Bergamont Fahrrad Test: Eine umfassende Übersicht

1993 wurde im Norden des Landes die Firma Bergamont gegründet. Bevor es zum ersten Bergamont Fahrrad kam, ging es ganz bescheiden mit einer kleinen Fahrradwerkstatt und als Tochter-Unternehmen eines Fleischwarenhändlers los. Mitten in Hamburg, direkt gegenüber vom Schlachthof.

Seit über 20 Jahren nutzt Bergamont den geografisch sinnvoll gelegenen Standort im Norden aus und pflegt im Welthandel die besten Beziehungen nach Asien. Im Herzen Hamburgs bleibt Bergamont aber auch nach dem Umzug 2014. Ein paar Straßen weiter ist der neue Standort nun direkt gegenüber vom Millerntor Stadion in dem zur Bundesliga-Zeit vor allem der FC St. Pauli kickt.

Gravelbike Bergamont Grandurance RD 7 im Test

Das Gravelbike Bergamont Grandurance ist eines der erfolgreichsten Modelle der Hamburger Marke, die seit 2015 unter dem Dach von Scott firmiert. Die aktuelle Version gibt es in gleich vier alltagstauglich ausgestatteten Varianten. Das gezeigte RD 7 ist die hochwertigste mit Alu-Rahmen und die einzige mit modernen Steckachsen - die günstigeren kommen noch mit veralteten Schnellspannern.

Das Rad verspricht mit solidem Shimano-105-Antrieb, Schwalbes G-One-Reifen, Nabendynamo von Shimano und einem stabilen Racktime-Gepäckträger zunächst viel Leistung fürs Geld. Ernüchterung macht sich allerdings beim Anheben des Rades breit: Mit 13,4 Kilogramm ist es mit Abstand das schwerste Rad im Testfeld. Das Gewicht versteckt sich in den schweren Laufrädern und im extrem fahrstabilen Rahmen.

Ein Gewichtstreiber ist auch die Gabel aus Aluminium; sämtliche Konkurrenten bieten Vollcarbongabeln und können damit einige Hundert Gramm einsparen. Im Test bleibt das hohe Gewicht die größte Schwäche, davon abgesehen zeigt sich das Rad als funktionaler und zuverlässiger Begleiter. Der Rahmen gibt eine aufrechte Sitzposition vor, was vom kurzen 80-Millimeter-Vorbau noch verstärkt wird.

Das Fahrverhalten ist ausgesprochen gutmütig und spurtreu, selbst schwer beladen dürfte das Fahrwerk auf Abfahrten kaum aus der Ruhe zu bringen sein. Die Nabendynamos produzieren zuverlässig Strom, signifikante Qualitätsunterschiede zwischen den Herstellern sind nicht erkennbar.

Das Lieblingsterrain liegt trotz der geländetauglichen Reifen eher auf Asphalt, allein die Übersetzung des Rennrad-Antriebs verhindert allzu schwierige Geländetouren. Selbst auf langen asphaltierten Anstiegen könnten weniger trainierte Menschen mit den straffen Gängen Probleme bekommen, kleinere Kettenblätter würden besser ins Konzept passen.

Davon abgesehen empfiehlt sich das Bergamont auch für ausgedehnte Reisen, denn es verfügt über zusätzliche Befestigungsösen für kleine Taschen oder Werkzeugboxen. An der Gabel lassen sich an drei Ösen pro Seite ebenfalls Flaschenhalter oder Gepäckträger befestigen. Für den elegant vom Schutzblech getragenen Gepäckträger gibt es eine große Auswahl an Taschen, Boxen und Körben zum Einklicken. Wer mehr Budget übrig hat, sollte einen Blick auf die Top-Version RD Elite mit Carbonrahmen werfen.

Bergamont Grandurance RD 5 im Detail

So gut ich mich auch bemühe, am Bergamont Grandurance RD 5 gibt es bei der Verarbeitung nichts meckern. Der Rahmen aus Aluminium ist sauber verarbeitet und bietet zahlreiche Anschraubpunkte für Flaschen, Taschen oder anderes Zubehör. Wenn der Rahmen platzmäßig nicht ausreichen sollte, befinden sich auch an der Gabel weitere drei Gewinde pro Seite. Außerdem kann ein Ständer nachgerüstet werden.

Die Kabelzüge der Bremsen und Schaltung führen vom Lenker sehr sauber in das Steuerrohr, wodurch die cleane Optik des Grandurance verstärkt wird. Einen Gepäckträger mit Racktime-System gibt es genauso wie die Lichtanlage, die mittels Nabendynamo versorgt wird.

