Blut im Sperma: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Eine Blutbeimengung zum Sperma (Samenflüssigkeit) alarmiert Betroffene wie PartnerInnen. Die Hämospermie wird auch Hämatospermie genannt und ist für die meisten Patienten ein Alarmzeichen. Wenn sich das Sperma plötzlich rosa bis tiefrot oder braun bis schwarz verfärbt ist, sind Männer verständlicherweise in großer Sorge.

Wichtig zu wissen: Blut im Sperma beunruhigt, hat aber häufig harmlose Ursachen. "Auch wenn sich viele Männer heftig erschrecken: Blut im Sperma hat überwiegend harmlose Ursachen", sagt Dr. Wolfgang Bühmann, Urologe auf Sylt.

Weil die Hämospermie oft unbemerkt bleibt, ist ihre Häufigkeit nicht bekannt. Die Hämospermie tritt einmalig, sporadisch oder chronisch auf. Sie wird häufig nicht bemerkt und zeigt einen sich selbst begrenzenden Verlauf, sodass die genaue Prävalenz unbekannt ist. Die Quantifizierung ist unter anderem deshalb schwierig, weil sich die meisten Männer ihr Ejakulat häufig nicht anschauen.

Meist sind Männer im Alter von 30-40 Jahren betroffen. Dem Urologen zufolge kommen die Blutungen vor allem bei Männern zwischen 25 und 40 Jahren vor. Es wird angenommen, dass die Hämospermie circa 1 % aller urologischen Symptome ausmacht.

Ursachen von Blut im Sperma

Die Auslöser für Blutbeimengungen im Ejakulat sind sehr vielfältig. In den letzten Jahren wurden allerdings aufgrund verbesserter Diagnostik die Ursachen der Hämospermie mehrheitlich geklärt. Insbesondere rezidivierenden oder chronischen Hämospermien können unterschiedliche ätiologische Faktoren zugrunde liegen:

  • Entzündungen
  • Anomalien
  • Tumoren
  • Traumata
  • Iatrogene Ursachen, zum Beispiel Prostatabiopsie und andere urologische Interventionen
  • Systemische Erkrankungen
  • Abweichendes Sexualverhalten

Die möglichen Ursachen einer Hämospermie sind mannigfaltig, aber in den meisten Fällen benigne. In rezidivierenden Fällen und bei Männern über 40 Jahren gibt es allerdings einen Zusammenhang zwischen einer Hämospermie und einer behandlungsbedürftigen Erkrankung, zum Beispiel einem Malignom, sodass hier konsequenterweise eine weitergehende Abklärung notwendig ist.

Häufige Ursachen

Die häufigste Ursache: Eine vorangegangene Untersuchung oder ein Eingriff an der Prostata oder der Harnröhre. Die Prostatabiopsie steht hier an erster Stelle. Vier von fünf Patienten bemerken nach einer Prostatabiopsie (kleine Gewebeentnahme aus der Vorsteherdrüse zu Untersuchungszwecken) über mehrere Wochen Blutbeimengungen in der Samenflüssigkeit. Nach der Entnahme der Gewebeproben berichten bis zu 80% der Männer über eine Hämospermie, die oft mehrere Wochen anhält.

Die zweithäufigste Ursache: Infektionen im Urogenitaltrakt, die die blutigen Spuren auslösen. Dazu gehören:

  • Die Prostatitis (Entzündung der Prostata)
  • Die Epididymitis (Entzündung der Nebenhoden)
  • Die Urethritis (Entzündung der Harnröhre)

Die häufigste Ursache für Blut im Sperma (Hämatospermie) ist eine Entzündung der Prostata (Prostatitis), der Samenblasen oder der ableitenden Samenwege. "In 30 bis 50 Prozent der Fälle liegt den Blutungen eine solche Entzündung zugrunde", sagt Bühmann. Da die Entzündung oft keine weiteren Beschwerden verursacht, wird sie häufig erst durch Blutspuren im Sperma entdeckt. Eine Behandlung ist unkompliziert und erfolgt meist durch Antibiotika.

