Mit ABS Pro bleibt die Maschine beim Bremsen in Kurvenlage beherrschbar. BMW hat mit ABS Pro ein Regelsystem entwickelt, das diesen Situationen den Schrecken nehmen und selbst in größter Schräglage Stürze vermeiden helfen soll.
Bei Geradeausfahrt entschärfen schon seit einigen Jahren messerscharf an der Haftgrenze regelnde ABS-Systeme solche unliebsamen Überraschungen. In Kurven allerdings ist die Sachlage etwas kniffliger, weil mit zunehmender Schräglage immer weniger Seitenführungskräfte übertragen werden können.
Und verlässliche Schräglagenerkennung, vor allem aber entsprechend schnelle und sensible Druckmodulatoren sind unabdingbare Voraussetzung für ein Kurven-ABS. Nun zieht BMW mit dem Regelsytem "ABS Pro" nach. Und wählte mit dem Supersportler BMW HP4 die Fahrzeuggattung, die die höchsten Anforderungen stellt.
Weil es nicht für das Bremsen am Limit, sondern auf die Bedürfnisse des öffentlichen Straßenverkehrs abgestimmt wurde, ist ABS Pro nur in den Fahrmodi Sport und Rain aktiv. Bei Race und Slick steht das normale ABS zur Verfügung.
Wie KTM vertraut auch BMW bei der BMW HP4 auf Druckmodulator und Sensorbox von Bosch, die bei der HP4 für ABS und Traktionskontrolle bereits ohnehin an Bord sind. Das ABS Pro ist eine reine Software-Lösung, die zum Nachrüsten für 380 Euro angeboten wird. Erfasst werden Querbeschleunigung, Schräglage, Roll- und Gierrate des Motorrads.
Je nach Schräglage und Tempo begrenzt das System den Anfangsbremsdruck und baut anschließend den Bremsdruck langsamer auf als bei Geradeausfahrt. Dazu verteilt die Elektronik beim Griff zur vorderen Bremse permanent den Bremsdruck zwischen vorderer und hinterer Bremse. Dies dient zur Stabilisierung der BMW HP4 und der maximalen Verzögerung. Wobei auch das ABS Pro die physikalischen Grenzen weder verschieben noch überlisten kann.
Als Referenz dient die Kreisbahn aus unserem Top-Test-Parcours, bei 46 Meter Durchmesser, erlaubt sie eine Geschwindigkeit von gut 55 km/h. Ein Tellert-Messgerät auf der Gabelbrücke zeigte dabei die gefahrene Schräglage an.
Da müssen auch abgebrühte Tester beim Gedanken, gleich voll in die Eisen zu langen, dem inneren Schweinehund einen mächtigen Tritt in den Hintern verpassen. Dann der blitzartige Griff zur Bremse. Zunächst scheint die HP4 vorn kaum zu verzögern, die vielen feinen Regelvorgänge sind deutlich im Handbremshebel zu spüren.
Doch die BMW bremst, wenngleich in den ersten Sekundenbruchteilen nur sanft. Aber das genügt, damit sich auch die Schräglage verringert. Die Reifenaufstandsfläche und damit die Möglichkeit, Bremsleistung auf den Boden zu bringen, steigt rapide. Sofort fährt das System mit abnehmender Schräglage den Bremsdruck hoch, verteilt ihn auch spürbar ans Hinterrad.
Auch die anspruchsvolle Ausweichübung meistert die BMW HP4 ordentlich. Bei etwa 120 km/h Vollbremsung, um einem imaginären Hindernis auszuweichen. Keine leichte Sache, die Lenkkräfte der BMW zu überwinden und abzubiegen.
Ohne Schräglagenmessung über die Sensorbox und die Bremskraftverteilung zwischen vorn und hinten wäre ABS Pro nicht machbar. Das ABS Pro von BMW ist wie bei der KTM Adventure auch eine reine Software-Lösung, die nachträglich aufgespielt wird.
Es werden dabei sämtliche vorhandenen Bosch-ABS-Komponenten wie Sensorbox und Druckmodulator weiterverwendet. Es werden die Schräglage sowie Roll- und Gierrate und Querbeschleunigung erfasst. Dazu die Raddrehzahlen. Aus diesen Parametern errechnet das System, wie viel Bremskraft auf die beiden Räder gebracht werden kann.
