Bernhard Kohl hat innerhalb weniger Monate eine wilde Berg-und-Tal-Fahrt mitgemacht: Vom umjubelten Sporthelden Österreichs, der durch seinen Erfolg bei der Tour de France 2008 über Nacht international bekannt wurde, zum ertappten Dopingsünder.
Frühe Karriere und Erfolge
Der Österreicher Bernhard Kohl, früher Kapitän im aufgelösten Team Gerolsteiner, Bergkönig und Dritter der Tour de France 2008, hat mit nur 27 Jahren seine Profikarriere beendet.
Am 20. Juli 2008, auf der 15. Etappe von Embrun nach Prato Nevoso erreichte er den 4. Tagespatz uns übernahm das Trikot des besten Bergfahrers als erster Österreicher der Geschichte. Dieses gepunktete Trikot behielt er bis Paris, zudem beendete er die Tour auf Rang 3. Dieser Erfolg wurde von vielen als Erfolg einer neuen sauberen Generation gefeiert.
Zu seinen Erfolgen zählen:
- Österreichischer Meister
- 3. Platz Dauphiné Libéré 2006
- 3. Gesamtrang und Bergtrikot Tour de France 2008 (nachträglich aberkannt)
Bernhard Kohl fuhr 2007 und 2008 für das deutsche ProTour-Team Gerolsteiner.
Der Dopingfall und seine Folgen
Es droht der nächste Dopingfall im Team Gerolsteiner: Bernhard Kohl, Gewinner des gepunkteten Trikots bei der Tour de France dieses Jahres, ist positiv auf Epo getestet worden.
Die A-Probe hatte ein positives Ergebnis gebracht, nun folgte das Geständnis von Bernhard Kohl. Der Radprofi gab zu, während der Tour de France 2008 gedopt gewesen zu sein.
Im Oktober kam die Ernüchterung. Bernhard Kohl und Stefan Schumacher, ebenfalls Team Gerolsteiner, wurden mittels Nachkontrollen und neuer Testverfahren des EPO-CERA-Dopings überführt. Stefan Schumacher leugnet bis heute.
Höchststrafe für den Dopingsünder: Obwohl der Radprofi Bernhard Kohl ein geständiger Ersttäter ist, wurde der Österreicher für zwei Jahre gesperrt. Das entschied ein Gremium in Wien.
Das Geständnis und die Zusammenarbeit mit den Behörden
Doch anders als die meisten überführten Sportler hat der 27-Jährige beschlossen, ein neues Leben zu beginnen: Er hat seine Karriere beendet, umfassend gestanden und arbeitet nun mit den Dopingfahndern zusammen.
Im März 2009 erweiterte er seinen Aussagen und legte seine jahrelange Dopingkarriere mit Blutdoping, Testosteron, hGH, Insulin und EPO offen. Das Verfahren wurde daraufhin erneut aufgenommen, eine Entscheidung über die endgültige Sperre liegt noch an (kurier.at, 12.6.2009).
Bernhard Kohl wurde zu einem der wichtigsten Kronzeugen in Sachen Doping. Aufgrund seiner Aussagen gelang es ein umfangreiches Dopinggeflecht, in dem nicht allein Radsportler verstrickt waren und sind, aufzuzeigen.
Nachdem er und die Triathletin Lisa Hütthaler im Winter der Kripo ihr Wissen über die Blutbank und Hintermänner wie den Manager Stefan Matschiner offenbarten, sei der Entschluss zum Ausstieg gereift.
Es besteht Verdunkelungsgefahr: Die Sonderkommission "Doping" der österreichischen Polizei hat den umstrittenen Sportmanager Stefan Matschiner vorläufig festgenommen. Der 34-Jährige gestand, an Bluttransfers beteiligt gewesen zu sein.
Der österreichische Radsportler Bernhard Kohl war Kunde der Wiener Blutbank Humanplasma. Das gab der ehemalige Gerolsteiner-Profi nun zu. Er belastete zudem seinen Ex-Manager Stefan Matschiner schwer.
Kohl ist jetzt gespannt, was aus seinen Aussagen vor der Kripo wird. "Wenn nicht übergreifend (...) etwas gemacht wird, wird Österreich im Endeffekt übrig bleiben."
Einblick in die Dopingpraktiken
Bernhard Kohl hat die ungenierten Dopingpraktiken von österreichischen Spitzenathleten detailliert offengelegt.
Kohl war in Nachtests positiv auf die Epo-Variante Cera getestet worden. Angefangen habe es jedoch bei ihm schon "mit 19 Jahren, (...), so früh fängt das an. Das ist der U-23-Bereich". Später, als Profi, sagt Kohl, " spritzt man sich das, was Medizin ist".
Auch den vom Weltverband UCI als Innovation gefeierten Blutpass entlarvt Kohl. "Mir hat der (Blutpass) geholfen. Ich habe den eineinhalb Jahre gehabt, und meine Blutwerte waren 1a. Deswegen habe ich auch meinen Supervertrag bekommen bei Silence Lotto. Die haben die Blutwerte gesehen und gesagt: Puh, der macht das gescheit! "
Stefan Matschiner verfolgte vom Hotelzimmer aus die Tour und wartete. "Stefan schickte mir gegen 17 Uhr eine SMS mit seiner Zimmernummer." Die Nervosität wuchs.
