Pünktlich wurde der über 1000 Jahre alte Ort Zilly mit der Bike Schmiede erreicht.
Die Bike Schmiede Zilly: Sammlerleidenschaft und Schraubermacke
Was andere für puren Schrott im weitesten Sinn halten, ist für die Niebels in Zilly immer noch brauchbar. Und das selbst für den Fall, daß manches Teil nach dem Einsammeln weitere zehn Jahre auf seinen Einsatz warten muß - in irgendeiner von hunderten Kisten und Kästchen, ölverschmierten Regalen oder an einer der Wände, die eigentlich alle schon vor Jahren keinen Platz mehr boten.
Was wirklich nicht mehr paßt, wird kurzerhand an die Decke gehangen. Für den Außenstehenden scheint kein nachvollziehbares System dahinter zu stecken - ein krasser Irrglaube! Was Opa Wilfried einmal in den Händen hatte, läßt sich mühelos nach Monaten binnen kürzester Zeit wieder hervorkramen. Diesen Test hat er, wie auch sein Sohn Tilo, längst hundertfach bestanden.
Daß oft Dinge zusammenfinden, die ursprünglich nie zusammengehörten, ist Teil der Niebelschen Philosophie. »Wir wollen beweisen, dass man auch mit einem Abschluß der achten Klasse mehr anstellen kann, als nur blöd gucken«, bringt es Wilfried Niebel auf den Punkt, um später zu ergänzen: »Mein Vater ist im Krieg geblieben. Ich mußte mir daher alles selbst beibringen. So habe ich es auch mit meinen Kindern gehalten. Inzwischen sind auch meine Enkel von der Schrauberei infiziert,« so der gelernte Elektromeister.
Daß sich dabei zumeist die halbe Werkstatt im Garten verteilt hat und Spritzpistolen niemals gereinigt wurden, nahm Niebel mit stoischer Gelassenheit in Kauf. »Ich war einfach froh, daß sie nicht in der Kneipe rumgehangen haben, rauchten oder irgendwelchen anderen Blödsinn machten.«
Die Anfänge einer einzigartigen Sammlung
Als Sohn Tilo sich seine erste zerlegte MZ »BK 350« besorgte, um ihr vielleicht doch noch einmal neues Leben einzuhauchen, war er gerade mal Zwölf! Ohne Bauanleitung sollte das, gemeinsam mit dem Bruder, auch gelingen. Bis heute gilt als ungeklärt, wer damals eigentlich stolzer war - die bei den Jungen oder deren Vater.
Mitte der 70er Jahre geriet der Kauf eines Oldtimers für einen seiner beiden Söhne zu einer Initialzündung. War dies doch der Anfang einer bis heute einzigartigen Fahrzeugsammlung. Weil die Schmiede dafür zu keinem Zeitpunkt genügend Platz bot, stehen die Schmuckstücke in Blech neuerdings nebenan in einer extra für diesen Zweck ausgebauten riesigen Scheune.
Vierzehn Meter hoch und zunächst baulich in desolatem Zustand, wurde auch diese in Eigenregie ausgebaut. Mit neuem Material aus dem Baumarkt? Fehlanzeige! Das wäre allen gegen den Strich gegangen. Bei den Niebels wird nicht wiedergekäut, aber gnadenlos wiederverwertet.
Nun also kann sich auf zwei Etagen verteilen, was sonst in den zahlreichen kleinen Schuppen und Garagen sein Mauerblümchendasein fristen mußte. Pures Glück, einzigartige Zufälle oder auch ganz gezielte Suchaktionen auf den Schrottplätzen landauf, landab führten bis jetzt zu einem Fundus, der seinesgleichen sucht. Und das sicher weit über den Harz hinaus.
Wilfried Niebel: »Als Elektriker bist du ja auch irgendwie ein Zigeuner. Du kommst auf jedes Grundstück, in jede Scheune oder Keller und entdeckst bei den Leuten immer etwas, was achtlos in der Ecke steht, aber eigentlich doch noch zu gebrauchen wäre.« Eigentlich kein Wunder, daß der Ort Zilly längst zum Synonym für pure Sammlerleidenschaft geworden ist.
Daß man überregional in der Biker- und Oldtimer-Szene in der ersten Liga mitspielt, genügt den professionellen Bastlern mit der vorsätzlich zur Schau getragenen Schraubermacke indessen vollends. Die anerkennenden Einträge von Besuchern im Internet nach den Führungen durch die Bike-Schmiede sprechen Bände. Und ob es ein anderes Dorf im Nordharz je zu einer derartig medialen Präsenz schaffen wird, daß sich die Fernsehanstalten geradezu die Klinke in die Hand geben, darf ebenfalls bezweifelt werden.