Weitere Ursachen

  • Mechanische Verletzungen durch intensiven Geschlechtsverkehr oder Sexualpraktiken wie das Einführen von Objekten in die Harnröhre können zu Verletzungen von Blutgefäßen an der Eichel oder in der Harnröhre führen.
  • Ebenfalls können Traumata durch Unfälle oder Sportverletzungen die feinen Strukturen im Genitalbereich schädigen und Blutungen verursachen.
  • Operationen im Gebiet des Urogenitaltraktes wie eine Hämorrhoidenentfernung können kleine Verletzungen verursachen, die Blut im Sperma verursachen.
  • Durch ein benignes Prostatasyndrom (gutartige Prostatavergrößerung) ist eine Blutbeimengung in der Samenflüssigkeit möglich. Andere pathologische Veränderungen von Prostata und Samenblasen, hierzu zählt auch das benignes Prostatasyndrom (10%), können ebenfalls Ursache einer Hämospermie sein.
  • Es gibt weitere, eher harmlose Veränderungen im Urogenitaltrakt, die zu Blutspuren im Ejakulat führen:
    • Steine in den Samenbläschen oder der Prostata (ähnlich Gallen- oder Nierensteinen)
    • Verengungen der Samenleiter
    • Varizen (krankhaft erweiterte Venen)
    • Divertikel (Aussackungen) an Samenleiter oder Harnröhre
    • Gutartige Zysten an der Prostata
  • Auch Allgemeinerkrankungen wie Bluthochdruck, Blutgerinnungsstörungen oder Leberschäden können Blut im Sperma verursachen. Bei hohem Blutdruck, Gerinnungsstörungen oder Lebererkrankungen kann eine Hämospermie begleitend auftreten, ein direkter Zusammenhang konnte bisher nicht nachgewiesen werden.
  • In seltenen Fällen sind aber auch bösartige Tumore wie Prostatakarzinom oder Hodentumor Ursache einer Hämospermie. In ganz seltenen Fällen weist blutiges Ejakulat auf eine Krebserkrankung hin. Hier sind insbesondere Prostatakarzinome (Prostatakrebs) oder Krebserkrankungen der Samenbläschen oder der Harnröhre zu bedenken. Theoretisch kann auch Hodenkrebs Blut im Sperma verursachen, aber diese Krebserkrankung bemerken die Betroffenen in der Regel bereits vorher an tastbaren Veränderungen am Hoden.
  • Laut Bühmann findet man bei mindestens 20 Prozent der Betroffenen keine Ursache. In den meisten Fällen (ca.

Diagnose von Hämospermie

Da die Ursachen für Blut im Sperma zahlreich sind, gehen Mediziner systematisch vor und führen eine stufenweise Diagnostik durch. Das Ziel der Diagnostik ist es, eine klinisch relevante oder behandelbare Ursache der Hämospermie zu finden beziehungsweise eine maligne Genese auszuschließen. Eine exakte Anamnese und körperliche Untersuchung einschließlich einer digital-rektalen Tastuntersuchung sind unabdingbare Voraussetzungen für eine fundierte Abklärung.

Anamnese

Im ersten Schritt befragt der Arzt den Patienten. Die gezielten Fragen verfolgen mehrere Ziele. Primäres Ziel der Anamnese sollte ein frühzeitiger Ausschluss einer Pseudohämospermie sein, bei der ein Patient beispielsweise eine Makrohämaturie oder vom Sexualpartner stammendes Blut als Hämospermie fehlinterpretiert. Einerseits kann der Arzt so ausschließen, dass die Blutung durch eine Verletzung an Harnröhre oder Eichel stammt oder dass das Blut des Sexualpartners fälschlicherweise als eigenes wahrgenommen wurde. Außerdem können die Antworten des Patienten den Arzt bereits zu einer Vermutung der Ursache führen.

