BMW Motorrad Geeignet für Kleine Frauen: Eine Umfassende Beratung

"Motorräder für Frauen" ist ein beliebter Suchbegriff. Deshalb trägt der Artikel auch diese Überschrift. Er könnte ebenso heißen: Motorradempfehlungen einer Frau. Für Frauen und Männer. Für alle.

Als ich (1,58 Meter groß, 74 cm Innenbeinlänge) 2010 meinen Motorradführerschein machte, waren meine Kriterien an mein erstes Motorrad folgende:

  • niedrige Sitzhöhe, sodass ich mit beiden Beinen auf den Boden komme
  • leichtgängiger Kupplungshebel
  • ein kurzer Weg über den Tank zum Lenker, damit ich mich nicht auf selbigem abstützen muss.

Das war’s. Motorradtyp, Hubraum, Leistung, Farbe, Design - mit einem Blick auf mein Sparkonto alles zweitrangig. Zumal mir die Auswahl damals ohnehin sehr klein schien. Am Ende wurde es eine Kawasaki ER-5, Baujahr irgendwas um 1995, zum Reinkommen ok.

Große Auswahl an Bikes für kleine Personen

Wenn ich heute auf den Markt für neue und gebrauchte Motorräder schaue, sehe ich eine riesige Auswahl für mich. Nein, viele Hersteller haben in den letzten Jahren erkannt, dass vor allem ihre kleinvolumigen Modelle richtig Stückzahl machen. Vor allem, wenn sie den Einstieg auch für Fahrerinnen und Fahrer ermöglichen, die unter 1,70 Meter messen.

Wichtige Kriterien bei der Auswahl

Viele Einsteigerinnen und Einsteiger wissen das nicht, bevor sie nicht das erste professionelle Fahrtraining hinter sich haben: Ob ein Motorrad von der Größe her zu einem passt, entscheidet neben der Sitzhöhe auch die Sitzergonomie. Kann ich mehrere hundert Kilometer auf dem Motorrad sitzen, ohne mich auf dem Lenker abzustützen? Wer sich nämlich beim Kurvenfahren abstützen muss, verkrampft schnell und wird dadurch langsamer.

Die Bedeutung der Sitzergonomie

Deshalb beim Probesitzen und Probefahren: auf den Kippwinkel achten. Wie ist der Winkel von Oberschenkel und Oberkörper? Sind die Oberarme entspannt? Oder muss ich mich per Bauch- und Rückenmuskulatur davon abhalten, mich auf dem Lenker abzustützen?

Warum Probesitzen unerlässlich ist

Die Sitzhöhenangabe ist für kleine Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer ein wichtiger erster Richtwert, der zur Orientierung dient. Fast alle Hersteller geben die Sitzhöhe ihrer Modelle deshalb an. Am Ende ausschlaggebend ist aber die Schrittbogenlänge. Im Motorradkontext beschreibt die Schrittbogenlänge den tatsächlich zurückgelegten Weg entlang einer Kurvenbahn. Hier spielt also mit hinein, wie breit das Motorrad in der Mitte baut, wie die Sitzbank geformt ist und wo die Fußrasten platziert sind.

Deshalb ist es für kleine Personen umso wichtiger, sich nicht nur auf die Sitzhöhenangabe zu verlassen, sondern unbedingt Probe zu sitzen.

Motorrad-Empfehlungen für kleine Frauen

Die Sitzhöhe kann sich von Modelljahr zu Modelljahr unterscheiden. Hier aufgeführt sind die Herstellerangaben zum Modelljahrgang 2025.

  • Aprilia Tuono 660; Sitzhöhe: 820 mm
  • Benelli 752 S; Sitzhöhe: 810 mm
  • Brixton Crossfire 500 X; Sitzhöhe: 795 mm
  • CFMoto 675 NK; Sitzhöhe: 810 mm
  • Ducati Scrambler Icon; Sitzhöhe: 795 mm
  • Harley-Modelle; Sitzhöhe meist passend, bei kleinen Fahrerinnen ist eher der Weg zum Lenker, zu den Fußrasten und die Handkraft an der Kupplung das Problem. Und das Gewicht.
  • Royal Enfield Hunter 350 oder die Royal Enfield Shotgun 650.
  • Suzuki GSX-8S; Sitzhöhe: 810 mm
  • Suzuki SV 650; Sitzhöhe: 785 mm
  • Suzuki GSX-S 1000; Sitzhöhe: 810 mm
  • Triumph Speed 400; Sitzhöhe: 790 mm
  • Triumph Trident 660; Sitzhöhe: 805 mm
  • Voge 625 R; Sitzhöhe: 795 mm
  • Yamaha MT-07; Sitzhöhe: 805 mm
  • Sonderfall BMW: Funktioniert nach Erfahrung der Autorin gut mit einer Tieferlegung ab Werk. Niedrige Sitzbänke sind zwar ab Werk zu haben, reichen aber je nach Beinlänge oft nicht aus.
  • Sonderfall KTM: Selbst die 390 Duke kann mit 820 mm Sitzhöhe herausfordernd für kleine Fahrerinnen und Fahrer sein, da KTM die Sitzbänke für gewöhnlich kantig designt.

