Vor nicht allzu langer Zeit hätte bei einem Gravelbike-Test die gesamte Auswahl problemlos in unser Redaktionsbüro gepasst. In den letzten Jahren hat sich der Gravelbike-Markt jedoch stark weiterentwickelt und ist nun vielfältiger denn je. Die Preisspannen reichen von 10.000 Euro bis hinunter zu erschwinglichen Optionen, die Ausstattungsvarianten sind nahezu unendlich, es gibt Spezialisierungen für jeden erdenklichen Einsatzzweck und Markennamen, von denen man zuvor noch nie gehört hat. Um einen fairen und kundenfreundlichen Test durchzuführen, mussten wir das Feld eingrenzen. Wir haben uns auf Allrounder bis 3000 Euro konzentriert - dies scheint die finanzielle Grenze für den Durchschnittskunden darzustellen. Ohne Federungen, ohne Motoren, ohne mechanischen Bremsen.
Die 16 Gravelbikes unter 3000 Euro im Test
Die fünfzehn Kandidaten, die am professionellen Vergleich im Labor und auf der Testrunde teilgenommen haben, repräsentieren die gesamte Bandbreite an Gravelbikes im Mittelklassesegment, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind. Es gibt Rahmen aus verschiedenen Materialien, bis auf teures Titan und exotisches Holz ist alles dabei. Die Schaltungsmonopolisten Shimano und SRAM bieten neun verschiedene Gruppen an, und auch bei den Rahmengeometrien gibt es Unterschiede.
Anfangs gab es Bedenken bezüglich der Bewertung von fast identischen Rädern, aber diese wurden zerstreut. In den Mechaniklaboren gibt es jedoch keine großen Unterschiede bei den Noten, weshalb keine Modelle übermäßig gelobt oder als unfahrbar abgestraft wurden. Alle Gesamtnoten liegen im Bereich von 2,x. Kein Kandidat hat absolute Spitzenwerte erreicht, da dies bei der Existenz von Modellen mit einem Preis von 8000 bis 10.000 Euro sinnlos wäre. Es ist erfreulich, dass es keine wirklich schlechte Bewertung gibt. Gerade in einem experimentellen Stadium wie dem “Gravel” hätte dies durchaus der Fall sein können. In Bezug auf sicherheitsrelevante Parameter wie Steifigkeit und Bremsen ist die niedrigste Note eine Zwei, und alle Teilbewertungen unterhalb von “ausreichend” beziehen sich auf das Gewicht des jeweiligen Modells.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Bewertungsskala auch Platz für professionelle Qualität lässt. Es lohnt sich daher immer, sowohl das Zeugnis als auch die tatsächlichen Werte und den Vergleich untereinander zu betrachten. Siehe auch die Einzelnoten in der Tabelle unten.
Es gibt einen guten Grund, warum wir alle Modelle nach einer intensiven Labortortur über eine repräsentative Teststrecke gejagt haben. Auf diese Weise konnten wir die gemessenen Werte bestätigen oder mögliche Widersprüche aufdecken. Selbst wenn die technischen Daten sehr ähnlich waren, konnten wir als erfahrene Tester mit unseren sensiblen Händen und Popometer dennoch Unterschiede feststellen. Insbesondere in Bezug auf den optimalen Einsatzbereich konnten so die harten Zahlen etwas entkräftet werden, um Ihnen die Kaufentscheidung zu erleichtern.
Die vier grundlegenden Gravelbike-Typen
Denn obwohl Gravelbikes im Allgemeinen vielseitige Fahrräder sind, gibt es innerhalb dieser Kategorie spezialisierte Varianten. Insgesamt lassen sich vier grundlegende Typen mit verschiedenen Mischformen identifizieren:
- Das Reisetaugliche: Ein erhöhter Sitzkomfort, ein stabiler Geradeauslauf, gute Dämpfung und ausreichend Befestigungsmöglichkeiten für Gepäck und Flaschen sind hier wichtig. Das Gewicht, die Geschwindigkeit und die Bandbreite der Übersetzung sind von geringerer Bedeutung.
