Fahrradhose Herren Test: Die Besten Modelle im Vergleich

Fahrradhosen sind ein essenzieller Bestandteil der Radfahrausrüstung, aber die Auswahl kann überwältigend sein. Es gibt unzählige Marken, Formen und Einsatzbereiche. Entscheidend ist, dass die Hose gut sitzt und den spezifischen Anforderungen des Fahrers entspricht. Rennradfahrer haben andere Ansprüche als Mountainbiker oder Tourenradler. Dieser Testbericht bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Modelle, um die ideale Fahrradhose für Ihre Bedürfnisse zu finden.

Typen von Fahrradhosen

Enge Tights

Die eher sportliche Kategorie, oft auch Tights genannt, ist knalleng. Tights lassen sich in trägerlose Hosen und Hosen mit Hosenträgern (»Bibtights«) einteilen. Diese Hosen werden vornehmlich beim Rennradfahren getragen, vereinzelt auch beim Mountainbiken und Tourenradfahren, hier wiederum gerne von leistungsorientierten Cross Country (XC)- Fahrern und bei Rennen. Sie haben weniger Luftwiderstand als flatternde Shorts und sorgen für einen athletischen Look.

Weite Shorts

Andere Hosen wiederum sind weiter geschnitten und ähneln Lauf- oder Wandershorts. Sie wurden für Tourenradler, E-Biker und Touren-Mountainbiker entworfen. Die letzte Kategorie der hier getesteten Hosen sind robustere Hosen, die speziell für den härteren Mountainbike-Einsatz geschneidert wurden.

Innenhose: Ja oder Nein?

Bei weiter geschnittenen Shorts stellt sich auf den ersten Blick die Frage, ob man eine Innenhose darunter ziehen sollte oder nicht. Schließlich werden viele der getesteten Hosen auch ohne Innenhose angeboten. Wer je mit Innenhose gefahren ist und das Plus an Komfort, das Innenhosen durch ihre Polsterung am Gesäß liefern, schätzen gelernt hat, wird sie nicht mehr missen wollen. Auch wenn es beim ersten Mal tragen vielleicht etwas zwickt und zwackt.

Das Sitzpolster

Das Thema Sitzpolster ist so eine Sache. Die einen mögen es dick, die anderen dünn. Die einen wollen einen breiten, die anderen einen schmalen Sitz-Einsatz. Am Ende ist jedes Hinterteil anders. Wir haben im Test auf einen gesunden Mittelweg Wert gelegt. Soll bedeuten: Hosen mit lieblos gemachten, wulstigen und schlecht vernähten Sitzpolstern mussten mit Abzügen rechnen. Flach eingenähte, nicht zu stark auftragende Sitzpolster mit einem cleveren Profil, das sich an den anatomischen Gegebenheiten orientiert, wurden besser bewertet.

Bodymapping

Bodymapping hat auch bei den Fahrradhosen Einzug gehalten, zumindest bei den teureren und sorgfältiger verarbeiteten Hosen. Bodymapping bedeutet, dass die Hosen an unterschiedlichen Bereichen wie Trägern, Gesäß, an der Seite und an den Beinen aus verschiedenen Materialien gefertigt werden, um den unterschiedlichen Anforderungen wie Schweißtransport, Luftdurchlässigkeit oder Abriebfestigkeit gerecht zu werden.

Getestete Modelle im Detail

Gore Spinshift Bib Shorts

Die Gore Spinshift Bib Shorts gehört schon nach kurzer Zeit zu unserer Grundausstattung. Die unkomplizierte Hose punktet mit einer gutmütigen Passform und einer beeindruckenden Vielseitigkeit. Sie ist sich nicht zu schade, auch mal als Baselayer getragen zu werden - der geradlinige Look macht sie jedoch auch zu einem Hingucker bei der nächsten Ausfahrt mit den Freunden. Gut gefallen hat uns auch Gores Advanced Brand Core-Sitzpolster und die leichte Kompression durch das engmaschige Material. Gore hat dieses aus zum Teil recycelten Rohstoffen hergestellt, was der Hose noch den nötigen Nachhaltigkeits-Appeal verleiht.

Dazu zählt in allererster Linie eine gutmütige Passform - im Vergleich zu anderen Herstellern bietet die Spinshift recht viel Platz. 140 Euro UVP ruft Gore für die Hose ab - weit weniger als viele Konkurrenten. Und online findet man die Spinshift teilweise noch um einiges günstiger. »At £145 the Spinshift Bibs are a premium product at an about-average premium price.