Trittst du beim Grandurance RD 5 in die Pedale bewegst du GRX-Gravel-Komponenten aus dem Hause Shimano. Shimano vor einigen Jahren spezielle Fahrradkomponenten auf dem Markt gebracht, die speziell für den Einsatz an Gravelbikes optimiert sind. Konkret bedeutet das, dass etwa die Schaltwerke die von Mountainbikes bekannte „Shadow Plus“-Funktion bekommen haben. Mit dieser zuschaltbaren Dämpfung verhält sich die Kette auch bei ruppigen Trails deutlich ruhiger und sicherer auf den Zahnrädern. Am Grandurance RD 5 verwendet Bergamont fast durchweg die 400er-Serie aus Shimanos GRX-Bereich.

Die Kurbel besitzt zwei Kettenblätter mit jeweils 46 und 30 Zähnen. Bei den Kontaktpunkten fällt auf, dass der Lenker von Satori eine ordentliche Breite hat und der Unterlenker kaum weiter abgespreizt ist. Das auch als „Flair“ bezeichnete, charakteristische Merkmal von Gravelbikes, ist vor allem für eine verbesserte Kontrolle im schwierigen Gelände hilfreich, gilt aber als weniger aerodynamisch. Bergamont zieht beim Grandurance RD 5 Schwalbes G-One Allround über die Felgen. „Allround“ ist das perfekte Stichwort.

Das liegt vor allem an der Geometrie, die einen guten Mix zwischen einer angenehmen Sitzposition und doch sportiven Fahrverhalten herstellt. Es passt genau für die Zwecke, für die es entwickelt wurde. Die Brems- und Schalthebel von Shimano lassen sich wie gewohnt wunderbar bedienen. Mit der GRX-Schaltung lässt sich fix durch die Gänge schalten und die hydraulischen Scheibenbremsen bringen mich mit jederzeit Leichtigkeit zum Stehen. Ein kurzer Test kann natürlich eine langfristige Nutzung nicht abbilden, aber die GRX-Komponenten gelten als äußerst robust und langlebig.

Was mir beim Test außerdem noch auffällt, ist die Wertigkeit, die das Bike ausstrahlt - und das ist es, was ein neuer, zweirädriger Begleiter fürs Leben braucht. Nichts klappert und ich fühle mich rundum wohl. Es ist das Unkomplizierte, was mich an Bikes wie dem Bergamont Grandurance RD 5 überzeugt. Das Grandurance ist ein perfektes Beispiel für ein gelungenes Alltagsbike, insbesondere für die Fahrten zur Arbeit, Schule oder Uni.

Alternativ zum Grandurance RD 5 seien noch die beiden Schwestermodelle Grandurance RD 3 und Grandurance RD 7 erwähnt, die sich von den verwendeten Komponenten, der Farbwahl und am Ende dem Preis unterscheiden. Eine spannende Alternative, die mir in den Sinn kommt, ist das Atlas 6.7 EQP von Focus. Die Ausstattung ist auf vergleichbarem Niveau und auch die Geometrie ist sehr ähnlich. Das von mir geliebte „Unkomplizierte“ sollte Focus also ebenfalls bieten. Auffälliger ist da schon der Unterschied vor allem hinsichtlich der Farbauswahl.

Weitere Informationen

Unsere Kooperation als Fahrrad Blog begann im September 2015. Wir erhielten das Bergamont Rennrad „Bergamont Prime RS MGN“. Mit diesem Vollcarbon-Rennrad haben wir den Grundstein für die Bergamont Testberichte gelegt. Wie immer gilt: wir fahren alle unsere Fahrräder mindestens 300 Kilometer bevor es zu einem echten Testbericht und Urteil kommt.

Die Hamburger haben viel zu bieten und decken mit ihren Fahrrädern das komplette Spektrum ab. Vom normalen Hardtail MTB bis hin zu besten Rennrädern und modernen E-Bikes findet jeder Radfahrer sein Bike. Für die Kleinen gibt es die Bergamont Kinderfahrräder.

Bergamont Revox MGN im Test

Es ist mittlerweile schon zwei Jahre her, dass wir das Revox in einem Test hatten. Komponenten wie eine Rock Shox Sid XX, ein Fizik Tundra Sattel mit Carbon Gestell oder eine sortenreine XTR Gruppe samt Bremse findet sich an sonst keinem der Testräder. MGN, also „mehr geht nicht“ eben.

