Japanische Motorrad-Gangs: Eine aussterbende Subkultur

Japanische Motorrad-Gangs - auch als Bōsōzoku bekannt - sorgen nun schon seit den 70er Jahren für Angst und Schrecken, indem sie die Straßen mit ihren aufgemotzten Maschinen unsicher machen und dabei ihre Kämpfe gegen rivalisierende Banden und die Polizei austragen.

Die glorreichen Tage der Bōsōzoku

Teil einer solchen Gang - jede mit einem individuellen Overall - zu sein, ging einst mit einem wilden Lifestyle einher, der von Gewalt und oftmals auch von einem frühen Tod geprägt war. Neue Mitglieder wurden schon im Jugendalter von den alteingesessenen Bikern rekrutiert und anschließend bläute man ihnen ein, den Ruf und die Ehre der Gang zu schützen - auch wenn das bedeuten sollte, in hoffnungsloser Unterzahl zu kämpfen.

Die Biker, die die Hochzeit dieser Subkultur miterleben durften, werden sich allerdings immer wieder gerne an ihre ungestüme Jugend zurückerinnern.

Rückgang der Bōsōzoku

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Bōsōzoku aufgrund der strengeren Gesetze und des härteren Durchgreifens der Polizei jedoch drastisch zurückgegangen und es gibt nur noch ganz wenige Charter.

Bōsōzoku heute

Obwohl Japan als äußerst sicheres Land gilt, hält unter anderem die Yakuza regelmäßig die Polizei in Atem. Doch nicht nur die japanische Mafia macht Ärger. Ebenfalls gibt es im ganzen Land verschiedene Bikergangs, die gleichermaßen nicht immer friedlich sind.

Fallbeispiel: Bad Lobster

So verhaftete die Polizei von Ebina kürzlich mehrere Mitglieder der Bikergang Bad Lobster. Am Donnerstag nahm die Polizei fünf Mitglieder im Alter zwischen 17 und 19 Jahren fest. Die Beamten fanden heraus, dass sie sich am 31. August letzten Jahres mit ihren Minibikes äußerst gefährlich im Straßenverkehr verhielten. Sie wechselten laut Bericht wahllos die Spur und überfuhren rote Ampeln.

Der Vorfall ereignete sich wohl auf einer 1,4 Kilometer langen Straße in Ebina. Obwohl die Beamten nur direkt von einem Vorfall sprechen, betonen sie, dass es nur einer von vielen ist. Bad Lobster ist ihnen nämlich nicht unbekannt.

Jugendliche gründeten die Gang, um die rivalisierte Gruppen von Ebina fernzuhalten. Bikergangs, bestehend aus Teenagern oder jungen Erwachsenen, sind nicht ungewöhnlich. Trotzdem sorgt die Festnahme für Aufsehen und der Grund dafür ist der Name der Gruppe.

Bad Lobster ist nämlich mit seiner Sprech- und Schreibweise als „Baddo Robusuta“ ein cleveres Wortspiel. Es enthält das Wort Ebi, was wiederum für Hummer oder Shrimp steht und ein Hinweis auf die Stadt selbst ist. Gleichzeitig finden viele, dass der Name eine wirklich schlechte Idee für eine coole Bikergang ist.

Online machten viele Witze darüber, dass sie möglicherweise ihren Feinden eine Lebensmittelvergiftung bescheren oder eigentlich lieber ein Sportteam gründen wollten. Die meisten finden jedenfalls den Namen nicht besonders bedrohlich. Andere weisen hingegen darauf hin, dass schlechter Hummer alles andere als witzig ist.

Die Faszination der Bōsōzoku in der Popkultur

Wer Mangas liest und Animes ansieht, wird die Bōsōzoku kennen: Motorradgangs, die Japans Straßen unsicher machen. Mal rasen sie für den bloßen Kick schneller als erlaubt durch Städte, mal fahren sie besonders langsam durch Vororte und bepöbeln, Baseballschläger schwingend, Passanten: Bōsōzoku provozieren mit ihren oft illegal aufgemotzten Motorrädern in Japans Straßenverkehr.

Die Bikes sind wegen der abgeschraubten Schalldämpfer meist laut und fallen durch Lackierung und Aufkleber auf.

Der Kultfilm Crazy Thunder Road von Gakuryu Sogo Ishii handelt genau von diesem Thema. Bakuon Rettou oder auch gerne Detonation Islands genannt, erschien zwischen Oktober 2002 und November 2012 im Kodanshas Afternoon Magazin.

Wenn man sich ein wenig mit der Lebensgeschichte des Mangaka auseinandergesetzt hat, wird man erahnen können, dass die Geschichte, welche in den frühen 80er Jahren spielt und Jugendliche in ihren tristen Alltag als Mitglieder einer Biker Gang zeigen, eine Verarbeitung seiner eigenen Jugend darstellt.

Protagonist Kaze Takashi muss mit seinen Eltern in eine ruhige Lage von Tokio umziehen, da sie ihren Sohn von dem schlechten Einfluss Gangs bewahren möchten. Dieser findet in seiner neuen Klasse schnell neue Freunde und gemeinsam mit ihnen die Passion an Motorrad fahren. Er schließt sich mit ihnen einer Biker Gang an. Die Geschichte zeigt nicht nur, dass verkorkste und kriminelle Leben, sondern auch den Verlauf einer beeindruckende Charakterentwicklung, die von Schicksalsschlägen und Glücksmomenten geformt wird.

Catch me Aho! - Ein Spiel über Biker-Gangs in Tokyo

Mit „Catch me Aho!“ steht das neueste Japan-Spiel der kreativen Truppe Heldbergs Games in den Startlöchern. Dabei geht es zurück ins Tokyo der 80er Jahre, wo sich Biker-Gangs und Polizei nervenaufreibende Verfolgungsjagden liefern.

Die Spielunterlage bilden in diesem Fall sechs Puzzleteile, die ringförmig angeordnet die Straßen von Tokyo ergeben. Hier, auf dem Innenstadtring Tokyos, sind die Bosozoku und Sukeban unterwegs - männliche und weibliche Biker-Gangs der 80er-Jahre. In ihren auffälligen langen und von Schriftzeichen übersäten Jacken heizen sie mit aufgemotzten Motorrädern durch die nächtlichen Straßen der japanischen Hauptstadt.

Dicht auf den Fersen ist ihnen dabei die Polizei. Und wenn beide Parteien aufeinander treffen, gibt’s Stress - und so manche Delle im Blech. Das ist die Ausgangslage von Catch me Aho! - wo und wann genau es kracht, das herauszufinden ist im Spielverlauf eure Aufgabe.

Hells Angels in Deutschland

Das Stuttgarter Charter des Hells Angels Motorcycle Club wurde am 4. Dezember 1981 gegründet. Hervorgegangen war es aus dem Hammers Of Hells MC Stuttgart. Der MC bestand nur aus diesem einen Charter und hatte seit circa 10 Jahren existiert. Die damaligen Hammers Of Hell Members waren im Durchschnitt recht jung und bestanden vorwiegend aus Mechanikern und Werkzeugmachern.

Am 4. Dezember 1981 war es endlich soweit! Auf einem spontan ausgerichteten Camp im Welzheimer Wald wurden das zweite Deutsche und weltweit 50. Charter in die Bruderschaft der Hells Angels aufgenommen!

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