Oakley Off Grid Cargo Bib Shorts 2.0

Die Oakley Off Grid Cargo Bib Shorts 2.0 macht ihrem Namen alle Ehre, denn die Hose bietet so viel Stauraum wie keine andere Träger-Tight im Test. Die Hose wendet sich zwar primär an Gravelbiker, ist aber genauso für Langstrecken-Rennradler und Reiseradler aller Couleur geeignet. Ob an der Seite oder am Rücken, Accessoires finden schnell und problemlos Platz, egal ob Müsliriegel, Sonnenbrille oder kleine Geldbörse. Auf Langstrecken ist besonders die Sichtbarkeit wichtig. Auch diese kommt bei der Off Grid Cargo Bib Shorts 2.0 nicht zu kurz: Zur kontrastreichen Farbgebung kommen reflektierende Elemente.

Auffällig ist der gute, straffe Sitz - an dieser Stelle auch gleich der Hinweis, dass die Hose klein ausfällt. Getestet haben wir das farbenfrohe Modell - die Hose wurde uns in »pacific« zugeschickt - dann auch tatsächlich auf einer 150 km-Tour. Wir kaufen Oakley gleich ab, dass das Hosenmaterial abriebfest und langlebig ist, trotzdem liegen die verwendeten Materialien weich auf der Haut. Hat man sich auf der Hose einmal eingegrooved, macht sie so richtig Laune.

Vaude Posta Bib Tight

Die Vaude Posta Bib Tight wendet sich an Allround-Radler, die bei der Bekleidungsauswahl auf Nachhaltigkeit setzen. Die preiswerte Hose wird zum Großteil aus recycelten Materialien hergestellt, trocknet schnell und punktet mit einem gutmütigen Schnitt. Der Einsatzbereich der Hose ist sehr breit - von Gelegenheits-Hobbyradler bis zum ambitionierten Rennrad-Amateur. Vaude erfreut sich in der Radsportszene eines guten Rufs - insbesondere, was solide, unprätentiöse und vor allem nachhaltig hergestellte Radbekleidung angeht. Anstatt lange Lieferwege in Kauf zu nehmen, lässt Vaude die Hose in Europa, genauer gesagt in Lettland, herstellen.

Beim Auspacken fühlt sich die Posta Bib Tight recht anschmiegsam und elastisch an, ein Eindruck, der sich bei der ersten Ausfahrt verstärkt. Die Hose hat jedenfalls eine sehr gutmütige Passform und lässt auch ein paar Extrapfunde durchgehen, ohne gleich einzuschneiden. Die Trocknungseigenschaft geht absolut in Ordnung, auch die Netzträger trocknen vergleichsweise schnell. Der recht weiche Einsatz prädestiniert die Hose für Fahrten bis maximal 50 bis 70 Kilometer. Alle, die mehr Asphalt unter die Reifen nehmen wollen, sind mit einer etwas straffer abgestimmten Hose, die den Muskeln etwas mehr Unterstützung bietet, und einem definierten, weniger schwammigen Sitzpolster besser beraten.

Q36.5 Unique Pro Bib Shorts

Form Follows Function - für nur wenige Hosen gilt das in einem so ausgeprägten Maß wie für die Unique Pro Bib Shorts von Q36.5. Zwar ist die Hose teuer, dafür ist sie aber auch ab dem ersten Anziehen ein elementarer Bestandteil der Gesamtheit aus Radfahrer, Radbekleidung und Rad und liefert leistungsorientierten Radfahrern die bestmögliche Unterstützung. Q36.5 aus Bozen steht hauptsächlich für eines: kompromisslos auf Leistung getrimmte Radbekleidung. Sie soll nicht nur gut aussehen, sondern den Träger auch bestmöglich bei seiner jeweiligen Rad-Mission unterstützen.

