BMW Motorrad Modelle der 70er Jahre: Eine Ära des Aufbruchs

Seit 1923 im Motorradbau tätig, entstanden vor allem in den Jahren nach 1945 Motorräder, die Geschichte schrieben. Mit seinem vielfältigen Produktportfolio steht BMW heute mehr denn je für eine einzigartige Erfolgsstory mit Stück- und Absatzzahlen, die eigentlich nur eine Richtung kennen: steil nach oben.

Der Umzug nach Berlin und die /5-Baureihe

1969 zog die komplette Motorrad-Produktion von der Isar an die Spree, nach Spandau. Seit dem Modelljahr 1970 tragen alle BMWs Berliner Luft in ihren Reifen. Wobei Forschung und Entwicklung ja stets in München verblieben: in Bayern erdacht, von Preußen gemacht. Was die "Berliner Motorenwerke" zu Beginn der 70er-Jahre produzierten, markierte einen Aufbruch. Die R 50/5, R 60/5 und R 75/5 hatten ein völlig neues Fahrwerk mit langhubigen Telegabeln. Ihr leichter und kompakter Doppelschleifen-Rahmen mit angeschraubtem, dünnwandigen Heckrahmen sparte fast fünf Kilogramm an Gewicht ein. Nur taugte er nicht mehr für Seitenwagen.

Als Zeichen einer neuen Zeit waren die "Strich-Fünfer" auch in knallig bunten Farben erhältlich. Das neue, bullige 750er-Topmodell R 75/5 stemmte volle 50 PS - satte acht PS mehr als zuvor die 42 PS starke R 69 S eine 600er. Komplett neu konstruiert präsentierte sich die Motorengeneration der /5: Das glattflächige, mächtige Kurbelgehäuse mit integriertem Luftfiltergehäuse beherbergte endlich einen elektrischen Anlasser. Die Zylinder bestanden erstmals bei BMW-Motorrädern aus einer Aluminiumlegierung. Neuland markierte die sich in Gleitlagern drehende Kurbelwelle. Sie war aus einem Teil geschmiedet und dadurch wesentlich steifer. Dies versprach bessere Laufruhe und höhere Standfestigkeit. Im doppelten Sinn war die einzelne, rollengetriebene Nockenwelle der /5 "untenliegend" - in den Tiefen des Kurbelgehäuses. Also lagen die Hüllrohre der ellenlangen Stoßstangen nun unterhalb der Zylinder. Sie betätigten via Kipphebel mit Einstellschrauben je zwei Ventile pro Zylinder.

Alle drei "Runddeckel"-Motoren hatten 70,6 Millimeter Hub, sie unterschieden sich bloß durch die Bohrung. Nur das Topmodell R 75/5 verfügte über moderne, stilprägende 32er-Gleichdruckvergaser von Bing. Die kleineren /5-Modelle R 50 und R 60 hatten einfache 26er-Schiebervergaser. Ernst "Klacks" Leverkus äußerte sich im Fahrbericht in MOTORRAD 18/1969 lobend über das "bemerkenswerte Chassis": "Das Fahrwerk ist das Beste, was es zurzeit bei den dicken Brummern gibt, es macht glatt etwaige fehlende PS wett." Große Worte.

Kehrseite des kurzen Radstands von 1385 Millimetern war eine Pendelneigung bei Vmax, lang liegend rund 170 km/h, speziell mit Koffern. Spürbare Kardan-Reaktionen (Heck hebt sich beim Gasgeben und sackt beim Gaswegnehmen in sich zusammen) brachten der R 75/5 den liebevollen bis despektierlichen Spitznamen "Gummikuh" ein. Trotz Verdreifachung der Produktion von 1969 auf 1970 kam das Berliner Werk der Nachfrage speziell nach der 750er kaum nach. Große Lieferengpässe waren die Folge.

Die /6-Baureihe und die Ikone R 90 S

Zum Modelljahr 1973 brachte BMW ein Getriebe mit fünf statt vier Gängen und eine steifere, fünf Zentimeter längere Schwinge. Solche "Langschwingen-Modelle" laufen wesentlich stabiler geradeaus. Sein 50-jähriges Jubiläum krönte BMW Motorrad mit der 500.000sten Maschine und dem neuen Flaggschiff R 90 S als Krönung der neuen /6-Baureihe. Diese erste BMW mit mehr als 750 Kubik wurde mit lenkerfester Cockpitverkleidung aus GFK und Zweifarb-Metallic-Lackierung zu einer Stil-Ikone.