Individuelle Anpassung und Modifikationen

Es gibt mehrere Möglichkeiten was man, je nachdem wieviel Zentimeter Frau braucht, verändern kann.

Fangen wir mit dem einfachsten an:

  • Niedrige Sitzbank: Ich selber habe einen Low Version von Triumph passend zum Tiger.
  • Tieferlegungskit per Knochen + Gabel durchstecken: Mein Tiger hatte beim Kauf eine Tieferlegung von 20mm durch die anderen Knochen schon drin. Wir haben diese allerdings wieder gegen die von Werk eingebauten getauscht.

Sollte dem ein oder anderen wirklich nur ein Hauch fehlen, ist das eine schnelle und vor allem recht unproblematische Möglichkeit das Traummotorrad noch etwas tiefer zu bekommen. Wenn man das Heck schon tiefer gelegt hat, sollte man die Gabel auch noch etwas durchstecken so dass es wieder im ausgeglichen ist.

Neues Fahrwerk

Wir haben uns letzten Endes für einen professionellen Umbau entschieden. Natürlich ist das sicherlich nicht die günstigste Variante, aber wohlgleich die Variante bei der ich keinen Fahrkomfort einbüße.

Im Vorfeld haben wir uns bei Wunderlich beraten lassen wieviel man bei meinem Traummotorrad machen kann. Vorort habe ich dann auf meinem Motorrad Probe gesessen, während genau gemessen worden ist wieviel Zentimeter wir noch brauchen. Wir haben uns dabei für das Wilbers Federbein Typ 640 Road mit hydraulischer Vorspannung (808€) und Wilbers Gabelfeder - Zero friction - progressiv (159€) entschieden. Das hat uns -60mm gebracht und in Kombination mit der niedrigen Sitzbank komme ich nun sehr gut mit meinem Tiger zurecht.

Wir haben lange über die ganzen Vor- und Nachteile eines Komplett Umbau gesprochen. Wir hätten vieles selber machen können für weniger Geld, aber auch ohne die Gewährleistung zu haben das es perfekt passt bzw. an mich angepasst ist und ob es wirklich alles funktioniert.

Lenker anpassen

Was viele vergessen, ist die Tatsache das man vielleicht lange Beine haben kann aber die Arme immer noch zu kurz sind. Ich bin sowohl mit kurzen Beinen als auch mit kurzen Armen gesegnet.

Von der Firma Voigt haben wir daher zu dem neuen Fahrwerk eine Lenkererhöhung (30mm) mit Versatz (20mm) eingebaut. Das gibt mir ein wenig mehr Spielraum von Lenker zu den Schultern. Meiner Arme sind nicht mehr auf das maximum gestreckt, sondern haben einen bequemen Winkel.

Lasst euch nicht davon abbringen euer Wunschmotorrad zu eurem Traummotorrad um zu bauen! Es gibt viele Möglichkeiten das ihr euer Ziel erreichen könnt. Hätte ich darauf gehört, was man(n) mir gesagt hat dann würde ich jetzt ein Chopper fahren.

Weitere Empfehlungen und Tipps

BMW G 310 R

Die BMW G 310 R enstand aus einer Stunt-Studie. Sie wiegt 160 Kilo, ihr Sitz ist 78,5 Zentimeter flach. Erstes Beispiel ist die BMW G 310 R. Die kleine Einstiegs-BMW geht auf die Konzeptstudie Stunt G 310 zurück, an deren Entwicklung der Stuntfahrer Christian Pfeiffer beteiligt war.

Ihr stehender Zylinderkopf ist nach hinten geneigt in den Rahmen eingebaut. So soll der Schwerpunkt an einem optimalen Punkt liegen. Der wassergekühlte Einzylinder der G 310 R hat 313 Kubikzentimeter Hubraum, schafft Euro 4 und leistet 34 PS. Die Höchstgeschwindigkeit gibt BMW mit 143 Stundenkilometern an.

Sitzt man einmal drauf, betört die G 310 R mit ihrer einfachen, selbsterklärenden Bedienung. Sie antwortet flink und leichtfüßig auf Bewegungen am Lenker und hält in Schräglage satt die Spur. Ihr ABS lässt sie sicher stoppen.

Und das Entscheidende für diese Übersicht: BMW gibt die Sitzhöhe für die G 310 R mit 78,5 Zentimetern an, leer wiegt die kleine Maschine 160 Kilo! Besonders interessant: Die kleine BMW darf mit dem A2-Führerschein bewegt werden.

Triumph Street Twin

Die Triumph Street Twin bringt 198 Kilo auf die Waage, die Sitzhöhe gibt Triumph mit 75 Zentimetern an. Wer es trendiger und auch leistungsstärker mag, wird bei Triumph fündig.

