Die Individualisierung durch Blinkerumrüstung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Mini-Blinker sind besonders beliebt, da sie das Aussehen des Motorrads verbessern. Dieser Artikel behandelt, was beim Anbau von Blinkern am Motorrad zu beachten ist.
Auswahl des richtigen Blinkers
Für jeden Maschinentyp gibt es Nachrüstblinker in verschiedenen Ausführungen. Kellermann hat sich hier als Trendsetter etabliert, aber auch andere Zubehörshops wie Louis, Polo und Gericke bieten Alternativen an. Seit einiger Zeit bieten auch viele markengebundene Motorradhändler passendes Blinker-Markenzubehör an. Unabhängig davon, ob man sich für ein Edel-, Discount- oder Originalzubehör-Teil entscheidet, gibt es einige grundlegende Dinge, die bei der Beschaffung und dem Anbau zu berücksichtigen sind.
Mechanisches und elektrisches Zubehör
Passendes Zubehör und richtiges Werkzeug sind wichtig. Sehen Sie sich genau an, wie die serienmäßigen Blinker befestigt sind. Die neuen Blinker sind meist mit M8- oder M10-Gewindestücken ausgestattet, während die alten Blinker entweder mit stabilen Klick-Steck-Halterungen oder irgendwie anders mit vibrationsabsorbierenden Gummiplättchen und Formteilen in großen, oft rechteckigen Bohrungen befestigt sind. Für die neuen Blinker können Sie generell keine Befestigungsteile der bisherigen Blinker verwenden.
Es gibt so genannte „Spacer“, das sind Zwischenteile in entsprechender, zum alten „Loch“ in der serienmäßigen Verkleidung, Lampen- oder Nummernschildhalterung passender Form. Spacer sind paarweise erhältlich; hinten auf der Packung steht, für welches Modell und welches Modelljahr sie passen. Und wenn Sie die Packung aufreißen und denken, dass diese Scheibe vorne und die andere hinten reingehört, sie aber nicht passt, dann nehmen Sie bitte weder Hammer noch Zange, um die Scheibe auf- oder einzutreiben, sondern schauen mal nach, ob die andere vielleicht ein klein wenig kleiner ist als die, die nun verdammt noch mal nicht passt. Denn trotz gleicher Fertigungstypnummer hatten wir in unseren Anbausets Spacerteile, die eben nicht gleich groß waren! Und wenn’s dann immer noch nicht passt, nehmen Sie eine kleine Feile und machen den Spacer sorgfältig passend. Immer daran denken: Nicht zu viel abfeilen, denn was weg ist, ist weg…
Auch brauchen Sie Verbindungskabel: und zwar von den Steckern, die am Kabelbaum befestigt sind, zu den neuen Blinkern. Dazu gibt es Zwischenstücke („Adapter“). NICHT DIE STECKER AM BORDEIGENEN KABEL ABZWICKEN - wir wissen ja, was weg ist, ist weg...Weil die Steckerchen meistens in Kunststofftüllen sitzen und ziemlich fest packen sollen, testen Sie VOR dem Zusammenstecken der Steckerteile („Vater“ heißt der Stecker, „Mutter“ die Steckdose), ob die Kabelenden auch wirklich fest mit Vater und/oder Mutter verpresst sind: Anschauen und etwas dran ziehen schafft Klarheit. Wenn zu lose, mit einer speziellen „Steckerzange“ nachquetschen.
Blinkrelais und Widerstände
Ohne passendes Relais und/oder Widerstände funktioniert wenig bis gar nichts. Je nach Art des Blinkrelais gibt es solche mit zwei oder drei Anschlusssteckern. Auf dem Gehäuse ist der Typ aufgedruckt. Je nach Art und Typ der neuen Blinker ist es ziemlich wahrscheinlich, dass das serienmäßige Blinkrelais gegen ein spezielles ausgewechselt werden muss. Ganz kritisch wird es bei neuen Maschinen, die ein vollelektronisches Cockpit haben, bei dem das Blinkrelais fester Elektronikbestandteil der Innereien ist, also kein extra Bauteil. Auch wenn die Blinkkontrolle nur eine Leuchte ist und keine für rechts und links getrennte Anzeige hat, ist höchste Alarmstufe geboten.
