"Bist du Moped": Eine Reise durch den Ruhrpott-Slang

Der Ruhrpott, bekannt für seine industrielle Vergangenheit und bodenständigen Menschen, hat auch eine ganz eigene Sprache entwickelt. Dieser Slang, oft rau aber herzlich, spiegelt die Mentalität und den Humor der Region wider. Tauchen wir ein in die Welt der Ruhrpott-Ausdrücke, von alltäglich bis kurios.

Alltägliche Ausdrücke und ihre Bedeutung

Viele Wörter und Redewendungen sind im täglichen Sprachgebrauch fest verankert und verleihen Gesprächen eine besondere Note.

  • Apfelkitsche: Das Kerngehäuse eines Apfels. "Tu ma die Appelkitsche in Müll schmeißen!" - "Wirf mal die Apfelkitsche in den Abfall".
  • Buckse (Buggse, Buxe): Hose. "Zieh ma die Buckse hoch!" - "Zieh dir bitte mal die Hose hoch".
  • Bude: Kiosk oder auch Haus. "Hier hasse n Heiermann, kannse mit anne Bude gehen" - "Hier hast du etwas Geld, damit kannst du zum Kiosk gehen".
  • dalli: schnell. "Geh nache Omma, aber dalli!" - "Gehe schnell zur Oma!"
  • Erpel: Kartoffel. "Tu ma die Erpels schäln" - "Schäle mal die Kartoffeln".
  • Fluppe: Zigarette. "Ich muss mir ma widder Fluppen holn" - "Ich muss mir mal wieder Zigaretten kaufen".
  • Fott: Gesäß, Po. "Bewech deine Fott wech vonne Couch" - "Steh von der Couch auf!"
  • Gedöns: Kram. "Pack ma datt Gedöns da wech!" - "Bitte räume deine Sachen auf".
  • geez: jetzt. "Gezz komma wacka nache Omma" - "Jetzt komm mal schnell zur Oma".
  • Glotze: Fernseher. "Watt kommt heute inne Glotze?" - "Was läuft heute im Fernsehen?"
  • Hä: Fragewort. "Hä?" - "Was? Wie bitte?"
  • Hömma: Hör mal! (Befehlsform). "Hömma, ich muss dir watt sagen" - "Hör mal, ich möchte dir etwas sagen".
  • Ische: feste Freundin. "Bringse deine Ische heute Abend mit?" - "Kommst du heute Abend gemeinsam mit deiner Freundin?"
  • Jochurt: Joghurt. "Gib' ma den Jochurt aus'e Kühle!" - "Gib mir mal bitte den Joghurt aus dem Kühlschrank".
  • Latschen: Schuhe. "Meine Latschen sind schon ziemlich fratze." - "Meine Schuhe sind schon ziemlich kaputt".
  • latzen: bezahlen. "Da musste ich schon wieder 100 Euro latzen!" - "Da musste ich schon wieder 100 Euro bezahlen!"
  • Maloche: (harte) Arbeit. "Ich muss heut' aufe Maloche." - "Ich muss heute zur Arbeit".
  • Mopped: Universalbegriff. "Wat is dat denn für'n Moped?" - "Was ist das denn für ein Gegenstand?"
  • Olle: (liebevoll) Ehefrau, feste Freundin. "Ey, Olle! Kommse mit zum Markt?" - "Kommst du mit zum Markt, mein Liebes?"
  • Palawer: endloses Gespräch, auch Ärger. "Ma ma kein so langen Palawer." - "Komm mal auf den Punkt".
  • pennen: schlafen. "Ich geh pennen." - "Ich geh' schlafen".
  • Pinöppel: Knopf. "Drück ma den Pinöppel da vorne." - "Drücke mal bitte diesen Knopf".
  • Pittermesser: kleines Küchenmesser. "Gimma dat Pittermesser, ich muss Erpel schälen." - "Gib mir bitte mal das Küchenmesser, ich muss Kartoffeln schälen".
  • plästern: stark regnen. "Wamama auf Schalke, hat dat da geplästert." - "Wir waren mal im Schalker Stadion und es hat geregnet".

Besondere Ausdrücke und ihre Geschichten

Einige Ausdrücke sind besonders kurios und haben eine interessante Herkunft.

