Nach dem Krieg war es auch Ende der 1950er Jahre nicht selbstverständlich Auto zu fahren, sondern Zweiräder waren ein übliches Fortbewegungsmittel - auch bei der Polizei. Motorräder für die Polizei wurden anfänglich der normalen Regelproduktion entnommen und lediglich mit eigener Lackierung („Tannengrün“) versehen. Für die Polizei wurden später die Kotflügel noch weiß lackiert. Nach und nach wurden die Maschinen in den Polizeiwerkstätten mit Blaulicht und Signalhorn aufgerüstet.
Die grün-weiße Lackierung war zur Erkennung als POLIZEI ausreichend. Im Arbeitskreis II der Konferenz der Innenminister einigte man sich auf eine neue, für das gesamte Bundesgebiet einschl. West-Berlins einheitliche Farbgebung. Wie oftmals zuvor, war die Grundfarbe nunmehr Cremeweiß (RAL 9001), Reinweiß (RAL 9010) oder ein entsprechendes "Herstellerweiß", die beweglichen Teile (Türen, Motor- und Kofferraumhaube) waren Minzgrün (RAL 6029) zu lackieren. Fahrzeuge der Bereitschaftspolizei oder Servicefahrzeuge war eine Lackierung komplett in Minzgrün möglich.
Historische Entwicklung und Modelle
In den 1950ern wurde von der Polizeileitung in Berlin auch die Teilnahme von Motorrädern am Sportfest gewünscht. Es gründetete sich eine eigene Motorradstaffel mit hohem sportlichem und akrobatischem Anteil. Die Ursprünge der Motorradstaffeln liegen eigentlich bei den Sportfesten der Polizei, die schon seit den frühen 1920ern ausgerichtet wurden, um den Bürgern eine gewisse Nähe zur Obrigkeit zu vermitteln.
Einige bemerkenswerte Modelle, die im Laufe der Jahre von der Polizei eingesetzt wurden, sind:
- NSU Quickly: Dieses Moped trug zur Massenmotorisierung im Zuge des Wirtschaftswunders bei und wurde in einer preisgekrönten Sonderschau während der Retro Classics 2024 gezeigt.
- BMW R50: Einige Modelle liefen schon mit weißen Kotflügeln und Trittbrettern (Polizeimuseum Stuttgart).
- BMW R60/6: Dieses "Stuttgarter Kind" wurde 1975 ohne Verkleidung von BMW an die Stuttgarter Polizei ausgeliefert und bekam das Behördenkennzeichen S-7105.
- BMW R 80 RT: Die R 80 RT war 1982 das erste Modell, das der Hersteller bereits komplett und fertig konfiguriert als Behörden-Fahrzeug anbot. Sie war optimal vorgerüstet und aufeinander abgestimmt, so dass aufwändige Umbauten und technische Anpassungen entfielen.
- BMW K75/K100: Diese Modelle waren die ersten mit ABS, das zunächst bei der K100 eingeführt wurde und später Standard auch bei der kleineren K75 war.
- BMW R 850 R: Diese BMW R 850 R der Stuttgarter Polizei ist im Originalzustand, die wie lange üblich keine Vollverkleidung für den Großstadtbereich vorsah und sich mit einer Windschutzscheibe begnügte.
Die Motorradstaffel
Am 30.05.1960 stellte Polizeipräsident Paul Rau die neue Einheit als "Verkehrsstaffel" vor -16 Beamte mit ebenso vielen Krädern und einem Leiter. Sie sollte zur intensiveren Überwachung des innerstädtischen Straßenverkehrs nach dem Vorbild der Pariser Polizei aufgestellt werden. Die Staffel begleitete neben der Verkehrsüberwachung regelmäßig Staatsempfänge oder wurde bei Öffentlichkeitsveranstaltungen eingesetzt.
Die Motorradstaffel bietet einige Vorteile. Motorräder seien wendig und kämen auch durch den Verkehr, wenn der Streifenwagen es nicht mehr schaffe. Zudem sei man auch bei hohem Verkehr schneller unterwegs. Der Nachteil sei natürlich, dass man bei Wind und Wetter fahren müsse. Nur wenn Schnee oder sogar Eis auf der Straße liegt, dann bleiben die Maschinen in der Garage.
Vor jedem Einsatz müsse das Motorrad auf seine Funktion geprüft werden, sagt Thomas Zimmer. Der technische Zustand werde vor allem im Hinblick auf Benzin, Reifendruck und Ölstand kontrolliert. Für den Einsatz müsse die Maschine in einwandfreiem Zustand sein.