Die Briten haben seit 2016 die Street Twin im Modellprogramm. Ihr Sitz ist 75 Zentimeter flach, sie kommt auf ein Leergewicht von 198 Kilogramm. Die Street Twin folgte auf die Triumph Bonneville SE.

Ihr Zweizylinder hat 900 Kubikzentimeter Hubraum. Die maximale Leistung von 65 PS liegt bei 5900 Umdrehungen pro Minute an. Ride-by-Wire setzt Triumph in der Bonneville-Baureihe zum ersten Mal an Bord der Speed Twin ein. ABS, eine Traktionskontrolle und eine Anti-Hopping-Kupplung sind dazu im Paket inbegriffen.

BMW G 310 GS

Spontan sein. Routinen brechen. Mit der BMW G 310 GS wird Dein Alltag zum Abenteuer. Dank des optimierten Motors mit Ride by Wire und Anti-Hopping-Kupplung meistert sie den Großstadtdschungel und Abstecher in das Umland noch souveräner.

Denn Abenteuer müssen nicht groß sein, um unvergesslich zu werden. Die G 310 GS ist der perfekte Begleiter, um Deine Stadt auch über ihre Grenzen hinaus und abseits der asphaltierten Straßen zu entdecken.

Denn dank ihrer komfortablen GS-Ergonomie und hochwertiger Ausstattung bringt sie Dich entspannt durch Deinen Alltag an jedes Ziel. Kupplungs- und Bremshebel lassen sich in vier Stufen komfortabel an die Größe Deiner Hände anpassen. Das bedeutet, sie rücken bis zu sechs Millimeter näher an den Lenker. So sind sie auch für Fahrer mit kleineren Händen jederzeit gut zu erreichen. Und Du hast mit geringem Kraftaufwand immer alles im Griff.

Der kraftvolle Einzylinder-Motor kommt jetzt mit E-Gas: Ride by Wire. Diese Umstellung macht die Gasannahme wesentlich souveräner und durch die automatische Standgasanhebung läuft der Motor beim Losfahren absolut stabil. Auf die selbstverstärkende Anti-Hopping-Kupplung ist beim Anfahren und Schalten immer Verlass.

Die G 310 GS kommt mit einem dunklen Motorbereich in Titaniumgrey metallic, Du wählst ihren Look. Jetzt bist Du am Zug: Bereite Deine G 310 GS mit einer großen Auswahl an Zubehör auf Deine täglichen Abenteuer vor. Entscheide Dich für einen unserer beiden Vorschläge oder stelle eine Maschine ganz nach Deinen eigenen Vorstellungen zusammen.

Die BMW GS als Option

Für mich ist meine BMW F 700 GS das perfekte Motorrad. Dabei schrecken mich weder Hubraum noch PS-Zahl oder Sitzhöhe ab. Nein, nicht das Motorrad an sich lässt mich zögern, sondern sein Image.

Aber die GS ist das Standardmotorrad der anstehenden Tour, und Kneifen ist keine Option. Also raus aus der Komfortzone und rein in die GS-Erfahrung. Und auch wenn es dramatisch klingt: In nur wenigen Tagen hat die GS nicht nur meine Einstellung zu Adventure Bikes, sondern auch meinen Fahrstil komplett verändert.

Dank des niedrigen Schwerpunkts ist die GS so gut ausbalanciert, dass sie sich auch mit „zu kurzen Beinen“ und damit auf Zehenspitzen im Stand rangieren lässt. Gutgemeinte Hilfsangebote, mein Motorrad für mich ein- oder auszuparken, kann ich von nun an mit einem selbstbewussten „Danke, nicht nötig“ ablehnen.

Candy hat mich gelehrt, dass die einzigen Grenzen beim Motorradfahren diejenigen sind, die ich in meinem Kopf ziehe. Diese Lektion kann und sollte wohl jede und jeder einmal lernen.

Zusätzliche Tipps für Motorradfahrerinnen

  • Mädels, fahrt das Motorrad was ihr wollt!
  • Lasst Euch von Männern nicht einreden was ihr könnt und was nicht.
  • Bleibt neugierig. Bildet Euch weiter, man nimmt von jedem Training was mit.
  • Um besser zu werden, muss man ab und zu die Komfortzone verlassen. Das Motorrad kann mehr als du denkst.
  • Ein Umfaller oder falsches Parkplatzmanagement ist kein Drama! Das passiert jedem mal.
  • Macht keine Kompromisse bei der Kleidung!

Abschließende Gedanken

Das eine Motorrad für alle Frauen gibt es nirgendwo. Das richtige Motorrad ist immer das, auf dem Frau sich hundertprozentig wohl fühlt. Irgendwo da draußen gibt es das richtige Motorrad für jede Frau. Bei der einen ist es Liebe auf den ersten Blick, bei der anderen (wie bei mir) dauert es ein bisschen länger.

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