MZ BK 350: Informationen zum Motorrad mit Seitenwagen

Die MZ BK 350 ist ein klassischer Cruiser aus den Jahren 1956 bis 1959, der durch seinen charakteristischen 2-Takt-Boxermotor und das nostalgische Design besticht. Im Westen unserer Republik war sie immer ein Exot, im Osten eines der gefragtesten Modelle aus DDR-Produktion.

Geschichte und Hintergrund

Im Jahre 1950 begann in der DDR die Motorradproduktion. Unter dem neu gegründeten Industrieverband Fahrzeugbau (IFA) wurde im sächsischen Zschopau zuerst die Vorkriegs-DKW RT 125 leicht modifiziert weitergebaut. Nachdem sich die Lage der Rohstoffknappheit entspannte, erschien 1952 die erste Neukonstruktion im ehemaligen DKW-Werk, die BK 350 (BK = Boxer-Kardan und 350 für den Hubraum). Von 1952 bis 1958 entstanden 42.983 Exemplare dieser einzigen Zweizylinder-Konstruktion der DDR.

Technische Daten der MZ BK 350

Der 343 ccm große 2-Takt Boxermotor der MZ BK 350 bietet eine Leistung von 17 PS und ein maximales Drehmoment von 30 Nm. Die MZ BK 350 erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 115 km/h. Mit einem Gewicht von 142 kg ist die MZ BK 350 relativ leicht und bietet ein agiles Fahrverhalten. Die MZ BK 350 hat einen Kraftstoffverbrauch von etwa 3,8 Litern auf 100 km und ist mit einem 18-Liter-Tank ausgestattet.

Hier eine Übersicht der wichtigsten technischen Daten:

Merkmal Wert
Motor 343 ccm, 2-Takt Boxermotor
Leistung 17 PS
Drehmoment 30 Nm
Hubraum 343 ccm
Getriebe Manuell
Höchstgeschwindigkeit 115 km/h
Gewicht 142 kg
Kraftstoffverbrauch 3,8 Liter/100 km
Tankinhalt 18 Liter
Bremsen vorne/hinten Trommelbremsen, 200 mm Durchmesser

Motor und Antrieb

Hinter dem Boxermotor sitzt das Vierganggetriebe, welches die 15 bzw. 17 PS an das Hinterrad schickt. Der luftgekühlte Motor hat zwei Vergaser, die gekapselt über dem Kurbelgehäuse liegen und vor dem Kaltstart ordentlich geflutet werden müssen. Einen Choke gibt es nicht. Die bekommt man vom langhubigen Motor (Bohrung x Hub 58 x 65 mm). Einzige Kritik am Motor sind der recht hohe Verbrauch und dass er noch nicht völlig ausgereift war.

Fahrwerk und Bremsen

Geschwungen und massiv metallisch: Schutzbleche im Wortsinn! Der Federungskomfort ist vorne, dank Telegabel mit 130 mm Federweg, gut und hinten bescheiden. Das betrifft auch die Bremsen.

Seitenwagenbetrieb

Auch mit Beiwagen macht die 350er eine gute Figur. Das stabile Fahrgestell und der robuste Motor sorgten für problemlosen Gespannbetrieb. Das stabile Fahrgestell und der robuste Motor sorgten für problemlosen Gespannbetrieb.

Bei Gespannen ist der Vorlauf von Bedeutung. Wäre der Vorlauf 0, dann neigt das Gespann sehr schnell zum entlasten des Hinterrades in Linkskurven. Übertreibt man das zu sehr, dann folgt ein Überschlag. Gerade Russengespanne sind für sowas anfällig, da diese so kontruiert sind, daß der SW mit über das Winkelgetriebe angetrieben werden kann. (Vorlauf praktisch 0). Je weiter vor das SW-Rad kommt, desto stabiler, aber auch schwerer lenkbar wird das Gespann. Außerdem steigt die Neigung zum Untersteuern in Linkskurven. Bei vollem Beiwagen muß man dann sogar in Rechtskurven ordentlich am Gas drehen und in Linkskurven mit der Bremse das Gespann herumholen.

Die Fuhre liegt ganz gut auf der Straße und neigt in Linkskurven eher zum untersteuern, wobei (z.B. in engen Linkskurven) das Hinterrad schon leicht wird. Wenn ich mal schauen will, was noch geht, trete ich hin und wieder in der Linkskurve leicht auf die Bremse.