Die XTR Gruppe sorgt mit ihrem 2×11-Antrieb für eine deutlich größere Übersetzungsbandbreite und eine feinere Gangabstufung, was vor allem für Langstreckenfahrer interessant sein dürfte. Die sehr hochwertige Komponentenwahl spiegelt sich aber auch im Preis. Während die Hamburger Firma oft bei der Vergabe des Preis-/Leistungssieges ein Wörtchen mitredet, ist das Bike in diesem Test mit 5.799 Euro das teuerste.

Doch es ist nicht nur teuer, sondern auch leicht, und die Waage bleibt bei 9,4 Kilo stehen. Viel Potenzial nach unten bleibt da nicht mehr, ohne dafür tiefer in die Tasche greifen zu müssen. Lediglich die Verwendung einer Dichtmilch in den Reifen kann man sich noch überlegen, auch wenn dies mit der leichten Lite Skin Karkasse der Schwalbe Rocket Ron Reifen etwas Aufwand bedeuten kann. Für 2016 hat man den Rahmen mit einer Steckachse versehen und das Hinterrad wird mit einer Rock Shox Maxle fixiert.

Strategiewechsel und Entwicklung von Bergamont

Die Hamburger Bergamont Vertriebs GmbH hat sich im Laufe ihres noch jungen Lebens diverse Strategiewechsel aufgebunden. Der laut Medienberichten exzellent positionierte Fahrradhersteller, vor 20 Jahren noch auf den Vertrieb beschränkt, hat sich inzwischen als Produzent mit Umsatzahlen in zweistelliger Millionenhöhe am Markt etablieren können. 2008 folgte eine Übernahme von BMC, seit Mitte 2015 führen die Hanseaten ihre Geschäfte unter dem Dach der Scott Sports SA.

Bergamont fährt den Slogan „Bikes for Different Stories“ und führt entsprechend ein breit gefächertes Angebot an City-Bikes und Offroadtypen, ist aber auch rechtzeitig ins lukrative Pedelec-Geschäft eingestiegen.

MTB-Varianten von Bergamont

Etwas unvermutet öffnet sich hinter dem Menüpunkt „Fullsuspension“ auf der Webseite des Unternehmens eine fünfteilige Palette an Ausstattungsvarianten und Unterformen der vollgefederten MTBs - angeführt von Marathon Race 29 Zoll und gefolgt von Trail Tour, All Mountain Tour, Gravity Slopestyle, Gravity Freeride und Gravity Downhill. Dasselbe gilt für die Hardtails, deren Palette allerdings im Bereich Marathon Race und Allround jeweils in Zollmaße von 29 und die Zwischengröße von 27,5 Zoll auffächert.

Die Nutzerführung ist sympathisch und erwartungskonform. Trotz der stattlichen Auswahl an MTB-Varianten darf selbst der Unbedarfte den Überblick wahren: Hinter jedem der Unterformen ist die angekündigte Anzahl der Modelle zu finden, Neuheiten im Sortiment werden entsprechend gekennzeichnet. Der Innovationsdruck scheint indes enorm, das Portfolio spiegelt ihn in immer neuen Designs und Varianten.

Crossräder von Bergamont

Die Crosssräder firmieren unter der Bezeichnung Helix und lassen sich weiter unter Damenräder („Lady“) und Herrenmodelle („Gent“) aufteilen. Die weibliche Nutzerschaft wird mit damenfreundlichen Rahmengeometrien und -höhen (46 und 52 Zentimeter) umgarnt, die männlichen Nutzer finden entsprechend höhere Rahmen (bis 56 und 61 Zentimeter) sowie Oberrohr-, Sitzrohr- und Steuerrohrlängen in herrennahen Geometrien. Zusätzlich markieren die Hanseaten weibliche Geometrien mit dem Label Feminine - mit ergonomischer Ausstattung, komfortablerem Sattel und kürzerem Vorbau.

Leichte Aluminiumrahmen, 28-Zoll-Laufräder und Shimano XT/Alivio- oder Shimano XT/Deore-Schaltgruppen dominieren das Sortiment der derzeit zehn Cross-Räder mit ihrer Hybriderscheinung aus Rennrad und Mountainbike.

Die Notenschwerpunkte liegen auf "Sehr Gut" und "Gut" - erläutert mit Testfazits wie „technisch und optisch schlüssig“ (Trekkingbike 2/2013 zum Bergamont Helix 8.3) oder „Crosser, der von langen Touren bis sportlichen Trainingseinheiten alles mitmacht“ (Trekkingbike 3/2011 zum Helix 9.1). Querfeldeinrennen lassen sich mit den derzeit drei Modellen der Prime CX-Baureihe betreiben - spielerisch, mit komfortabler Sitzposition und rückenschonend (Rennrad 1-2/2014 zum CX Team).

