Die Bedeutung und Herkunft des Bikergrußes

Der Bikergruß ist ein Zeichen der Solidarität und des Respekts unter Motorradfahrern und tief in der Biker-Kultur verwurzelt.

Ursprung und Entwicklung

Im Internet finden sich viele lustige Herleitungen, wie der Motorradgruß entstanden sein soll. Hierzu sollte man sich vor Augen halten, dass die Motorräder früher keine bis ins Detail ausgereifte Fortbewegungsmittel waren, sondern vieles noch in den Anfängen steckte. Kleinere Pannen waren da an der Tagesordnung. Auch waren die Straßen in einem vergleichsweise schlechten Zustand und Schotterwege keine Seltenheit.

Eine weitere These besagt, dass speziell das V-Zeichen als Motorradgruß auf den Rennfahrer Barry Sheene zurückgeht. Dieser nutzte das Motorrad Handzeichen in den 1970er Jahren beim Überholen von Konkurrenten und zum Grüßen der Zuschauer nach einem Sieg - als Ehrerbietung und aus Respekt.

Bis heute hat sich dieser spezielle Biker-Spirit bewahrt. Gegenwärtig wird zwar nicht mehr gestoppt, wenn einem ein freiheitsliebender Ritter der Landstraße begegnet, aber oftmals mit einem Motorrad Handzeichen gegrüßt.

Die korrekte Ausführung

Ein festes Regelwerk gibt es beim Bikergruß nicht. Vielmehr ist es ein Leitfaden für Einsteiger, der das Grüßen auf dem Bike erleichtern soll. Zunächst liegt es in der Natur der Sache, dass zum Motorradfahrer Gruß stets die linke Hand zum Einsatz kommt. Wäre ja auch äußerst unvorteilhaft, jedes Mal die Hand vom Gasgriff zu nehmen. Im Straßenverkehr beim Stop and Go wird in der Regel nicht gegrüßt. Gleiches trifft auf der Autobahn zu, wenn es besonders schnell zur Sache geht.

Der Motorradgruß bleibt somit vorrangig der Landstraße vorbehalten, wenn es weniger schnell zur Sache geht und Zeit für das gegenseitige Hallo bleibt.

Wer grüßt wen?

Ob William Shakespeare Freude am Motorradfahren gehabt hätte, wissen wir nicht. Wohl aber hätte ihn interessiert, WER da auf WAS entgegenkommt. Dem ist nämlich bis heute so. Bist Du beispielsweise mit Deiner Enduro unterwegs, ist die Wahrscheinlichkeit groß, von einem entgegenkommenden Trail-Helden gegrüßt zu werden. Gleiches gilt, falls Du auf einem motorisierten Zweirad mit nur wenig Hubraum unterwegs bist und Dir ein „Großer“ entgegenkommt. Bist Du demnach Chopper, Supermoto, Touren, City, Cross oder Enduro Fahrer?

Wenn Du einen entgegenkommenden Motorradfahrer grüßt, steigt die Wahrscheinlichkeit eines erwiderten Grußes, je mehr Übereinstimmungen Du mit ihm hast.

Varianten des Bikergrußes

Wie oben kurz angesprochen, ist das mit Zeige- und Mittelfinger geformte „V“ ein beliebter Motorrad Gruß. Klar, es steht eigentlich für Victory, also Sieg. Heute wünscht man auf diese Weise auch eine gute Fahrt sowie Erfolg im Privaten wie Beruflichen. Auf ebener Strecke nimmst Du kurz die linke Hand vom Lenker und reckst dem Entgegenkommenden das „V“ entgegen.

Eine weitere Variante besteht darin, die linke Hand am Lenker zu belassen und nur die Finger abzuspreizen. Das wirkt etwas cooler und ist gerade bei sehr sportlichen Fahrern auf dem Naked-Bike sehr beliebt. Der Nachteil besteht darin, dass man solche Bikergrüße leicht übersehen kann. Das wird im Übrigen auch gerne den Bikern im südlichen Ausland unterstellt. Wer im Urlaub nach Italien fährt und sich wundert, dass einem dort selten Bikergrüße begegnen, sollte ganz genau hinsehen. Denn der „italienische Gruß“ besteht darin, lediglich den kleinen Finger der linken Hand ein wenig abzuspreizen.

Überhaupt ist es so, dass „Rookies“ im Vergleich zu routinierten Bikern gerne etwas überschwänglicher grüßen.

Besonderheiten

Dann gibt es auch noch die „Zauderer“. Soll man grüßen, oder nicht? Hier gilt zu bedenken, dass für den Motorrad Gruß nur ein kurzes Zeitfenster bleibt. Was für Motorrad Grüße unterwegs gilt, trifft bei einer Pause unter Gleichgesinnten im Besonderen zu.

Ein weit verbreitetes Vorurteil besteht darin, dass Harley-Biker generell nicht grüßen würden und sogar Motorräder aus dem asiatischen Raum verächtlich als „Japanese Rice Burner“ bezeichnen. Das sind natürlich nur Gerüchte. Mit ähnlichen Vorurteilen wegen Nicht-Grüßens sieht sich im Übrigen ein Goldwing-Biker konfrontiert.

Schließlich steht beim Biken der Spaß im Vordergrund.

Der Bikergruß und der Motorradhelm

Besonders interessant ist, wie der Gruß selbst durch die Anwesenheit eines Motorradhelms beeinflusst wird. Ein Motorradhelm, mehr als nur ein Schutzinstrument, wird Teil dieses ikonischen Rituals. Während der Helm das Gesicht verbirgt und somit nonverbale Ausdrücke wie Lächeln oder Nicken einschränkt, wird der Bikergruß umso bedeutsamer.

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