Zum ersten Mal war eine BMW vom Bürzel der Sitzbank bis zur Lampenmaske von einem Designer entworfen worden: Hans A. Muth zeichnete später auch für die R 100 RS und die Suzuki Katana (mit-)verantwortlich. Auch technisch machte die R 90 S von sich reden: 90er-Kolben, 67 PS und fast 200 km/h Spitze! Speziell im leuchtenden "Daytona-Orange" ging der Sport-Boxer R 90 S ins kollektive Motorradfahrer-Gedächtnis ein. Dabei gab es diese Farbkombination erst in der zweiten Version ab 1975. Insgesamt entstanden 17 465 Exemplare dieser, jawohl, betörenden BMW.

Exklusiv setzte die R 90 S auf zwei 38er-Schiebervergaser von Dell’Orto mit Beschleunigerpumpe. Gesteigerten Fahrleistungen trug an der 900er und 750er eine vordere Scheibenbremsanlage Rechnung, bei der R 90 S gleich als Doppelscheibe. Unkonventionell war die Betätigung dieser Schwenksattelbremse von ATE: Ein Bowdenzug betätigte den Hauptbremszylinder unterm Tank. Von dort führten Hydraulikleitungen zu den Bremssätteln.

Die /7-Baureihe und die R 100 Modelle

Vor rund 50 Jahren war die deutsche Vorzeigemarke völlig "monomotorisch" mit nur einem Antriebskonzept aufgestellt. Alle Modelle hatten einen "verhalten-kraftvoll laufenden Zweizylinder-Boxermotor" (Zitat BMW). Einst so erfolgreiche Einzylinder waren längst Geschichte, Vierzylinder noch Zukunftsmusik. Dies blieb auch mit der nächsten Evolutionsstufe, der "Strich Sieben" ab 1976, so: Nun brachte BMW erstmals eine echte Tausender, die R 100-Familie mit 980 Kubik und eckigen Ventildeckeln. Innovativ war die R 100 RS mit ihrer im Windkanal optimierten Vollverkleidung. Ihr reichten 70 PS für rund 195 km/h Spitze - völlig ermüdungsfrei hinter schmalen Lenkerstummeln abzureißen.

Nach der RS-Reihe, die man eher mit "Reise & Sport" als mit Rennsport erklären sollte, brachte BMW in Gestalt der R 100 RT den nächsten Archetyp einer bis heute besonders auch als Behördenfahrzeug beliebten Baureihe. Beim komfortablen "Reise-Tourer" mit seiner Koffer-Option war die Vollverkleidung noch ausladender, der Windschutz besser, die Sitzposition aufrechter.

Im Zeichen der Ölkrise nannte BMW bereits in den 70er-Jahren Verbrauchswerte auf freiwilliger Basis: von fünf Liter je 100 Kilometern bei der R 80/7 bis zu 5,75 Liter der R 100 RS nach DIN 70 030. Dies war ganz klar seiner Zeit voraus.

Meilensteine der BMW Motorrad Geschichte

Die 70er Jahre waren eine prägende Zeit für BMW Motorrad, in der wichtige Innovationen und stilbildende Modelle entstanden. Hier eine Zusammenfassung wichtiger Meilensteine:

  • 1969: Gleichdruck-Vergaser und E-Starter für BMW R 75/5. Neukonstruktion des Boxers für die Baureihe /5 mit unterhalb von Kurbelwelle und Zylinder platzierter Nockenwelle und Stößelstangen. Comeback der Teleskopgabel.
  • 1973: Die R 90 S ist das weltweit erste Großserienmotorrad mit lenkerfest montierter Verkleidung.

Die Rückkehr einer Legende: Die R 12 S

Die R 12 S bringt die Gene einer Legende stilecht und zeitgemäß auf die Straße. Sie kombiniert die Formen und Farben des ultimativen Rennmotorrads der 1970er Jahre, der R 90 S, mit moderner Technologie, Komfort und Fahrdynamik sowie einer umfangreichen Serienausstattung. Auf Basis der R 12 nineT sorgt sie für ein einmaliges Fahrgefühl mit unverkennbarem Boxer-Punch - pures #SoulFuel. Anleihen an die R 90 S finden sich in der stylischen Farbgebung und den exklusiven Details wieder. Schwarze Gabel und Lenker sowie die Cockpitverkleidung mit dunkel getöntem Windschild setzen starke Kontraste.

