Wenn es kalt wird, macht Radfahren ohne Handschuhe keinen Spaß. Der Kontrollverlust am Lenker durch klamme Finger schmerzt nicht nur, sondern kann sogar gefährlich werden, wenn man die Bremsen nicht mehr ebenso feinfühlig wie kraftvoll ziehen kann.
Deshalb kommt dem passenden Winterhandschuh für warme Hände ein Bündel anspruchsvoller Aufgaben zu.
Verschiedene Arten von Winterhandschuhen
Wintertaugliche Modelle gibt es als klassische Fingerhandschuhe und in der sogenannten Lobster-Variante. Letztere spielt auf die Scheren von Hummern (englisch: Lobster) an.
Fäustlinge wärmen zwar hervorragend, aber die Bremse und besonders die Schalthebel lassen sich nicht vernünftig bedienen. Besser geht das mit Fingerhandschuhen, doch die sind nicht so warm.
Lobster-Handschuhe sind eine Art Kompromiss aus beiden: Zwei oder drei Finger können sich gegenseitig wärmen, zugleich bleiben aber immer einer oder zwei flexibel genug, um am Fahrrad die Schalthebel zu bedienen.
Vor- und Nachteile der verschiedenen Handschuharten
- Fingerhandschuhe: Bieten beste Beweglichkeit, aber weniger Wärme.
- Fäustlinge: Sehr warm, aber ungeeignet für Schaltung und Bremse.
- Lobster-Handschuhe: Kompromiss zwischen Wärme und Beweglichkeit.
Wichtige Eigenschaften von Winterhandschuhen
Die beste Wärmeisolierung nützt jedoch nichts, wenn das Material nicht wenigstens wasserabweisend ist. Nasse Handschuhe wärmen nicht. Alle von uns getesteten Handschuhe halten die Hände trocken und sind winddicht.
Eine innenliegende Membran sollte mindestens wasserabweisend sein oder sogar wasserdicht. Wer jedoch leicht schwitzt, sollte bedenken, dass “waterproof” auch bedeuten kann, dass Schweiß nicht nach außen abzieht; dann werden die Finger feucht und schließlich klamm.
Weitere nützliche Eigenschaften
- Polsterung der Handfläche: Sportliche Radfahrer schätzen eine Polsterung der Handfläche. Je mehr sie auf dem Rad nach vorn geneigt sitzen, desto mehr Gewicht lastet auf den Händen. Eine Polsterung verteilt den dadurch entstehenden Druck und dämpft Vibrationen. Gelpolster halten in der Regel länger als solche aus Schaumstoff.
- Touchscreen-Bedienung: Einige Hersteller verwenden an den Fingerspitzen ein Material, das die Touch-Bedienung von Smartphones ermöglicht. Das ist hilfreich, wenn man unterwegs einen Anruf entgegennehmen möchte, das gezielte Treffen kleiner Schaltflächen in Apps ist mit den kräftigen Handschuhspitzen aber eher Glückssache.
- Schweiß- oder Nasenwischer: Viele Fahrradhandschuhe haben an der Innenseite der Daumen ein weiches oder frottiertes Material. Die Hersteller nennen so etwas gelegentlich verschämt »Schweißwischer«, obwohl »Nasenwischer« passender wäre: Tatsächlich putzen sich Radfahrer im Winter selten den Schweiß von der Nase, sondern meist andere Flüssigkeiten. Gut also, dass die Handschuhe in der Regel waschbar sind.
Auswahl der richtigen Größe
Fahrradhandschuhe für den Winter müssen in der richtigen Größe oder eine Nummer zu groß gekauft werden. Auf keinen Fall dürfen die Handschuhe zu klein sein.
Schmiegt sich der Handschuh an jeder Stelle der Hand direkt an diese heran, ist es i.d.R. eine Nummer zu klein. Hierbei besteht das Problem, dass die Kälte die auf der Oberfläche des Handschuhes herrscht, zu einfach mit der Hand in Verbindung kommt.