Wie auch immer - die Enthusiasten mit dem Benzin im Blut haben sich zumeist einen Teufel darum geschert, angepaßt zu sein und nicht aufzufallen. Wilfried Niebel nahm nie ein Blatt vor den Mund - zu DDR-Zeiten nicht und heute schon gar nicht. Unter Honecker klickten deswegen gleich drei Mal bei ihm die Handschellen.
Pikanterweise immer, wenn er allein auf der Toilette war: »Die Männer mit den nach allen Seiten drehbaren Pferdeohren haben mir dann stets den Unterschied zwischen Meinungsäußerung und Hetze klarmachen wollen.
Besondere Exponate und DDR-Geschichte
Zwei Jahre nach dem Mauerfall rückte die zu komplettierende Oldtimersammlung immer mehr in den Fokus. Es ist jene Zeit, da man sich im Osten nur zu gern der historischen Technik entledigt. Aber nicht immer sind die in Scharen einfallenden Sammler aus den Niederlanden schneller als die Niebels vor Ort.
Alle paar Monate stößt man irgendwo auf einen neuen Oldtimer, der offensichtlich seit Jahrzehnten auf begnadete Schrauberhände gewartet hatte. Darunter befindet sich mit dem »Siyz 110«, Baujahr 1949, auch die erste DDR-Staatskarosse von Otto Grotewohl. Das Ganze ein außergewöhnlich seltenes Exemplar der Automobilgeschichte und von daher heutzutage kaum bekannt.
Im übrigen ein Packard-Nachbau, dessen 36 Kilogramm schweres Radio schon damals über einen Sendersuchlauf verfügte. Der Wagen ist sieben Meter lang, drei Tonnen schwer und besticht mit einem Verbrauch von unbescheidenen 40 Litern pro 100 Kilometer. Selbst die elektrohydraulischen Fenster würden wartungsfrei bis heute tadellos funktionieren - »ohne jeglichen Schnick-Schnack und sowieso ohne Serviceheft!«
Der eingesetzte Ölspaltfilter ist für die Ewigkeit gebaut und müsse praktisch nie gewechselt werden. Niebel: »Man stelle sich mal vor, wie viele Ölfilter jeden Tag in Deutschland ausgetauscht und als Sondermüll entsorgt werden müssen. Eine Million? Eine halbe?« Es ist jedenfalls unfaßbar und aus Niebels Perspektive einfach nur dumm, weil es schon einmal besser ging: »Wir verschleudern unsere Ressourcen - und alle machen mit!
Unterdessen ist die Sammlung auf fast 300 Modelle angewachsen. Die meisten davon sind Motorräder und Mopeds. Jedes zweite Fahrzeug ist wieder in einen betriebsbereiten Zustand versetzt worden. Unterdessen laufen Planungen auf Hochtouren, die Exposition noch um ein Spielzeugmuseum zu erweitern.
Einzigartige Kreationen und das Technik-Festival
Ganz ohne eigene Kreationen sollte es bei den Niebels aber nie abgehen. Das erste Husarenstück gelang ihnen mit der »Big Mama«. In dieses gewaltige Motorrad mit seinen 115 PS wurde nach dem Willen der beiden Söhne der Motor eines Tatra 603 verbaut. Motto: Geht nicht, gibt`s nicht. Einmal angelassen, bekommt auch das letzte Haus am Zillyer Ortsrand noch etwas vom martialischen Klang dieses Unikats ab.
Am 21. und 22. Mai lädt die Harzer Bike Schmiede zum 17. Technik-Festival nach Zilly bei Halberstadt ein. Das bunte Programm für die ganze Familie hält Präsentationen, Rennen, Führungen für Groß und Klein, Spiele, Lagerfeuer, Livemusik, Floh- und Teilemarkt bereit.
Die beeindruckende Zündung des einzigartigen gigantischen Panzerbikes ist hier ebenso zu erleben wie eine lautstarke Vorführung des größten Motorradgespanns Europas mit Tatra-Triebwerk. Eine Sonderausstellung präsentiert Staatskarossen der DDR. Und fürs leibliche Wohl ist natürlich auch gesorgt.
Die Faszination der Bike Schmiede
Mit ganz viel Herzblut und Liebe zur Technik hat die Crew der Bikeschmiede eine einzigartige Sammlung aus alter Technik, Motoren, Maschinen sowie Fahrzeugen zusammengetragen, die im Harzer Örtchen Zilly aufwendig in Szene gesetzt werden.
In drei große Fachwerkscheunen und Gebäuden können Besucher und Harz-Urlauber auf 5.000 qm und mehr als 10.000 Exponaten sehen, wie in den letzten 150 Jahren die Technik im Fahrzeugbau die Mobilität der Menschen nachhaltig veränderte.