Die R 12 S ist bereits ein kleines Gesamtkunstwerk. Falls Du Ausstattungswünsche verwirklichen willst, stehen Dir die gleichen Zubehörprodukte wie für die R 12 nineT zur Verfügung. Auch der Motor ist legendär. Damals wie heute ist der Boxer der Antrieb der Wahl, wenn es um ein einmaliges Fahrgefühl geht. Die Ergonomie auf Basis der R 12 nineT ermöglicht eine dynamische Sitzhaltung. ABS Pro und DTC unterstützen Dich während der Fahrt. Die Features des Komfort-Pakets sind bereits enthalten und verstärken Dein Fahrerlebnis: vom Schaltassistent Pro bis zur Berganfahrhilfe Hill Start Control. Bei kühleren Temperaturen wärmen Dir die Heizgriffe die Hände.

BMW R nineT: Eine Hommage an die Vergangenheit

Die BMW R nineT ist nicht einfach nur ein Motorrad - sie verkörpert eine ganze Philosophie. Entwickelt als Antwort auf den Trend zu individuellen Retro-Bikes und Customizing, markiert sie einen Wendepunkt in der BMW-Motorradgeschichte. Sie begeistert besonders eine jüngere, kreative Zielgruppe. Die BMW R nineT Modelle verkörpern eine puristische Motorrad-Philosophie: Sie stehen für Freiheit, Individualität und zeitlosen Stil. Mit minimalistischer Technik und klassischem Design verbinden sie Tradition und Moderne, bieten vielfältige Möglichkeiten zur Personalisierung und richten sich an Fahrerinnen und Fahrer, die ein authentisches Fahrerlebnis und Eigenständigkeit schätzen.

Zum 90. Jubiläum von BMW Motorrad und 40 Jahren der R 90 S präsentiert BMW das “Concept Ninety” auf dem Concorso d’Eleganza 2013. Die BMW R nineT ist das perfekte Bike für individuelle Umbauten. Mit wenigen Handgriffen verwandelt sich ihr Heck von Sozia in Solo und dank der Trennung von Fahrzeug- und Motorelektronik sind Profi-Schraubern fast keine Grenzen gesetzt.

Die neuen R nineT und R nineT Urban G/S vereinen klassisches Design mit moderner Technik. Die R nineT /5 ist ein Jubiläumsmodell zum 50. Geburtstag der /5-Baureihe und der BMW Motorrad Produktion in Berlin. Die neue BMW R 12 nineT und R 12 setzen die Tradition der R nineT fort. Mit einem neuen Rahmenkonzept und luft-/ölgekühltem Boxermotor bietet die R 12 nineT als klassischer Roadster dynamischen Fahrspaß auf Landstraßen. Die R 12 hingegen, als klassischer Cruiser, steht für entspannten Motorradgenuss.

Customizing und der Einfluss der 70er

Bereits in den 1990er Jahren liegen Custombikes stark im Trend, doch ihre oft übertriebene Gestaltung machen sie damals für die Industrie unattraktiv und irrelevant. Obwohl ihre Einflüsse auf die Fabrikdesigns spürbar sind, bleibt dies lange unbemerkt. Custombikes spiegeln die Wünsche vieler Fahrer wider, darunter beliebte Modelle wie Scrambler, Café Racer und Bobber. BMW erkennt diesen Trend früh: Die Designer Ola Stenegärd und Roland Stocker entwickeln bereits 2005 den Prototyp der BMW R nineT.

In Europa unterstützen besonders zwei Hersteller die Customizing-Szene: Yamaha und BMW. Nach Yamahas „Yard Built“-Serie hat BMW vier R nineT-Customs in Auftrag gegeben. Das Feedback war extrem positiv, und eine Marktanalyse bestätigte die hohe Nachfrage.

Eine neue Ära des Komforts und der Leistung

Eine neue Ära wird eingeleitet: Cockpit- und Vollverkleidungen machen das Fahren auf dem Motorrad komfortabler. Es entstehen sportliche Reisemotorräder. Mit der R 100 RS präsentiert BMW Motorrad das erste Serienmotorrad mit einer im Windkanal entwickelten Vollverkleidung. Hierbei standen neben aerodynamischen Überlegungen auch der Schutz des Fahrers vor Wind und Wetter im Vordergrund der Entwicklung. Zusätzlich ist die R 100 RS die erste BMW mit einem Liter Hubraum. Mit 200 km/h ist das Motorrad auch in der Disziplin Höchstgeschwindigkeit ganz vorne - im Gegensatz zur Konkurrenz kann der Fahrer jedoch ganz entspannt hinter der Verkleidung aufrecht sitzen.

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