Nicht nur E-Autos, sondern auch E-Bikes punkten inzwischen mit immer größeren Reichweiten. Ein E-Bike, das den Fahrer mehr als 100 Kilometer elektrisch unterstützt, ist inzwischen keine Seltenheit mehr. Möglich wird das durch immer leistungsstärkere Akkus.
Fiido: Eine chinesische Marke setzt Maßstäbe
Die chinesische Fahrradmarke Fiido setzt mit seinem neuen E-Bike Maßstäbe bei der Reichweite. Zunächst ist das Titan von Fiido ein solide gebautes E-Bike mit einem herausnehmbaren 696 Wh-Akku, der eine Reichweite von bis zu 110 Kilometern ermöglicht. Der Preis liegt bei 1.699 Euro.
Wenn sich der Käufer entscheidet, 698 Euro zusätzlich zu investieren, steigt der Gesamtpreis auf 2.397 Euro. Dann erhält er das Rad mit einem Batterieständer und zwei weiteren Akkus mit je 696 Wh. Dieses Duo wird auf dem Batterieständer montiert. Es versorgt den 250-Watt-E-Motor (Drehmoment 55 Nm) zusätzlich mit Strom. So steigt die Reichweite auf beachtliche 347 Kilometer.
Das Fiido Titan ist kein Leichtgewicht. Bereits ohne Akku wiegt es 33,47 Kilogramm. Pro Batterie kommen dann noch 4,33 Kilogramm hinzu. Damit der Fahrer trotzdem in jeder Situation entspannt unterwegs sein kann, verfügt das E-Bike neben dem E-Motor über eine Sieben-Gang-Schaltung. Zudem sorgt ein Drehmomentsensor dafür, dass der E-Motor den Fahrer jederzeit optimal unterstützt.
Die maximale Belastung beim Titan vor Fiido liegt bei 200 Kilogramm. Neben dem Fahrer und den drei Akkus kann also auch noch reichlich Gepäck transportiert werden. Die 26 Zoll-Fat-Tires mit einer Breite von vier Zoll machen auch einen Ausritt ins Gelände möglich.
Fiido C21: Ein Gravelbike im Test
Das Fiido C21 ist ein Gravelbike vom chinesischen E-Bike Hersteller Fiido. Es ist in zwei Rahmenvarianten erhältlich, allerdings eher ein sportliches E-City- oder Trekkingbike mit Gravel-Attitüden. Mit einer UVP von nur 1.799 Euro, einer ordentlichen Ausstattung und einem Gewicht von unter 18 kg war es zum Zeitpunkt des Launches schon nicht überteuert. Aktuell ist es jedoch zum absoluten Schnäppchenpreis für nur 999 Euro zu haben.
Beim Auspacken zeigt sich ein hochwertiges und aus meiner Sicht auch schickes Rad. Man sieht dem C21 nur schwer an, dass hier ein E-Bike für knappe 1.000 Euro (je nach Angebot) steht. Dafür hast du allerdings auch noch etwas zu tun, bevor das Gravelbike auf die Straße kann. Das ist prinzipiell kein Hexenwerk, eine gute Stunde solltest du dafür allerdings einplanen.
Bei der Ausstattung kann das C21 in seinem Preisbereich in jedem Fall punkten. Das Gesamtpaket aus hydraulischen Scheibenbremsen von Tektro, einer Antriebseinheit von Mivice mit Drehmomentsensor und einer 9-Gang-Schaltung mit ordentlicher Übersetzung hat nichts mehr mit den ganz billigen China-E-Bikes zu tun. Auch das Farbdisplay ist im Vorbau integriert und macht einen hochwertigen Eindruck. Auch Kleinigkeiten wie das zugehörige Accessoires-Pack mit USB-Rücklicht und einem brauchbaren Werkzeugset fallen mir sehr positiv auf.
Mir gefallen auch die verbauten Reifen mit etwas Profil ziemlich gut, da ich den Look mit dem Bronze-Skin sehr mag. Eventuell hätte man hier noch etwas hochwertigeres als CST-Reifen verbauen können, aber das wäre Meckern auf sehr hohem Niveau. Der Sattel ist in der 2025er Version etwas breiter geworden. Er ist durchaus bequem, passt aber von Stil für meinen Geschmack nicht mehr so zum sportliches Stil des E-Bikes. Da Sättel allerdings eh sehr individuelle Parts sind, werden hier die meisten sicher ohnehin eigene Lösungen bevorzugen.
An Aufnahmen für einen Gepäckträger sowie an Schraubpunkte für einen Flaschenhalter wurde ebenfalls gedacht. Hier kommt die Bezeichnung als Gravel-E-Bike allerdings nicht nur wegen des geraden Lenkers, sondern vor allem auch wegen der ansonsten nicht weiter vorhandenen Ösen für Gepäck an seine Grenzen. Nicht schlimm, es kommt schließlich immer auf den individuellen Einsatzzweck an.
