BMW Motorrad Modelle der 1960er Jahre: Eine Ära des Wandels

Die 1960er Jahre waren eine Zeit des Umbruchs, sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich. Auch bei BMW Motorrad spiegelten sich diese Veränderungen wider.

Finanzielle Rettung und Neuanfang

Nach einer turbulenten Aktionärsversammlung im Dezember 1959, benötigte BMW das ganze Jahr 1960, um das Unternehmen und damit die Motorradproduktion zu retten. Herbert Quandt erklärte sich bereit, die im Zuge einer Kapitalerhöhung ausgegebenen Aktien zu übernehmen. Dank dieser finanziellen Rückendeckung wurde BMW wieder kreditwürdig und konnte die Entwicklung des BMW 1500, der "neuen Klasse", finanzieren. Das Engagement Quandts ermöglichte es, Teile des Vermögens der Quandt-Gruppe zu sanieren.

Stagnierende Entwicklung?

Betrachtet man das Motorrad-Modellprogramm von BMW in den 1960er-Jahren, könnte man den Eindruck einer stagnierenden Entwicklung gewinnen. Die geschobene Vorderradschwinge, die Rahmenkonstruktion mit Seitenwagenanschluss und der eigenartigen Aufnahme der hinteren Federbeine, die Schwingsättel und das Überwiegen der schwarzen Lackierung galten spätestens ab Mitte des Jahrzehnts als ausgesprochen konservative Merkmale. Doch im Hintergrund arbeitete BMW an neuer Technik und Gestaltung. Diese Entwicklung verlief langsam, immer gebremst von knappen Budgets, aber stetig.

Wie hemdsärmelig BMW in den frühen 1960ern Motorräder entwickelte, zeigt das Beispiel des damals neu angestellten jungen Ingenieurs Rüdiger Gutsche und seiner Triumph Bonneville 650. Sie wurde prompt für einen Vergleich mit der R 69 S herangezogen, ihr Besitzer vom stellvertretenden technischen Direktor Claus von Rücker zur Motorradentwicklung abkommandiert. Ein erstes Ergebnis der Neuentwicklung war im April 1963 bei der Geländefahrt in Biberach zu sehen: BMW-Werksfahrer Sebastian Nachtmann trat dort mit dem bekannten Boxer in einem neuen Doppelschleifenrahmen an, der nach dem Prinzip der Norton- oder besser McCandless-Federbettrahmen konstruiert war. Dieses Fahrwerk bildete die Grundlage für die spätere Serie. Zugleich testeten die Entwickler, welche Fortschritte mit dem seit der R 51/3 eingesetzten, rollengelagerten Boxermotor noch möglich waren.

Vom Transportmittel zum Freizeit-Gefährt

Der wichtigste Grund für BMW, überhaupt an der Motorradproduktion und -entwicklung festzuhalten, waren ermutigende Signale aus den USA. Dort hatte sich früher als in Europa ein Wandel der Motorradkultur vollzogen. Das Motorrad wurde zunehmend als Vehikel einer erlebnisreichen Freizeitgestaltung geschätzt und nicht, wie in Deutschland, als Transportmittel für Leute angesehen, die sich kein Auto leisten konnten. Folgerichtig und auf Initiative des US-Importeurs wurden ab 1967 BMWs in farbigen Lackierungen, mit durchgehender Sitzbank und Telegabel ausgerüstet, um ihnen einen moderneren Look zu verleihen.

Technische Weiterentwicklung

Um 1965 war man bei BMW zu der Erkenntnis gelangt, dass der alte Boxer an der Grenze seiner Entwicklungsfähigkeit angelangt war. Dazu hatten eigene Versuche, beispielsweise mit Kipphebelbrücken zur Verbesserung der Drehzahlfestigkeit, ebenso beigetragen wie die Erfahrungen mit den Motoren der R 69 S und R 50 S. Aufgrund von Schwingungs- und Resonanzphänomenen machten sie immer wieder Schwierigkeiten mit Kurbelwellenschäden bei hohen Drehzahlen. Besonders betroffen war die R 50 S, deren Motor 35 PS bei 7650/min entwickelte. Sie wurde nur von 1960 bis 1962 gebaut. Dem nicht ganz so hoch belasteten Motor der R 69 S verhalf ein Schwingungsdämpfer auf der Kurbelwelle zu befriedigender Zuverlässigkeit.