- Das Geländetaugliche: Hier stehen eher kleinere Gänge, voluminöse und stark profilierte Reifen, ausreichend Gewicht auf dem Vorderrad, eine starke Bremse und eine nicht zu gestreckte Haltung im Fokus. Komfort beim Sitzen, Höchstgeschwindigkeit und ein ruhiges Lenkverhalten werden hier eher vernachlässigt.
- Das Sportgerät: Eine Rahmengeometrie mit einem Lenker für eine aggressive Oberkörperhaltung, eine ausgewogene Balance zwischen Vorder- und Hinterrad, eine fein abgestufte Schaltung sowie ein geringes Gewicht des Fahrrads und der Räder machen dieses Modell schnell. Langstreckentauglichkeit und praktischer Nutzen stehen hier weniger im Fokus.
- Der Commuter: Für Pendler ist eine aufrechte Haltung in Alltagskleidung wichtig. Einfache Handhabung, Befestigungsmöglichkeiten für Alltagsgegenstände sowie Robustheit des Rahmensets, des Lacks und der Komponenten sind von größerer Bedeutung als das Gesamtgewicht, die Aerodynamik oder extragroße Gänge.
Es ist nahezu unmöglich, all diese Qualitäten zu vereinen, da sie sich teilweise technisch widersprechen. Die Testmodelle zeigen eine bunte Mischung der Eigenschaften, um den unterschiedlichen Anforderungen potenzieller Käufer gerecht zu werden. Alle Räder können problemlos auf Schotter fahren, ohne dass die Lenkung schwammig wirkt oder es zu einem Kraftverlust durch Verwindungen am Tretlager kommt. Auch das Bremsverhalten bei trockenen Bedingungen war durchweg ausgezeichnet. Es gab einige Unterschiede in Bezug auf die Schaltungen, hauptsächlich in Bezug auf Modellgeneration, Ganganzahl und Abstufung, jedoch weniger in Bezug auf die Qualität. Darüber hinaus waren alle Laufräder mit modernen und robusten Steckachsen ausgestattet, die den hohen Kräften der hydraulischen Scheibenbremsen standhalten können und fest mit dem Rahmen verschraubt sind.
Minimale Differenzen, große Wirkung
Neun der fünfzehn Hersteller setzen auf eigene Laufräder, um Kosten zu sparen. Allerdings geht dies oft zulasten der Qualität, mit einigen Ausnahmen. Wenn die offensichtlichen Unterschiede also nicht ausschlaggebend sind, müssen es die Details sein. Selbst kleine Nuancen machen sich im direkten Vergleich deutlich bemerkbar. Besonders wichtig ist das Rahmenset, welches die Basis eines jeden Fahrrads bildet. Nicht nur das Material und die Form der Rohre beeinflussen das Fahrverhalten maßgeblich, sondern auch geringfügige Unterschiede in Millimetern und Grad bei der Geometrie können den Charakter des Fahrrads komplett verändern.
Ein kurzer Abriss ermöglicht eine bessere Einordnung unserer Testfazits. Die umfangreiche Logik dahinter könnte ein ganzes Buch füllen: Der Werkstoff und die Form der Rahmen- und Gabelelemente sind hauptsächlich für die Steifigkeit (ideal zum Treten ohne Kraftverlust und für sicheres, dynamisches Steuern) sowie die Flexibilität (steigert den Komfort durch Dämpfung von Vibrationen und kleinen Stößen) verantwortlich. Sattelstütze, Lenker und Vorbau können hierbei berücksichtigt werden.
Hier wird deutlich, dass es einen Zielkonflikt gibt, wenn es darum geht, Räder gleichzeitig steif und flexibel zu machen. Es ist jedoch ein Mythos zu glauben, dass Carbon automatisch extrem steif ist, während Stahl sehr flexibel ist und Aluminium irgendwo dazwischen liegt. Tatsächlich kann man mit Carbon derzeit die höchste Steifigkeit bei gleichem Gewicht erreichen, aber auch die Verarbeitung, Dicke und Form des Rohres spielen eine ebenso wichtige Rolle. Viele Ergebnisse in den Testberichten lassen sich besser verstehen, wenn man die Grundregel beachtet: “Je dünner ein Bauteil ist und je länger es ohne Abstützung verläuft, desto flexibler wird es”.