Erfahrungen und Restauration

Viele Liebhaber schätzen die MZ BK 350 aufgrund ihres einzigartigen Charakters und ihrer historischen Bedeutung. Die Restauration einer BK kann jedoch eine anspruchsvolle Aufgabe sein, da die Ersatzteilversorgung nicht immer einfach ist. Den Spaß daran kennt wohl jeder. Immerhin erreichten wir noch den heimischen Hof. nach dem Öffnen des Getriebes auch schnell gefunden und behoben. Schaltklinkenfeder war gebrochen. Ersatz war da, also auch das kein Problem.

Alltagstauglichkeit und Fahrspaß

Nicht nur hegen und pflegen: Der wahre Genuss entsteht beim Fahren. Deshalb sieht man meine MZ BK 350 auch heute noch regelmäßig auf der Straße.

Anmerkungen zum Kauf einer MZ BK 350

  • Ständer: Der ist wirklich keine Meisterkonstruktion und zerstört so fast jeden Rahmen. Die beiden Rahmenunterzüge dürfen sich in dem Berich des Ständers nicht nach oben biegen. Im aufgebockten Zustand muss das Hinterrad mindestens 5 cm in der Luft hängen. Am Hauptständer selbst ist der originale Tritt meistens schon vor Jahrzehnten abgebrochen und durch mehr oder wenigen "gute" Konstruktionen ersätzt worden.
  • Kardan: Sowohl Gehäuse, welches gerne reißt, als auch der Triebling innen der meistens beschädigt ist, sind Schwachpunkte. Da ist Ersatz wirklich teuer und selten...
  • Blechteile: Sollten heile sein (betrifft besonders die Schutzbleche, da wird Ersatz teuer). Achtung: Der Werkzeugkasten ist nicht der selbe wie bei RT 125/3!
  • Räder: Die Räder gehören gelackt, die Naben mit Farbe versehen und Edelstahlspeichen verschlingt die BK zum Frühstück. Die Naben, Kardan und Geradewegfederung sind aus Elektron oder wie das Zeugs sich bezeichnet und ohne Farbe drüber löst sich das Material langsam auf.
  • Sattel: Sehr teuer wird´s auch wenn etwas am Fahrersattel nicht stimmt oder fehlt. Ins Geld gehen auch originale Amaturen (besonders die bis 1957) und das richtige Zünschloss.
  • Zylinderköpfe: Mit allen Rippen dran gibt´s auch nicht mehr an jeder Ecke. (Achtung: da gibts 3 verschiedene Versionen über die Baujahre)
  • Originale Teile: Originale Räritäten, die es auch nicht als Repro gibt und fast nicht mehr zu bekommen sind, zählen die alten Faltenbälge für die Telegabel mit 9 Falten bis 1957, der originale Unterbrecher, originale Bowtenzüge mit Schmiernippel, der umstrickte Kabelbaum und Kerzenstecker (den bekommt man als einziges noch gut ran, funktioniert aber meistens nicht mehr richtig). Die Hexennase die bis 1955 verbaut wurde, gib´s zwar als Repro, ist aber auch da nicht günstig. Ansonsten ist der größte Teil an BK schon auf 12 Volt und Rundschieber-Vergaser umgerüstet wurden (und diese werden häufig auch fälschlicher Weise als original verkauft ).
  • Getriebe: Das Getriebe ist eigentlich unzerstörbar, aber immer undicht!(gibt´s überhaupt eins was nicht tropft? )
  • Motor: Motor läuft, wenn er einmal richtig eingestellt ist wie ein Uhrwerk. (das ist allerdings nichts für Anfänger) Und wenn da was kaputt geht... Richtig!, wird es wieder teuer!
  • Seitenwagen: Wenn ein Seitenwagen dran soll, dann wird´s allerdings noch mal ordentlich teurer. Erste Wahl sind da die werksseitig geleiferten Stoye. Der SM als klassischer mit spitzer Bootsform (1950-61), leider auch der teuerste. Der TM (Touren Modell) mit großem Kofferraum und verbreitertem Vorderbau (1954-61).

Ansonsten ist die BK ein wirklich sehr zuverlässiges Motorrad, welches sich deutlich komfortabler und zügiger fahren lässt als ne AWO oder eine EMW. Allerdings ist eine BK nicht Spritzig! ...hat dafür aber einfach immer richtig Kraft und am meisten davon kurz über Standgas. Deshalb macht die BK erst mit einem Seitenwagen so richtig Spaß, da sie ja auch schließlich dafür konstruiert wurde.

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