Die Lackierung ist silbern und blau und natürlich darf der Polizei-Schriftzug nicht fehlen. Ansonsten hätten die Maschinen an Sonderausstattung Blaulicht und Martinshorn zu bieten, sagt Zimmer. Und diese Ausstattung wird auch gebraucht. Schließlich ist die Motorradstaffel zu verschiedenen Anlässen im Einsatz. Bei Demonstrationen übernehme sie beispielsweise die Absicherung der Demonstrationsstrecke, sagt Zimmer. Und auch bei Fußballspielen seien sie unterwegs.
Eskortendienste
Prominente hat Zimmer schon einige mit der Motorradstaffel eskortiert. Man habe schon den aktuellen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier begleitet, sagt er. Auch Angela Merkel, Olaf Scholz und Robert Habeck seien von der Motorradstaffel eskortiert worden. Und wie groß die Eskorte sei, hänge immer von den Staatsgästen ab, erklärt Zimmer. Aber in der Regel seien im Saarland sieben bis neun Fahrzeuge unterwegs.
Aktuelle Situation und Elektromobilität
Rund 5.400 Fahrzeuge befinden sich im Fuhrpark der Polizei Baden-Württemberg. Motorräder machen jedoch mit 120 Einheiten nur einen geringen Teil der Flotte aus. Ihre Zahl ist in den vergangenen zwei Jahren dennoch konstant geblieben.
"Gleichwohl sind Krafträder eine bewährte Komponente in der Fuhrparkausstattung und zur Erfüllung bestimmter polizeilicher Aufgaben als Einsatzmittel im täglichen Dienst unverzichtbar", erläutert Polizeidirektor Patrick Eberle. Die Nutzer finden sich größtenteils in den Verkehrspolizei-Inspektionen der regionalen Polizeipräsidien.
Die Zweirad-Flotte besteht aus einem klaren Line-up. Zumindest bisher. 118 der 120 uniformierten Einheiten stellt der Hersteller BMW. Dabei handelt es sich vorwiegend um die beiden Boxer-Modelle R 1200 RT und R 1250 RT. Darüber hinaus gibt es laut Eberle zu Ausbildungszwecken das Modell F 750 GS.
Schon vor einigen Jahren hat man dort den Markt für E-Motorräder ausgelotet. Das Ergebnis: die Aufnahme der beiden Stromer DS ZF 12.5 und SR/S 14.4 von Zero Motorcycles, um diese von Juni 2020 respektive Juni 2021 bis Ende vergangenen Jahres in einem Pilotprojekt zu erproben.
"Die E-Motorräder waren landesweit bei mehreren Verkehrspolizei-Dienststellen zum Test im realen Polizeidienst eingesetzt. Teilweise wurden sie parallel mit einem Motorrad mit Verbrennungsmotor gefahren, um direkte Unterschiede zu ermitteln", sagt Eberle.
In einer Erstanalyse wird deren Einsatz als grundsätzlich positiv beurteilt. Sie überzeugen analog den zweirädrigen Verbrennern im urbanen Bereich aufgrund der Fahrzeugabmessungen durch ihre Wendigkeit und schnelleres Vorankommen, beispielsweise in Staus.
Dagegen werden bei lange andauernden Einsatzlagen oder langen Fahrtstrecken die relativ geringe Reichweite und die lange Ladedauer als herausfordernd gewertet.
Ob weitere Motorräder mit Elektroantrieb in den Fuhrpark der Polizei Baden-Württemberg kommen, ist daher derzeit auch noch offen. Aktuell seien keine Anpassungen geplant.
Bekannte Polizeimodelle
Nach den als weiße Mäuse bekannten BMW R60 und Honda CB 360 in den 70er und 80er Jahren, sattelte die Bundespolizei im Jahr 2006 mehrheitlich auf die Honda Transalp 650 um. In weiterer Folge wurden 2017 auf die Honda Modelle VFR1200X Crosstourer, VFR800X Crossrunner und NC750X aufgerüstet.
In Bayern wird, was wohl keinen überraschen wird, auf BMW Maschinen gesetzt, so fasste die dortige Polizei erst kürzlich fünf neue BMW R 1250 RT aus, nach Baden Württemberg wurden gleich 23 Stück geliefert. Auch der Vorgänger R 1200 RT ist nach wie vor beliebt im Polizeidienst vieler Länder. Als weiteres Mittellklassemodell ist die kleine 850er GS in vielen Einheiten vertreten.
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