Gewichtsverteilung der Gravelbikes
Räder, bei denen das Vorderrad (rechts) im Vergleich zum Hinterrad mehr Gewicht trägt, reagieren schneller auf Lenkbefehle und bieten eine bessere Traktion im vorderen Grenzbereich. Allerdings ist der Grenzbereich kleiner und die Lenkung empfindlicher gegenüber Spurrillen. Die Gewichtsmessung wurde im sitzenden Zustand am Unterlenker und den Bremsgriffen durchgeführt.
Geometrie der Test-Gravelbikes
Im Shop wird oft nur über die Rahmenhöhe gesprochen, was das ungenaueste Maß eines Fahrrads ist. Schließlich kann man die Höhe des Sattels weit verstellen. Andere wichtige Daten wie der Winkel vom Tretlager zum Sattel oder der Winkel von der Gabelachse zum Boden sowie die Länge des Oberrohrs werden vom Konstrukteur festgelegt und sind festgelegt. Diese Parameter bestimmen, ob man eher mit dem Gewicht weiter hinten auf dem Sattel sitzt und den Druck auf den Gesäßmuskeln hat oder weiter vorne mit mehr Last auf dem Becken sitzt und dadurch biomechanisch effizienter treten kann. Ein Unterschied von drei Grad Neigung am Sattelrohr kann hier den Unterschied zwischen einem Langstreckenfahrrad und einem Rennmodell ausmachen.
Ähnlich beim Neigen des Oberkörpers nach vorne: eine leicht verlängerte Rahmenlänge und/oder ein kurzes Steuerrohr kann eine entspannte, halb aufrechte Sitzposition in eine hochsportliche Position mit besserer Schwerpunktlage und Aerodynamik verwandeln. Eine gute Möglichkeit, Fahrräder zu vergleichen, ist der etablierte STR-Wert, der das Verhältnis von Rahmengröße zur Höhe darstellt (siehe Einzelbewertungen unten). Noch praxisnäher ist unsere STR+-Messung in den Testberichten: Hier werden auch Lenker und Vorbau berücksichtigt. Höhere Werte um 1,25 stehen für eine aufrechtere Haltung, während der niedrigste Wert von 1,111 für eine rennmäßige Sitzposition steht.
Die Position und Lage des Fahrers beeinflussen die Gewichtsverteilung auf Vorder- und Hinterrad. Dies hat einen spürbaren Einfluss auf die Fahreigenschaften, insbesondere im Gelände, und ist daher bei Gravelbikes von Interesse. Der Radstand, also der Abstand zwischen den Achsen, beeinflusst hauptsächlich die Wendigkeit des Fahrrads. Ein Hinterrad, das nahe am Tretlager liegt, und eine steil stehende Gabel machen das Rad agiler, während lange Radstände und Nachläufe für eine stabile Geradeausfahrt sorgen. Bei Gravelbikes mit breiten Reifen und sehr kurzen Radständen sollte man beim Einlenken darauf achten, dass man nicht mit dem Schuh am Vorderrad hängenbleibt.
Bremsen und Schaltungen im Detail
Wie bereits erwähnt, erfüllen alle getesteten Schaltungen und Bremsen ihre Funktion. Die Unterschiede liegen hauptsächlich im Bedienkonzept sowie in der Anzahl, Abstufung und Spreizung der Gänge - insbesondere in Bezug auf den kleinsten und größten Gang. Moderne, elektronische Schaltungen sind in dieser Preisklasse eine Ausnahme - einzig Canyon schafft es, für das Budget eine Funkschaltung von SRAM zu verbauen. In der Regel wird noch klassisch mit Hebel und Bowdenzug geschaltet.
Darüber hinaus ist die Präferenz für Shimano oder SRAM eine persönliche Glaubensfrage. Anfänger kommen mit zwei Schalthebeln pro Hand, besonders in stressigen Situationen, besser zurecht. Im Gravelsektor gewinnt die Singlespeed-Kurbel mit nur einem Kettenblatt zunehmend an Beliebtheit - ein Trend, den wir nicht vollständig nachvollziehen können, da er die Einsatzmöglichkeiten einschränkt, jedoch nur wenige Gegenindikationen aufweist.