Als wir die extrem leichte, sehr schön verarbeitete Hose auspacken, müssen wir allerdings erstmal schlucken. 350 Euro kostet das gute Stück. Dafür kann man sich schon ein günstiges Gebrauchtrad kaufen. Doch Spaß beiseite. Was die Q36.5 bietet, ist Fahrradbekleidungstechnologie vom Feinsten. Hervorzuheben ist das fast nahtlose Design. Wo andere Hersteller viele unterschiedliche Teile zusammennähen, reduziert der Bozener Hersteller die Nähte auf ein Minimum. Das Ergebnis ist eine Passform, die einen mit der Zunge schnalzen lässt. Die Hose »sitzt einfach Bombe«, um es kurz und knapp zu sagen. Zum auf das Wesentliche reduzierten Design kommt ein auf längere Strecken abgestimmtes Sitzpolster und breite, komfortable Träger. Auf unserer 120-Kilometer-Testrunde machen wir uns den Spaß und tragen auf den ersten 50 Kilometern eine deutlich günstigere Hose, um dann in die dreieinhalbmal so teure Unique Bib Shorts zu wechseln. Wir müssen schon zugeben, dass der Unterschied im Tragegefühl eklatant ist.

Odlo Essentials Radshorts

Odlo beweist mit seiner Essentials Radshorts, dass eine Fahrradhose keine Träger braucht, um gut zu sitzen. Die unkomplizierte Shorts wandert zu einem fairen Preis über den Ladentisch und trägt sich angenehm unauffällig. Mit der Essentials Radshorts hat Odlo eine funktionale Basis-Radklamotte am Start, die eine gute Ergänzung jedes Sportbekleidungsschranks darstellt. Die Shorts eignet sich perfekt zum Drunterziehen, doch lässt sich an warmen Tagen auch sehr gut einzeln tragen. Der Hüftbund sorgt für einen festen Halt, mit Silikon beschichtete Beinabschlüsse verhindern, dass die Hosenbeine nach oben rutschen. Im Test setzen wir die Hose als unterste Schicht bei einer längeren Schlechtwetterfahrt auf dem Gravelbike ein - hier fühlt sich die Odlo Essentials Radshorts spürbar wohl. Auch nach mehreren Ausfahrten behält das gut belüftete Silver-Padding-Sitzpolster seine Form und verliert auch bei Nässe kaum an Dämpfungseigenschaften. Ganz erstaunlich ist bei Odlo nämlich die Haltbarkeit - wir haben mehrere Teile des Schweizer Unternehmens im Einsatz, die schon viele Jahre am Buckel haben.

BBB Corsa Cargo

Sie suchen eine unauffällige Allround-Hose, die wirklich alles mitmacht? Dann sollen Sie sich die BBB Corsa Cargo genauer ansehen! Ästhetikern ist die Hose vielleicht zu unauffällig, trotzdem hat sie einige pfiffige Details an Bord, die uns sehr gut gefallen haben. So sind an beiden Hosenbeinen Taschen vorhanden, in denen Müsliriegel und/oder das Smartphone Platz findet. An der Rückseite befinden sich unterhalb der Träger weitere Taschen. Überrascht waren wir vom relativ weichen, aber erstaunlich komfortablen Sitzpolster, das auch auf langen Ausfahrten für erstaunlichen Fahrkomfort sorgt. Am Ende ist da noch der überaus attraktive Preis: Die Corsa Cargo schlägt mit nur knapp 100 Euro zu Buche.

Alé K-Tour

Die Alé K-Tour hat uns verblüfft. Als Ganzjahresradler haben wir schon so manche Winter-Tight anderer Marken getragen, doch so bequem wie die K-Tour war bisher keine. Das liegt hauptsächlich - wie sollte es anders sein - am Material. Das wasserabweisende Polyamid-Mischgewebe ist innen aufgeraut und im Vergleich sehr elastisch, was bereits das Hineinschlüpfen zum Vergnügen macht. Im Test nutzen wir die Hose unter anderem bei einer 70-km-Rennradrunde im bayerischen Oberland. Als besonders angenehm empfinden wir das vernähte »Klima 8h«-Sitzpolster - es schmiegt sich dem Gesäß angenehm unaufdringlich an und sorgt die ganze Fahrt lang für gleichbleibend hohen Sitzkomfort. Trotz seiner Elastizität entstehen keine Druck- bzw.