Nun galt es, sich zum Zimmer des Managers zu begeben. Den Gang entlang. Hoffentlich merkt es niemand. "Ich schaute auf mein Mobiltelefon, ob es sich um das richtige Zimmer handelte. Dann klopfte ich an die Tür. Im Schlauch, der bis zur Nadel führt, war das Blut bereits drinnen.
Die Rolle von Teamarzt Mark Schmidt
Kohl: "Teamarzt Mark Schmidt half. Er war eingeweiht in die Dopingvorgänge. Zum Glück hatte ich ein Messgerät daheim, das hat dann Matschiner mitgenommen.
Matschiner und Schmidt haben sich in Stefans Zimmer getroffen. Er übergab dem Arzt das Messgerät. Ab diesem Zeitpunkt war das Ding immer bei Mark Schmidt. Ich konnte jederzeit messen, um meine Werte konstant zu halten."
Bernhard Kohl ließ alle zwei bis drei Tage seinen Hämatokritwert von Schmidt messen, erzählt er. Ich fragte Teamarzt Schmidt, wo wir am besten die Blutzufuhr veranstalten könnten. Mark bot sein Zimmer an."
Das Ende der Karriere und ein neues Leben
"Ohne Doping keine Chancengleichheit": Mit einem Abgesang auf den Radsport hat Bernhard Kohl seine Karriere beendet.
Nachdem er positiv auf das EPO-Mittel CERA getestet wurde, entschied er sich einigen Wochen umfassend auszusagen und zugleich dem Radsport den Rücken zu kehren.
Kohl im APA-Interview: "Irgendwann war da die Weggabelung. Dann war mir klar, dass ich mit dem System nicht mehr leben kann. Denn ohne Doping gibt es keine Chancengleichheit im internationalen Spitzenfeld."
Bernhard Kohl sagte, dass er schon im Alter von 19 Jahren erstmals zu verbotenen Substanzen gegriffen habe. Er sei jetzt aber an einer "Weggabelung angekommen". Die eine Richtung bedeutet die Rückkehr in den Radsport und damit zurück zu den Lügen, die andere in ein Leben ohne Lügen.
Künftig will er sich in der Doping-Prävention und Aufklärung engagieren, Vorträge halten und Radcamps organisieren.
Zitate von Bernhard Kohl
"Ich wusste, dass mein Leben nie mehr sein wird wie es war."
"Man muss Jugendlichen erklären, welche Schäden Doping anrichtet."
"Das System ist nicht anders wie vor einem Jahr, es wird sich nichts ändern."
"Ich wollte nicht mehr mit der Lüge leben."
"Ohne Doping gibt es keine Chancengleichheit im internationalen Spitzenfeld. Ich will ein Doppelleben, das nur auf Lügen basiert, nicht weiterführen."
Die Sicht von Stefan Matschiner
„Wer absoluten Erfolg haben will“, sagt er, „der muss dopen.“
Athleten gehen untereinander sehr offen mit dem Thema um. Dass Zimmerkollegen, gerade im Radsport, sich auch mal gegenseitig helfen, wenn einem das Epo ausgeht, das kenne ich zur Genüge.
Keineswegs, denn sie wissen ganz genau, dass der andere das Gleiche macht. Interessant ist aber, dass sich oft auch Radsportler, die nichts nehmen, nicht betrogen fühlen.
Bernhard Kohl im Interview
Vor einem Jahr waren Sie noch einer der Hauptakteure - wie geht es Ihnen jetzt, wenn Sie solche Bilder sehen?
Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, weil das natürlich mein Leben war. Aber das Kapitel ist abgeschlossen. Und weil ich im Radsport meine Ziele erreicht habe, habe ich auch keine Rechnung mehr offen.
Vermissen Sie etwas aus Ihrem alten Leben als Radprofi?
Der Mensch hat die Gabe, dass er sich mehr an das Gute als an das Schlechte erinnert. Das war einfach ein Kapitel in meinem Leben, das ich nicht missen will. Aber andererseits bin ich jetzt froh, dass es vorbei ist und ich raus bin aus diesem Sumpf; dass ich einen klaren Schlussstrich gezogen habe.
Zusammenfassung
Bernhard Kohls Karriere ist ein mahnendes Beispiel für die Schattenseiten des Profisports. Sein Fall zeigt, wie Doping Karrieren zerstören und das Vertrauen in den Sport untergraben kann. Gleichzeitig bietet seine Entscheidung, auszusteigen und mit den Behörden zusammenzuarbeiten, Hoffnung auf einen saubereren Sport in der Zukunft. Kohl hat mit seinen Enthüllungen einen wichtigen Beitrag zur Aufdeckung von Dopingnetzwerken geleistet und sich für die Prävention eingesetzt.
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