Die meisten online verfügbaren Größenempfehlungen der Hersteller sind frustrierend, da sie entweder nur die Fingerlänge oder nur den Handumfang berücksichtigen. Das führt beispielsweise dazu, dass die Empfehlungen für unsere Tester um bis zu zwei Größen von der Realität abweichen.
Empfehlenswerte Modelle
Wer bei Minusgraden fahren will, ist mit dem wärmenden Nordic 2 von GripGrab gut bedient. Der Lobster-Handschuh eignet sich allerdings nicht gut für Rennrad-Schaltungen. Dann wäre der Fingerhandschuh Sports Vinadi von Roeckl die nächste Option - auch wenn er klobig wirkt.
Nicht ganz so warm, aber hilfreich gegen eingeschlafene Hände beim Radfahren, ist der Bioxcell von Chiba mit seinem Polster. Der Name ist etwas sperrig, die Handschuhe selbst sind aber weich und angenehm zu tragen. Sie folgen dem Lobster-Design nach dem 1-1-3-System: Daumen und Zeigefinger haben eine eigene Hülle, die drei anderen Finger teilen sich eine weitere und können sich so gegenseitig warmhalten. Aber anders als bei einigen Konkurrenzmodellen ist der Innenhandschuh ein Fünf-Finger-Handschuh.
Das ist beim Hineinschlüpfen erst mal etwas verwirrend, aber bei der Fahrt spielt das keine Rolle.
Testergebnisse und Bewertungen
Insgesamt schlagen sich unsere acht Test-Handschuhe gut bis sehr gut. Selbst die Schnäppchen von Decathlon oder Kinetixx für jeweils 30 Euro wärmen gut, trotzen Graupelschauern und bieten ein gutes Griffgefühl beim Schalten und Bremsen.
Wird’s unterwegs richtig nass, punkten die wesentlich teureren Fahrradhandschuhe für den Winter von Roeckl und Castelli dank ihrer sehr wasserabweisenden Außenhaut. Der flauschige Daumen beim wasserdichten Modell von Rose taugt perfekt zum Naseputzen, saugt jedoch Wasser auf, wodurch der Handschuh doch nicht ganz dicht ist.
Testergebnisse im Detail
Hier eine Übersicht einiger getesteter Modelle und ihrer Bewertungen:
| Modell | Preis | Bewertung Wetterschutz | Bewertung Handling | Gesamtnote |
|---|---|---|---|---|
| Castelli Espresso GT Glove | 110 Euro | 1,0 | 2,2 | 1,5 |
| Triban Winter-Fahrradhandschuhe 900 F | 30 Euro | 3,1 | 1,8 | 2,1 |
| Gorewear Gore-Tex Infinium Thermo Split | 70 Euro | 2,4 | 2,3 | 1,8 |
| Kinetixx Logan | 30 Euro | 1,7 | 2,1 | 1,6 |
| Pearl Izumi AmFIB Gel Glove | 75 Euro | 1,7 | 3,8 | 2,4 |
| Proviz Classic Wasserdichte Radsport-Handschuhe | 40 Euro | 2,4 | 3,4 | 2,4 |
Hinweis: Die Noten basieren auf einem Bewertungssystem, bei dem niedrigere Werte besser sind.
Zusätzliche Tipps und Tricks
- Zusätzliche Isolation und Wärme lässt sich durch eine zweite Schicht erzeugen. Für Radreisen im Winter sind Merinohandschuhe oder Seidenhandschuhe eine sehr gute Ergänzung. Sie sind dünn und lassen sich gut unter richtigen Winterhandschuhen tragen.
- Achten Sie auf gut verteilte Reflexmaterialien, griffige Gel-Prints an den Fingern und in der Innenhand, Klettriemen zur Weiteneinstellung, einen langen, wärmenden Bund oder einen flauschig-weichen Daumen zum Naseputzen.
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