Der Akku ist nämlich etwas spärlich dimensioniert und hält 208 Wh Energie bereit. Dafür sieht man dem C21 das E im Bike nicht an, denn der Akku ist unsichtbar im Unterrohr integriert. Dennoch sollen bis zu 80 km Reichweite unter optimalen Bedingungen möglich sein. Der Akku kann zum Laden nicht entnommen werden. Falls der Saft im Laufe der Zeit ausgeht, kommt man zum Wechseln allerdings von unten dran.
Angetrieben vom Mivice M080 mit seinen 40 Nm Drehmoment fühlt sich das Fiido C21 beim Fahren nach einem sehr hochwertigen Pedelec an. Denn es ist einfach unheimlich gut abgestimmt. Der Antrieb kickt bei entsprechender Krafteinwirkung deiner Beine ordentlich rein, nimmt sich in den unteren Stufen aber auch zurück, wenn du es entspannt und ausgewogen angehen lassen willst.
Die Bremsen packen ebenfalls kräftig zu, die Gangwechsel funktionieren mit dem eher unbekannten Schaltwerk direkt und knackig. Das integrierte Display ist in jeder Situation gut ablesbar und die Bedienung über die Remote-Einheit funktioniert reibungslos. Die Remote wirkte in der ersten Version allerdings noch etwas billig. Mit der Version 2025 hat Fiido beim C21 in dieser Hinsicht ebenfalls nachgebessert und eine höherwertige Remote verbaut.
Zudem hat Fiido an der Displaydarstellung und der Menüführung gearbeitet. Es gibt jetzt keine Stufen mehr von 1-5, sondern Eco, Normal, Sport, Turbo und Turbo+. Die ganze Darstellung ist besser gelungen und moderner gestaltet. Zudem lässt sich jetzt über die App der Tastenton abstellen, der mich bei der ersten Version doch ab und an etwas genervt hat.
Die Übersetzung wird einem E-Gravel tatsächlich gerecht und ich kann auch über den 25 km/h beachtlich Gas geben. Eine offizielle CE-Kennzeichnung fehlte noch an unserem ersten Testrad aus 2023. Das entsprechende Zertifikat lag uns zwar vor, jedoch fehlte der Aufkleber am Rahmen. Mit der Version 2025 vom Fiido C21 wurde auch diese Lücke geschlossen und das C21 trägt einen ausführlichen CE Sticker mit allen relevanten Informationen.
Das C21 macht in nahezu jeder Situation unheimlich Spaß, da es für diesen Preis toll ausgestattet und vor allem super abgestimmt ist. Die Verarbeitung ist solide, die Rahmengeometrie stimmig. Als waschechtes Gravel E-Bike würde ich es aus diesem Test allerdings nicht entlassen, da mir hierzu eine Dropbar fehlt. Das E-Bike hat allerdings viel Potenzial als Alltags- und Abenteuerrad für verhältnismäßig wenig Geld. Aktuell ist es für nur 999 Euro zu haben und kann zudem mit neuen und überarbeiteten Features punkten.
Fiido C21 im Detail
- Preis: Aktuell für 999 Euro erhältlich
- Ausstattung: Hydraulische Scheibenbremsen von Tektro, Mivice Antriebseinheit mit Drehmomentsensor, 9-Gang-Schaltung
- Akku: 208 Wh, nicht entnehmbar
- Besonderheiten: Integriertes Farbdisplay, Accessoires-Pack mit USB-Rücklicht und Werkzeugset
Fiido Air: Das leichte E-Bike aus Carbon
Fiido Air ist ein futuristisches E-Bike mit Carbon-Rahmen, das gerade mal 14 Kilogramm wiegt. Wer ein E-Bike sucht, das nur wenige als solches erkennen, wird beim Fiido Air fündig. Der silberne Carbon-Rahmen, die saubere Kabelführung und der optisch dezente Motor lassen Passanten rätseln, warum ich so mühelos an ihnen vorbeiziehe. Mehrfach wurde ich während des Tests angesprochen - das Fiido Air ist ein echter Blickfang.
Mit 13,75 Kilogramm ist es federleicht und lässt sich problemlos ein paar Stufen tragen - ohne anschließend einen Physiotherapeuten aufsuchen zu müssen. Damit ist es noch einmal deutlich leichter als das Fiido C21 (Testbericht) mit seinen 18 kg. Dass Fiido auch schwer kann, zeigt es etwa mit Fiido Titan (Testbericht) und seinem Kampfgewicht von fast 40 kg. Irgendwo dazwischen platziert sich das Fiido M1 Pro 2025 (Testbericht).
Preislich startet das Fiido Air bei 1499 Euro. Aktuell liegt dem E-Bike eine korrespondierende Smartwatch im Wert von 99 Euro bei.
Das Fiido Air verzichtet komplett auf ein klassisches Display. Stattdessen erfolgt die Steuerung über eine App, einen Fingerabdrucksensor oder die beiliegende Smartwatch.
Überraschenderweise vermisste ich das Display im Test weniger als gedacht. Dennoch wäre eine Halterung für die Smartwatch am Lenker eine simple und kostengünstige Lösung gewesen. Die App selbst ist überladen, unübersichtlich und verbindet sich oft erst nach mehreren Versuchen mit dem E-Bike.