Wenn die serienmäßigen Blinker mit 10-Watt-Lampen bestückt sind, die Wunschblinker aber nur 6 oder 4,3 Watt (LED) haben, dann ist der Blinkrhythmus zu schnell. Es müssen dann pro Blinker entsprechende Widerstände in die Kabel zwischen den Steckern am Kabelbaum und am Blinkerkabel eingebaut werden. Wichtig: Wenn die Blinker blinken, werden diese Widerstände warm. Deswegen sollen sie nicht in direktem Kontakt zu Kunststoffteilen angebaut werden, sondern möglichst mit entsprechendem Freiraum.
Erster Test
Noch haben wir die alten Blinker nicht abgebaut. Stattdessen: Zugang zur Fahrzeugbatterie schaffen. Ihre Anschlüsse freilegen (aber nicht abschrauben!). Die Kabel der neuen Blinker mit den zwischengeschalteten Widerständen mal an die Batteriepole anlegen (Rot ist „Plus“, Schwarz ist „Minus“) und schauen, ob sie leuchten. Das nennt man Funktionskontrolle. Die Zündung braucht man dazu nicht einschalten. Jetzt nach den Steckern der serienmäßigen Blinker suchen: Am besten hinten, da ist am wenigsten zu schrauben, man kommt meist durch Abnehmen der Sitzbank an die Stecker. Stecker eines Blinkers auseinanderziehen und nun die neuen Teile anschließen: Adapter, Widerstand, Blinker. Dann Zündung EINschalten, Blinker betätigen und gucken: Der neue hintere Blinker muss im Rhythmus des vorderen blinken; die eine Seite mit dem alten und dem neuen Blinker muss genauso schnell blinken wie die andere Seite mit den beiden alten Blinkern. Wenn die neue Seite es nicht tut, muss man nach dem Zusatzwiderstand schauen und einen passenden einbauen.
Montage
Jetzt wird endlich richtig geschraubt - wenn alle vier neuen Blinker durchgecheckt sind, ihre Stecker fest sitzen und alle Teile vorhanden sind. Bis die alten Blinker abgebaut und die neuen angebaut sind, dauert es zwischen eineinhalb und vier Stunden, weil bei verkleideten Maschinen die Verkleidungsteile abgebaut werden müssen. Es kann aber auch durchaus sein, dass man zum Auffinden der Stecker der vorderen Blinkerkabel den Tank und die Airbox abbauen muss, weil die Kabel mit den Steckern oben auf dem Zylinderkopfdeckel („Ventildeckel“) versteckt liegen.
Vor dem Abbau der alten Blinker schauen Sie sich deren Befestigung an; bei älteren Maschinen sind sie geschraubt, bei neuen aber gesteckt und irgendwie ineinander verkeilt. NICHT grob herumwerken! Zuerst das Hirn und dann aber auch gutes Werkzeug benutzen!
Die Kabel der neuen Blinker sollten mit Schrumpfschlauch überzogen werden. Das ist bei Kraftfahrzeugelektrikern nicht nur üblich, sondern mit Schrumpfschlauch zusammengefasste und somit gesicherte Kabel sind auch geschützt gegen Scheuern und Knicken.
Beim Anbau der neuen Blinker bitte sicherstellen, dass sich die Verschraubungen später im Betrieb nicht lösen können: Entweder Scheibe und Federscheibe („Sprengring“) unterlegen und/oder einen Tropfen Loctite „mittelfest“ ans Gewinde geben. Beim Festziehen der Muttern den Blinker außen in der endgültigen Anbauposition halten und die Mutter dann mit Gefühl festziehen, nicht „bombenfest“, es ist kein Kranhaken, der hier montiert wird, sondern ein sehr filigranes Bauteil.
Bei der Verlegung der Kabel ist es sehr wichtig, dass jedes Kabel ohne Zug verlegt wird, es muss „in sich lose“ liegen. Aber auch wieder nicht zu lose und schon gar nicht darf es Kontakt haben zu sich bewegenden mechanischen Bauteilen (Kupplungshebel unten am Motor, Gaszug am Drosselklappengehäuse, Federbeinumlenkung, etc.) oder gar an Bauteilen anliegen, die heiß werden (Auspuffkrümmer, Motorgehäuse, Zylinderkopf), sonst besteht die Gefahr des Verbrennens.
Finish
Ein letzter Test ist entscheidend: Blinken, schauen, freuen. Wenn’s gefällt, haben sich Geldausgabe und Arbeit gelohnt, der Besitzer darf stolz sein.