Dauer und Verlauf der Symptome, Schmerzen bei Erektion, Penetration und Ejakulation, Schmerzen im Genital- oder Dammbereich sollten als mögliche Ursachen erfragt werden. Miktionsbeschwerden, zum Beispiel Pollakisurie, Algurie und Harnstrahlabschwächung als Hinweise auf eine Infektion im unteren Harntrakt sollten ausgeschlossen werden. Daneben können (iatrogene) Ursachen wie sexuelle Praktiken, ärztliche Untersuchungen, vorangegangene Traumata, Medikamenteneinnahme und Nebenerkrankungen von Bedeutung sein. Diese Angaben sollten im Verhältnis zum Alter des Patienten beurteilt werden.

Klinische Untersuchung

Eine eingehende klinische Untersuchung inklusive Blutdruckmessung und der Inspektion der äußeren Geschlechtsorgane gibt dem Arzt weitere Hinweise. Empfehlenswert ist eine mikroskopische Untersuchung des Ejakulats im Labor. Blutdruckerhöhung oder Fieber könnten auf eine systemische Ursache oder auf eine Infektion hindeuten. Eine komplette Inspektion und Untersuchung des äußeren Genitals einschließlich der Samenleiter und Nebenhoden bis zum äußeren Leistenring sowie der regionären Lymphknoten und eine digitale rektale Untersuchung der Prostata sowie Samenblasen sind obligatorisch.

Laboruntersuchungen

Der Arzt erkennt so genau, ob Blut im Sperma vorhanden ist oder eine andere Ursache vorliegt. Wenn die Möglichkeit besteht, ist eine makroskopische und mikroskopische Untersuchung der Ejakulationsflüssigkeit anzustreben. Mithilfe einer mikroskopischen Ejakulatuntersuchung kann zwischen einer echten Hämospermie und einer Spermaverfärbung aufgrund einer anderen Ursache unterschieden werden. Ejakulatkulturen sind nur selten ergiebig, sollten aber vor allem bei Verdacht auf eine Urotuberkulose angelegt werden.

Ein Abstrich aus der Harnröhre sowie eine Urin- und Blutuntersuchung runden die Labordiagnostik ab. Urethralabstrich und Urinsediment mit Urinkulturen, die gegebenenfalls nach einer Prostatamassage gewonnen werden können, erscheinen sinnvoll, obwohl der Nachweis von pathologischen Erregern häufig misslingt.

Ein Blutbild sowie die Gerinnungsparameter können den Verdacht auf eine Anämie, eine zugrunde liegende Infektion oder Gerinnungsstörung bestätigen. Um eine Hyperurikämie auszuschließen, kann Harnsäure bestimmt werden. Die PSA-Konzentration sollte bei Männern jenseits des 40. Lebensjahres gemessen werden.

Bildgebung

Führen diese Untersuchungen nicht zu einem aussagekräftigen Befund, kann der Arzt die Diagnostik durch bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung oder Aufnahmen mittels CT (Computertomografie) oder MRT (Magnetresonanztomografie) intensivieren. Eine Blasenspiegelung kann ebenfalls hilfreich sein. Die transrektale Sonographie (TRUS) ist eine sichere, wenig invasive und kostengünstige Untersuchung, um einzelne als Ursache in Betracht kommende Strukturen zu untersuchen.

Es liegen Anhaltspunkte vor, dass die invasive transurethrale Vesikuloskopie im Vergleich zur TRUS Vorteile bei der Diagnostik mit sich bringen kann. Hauptsächlich bei Männern mit persistierender Hämospermie haben neuere Studien gezeigt, dass auf eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) insbesondere mit der Möglichkeit einer endorektalen Spule nicht verzichtet werden sollte. Die Zystoskopie ist indiziert, um den Ursprung der Blutung zu lokalisieren.

Behandlung von Blut im Sperma

Die Therapie von Blut im Sperma richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Hämospermie.