Bei der Entwicklung des neuen Motors konnten die Konstrukteure auf die Erfahrungen aus dem Autobereich zurückgreifen, insbesondere auf die Vanderwell-Dreistoff-Gleitlager. Für die Motoren der in der Entwicklung befindlichen /5-Baureihe wurden die Maße von Kurbelwellen- und Pleuellager vom 1500er-Vierzylinder übernommen.

Der Einfluss des Mauerbaus

Abgesehen von den menschlichen Tragödien, die sich nach dem 13. August 1961 ereigneten, trug der Bau der Mauer tatsächlich zur Konsolidierung der Lage in und um Berlin bei. Um das"Austrocknen" Westberlins zu verhindern, erhielten die Berliner Steuererleichterungen. Industriebetriebe, die sich dort engagierten, erhielten Investitionszulagen und ebenfalls Steuererleichterungen. BMW nutzte die staatlichen Hilfen. In Berlin-Spandau, wo bis 1945 Flugmotoren entstanden und danach eine Werkzeugmaschinen-Fertigung aufgebaut wurde, bekommen die BMW Motorräder ihr neues Zuhause. Die Einstellung zum Motorrad hat sich geändert, die Kunden sind nun stärker freizeitorientiert - und Motorradfahren wird zunehmend zum sportlichen Hobby auch finanziell bessergestellter Kreise.

Modelle der 1960er Jahre

In den sechziger Jahren vertraute BMW auf die bewährten Fahrwerke der 1955 eingeführten Vollschwingenmodelle, die mit ihrer Fahrstabilität neue Maßstäbe im Solo- und Gespannbetrieb setzten. 1960 ergänzen zwei Sportmodelle, die R 50 S und die R 69 S die Modellpalette. Letztere ist mit einer Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h das schnellste deutsche Serienmotorrad, mit dem sich BMW in der internationalen Spitze behaupten kann. Das sportliche Spitzenmodell R 69 S wird der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit 42 PS und 175 km/h Höchstgeschwindigkeit sorgt sie nicht nur in Deutschland für Aufsehen. Die Kurbelwelle des R 69 S-Motors war mit einem Schwingungsdämpfer versehen.

Bei den Motorrädern der BMW-Serie R 60, die im Jahr 1955 erstmals in Brüssel vorgestellt wurden, handelt es sich um Motorräder mit sogenannter Vollschwingen-Technik. Die Motoren stammten noch aus dem älteren Vormodell von BMW, der R 51. Fahrwerk und Getriebe waren allerdings vollkommen neu konstruiert. BMW erarbeitete sich mit diesen Motorrädern den Ruf, Motorräder von besonderer Qualität, insbesonderes was den Fahrkomfort angeht, zu bauen.

Speziell für den nordamerikanischen Markt bietet BMW seine Boxermodelle ab 1967 auch in einer Version mit Teleskopgabel an.

Die /5-Baureihe

Die /5-Baureihe präsentiert sich als grundlegende Neukonstruktion des Boxermodells: Leichter Doppelschleifen-Rohrrahmen mit Hinterradschwinge und Teleskopgabel vorne, Kurbelwelle und Pleuel gleitgelagert, Drehstromgenerator, Batteriezündung und elektrischem Anlasser. Zum ersten Mal sind außer Schwarz und Weiß auch andere Farben wie Silber, Blau und Rot verfügbar.

Die R 60/5 ist die grundlegende Neukonstruktion des Boxermodells: Leichter Doppelschleifen-Rohrrahmen mit Hinterradschwinge und Teleskopgabel vorne, Kurbelwelle und Pleuel gleitgelagert, Drehstromgenerator, Batteriezündung und elektrischem Anlasser. Der elektrische Anlasser ist hier serienmäßig an Bord.

Die R 75/5, das Topmodell der /5-Modellserie, bietet das gleiche Fahrwerk wie die anderen Modelle der /5-Serie, leistet aber dank 750 ccm Hubraum satte 50 PS, glänzt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h und ist mit einem Unterdruck-Drosselklappen Vergaser ausgestattet.

BMW Motorrad Modelle der 1960er Jahre (Auswahl)
Modell Bauzeit Leistung Höchstgeschwindigkeit Besonderheiten
R 50 S 1960-1962 35 PS - Kurze Bauzeit aufgrund von Kurbelwellenschäden
R 69 S 1960er 42 PS 175 km/h Schnellstes deutsches Serienmotorrad, Schwingungsdämpfer auf der Kurbelwelle
R 60/5 Ende 1960er - - Grundlegende Neukonstruktion, Doppelschleifen-Rohrrahmen, Teleskopgabel
R 75/5 Ende 1960er 50 PS 175 km/h Topmodell der /5-Serie, 750 ccm Hubraum

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