Rennräder von Bergamont

Das Race-Segment platziert (Voll-)Karbonrahmen und Race-Gemotrien neben Aluminiumrahmen in „Komfort-Geometrien“ (Bergamont zum Prime 3.0) und verweist stolz auf das „Sehr gut“ der RoadBike (2/2015) und die Urteilsgründe als „willig, zuverlässig, sportlich veranlagt“ - ein Rad für Einsteiger und sportlichen Tourern gleichermaßen.

Dass Bergamont es versteht, mit den Erfolgsschlüsseln leicht, steif und wendig einerseits und budgetfreundlich andererseits so zu orchestrieren, dass ein Testmagazin zur Überzeugung „Sehr gut“ gelangt (Rennrad 5/2015), zeigt sich am Beispiel des Bergamont Prime RS aus dem Modelljahr 2015 besonders eindrücklich. Ein Volltreffer, wie die Roadbike schon im Vorjahr bilanzierte.

Aus demselben Jahr stammt allerdings auch ein Ausreißer ins „Befriedigend“. Das Prime 6.4 beurteilt vom Magazin Tour in der Aprilausgabe als funktional zuverlässig, aber schwer, belegte im Rennradvergleich nur den letzten Platz. Dass ein „recht hohes Gesamtgewicht“ (Roadbike 6/2014) beim Renner zwar Punkte kostet, insgesamt aber noch ein Sehr gut in der Endwertung bedeuten kann, liefert das Beispiel des 9,25 Kilo schweren Dolce 6.3 aus dem Modelljahr 2014.

Alltagsräder von Bergamont

Die stadttauglichen Urban-Räder firmieren zurzeit unter der Bezeichnung Sweep, dabei fallen vor allem die Damen- und Herrenversion des Automatix Gent respektive Lady als Neuheiten ins Auge. Die aktivRadfahren (1/2 - 2015) lässt sich hier zur Testnote „Sehr gut“ hinreißen ("Stark gemachte Kombination aus Urban-Style, Alltagstauglichkeit, Fahrspaß“), die Radwelt bilanziert zwei Monate später ein gutes Preis-Leistungsverhältnis des Rades, das durch die Zweigang-Schaltung etwas komfortabler und bergtauglicher als reine Singlespeed-Räder sei.

Bestnoten sind im Urban-Bereich nicht nur die Regel, sie penetrieren die Testhistorien regelrecht, was für die Kunden der Marke bedeutet, dass man darf hier offenbar blind zugreifen kann, soll es ein alltagstaugliches Einkaufsrad mit etwas Komfort sein. Tiefeinsteiger für Damen finden sich derzeit im Belami-Programm.

Getestet wurden 12 Fahrräder mit 20-Zoll-Laufrädern, geeignet für Kinder im Grundschulalter - alle mit verkehrssicherer Ausstattung. Nur drei Modelle konnten die Warentester rundum überzeugen, darunter auch das günstigste - ein Rad von Decathlon.

Bergamont E-Ville SUV im ADAC-Test

Das Pedelec ist für das gemächliche Fahren, hauptsächlich auf der Straße geeignet. Etwas träge, dafür aber laufruhig, auch dank der 29 Zoll Bereifung. Gute Alltagstauglichkeit ohne hervorragende Stärken und Schwächen.

ADAC Testurteil:

  • Testergebnis gesamt: 2,0
  • Fahren: 2,3 (40 % Gewichtung)
  • Antriebssystem und Motor: 1,6 (20 % Gewichtung)
  • Handhabung: 2,4 (20 % Gewichtung)
  • Sicherheit und Verarbeitung: 1,2 (20 % Gewichtung)
  • Schadstoffe in den Griffen und Sattel: 1,0 (0 % Gewichtung)

Allgemeine Daten:

Preis in Euro 3799
StVZO Ja (Klingel und seitliche Reflektoren fehlen)
Leergewicht in kg 27,9
Zul. Gesamtgewicht in kg 160
Position/Hersteller Motor Mittelmotor/Bosch Drive Unit Performance CX GEN4
Anzahl der Gänge/Schaltung 11 Gang Kettenschaltung
Akku-Kapazität/-Wattstunden 625 Wh
Position des Akkus im Rahmen integriert
ADAC Reichweite (gemittelt) in km 85 Kilometer
Ladezeit (gemessen) in Std. 4:15 Std.
Hersteller/Vertrieb Bergamont Fahrrad Vertrieb GmbH, Budapester Straße 45, 20359 Hamburg, Deutschland

Stärken:

  • laufruhig dank der 29 Zoll Bereifung
  • 160 Kilogramm zul. Gesamtgewicht

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