Wichtige Hinweise und Vorschriften
Die Blinker hinten müssen mindestens 35 cm über dem Boden sein und min. 18 cm weit auseinander sein - vom inneren Rand der Blinkergläser aus gemessen. Die Blinker müssen eine Zulassung per "E" Kennung haben. Dass die Blinker nicht höher sitzen als 120 cm wird vorausgesetzt. Mindestabstand hinten nach EG liegt bei 180mm, nach StVZO 240mm.
Blinkerpflicht: Am 1. Januar 1962 führte der Gesetzgeber die Blinkerpflicht offiziell ein. Bis 1970 hatte man noch die Wahl zwischen rotem und gelbem Licht, seitdem ist nur noch letzteres zulässig.
Mindestabstände und Sichtbarkeit: Beim Anbau ist das Prüfzeichen allein aber noch nicht alles, was dem Prüfer zur Glückseligkeit fehlt. So gilt es zum Beispiel auch Mindestabstände der Blinker zueinander oder zum Scheinwerfer einzuhalten. Letztere bei den EG-Fahrzeugen sogar unterschiedlich weit, entsprechend der Leuchtkraft. Das geht von gar nicht (Kennzeichnung 11c) bis zu 75 Millimeter (Kennzeichnung 11), minimal aber schon mal mit 24-Zentimeter-Abstand zwischen den Fahrtrichtungsanzeigern. Die StVZOler hingegen haben da 34 Zentimeter und pauschal zehn Zentimeter Abstand zum Hauptscheinwerfer zu wahren.
Hier ist festgelegt, in welchem Winkel die Blinker sichtbar sein müssen. Nicht nur, dass sie in den Lenkerenden custommäßigen Minimalismus fördern, auch die Mindestsichtbarkeit ist recht sparsam ausgelegt. In Fahrtrichtung betragen die Winkelvorgaben 10 Grad nach innen und 45 Grad nach außen. Rückwärtig müssen für die Erkennung 5 Grad nach innen und 60 Grad nach außen reichen. Frei nach dem Motto „je mehr Blinker, desto größere Winkel“ erhöhen sich die Gradzahlen bei separaten Blinkern vorn und hinten auf 45 Grad nach innen und 80 Grad nach außen. Nach oben und unten genügen 15 Grad, wobei der untere Wert auf 5 Grad sinkt, wenn die Blinker unter 75 Zentimeter Höhe (bei Lenkerendenblinkern gilt das sogar bis 115 Zentimeter) angebracht sind.
| Vorschrift | Abstand/Winkel |
|---|---|
| Mindestabstand hinten (EG) | 180mm |
| Mindestabstand hinten (StVZO) | 240mm |
| Abstand zum Hauptscheinwerfer (StVZO) | 10 cm |
| Sichtbarkeit in Fahrtrichtung (innen) | 10 Grad |
| Sichtbarkeit in Fahrtrichtung (außen) | 45 Grad |
| Sichtbarkeit rückwärtig (innen) | 5 Grad |
| Sichtbarkeit rückwärtig (außen) | 60 Grad |
Lenkerendenblinker: Bei den StVZO zugelassenen hängt es hingegen vom Datum der Erstzulassung ab. Hierbei schwebt das Datum 1. Januar 1987 im Raum, das angeblich den Schlusspunkt setzen soll. Es heißt, dass Fahrtrichtungsanzeiger an beweglichen Teilen nicht mehr zulässig sind, auf die alleinige Verwendung von seitlichen Blinkern wird aber weiterhin verwiesen.
Anschlusshilfe für LED Blinker
- LED Blinker mit 2 Kabeln:
- Gelbes/Graues Kabel = Blinker (+)
- Schwarzes Kabel = Masse (-)
- LED Blinker mit Rücklicht (5 Kabel):
- Rotes Kabel = Bremslicht (+)
- Gelbes Kabel = Fahrlicht (+)
- Schwarzes Kabel = Masse (-)
- Blaues Kabel = Blinker (+)
- Weißes Kabel = Masse (-)
- LED Blinker mit Rücklicht (4 Kabel):
- Rotes Kabel = Bremslicht (+)
- Gelbes Kabel = Fahrlicht (+)
- Schwarzes Kabel = Masse (-) & Blinker = Masse
- Blaues Kabel = Blinker (+)
Sollte die Blinkerfrequenz zu hoch sein, müssen entweder parallel Widerstände zwischen Blinker und Kabelbaum angeschlossen oder ein lastunabhängiges Blinkrelais im Bordnetz eingebaut werden.
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