 Meter Reaktionsweg. (50 km/h : 10) x (50 km/h : 10) = 25 Meter normaler Bremsweg. Für den Anhalteweg ergeben sich also rund 40 Meter.

Wichtig: Die Faustformeln sind keine wissenschaftlich korrekten Formeln und geben nur einen ungefähren Wert wieder!

Bremsweg beim Motorrad

Jeder Motorrad-Test vermittelt exakte Werte zu den PS-Leistungen von Modellen und detaillierte Angaben, in welcher Zeit sie eine Geschwindigkeit von 100 oder 200 km/h erreichen. Im Alltag aber ist es lebenswichtig, genauere Informationen zu haben, wie lange ein Bremsvorgang mit allen Verzögerungen dauert und wie schnell sich das eigene Motorrad tatsächlich zum Stehen bringen lässt.

  • Reaktionsweg: Das ist die Strecke, die das Motorrad in der Zeit zurücklegt, die Sie brauchen, um den Bremsvorgang einzuleiten. Und meist dauert es zwischen einer halben und einer Sekunde, bis Sie reagiert haben. Sind Sie abgelenkt, unkonzentriert, müde oder alkoholisiert, kann sich die Reaktionszeit noch verlängern. Und bis dahin fährt das Motorrad erst mal mit unverminderter Geschwindigkeit weiter.
  • Bremsweg: Das ist die Strecke, die das Motorrad braucht, um nach der Einleitung des normalen Bremsvorgangs zum Stehen zu kommen. Wie lange das dauert und wie viel Meter das Motorrad während des langsamen Abbremsens noch zurücklegt, hängt von Faktoren wie Geschwindigkeit, Gewicht der Maschine, Reifen, Untergrund und Technik wie Zustand der Bremsanlage ab.
  • Anhalteweg: Das ist die Strecke, die das Motorrad zwischen dem ersten Reaktionsimpuls vor dem Bremsen bis zum vollständigen Halt der Maschine zurücklegt. Auf eine Formel gebracht, drückt das die Gleichung Reaktionsweg + Bremsweg = Anhalteweg aus.

Zur Ermittlung des Bremswegs von Fahrzeugen gibt es eine Formel, die auf Grundlage der Geschwindigkeit in Stundenkilometern km/h einen ungefähren Wert in Metern liefert. Demnach können Sie den Bremsweg (BW) unter durchschnittlichen Bedingungen anhand folgender Formel schätzen: Geschwindigkeit : 10 x 2 = BW. Bei einer Vollbremsung wird der Wert noch einmal halbiert.

Für Motorräder passt die Formel allerdings nur bedingt, da bei Krafträdern grundsätzlich ein längerer Bremsweg als bei Pkw einkalkuliert werden muss. Daher wird meist ein mathematischer Verzögerungswert von 10 m/s2 angenommen, den etwa Bremsweg-Rechner bei Motorrädern berücksichtigen.

Mit Rechner, Formel und Faustregeln können Sie besser einschätzen, wie lang der Bremsweg des Motorrads ist. Dazu können Sie Bremswerttabellen und Bremswertrechner nutzen.

Einflussfaktoren auf den Bremsweg beim Motorrad

Auch wenn Sie schnell reagieren und in der Fahrschule gelernt haben, wie Sie eine Gefahrenbremsung mit dem Motorrad machen, die Gesetze der Physik lassen sich durch Erfahrung und Reaktionsvermögen nicht außer Kraft setzen. So schnell, wie das Motorrad beschleunigt, lässt es sich jedenfalls nicht zum Stehen bringen.

Doch Sie können durchaus etwas für mehr Sicherheit beim Motorradfahren tun, indem Sie das Bremsverhalten richtig einschätzen.

  • Technik: Motorräder mit Antiblockiersystem (ABS) bieten mehr Sicherheit, da diese Technik dafür sorgt, dass die Räder beim Bremsen nicht blockieren. Damit verkürzt sich zwar nicht der Bremsweg, aber die Maschine bleibt besser beherrschbar, sodass die Gefahr von Stürzen reduziert wird. Für neue Modelle über 125 ccm Hubraum schreibt der Gesetzgeber seit Anfang 2016 den Einbau von ABS vor. Bei vielen älteren Motorrädern gehört ABS nicht zur Serienausstattung, kann jedoch als Option verbaut sein.
  • Wartung: Bremsscheiben und Bremsbeläge verschleißen mit der Zeit, sodass sich das Bremsverhalten des Bikes verschlechtert. Deswegen sollten Sie die Bremsanlage regelmäßig prüfen und etwa die Beläge rechtzeitig wechseln lassen. Das verkürzt den Bremsweg des Motorrads und trägt zu Ihrer Sicherheit bei.
  • Geschwindigkeit: Passen Sie die Geschwindigkeit an Untergrund und Wetterverhältnisse an. Denn auf rutschiger Fahrbahn oder bei Regen haben die Räder weniger Bodenhaftung, wodurch sich der Bremsweg verlängert.

Tabelle: Bremsweg bei verschiedenen Geschwindigkeiten

Geschwindigkeit (km/h) Bremsweg (normale Bremsung) Bremsweg (Gefahrenbremsung)
30 9 Meter 4,5 Meter
50 25 Meter 12,5 Meter
100 100 Meter 50 Meter

Hinweis: Die Werte in der Tabelle sind Richtwerte und können je nach den oben genannten Einflussfaktoren abweichen.

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