Dabei ist freilich ein Sicherheitspolster eingebaut, weshalb das System auch auf der Straße und nicht auf der Rennstrecke seine erste Bestimmung hat. Beim Bremsen limitiert das System je nach Schräglage von vornherein die maximale Bremskraft sowie die Geschwindigkeit des Bremsdruckaufbaus. Dabei verteilt es permanent die Bremskraft zwischen Vorder- und Hinterrad.
Durch das Begrenzen der maximalen Bremskraft und des Bremsdruckaufbaus mit zunehmender Schräglage wirkt ABS Pro selbst beim schreckhaften Griff zur Bremse einer abrupten Lenkkraftänderung, die im Normalfall zum Aufstellen des Motorrads führt, entgegen.
Natürlich macht ABS Pro nicht unstürzbar oder hilft, wie Márquez, Rossi und Co. am physikalischen Limit zu bremsen. Aber es entschärft Schreckbremsungen selbst in größten Schräglagen. Zwar sind moderne ABS bis zu einer Grenze von etwa 35 Grad auch schräglagentauglich.
Doch während bei ihnen die Schreckbremsung mit einem kräftigen Aufstellmoment und der Gefahr, geradeaus in den Gegenverkehr zu bremsen, verbunden ist, bleibt die BMW mit ABS Pro in der Spur. Selbst bei weitaus größeren Schräglagen. Und erzielt dann noch dank der intelligenten Bremskraftverteilung bemerkenswert kurze Bremswege.
Das Kurven-Antiblockiersystem ABS Pro soll sukzessive für immer mehr BMW-Motorräder angeboten werden. Die Einführung des ABS Pro als Nachrüstoption für die BMW HP4 im Oktober 2014 markierte einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung des Antiblockiersystems bei BMW-Motorrädern.
Erstmals war damit ABS-unterstütztes Bremsen in Schräglage bei einem Supersportler möglich war. Im Juni 2015 hielt ABS Pro in der S 1000 XR als Sonderausstattung ab Werk Einzug in die Großserie. Seit August 2015 ist ABS Pro für die Modelle R 1200 GS und R 1200 GS Adventure (Sonderausstattung ab Werk bzw.
Ab Oktober 2015 wird ABS Pro auch für die S 1000 RR der Modelljahre 2012 bis 2014 als Nachrüstoption zur Verfügung stehen. In das nachrüstbare ABS Pro der S 1000 RR ab Modelljahr 2015 wird auch der Fahrmodus »Race« eingeschlossen sein.
ABS Pro wurde gezielt für den Einsatz auf öffentlichen Straßen konzipiert, wo immer wieder unerwartet Gefahren lauern können. Tests des ADAC mit Modellen verschiedener Marken weisen auf einen deutlichen Sicherheitsgewinn durch Kurven-ABS hin.
Verfügbarkeit ABS Pro
| Modell | Serie | Option ab Werk | Nachrüstoption | Preis |
|---|---|---|---|---|
| R 1200 GS (MJ 2016) | - | ab 08/2015 | ab 09/2015 | ab 630 Euro |
| R 1200 GS Adv. (MJ 2016) | - | ab 08/2015 | ab 09/2015 | ab 630 Euro |
| HP4 | - | - | ab 10/2014 | ab 420 Euro |
| S 1000 XR (MJ 2015) | - | ab 06/2015 | ab 09/2015 | ab 600 Euro |
| S 1000 RR (MJ 2012 - 14) | - | - | ab 10/2015 | ab 420 Euro / 460 Euro |
| S 1000 RR (MJ 2015) | - | - | in Vorbereitung | - |
| S 1000 RR (MJ 2016) | - | in Vorbereitung | in Vorbereitung | - |
| K 1600 GT/GTL/GTL Excl. | - | - |
ABS Pro ist eine innovative Weiterentwicklung: Neben den notwendigen Daten, die ein herkömmliches ABS misst, ermittelt ABS Pro auch laufend den Schräglagenwinkel. Damit kann der Aufbau des Bremsdrucks optimal verzögert ausgesteuert werden.
Supersport Fahrer erleben die herausragenden Fahreigenschaften ihrer HP4 jetzt noch intensiver und zugleich unbeschwerter: Mit dem Plus an Sicherheit dank ABS Pro. BMW Motorrad ist weltweit der einzige Anbieter der ABS Pro für Supersportler anbietet.
Für die BMW HP4 gibt es jetzt ABS Pro zum Nachrüsten.
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