  • Bullemann: erfundene, unheimliche Gestalt, die nur nachts auftaucht und von Erwachsenen genutzt wird, um Kinder zu erschrecken. "Hömma, hasse heut Nacht den Bullemann gesehn?" - "Bist du heute Nacht dem Bullemann begegnet?"
  • Döneken: kleine (unwahre) Erzählung, kurze heitere Geschichte aus dem Alltag. "Erzähl mich keine Dönekes, sondern tu ma Butter bei die Fische!" - "Erzähle mir keine Geschichten, sondern sag die Wahrheit!"
  • Eiterbrille: Puddingbrezel. Viel zu Süßes Gebäck, das eigentlich nur klebrige Hände macht. "Holse mir beim Bäcker noch ne Eiterbrille?" - "Kannst du mir einen Puddingbrezel vom Bäcker mitbringen?"
  • Fisimatenten: Unsinn, Quatsch. "Kerr, mach ma keine Fisimatenten" - "Junger Mann, unterlassen Sie diesen Unfug!"
  • Fressbrett: Gesicht. "Gleich gibbet watt aufs Fressbrett Rotzigen" - "Du bekommst gleich einen Schlag ins Gesicht, Junge".
  • Furzmolle: Bett. "Ich mach gezz ma heia inne Furzmolle" - "Ich gehe jetzt in meinem Bett schlafen".
  • Gewitterflinte: Regenschirm. "Et plästert, nimm die Gewitterflinte mit." - "Es regnet, nimm einen Regenschirm mit".
  • Hackenporsche: Einkaufstrolley. "Kumma, die Olle hat n' Hackenporsche." - "Guck mal, die ältere Dame benutzt einen Einkaufstrolley zum Einkaufen".
  • Heiermann: umgangssprachlich für das 5 D-Mark-Stück. "Gib dat Blach ma ein Heiermann fürre Bude" - "Bitte gib dem Kind mal ein 5 Mark-Stück, damit es sich etwas am Kiosk kaufen kann".
  • Kabachel: Haus/Zuhause, auch: marodes Haus/Baracke. "Inne eigene Kabachel fühlt man sich doch am wohlsten." - "Im eigenen Zuhause fühlt man sich doch am wohlsten".
  • Kabäusken: kleines Zimmer. "Geh ma' zurück in dein Kabäusken." - "Geh mal wieder in dein Kämmerchen".
  • Käsemauken: Schweißfüße. "Bah, sind dat deine Käsemauken, die so müffeln?" - "Sind es deine Füße, die stinken?"
  • Killefitt: Unsinn, dummes Zeug. "Mach kein Killefitt!" - "Mach kein dummes Zeug!"
  • Klümpkes: Bonbons. "Hier hasse n' paar Klümpkes." - "Hier hast du ein paar Bonbons".
  • Knifte: Butterbrot. "Ich hab dir ne Knifte inne Brotbüchse gelecht." - Ich habe dir ein Butterbrot in die Brotdose gelegt".
  • Mantaplatte: Currywurst mit Pommes. "Eine Mantaplatte bitte." - "Ich hätte gerne einmal Currywurst mit Pommes".
  • Maurerdekoltée: Pospalte. "Kumma, dat Maurerdekoltée!" - "Schau mal, bei dem sieht man die Pospalte!"
  • Mottek: Hammer. "Gimma den Mottek, ich muss den Nagel da reinkloppen." - "Gib mir mal den Hammer, damit ich den Nagel hier befestigen kann".
  • Nuckelpinne: Auto mit schwachem Motor. "Mein Gott mit der Nuckelpinne aufe Autobahn kommse nich vom Fleck." - "Meine Güte mit diesem langsamen Auto kommen wir auf der Autobahn gar nicht vorwärts".
  • Patte: Portemonnaie. "Nimm ma die Patte und geh' anne Bude." - "Nimm dir mal das Portmonnaie und geh' damit zum Kiosk".
  • perzen: schnell fahren. "Der Pannemann is da wieda her geperzt!" - " Der Depp ist schon wieder ziemlich schnell da entlang gefahren".
  • Porreepiepen: dünne Beine ohne Muskeln. "Schwing deine Porreepiepen hier her, aber dalli!" - "Nutze deine Beinkraft, um mal hier rüber zu kommen".
  • Quanten: Füße. "Tu ma deine Quanten vom Tisch wech." - "Nimm deine Füße vom Tisch runter".

Häufigkeit der Verwendung

Die Häufigkeit der Verwendung variiert je nach Ausdruck:

  • Sehr oft: Hä, Hömma, geez, pennen, kackendreist
  • Oft: betuppen, Blach, Bude, Flitzpiepe, Fluppe, Fott, Gedöns, Glotze, Ische, Jochurt, Lappen, Latschen, latzen, Maloche, Olle, Palawer, Pittermesser, plästern, Fisimatenten
  • Mittel: Apfelkitsche, beömmeln, Buckse, dalli, Döneken, Dussel, Erpel, Furzmolle, Hackenporsche, Käsemauken, Killefitt, Mottek, Porreepiepen
  • Selten: Bullemann, Döppen, Eiterbrille, Fressbrett, Gewitterflinte, Heiermann, Kabachel, Kabäusken, Klümpkes, Knifte, Mantaplatte, Maurerdekoltée, Nuckelpinne, Patte, perzen, Quanten

Fazit

Der Ruhrpott-Slang ist mehr als nur eine Sammlung von Wörtern. Er ist ein Ausdruck der regionalen Identität und ein Spiegelbild der Lebensart im Ruhrgebiet. Ob "Hömma", "Mopped" oder "Mantaplatte" - diese Ausdrücke machen den Charme des Potts aus und verbinden die Menschen miteinander.

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