Beim Nachweis von Infektionen ist eine möglichst testgerechte (in einer Kultur wird die Empfindlichkeit der Erreger auf bestimmte Antibiotika getestet) antibiotische Therapie angezeigt. Die häufigste Ursache für Blut im Sperma (Hämatospermie) ist eine Entzündung der Prostata (Prostatitis), der Samenblasen oder der ableitenden Samenwege. Eine Behandlung ist unkompliziert und erfolgt meist durch Antibiotika.

Liegen Anomalien, wie Gefäßveränderungen, Zysten oder Polypen vor, kann eine operative Therapie nötig sein. Verengungen (Strikturen) von Samenleiter oder Harnröhre, Prostata-Zysten sowie Krampfadern (Varizen) der Prostata lassen sich oft operieren. Auch bösartige Erkrankungen behandelt der Arzt häufig operativ, eventuell zusammen mit einer Chemotherapie.

Nach Ausschluss einer sexuell übertragbaren Erkrankung sowie anderen eindeutigen Ursachen, kann unter Umständen eine antibiotische Therapie auch ohne Keimnachweis verordnet werden. Systemische Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Gerinnungsstörungen lassen sich meist mit Medikamenten gut in den Griff bekommen.

In vielen Fällen bleibt die Ursache für Blut im Sperma ungeklärt. Bei Blut im Sperma ohne erkennbarer Ursache (idiopathischer Hämatospermie) ist letztlich überhaupt keine Therapie notwendig. Dann bleibt den Patienten nur, abzuwarten und die Entwicklung zu beobachten. Oft verschwinden die Verfärbungen nach Wochen oder Monaten von allein. Das Blut im Sperma verschwindet oft von allein wieder.

Behandlung nach Auslöser

Hier eine Übersicht über die Behandlungsansätze je nach Ursache:

  • Trauma, Eingriff oder Untersuchung: Abwarten und beobachten
  • Bluthochdruck: Absenkung der Blutdruckwerte durch medikamentöse Therapie und Veränderungen des Lebensstils
  • Blutgerinnung: Therapie der mangelnden Gerinnung oder bei Behandlung mit Gerinnungshemmern: Einstellung der Werte
  • Sexualpraktiken: Verzicht auf problematische Praktiken
  • Organische Ursachen wie Prostataprobleme, Zysten, Divertikel etc.: Operative Therapie

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Meist ist Blut im Sperma eine harmlose Erscheinung, die von alleine ausheilt. Da aber in seltenen Fällen ernsthafte Erkrankungen hinter dem Symptom stecken können, sollte jeder Mann einen Arzt konsultieren, wenn er ohne bekannten Grund Blutbeimengungen im Ejakulat entdeckt. Bei Schmerzen, tastbaren Veränderungen an den Hoden oder zusätzlichen Schwierigkeiten beim Wasserlassen sollten Patienten zeitnah eine Praxis aufsuchen.

Blut im Sperma und Radfahren

Die mechanische Belastung durch Radfahren kann den PSA-Wert kurzfristig anheben. Wenn also ein Bluttest zur Bestimmung des PSA-Werts ansteht, sollte man drei Tage zuvor kein Fahrrad fahren. So lange dauert es in etwa, bis sich der PSA-Wert wieder normalisiert. Fahrradfahren kann das Testergebnis verfälschen.

Durch die mechanische Belastung kann es den PSA-Wert kurzfristig anheben. Wenn also ein Bluttest zur Bestimmung des PSA-Werts ansteht, sollte man drei Tage zuvor kein Fahrrad fahren. So lange dauert es in etwa, bis sich der PSA-Wert wieder normalisiert. Fahrradfahren kann das Testergebnis verfälschen.

Lastet aber zu viel Druck auf dem Damm, kann dieser bis zur Prostata wirken. Vor einem Test zur PSA-Bestimmung beachten: Radfahren kann den Wert eventuell kurzzeitig erhöhen.

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