Unterschiedliche Schaltkonzepte
Wenn man ganz neu auf einem Fahrrad ist, kann es hilfreich sein, die Schaltlogik dahinter schnell zu verstehen. Vier Marken - Bergamont, Koga, Giant und Corratec - setzen auf 2-fach-Kurbeln von Shimano und wurden dafür durchweg gelobt. Es scheint keine Platzprobleme zwischen dem kleinen Kettenblatt und breiten Reifen bis zu einer Breite von 48 mm zu geben, wie bei Koga zu sehen ist. SRAM bietet keine spezielle Gravelkurbel mit zwei Blättern an, aber theoretisch könnte man sich aus dem Straßensortiment bedienen, wenn genügend Platz am Rahmen vorhanden ist.
Das Diagramm mit den Übersetzungen zeigt die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten der Produktmanager im Bereich Gravel. Bei den Singlespeed-Modellen gab es häufig das Problem, dass entweder bei Rückenwind auf der Ebene oder an steilen Rampen die Gänge ausgingen. Bei Modellen mit einer größeren Spreizung vermisste man oft genau die passende Übersetzung auf der Ebene, da die Sprünge zwischen den Gängen zu groß waren. Mit zwölf statt elf Ritzeln kann dieses Problem deutlich reduziert werden.
Die SRAM-Antriebe waren bis auf das Rondo und Canyon alle mit der neuen 12-fach-Apex ausgestattet. Bei Shimano-Bikes mit nur einem Kettenblatt sind lediglich das Merida und das Rose mit dem Extraritzel ausgerüstet. Giant hingegen glänzt sogar mit zwei mal zwölf wunderbar fein abgestuften Gängen. Die Zehnfach-Schaltung am Bergamont schneidet aufgrund der Zweifachkurbel nicht so schlecht ab. Wenn man eine Kassette am Singlespeed-Rad einordnen möchte, kann man folgenden Tipp befolgen: Ziehe die Zähnezahl des kleinsten Ritzels von der des größten Ritzels ab und teile das Ergebnis durch die Anzahl der Zahnräder der Kassette. Der Wert sollte etwa zwischen 3,5 und 2,5 liegen.
Shimano vs. Sram: Eine Glaubensfrage
Bei Sram ist der Bremshebel starr, während man durch Druck nach innen am Schalthebel sowohl hoch- als auch herunterschalten kann. Bei Shimano hingegen wird mit dem Bremshebel das größere Ritzel ausgewählt, während das kleinere Ritzel mit dem separaten kleinen Schalthebel bedient wird. Das japanische Konzept von Shimano ist intuitiver und weniger fehleranfällig, besonders in hektischen Momenten.
Laufräder und Reifen
Laufräder und Reifen verleihen dem Gravelbike seinen individuellen Charakter. Einige bevorzugen traditionelle 32-Speichen-Räder, während andere auf System...
Gravelbikes unter 3000 Euro: Geschwindigkeitsvergleich
Die Balken auf der Grafik zeigen die Geschwindigkeit in km/h an, die man im kleinsten Gang bei 60 U/min und im größten Gang bei 90 U/min der Kurbel erreicht. Es ist wichtig zu beachten, dass breite Spreizungen der Kassette, wie beim Merida (siehe Bild), große und wenig ökonomische Gangsprünge verursachen.
| Hersteller | Modell | Preis (ca.) | Gewicht (ca.) | Schaltung |
|---|---|---|---|---|
| Canyon | Grizl CF SL 6 | 2.500 € | 9.5 kg | SRAM Apex XPLR AXS |
| Giant | Revolt Advanced 3 | 2.300 € | 10.0 kg | Shimano GRX |
| Liv | Devote Advanced 1 M | 3.000 € | 9.0 kg | Shimano GRX |
| Rose | Backroad GRX | 2.700 € | 9.2 kg | Shimano GRX |
| Stevens | Prestige Generation 2 | 2.000 € | 11.0 kg | Shimano GRX |
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