Das Fahren mit dem Fiido Air macht richtig Spaß! Die sportliche Sitzposition, typisch für Gravelbikes, sorgt für ein dynamisches Fahrgefühl. Der Mivice M070 Motor (250 Watt, 35-40 Nm) arbeitet flüsterleise und bietet eine angenehm dezente Unterstützung.
Der Drehmomentsensor Mivice S200 reagiert minimal träge, was aber kaum auffällt. Er passt die Unterstützung präzise an die Tretkraft an, was zu einem natürlichen Fahrgefühl führt.
Das geringe Gewicht ist der heimliche Star: Es ermöglicht, auch jenseits der 25 km/h-Grenze flott voranzukommen, ohne dass sich das Bike wie ein Bleigewicht anfühlt. Erstaunlicherweise vermisste ich die fehlende Gangschaltung nicht. Das Anfahren klappt dank Motorunterstützung problemlos, und selbst bei über 30 km/h bleibt die Trittfrequenz angenehm. Die gewählte Übersetzung (Gates CDX 60T/22T) ist offenbar goldrichtig.
Die hydraulischen Shimano MT410 Bremsen packen beherzt zu. Für steile Anstiege oder längere Bergtouren ist der Motor allerdings etwas schwach auf der Brust. Im Stadtverkehr und auf flacheren Strecken reicht die Leistung völlig aus.
Der fest im Rahmen integrierte Akku fasst 208 Wh - nicht gerade üppig. Im Test erreichte ich bei voller Unterstützung, hoher Geschwindigkeit, 20 Grad Außentemperatur und vielen Ampelstopps etwa 30 Kilometer Reichweite. Fiido verspricht 50 bis 60 Kilometer, was unter Idealbedingungen vielleicht...
Bodywel M275: Einsteiger E-MTB mit starkem Akku
Das Bodywel M275 will nicht nur mit seinem geringen Preis von 899 Euro überzeugen. Auch der starke Akku und die hydraulischen Scheibenbremsen sind nicht schlecht. Das Bodywel M275 bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, insbesondere für Einsteiger. Der starke Akku unterstützt den nicht ganz so kräftigen Motor blendend, auch Bremsen und Schaltung können sich bei dem Preis wirklich sehen lassen.
Fertig aufgebaut, lässt sich das E-MTB genauer unter die Lupe nehmen. Das Oberrohr mit integriertem Akku ist breit und verleiht dem E-Bike eine ziemlich robuste Erscheinung. Herzstück des Bodywel M275 ist ein Hinterradnabenmotor von Ananda, einem chinesischen Hersteller. Der Antrieb beschleunigt auf pedeleckonforme 25 km/h. Er bietet ein maximales Drehmoment von 40 Nm bei den in Deutschland erlaubten 250 Watt Nennleistung.
Einen positiven Eindruck hinterlässt der starke Akku, der eine Kapazität von 560 Wh (36 V 15,6 Ah) bietet und sich aus dem E-Bike entnehmen lässt. Laut Hersteller soll der Akku bis zu 120 km durchhalten, wenn in der ersten der drei Unterstützungsstufen gefahren wird. Bei höchster Unterstützung sollen es noch zwischen 60 und 80 km sein.
Das Bodywel M275 ist mit 27,5-Zoll-Rädern ausgestattet, die Reifen stammen vom Hersteller CST und sind 2,35 Zoll breit. Trotz des ziemlich geringen Preises hat Bodywel hydraulische Scheibenbremsen von einem mir nicht bekannten Hersteller verbauen lassen, die mit einer elektronischen Motorabschaltung gekoppelt sind. Hinzu kommt eine Shimano Tourney 7-Gang-Kettenschaltung.
Unübersehbar ist das LC-Display in der Mitte des Lenkers, das alle wesentlichen Informationen darstellt. Die Bedieneinheit ist einfach aufgebaut und besteht aus vier Tasten: Ein/Aus, Plus, Minus und einer Menütaste. Mit der Plus- und Minustaste wird die Unterstützungsstufe erhöht oder verringert, während die Menütaste verschiedene Funktionen wie die Beleuchtung oder die Umschaltung zwischen Kilometer und Meilen aktiviert.
Die Federgabel vorne bietet einen Federweg von 80 mm. Je nach gewünschtem Federungsgrad und Gewicht lässt sich die die Federung individuell anpassen, auch ein Lock-Modus ist verfügbar. Mit Akku kommt das Bodywel M275 auf ein Gewicht von 24,5 kg.
Voll aufgeladen hält der Akku des Bodywel M275 auf meiner eher anspruchsvollen Teststrecke etwa 50 bis 60 km. Ich habe die drei Unterstützungsstufen gemischt verwendet und moderat pedaliert. Mit einer starken Energiedichte von etwa 562 Wh kann der Akku durchaus auch längere Strecken bewältigen.
Das Bodywel M275 bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, insbesondere für Einsteiger. Wer ein E-Bike für eher gemütliche Touren, den Weg zur Arbeit oder leichte Geländefahrten sucht, macht mit dem Bodywel M275 für 899 Euro nichts falsch.
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