X-Bionic Corefusion Men’s Cycling Bib Shorts

Haarscharf hätte es für die X-Bionic Corefusion Men’s Cycling Bib Shorts für einen Platz gereicht - denn die Hose hat einen ähnlich guten Eindruck hinterlassen wie die Unique Pro Bib Shorts von Q36.5. Toll ist gleich mal der Sitz - das »Corefusion« im Namen weist darauf hin, dass X-Bionic beim Gewebe einige Register zieht. Typisch für die Marke ist der Mut zur Innovation - so sollen sogenannte »Thermosyphons« dafür sorgen, dass Schweiß schnell von der Haut weggeleitet wird. Tatsächlich trägt sich die Hose ganz ausgezeichnet und trocknet auch bei langen, schweißtreibenden Touren sehr angenehm - wofür auch die breiten Träger und das aus vier verschiedenen Schaumstoffarten zusammengesetzte Sitzpolster sorgen. Was uns besonders imponiert hat, ist die angenehme Haptik der Hose. Der Stoff fasst sich so weich an wie wenig andere im Test, und so trägt sich die Hose auch - ein Komfortwunder. Gut gefallen haben uns auch die reflektierenden Applikationen. In der Gesamtsicht stellt die X-Bionic Corefusion Men’s Cycling Bib Shorts eine exklusive, wenn auch gerade noch bezahlbare Hose für anspruchsvolle Rennradfahrer aller Leistungsklassen dar, die besonders auf Tragekomfort Wert legen.

Pearl Izumi Pro Bib Shorts

Zugegeben: Wir haben einen »Knack« für Pearl Izumi, wie die amerikanischen Mitarbeiter der aus Colorado stammenden Marke sagen würden. »Knack« lässt sich am besten mit Vorliebe oder auch Faible übersetzen. Seit Jahren ist Pearl Izumi Garant für funktionale, dezent designte und vor allem langlebige Fahrradbekleidung. »Pearli«, wie die Marke hierzulande von vielen Insidern liebevoll genannt wird, kann auf 70 Jahre Erfahrung in der Fertigung von Fahrradbekleidung zurückblicken, was man der Pro Bib Shorts sofort anmerkt. Sie wird aus sieben »Pro Transfer«-Stoffstücken gefertigt, passt sich dadurch perfekt dem Körper an und hat leicht komprimierende Eigenschaften. Träger und Beinabschlüsse sind lasergeschnitten, was sich beim Tragen positiv bemerkbar macht. Das Material trägt sich aufgrund der mit wenig Nähten auskommenden Träger äußerst angenehm. Am Beinsaum kommt die Fahrradhose ganz ohne Nähte aus, trägt somit nicht auf und ist zudem mit Silikonapplikationen ausgestattet, die ein Hochrutschen verhindern. Besonders begeistert hat uns das Sitzpolster. Dieses ist vergleichsweise weich und wenig strukturiert, schmiegt sich jedoch optimal an das Gesäß an, reibt nicht und hat gerade die richtige Dicke, um nicht aufzutragen. Wer bisher unter einer zu wenig flexiblen Hose »gelitten« hat, wird von der Pearl Izumi Pro Bib Shorts begeistert sein. Der empfohlene Verkaufspreis ist zwar nicht gerade günstig, die Fahrradhose setzt jedoch ein Ausrufezeichen beim Tragekomfort und der Verarbeitung.

Gore C3 Tight

Man braucht nicht immer Träger, um sich auf dem Bike wohlzufühlen - das beweist die Gore C3 Tight. Spontan ziehen wir die Hose an zwei Tagen zu Alltagsfahrten an, knapp siebzig Kilometer legen wir mit ihr zurück. Gut gefällt uns dabei der ausgezeichnete Halt. Die Hose verfügt über recht breite Silikon-Applikationen an den Beinabschlüssen, da rutscht auch im Wiegetritt nichts. Auch das Polster ist für eine Hose, die nur rund 70 Euro kostet, ganz ausgezeichnet. Es bilden sich keine Reibe- und Druckstellen, für Strecken bis 50 Kilometer eignet sich die Hose ganz ausgezeichnet. Auch als wir zwischendrin das Rad gegen Schusters Rappen austauschen, macht die Hose im wahrsten Sinne des Wortes eine gute Figur. Wir haben uns schwergetan, unseren bisherigen Preis-Tipp zugunsten der Gore C3 Tight aus den Empfehlungen zu werfen - aber an die Verarbeitung der Gore kommen andere günstige (No-Name-)Fahrradhosen nicht heran.

Essential Bib Tight

Dass Italiener mit die besten Radhosen auf dem Planeten schneidern, ist kein Geheimnis. Dass italienische Radhosen auch gerne mal 150 Euro und mehr kosten, ebenfalls nicht. Herrlich! Allein das Hineinschlüpfen in die Essential Bib Tight ist ein Erlebnis. Ihr Mischgewebe liegt weich auf der Haut, die breiten, angenehm ela...