Die zahlreichen Exponate der Harzer Bikeschmiede bieten spannende und tiefgreifende Einblicke in die Technikgeschichte. Besucher treten ein in die spannende Zeit um 1880 bis 1970, welche viele geniale wegweisende Erfindungen hervorbrachte.
Das wohl bekannteste Ausstellungstück ist das mit 4.749 kg im Guinness-Buch der Rekorde genannte schwerste Motorrad der Welt. Das Fahrzeug hat eine Höhe von 2,30 Meter, mit Seitenwagen eine Breite von 2,60 Meter und eine Länge von 5,30 Meter.
Als weitere Rarität können Besucher auch die pompöse DDR-Staatslimousine bestaunen. Das einzige noch existierende Exemplar aus dem Regierungsbesitz der DDR. Der Wagen wurde 1949 in den Moskauer Stalinwerken gebaut und mit allem damals erdenklichen Luxus ausgestattet.
Zu den weiteren Highights zählt u. a. das größte Motorradgespann Europas mit Tatramotor. In seinen ausladenen Beiwagen finden bis zu sieben Personen Platz. Zu den weiteren Besonderheiten zählen auch Fahrzeuge, die eigens für Kriegsversehrte konstruiert wurden, darunter ein antiker Bienenwagen sowie fahrbare historische Sägemaschinen.
Und das ist nur ein kleiner Auszug aus der faszinierenden Kollektion historischer Fahrzeuge. Die Ausstellung, die nicht nur Technik-Begeisterte fasziniert, hat in den Monaten April bis Oktober jeweils donnerstags, freitags und samstags von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. An diesen Tagen finden Führungen jeweils um 10:30 Uhr und 13:30 statt; zusätzlich auch montags um 14:00 Uhr.
Weitere Aktivitäten in Zilly
Auf dem Gelände der Bike-Scheune fand sich auch ein als exotisch geltender Sportwagen aus der DDR-Zeit ein. Ein Melkus RS1000, er galt 1969 in der DDR als Porsche-Killer.
Hier geht es mit den beiden Räder rauf und runter auf den Rundparcours. Auch Frauen und Kinder waren erstmalig im Wettbwerb dabei, hier hilft Wilfried am Start Kerstin auf die Pedale. Zum Abschluss wurde unter dem Teilnehmern der Kurt Ahrens-Wanderpokal ausgefahren. Es machte allen einen riesigen Spaß.
Sieger wurde Dietrich Dimmler, Diddi konnte erstmalig seinen Pokalsieg aus 2013 verteidigen. Der Porsche Klassik-Stammtisch gratuliert herzlich.
Ein Melkus RS1000, er galt 1969 in der DDR als Porsche-Killer.
Udo Schmidt: Spätberufener Biker
Nicht so für Udo Schmidt. Getreu dem von (Vor-) Namensvetter Udo Jürgens besungenen Motto „Mit 66 Jahren da fängt das Leben an…“ entdeckte Schmidt nicht zuletzt dank der tatkräftigen Unterstützung seiner Ehefrau die Liebe zu zwei Rädern. Motorisierten wohl gemerkt.
Statt sich aufs Altenteil zurückzuziehen erwarb der ehemalige Lehrer seinen Motorradführerschein, um seither mit wachsender Begeisterung in jeder freien Minute mit dem Motorrad quer umher zu reisen. Keine Frage, Udo Schmidt ist im positiven Sinne zu einem Besessenen geworden.
Wie viele Autofahrer besaß er lange ein prinzipielles Misstrauen gegenüber Verkehrsteilnehmern mit knatternden Zweirädern. Doch dann wandelte sich Schmidt vom Biker-Saulus zum Biker-Paulus.
Auf 176 Seiten schildert Schmidt mit Humor und Selbstironie, wie sich die Liebe zu Pferdestärken und Fahrtwind entwickelte, wie er schließlich den Sprung vom Motorroller zu einer PS-starken Maschine wagte.
Das Buch beschreibt den Spätstart in die Motorrad-Karriere und wie er Widerständen in Familie und Freundeskreis getrotzt hat, enthält aber auch Tipps für alle, die ihm nacheifern wollen. So finden sich im zweiten Teil des Buches Entscheidungshilfen für die Wahl und zum Kauf des richtigen Motorrads.
Gegen steife Knochen auf langen Touren werden wissenschaftlich fundierte Gymnastiktipps angeboten. Zudem kommt auch die Fahrtechnik in dem fundiert recherchierten Ratgeber nicht zu kurz.
| Ausstellungsstück | Details |
|---|---|
| Schwerstes Motorrad der Welt | 4.749 kg, Guinness-Buch der Rekorde |
| DDR-Staatslimousine | Einzigartiges Exemplar aus Regierungsbesitz |
| Größtes Motorradgespann Europas | Mit Tatramotor, Platz für 7 Personen |
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