Weitere Aspekte beim Kauf von Fahrradhosen

Preisspanne und Wert

In diesem Test wurden Hosen in einer Preisspanne von 34,95 bis 279,90 Euro geprüft. Dabei ist uns aufgefallen: Hosen sind etwas sehr Individuelles, deshalb empfehlen wir diese vor dem Kauf unbedingt anzuprobieren. Vielmehr haben wir mit der Rockrider einen Preis-Leistungssieger benannt, der mit durchdachten Details und top Preis sorglos den Einstieg ins Radfahren bietet.

Minimalismus und Komfort

Besonders aufgefallen ist uns, dass viele ­Hersteller versuchen, ihre Bib Shorts mit so wenigen Nähten wie möglich zusammenzufügen und diese besonders flach zu halten. Nahtlose, breite Träger sind inzwischen Standard, angesetzte Beinabschlüsse wie bei Löffler die absolute Ausnahme. Manche Modelle kommen mit gerade mal einer Naht am Oberschenkel aus und die Beinabschlüsse rutschen selbst ohne klebriges Silikonband beim Treten nicht mehr hoch. Davon profitiert vor allem, wer gerne Strecke macht.

Materialien

Auch bei der Wahl der Materialien lassen sich die meisten Hersteller nicht lumpen und verarbeiten edlen Zwirn. Hochwertiges Garn mit hoher Spannkraft und robuster Oberfläche umschließt den Träger mit angenehmer Kompression und fühlt sich ­dennoch geschmeidig und weich an - kein Vergleich zu Billigware mit oft labbrigen Stoffen, beispielsweise von machem Discounter.

Sitzpolster: Dicke vs. Dichte

Plüschig weiche „Sofakissen“ findet man in diesem Test kaum mehr. Dichtere Schäume mit geringerer Höhe versprechen auch auf lange Sicht guten Support. SQlab treibt diesen Trend mit seinem nur vier bis sechs Millimeter dünnen, ultra­straffen Polster (auch bei Löffler) auf die Spitze. Eine Empfehlung für gut trainierte Ausdauersportler - aber definitiv nichts für Gelegenheits-Biker.

Details, die den Unterschied machen

  • Träger: Träger aus festem und elastischem Material, die sich faltenfrei an den Körper legen, sollten Standard sein.
  • Beinabschlüsse: Eine Hose mit klassischem Beinabschluss sollte ohne Quernähte auskommen, idealerweise auch ohne fette Silikonprints.
  • Taschen: Dank kleiner seitlicher Taschen hat man bei Castelli und Van Rysel Riegel immer griffbereit.

Das Ideale Sitzpolster: Dick oder Dünn?

Die passende Breite Genau wie beim Sattel spielt auch beim Sitzpolster die Breite eine wichtige Rolle. Diese muss nämlich zum individuellen Sitzknochenabstand passen. Typisch ist bei Frauen und Männern etwa ein Abstand zwischen zehn und vierzehn Zentimetern. Basis für die Wahl sollte immer eine Vermessung der Sitzknochen sein. Achtung: Manche Sitzpolster sind nach außen hin abgestuft und bieten nur auf einem schmalen Bereich den maximalen Komfort. Besser sind durchgängig dicke Hosenpolster.

Der Trainingszustand Je mehr Stunden man im Sattel verbringt, desto „eingesessener“ ist der Hintern. Die Sitzknochen gewöhnen sich mit zunehmendem Training an die Druckspitzen und bekommen eine Art unempfindliche Hornhaut, die weniger schnell schmerzt als bei Untrainierten. Gut trainierte Biker werden daher immer besser mit einem dünnen und straffen Hosenpolster viele Kilometer abspulen. Auf kurzen Runden und für weniger Trainierte darf das Polster auch mal etwas dicker und weicher ausfallen.

Polsterform Stufen, Höcker, Nähte - jede Unebenheit auf dem Sitzpolster kann auf lange Sicht zu Druckstellen oder Reibung führen. Daher sollte das Sitzpolster möglichst eben und nahtfrei konstruiert sein. Ein kleiner Kanal als Aussparung in der Mitte kann eventuell Druckstellen im Dammbereich verhindern. Wichtig: Es sollte nicht zu viel Stoff im Polsterberiech sein, da sich sonst ein schwammige Windelgefühl einstellt, sich das Material in Wellen legen, Scheuerstellen verursachen und Blutgefäße und Nervenbahnen einklemmen kann.

Der Mythos Dick und weich ist gleich bequem: Diese Gleichung geht nicht auf. Inzwischen haben viele Hersteller verstanden, dass es sich genau gegenteilig verhält. Daher kommen bei den Endurance-Hosen auch zunehmend ­flachere und straffere Polster zum Einsatz. Dicke Polster mit geringer Dichte sitzen sich auf Dauer schnell durch und verursachen dann häufig Druck im Dammbereich. Straffe Polster bleiben auch auf Dauer formstabil und geben den Sitzknochen mehr Support.

Testergebnisse

Die meisten Hosenschneider beherrschen ihr Handwerk und können in Punkto Tragekomfort auch auf langen Strecken überzeugen. Dass weiche und dicke Polster den Sitzkomfort verbessern, ist indes ein Mythos; das Gegenteil ist der Fall. Den besten Kompromiss aus allen Eigenschaften bieten Hersteller wie Alé, Gobik oder Gore Wear, mit ­guten Preis-Leistungs­-Verhältnis überzeugen Shimano und Grip Grab. Die leichteste Hose ist die SQlab Q-Shorts One12R mit 144 Gramm.

Baggyshorts für MTB

Verfechter des klassischen Spandex-Kleidungsstils mögen einwenden, dass eine Baggy beim Pedalieren scheuert, am Sattel hängenbleibt, im Hochsommer unnötigen Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen erzeugt und die vorhandenen Taschen dank Trikottasche oder Rucksack überflüssig sind. Kommt es zum Sturz, bewahrt eine Baggy, egal ob aus luftigem oder dickem Material, nicht nur Bikers Beine vor Schrammen und mehr, sondern auch den dünnen Stoff der darunter getragenen, edlen Polsterhose vor Rissen. Für Träger von Knieprotektoren ist eine Baggyeh Pflicht - es sei denn, man steht auf das Gelächter anderer Biker.

Die elastische Passform der perfekt verarbeiteten Norrona trifft das Ideal aus sportlicher Straffheit und lässiger Bewegungsfreiheit. Per Reißverschluss können die Beine seitlich erweitert werden: zur Belüftung oder zum Tragen von Protektoren.

Weitere getestete MTB-Baggys

  • Endura Single Track Lite Short: Günstige, detailreiche Shorts, die mit ihrem leichten Material angenehm auf der Haut liegt.
  • Leatt Shorts MTB 2.0: Ziehen wir um, oder gehen wir biken? Die Frage dürften Käufer der Leatt öfter hören, denn ihre fünf Taschen bieten massig Stauraum.

Die Knackpunkte bei Bikeshorts

  • Stoff/Material: Der Stoff darf nicht zu schwer sein und sollte die Oberschenkel umschmeicheln, die Bewegung nicht einschränken, gut belüften und möglichst leise sein.
  • Schnitt/Länge: Leger sollte der Schnitt sein. Nicht zu weit, nicht zu eng.
  • Features:
    • Verschluss: Praktische Ratschenverschlüsse sind leicht zu bedienen und beeinflussen den Umfang des Bunds.
    • Taschen: Mindestens eine oder besser zwei Taschen sind sinnvoll - für Handy und Schlüssel.
    • Belüftung: Gelaserte Perforierungen im Stoff (Belüftungslöcher) sollen die Short lustiger machen und sind sinnvoll.

Abschließende Tipps

Für viele ist die Passform das wichtigste Kaufkriterium. Rennrad-Trikots verfügen in der Regel über eine sportiv-enge und körpernahe Passform. Dieser Schnitt bietet auch aerodynamische Vorteile. Dies bedeutet aber auch, dass eine üblicherweise getragene Konfektionsgröße nicht unbedingt auf die Radbekleidung übertragen werden kann. Die Größenfindung ist demnach - leider - nicht immer einfach.

Bei Radhosen ist der Komfort noch einmal wichtiger als bei Trikots. Mitentscheidend dafür ist die Wahl des Sitzpolsters. Dessen Konstruktionsweise und Materialeigenschaften müssen zur Anatomie des Trägers oder der Trägerin passen. Für Sitzpolster gilt: Dicker bedeutet nicht immer auch komfortabler.

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