BMW Motorrad HP2 Sport im Test: Ein Vergleich mit der BMW R 1200 RS und Details zur R 1250 GS Adventure

Der Artikel vergleicht die BMW HP2 Sport, einen Hochleistungs-Athleten, mit der BMW R 1200 RS, einem Fünfkämpfer. Dabei wird der luftgekühlte Boxer mit dem wassergekühlten Boxer gegenübergestellt.

BMW HP2 Sport vs. BMW R 1200 RS: Ein offener Schlagabtausch

Ring frei für den offenen Schlagabtausch: Weiß-blau sind beide BMWs, ihre beiden dohc-Motoren aber komplett unterschiedlich. Nur Bohrung und Hub sind identisch. Fette 101er-Kolben verdichten jeweils 12,5 zu eins. 73 Millimeter Hub hier wie dort ergeben 1170 cm³ Hubraum.

Beim von hinten nach vorn durchströmten, luftgekühlten Motor der BMW HP2 Sport betätigt jede der zwei horizontalen Nockenwellen pro Seite je ein radiales Ein-und Auslassventil per Schlepphebel. Der von oben nach unten durchströmte Wasserboxer der BMW R 1200 RS trägt konventionell je eine Ein- und Auslassnockenwelle pro Seite.

2008 war die BMW HP2 Sport oben heraus stärkster und dazu im Drehzahlkeller kräftigster BMW-Boxer. Größere Ventildurchmesser, gefräste Einlasstrakte, leichtere Schmiedekolben und hochfeste Pleuel pumpten den Bizeps auf, ließen den Boxer volle 9500 Umdrehungen einstecken. Für BMW-Verhältnisse ist das fast schon ein Dreh-Motor.

Noch kräftiger fühlt sich der Wasserboxer der BMW R 1200 RS an, ist von Anfang an voll bei der Musik. Steigt kraftvoll ein, drückt bis 7000 Touren mehr Drehmoment ab. Motto: Hau gleich drauf und Schluss. Diese bullige Leistungscharakteristik ist auf Landstraßen eine Macht. Niedrige Drehzahlen, hoher Gang? Easy. Einfach auf der Drehmoment-Woge surfen. Der Wasserboxer hängt fast gierig am E-Gasgriff - die BMW HP2 Sport hat noch Gaszüge.

Der „alte“ Boxer rennt echte 260! Mit maximal knapp 230 km/h hechelt die gemessen 121 PS starke BMW R 1200 RS da hinterher. Oben heraus beschleunigt die BMW HP2 Sport eben deutlich besser. Dafür geht die bulligere R 1200 RS im sechsten Gang rasanter ab - trotz ihrer 250 Kilogramm Kampfgewicht. Das sind satte 44 Kilo mehr als die HP2 Sport. Thermisch ist der neue Motor günstiger. Magerer abgestimmt, konsumiert er einen Liter Benzin weniger.

Wildes Runterschalten auf der BMW R 1200 RS macht richtig Laune: Der optionale Schaltautomat mit Blipper-Funktion gibt beim Runterschalten lustvoll Zwischengas. Die BMW HP2 Sport assistiert „nur“ beim Hochschalten. Hey, aber dafür schon im Jahr 2008 serienmäßig! Mit Kupplung betätigt, schaltet das HP2-Getriebe besser, klicken die Gänge sanfter und mit kürzeren Wegen ein. Beim konventionellen Kuppeln irritiert die RS schon mal mit heftigen Schaltschlägen.

Ob Nordschwarzwald oder Nordschleife, die leichte BMW HP2 Sport fühlt sich richtig gut an. Ihre Sitzposition ist sportiver, viel Vorderrad-orientierter. Hier liegen die Lenkerstummel etwas unterhalb der oberen Gabelbrücke, bei der BMW R 1200 RS darüber, weshalb man auf der Neuen auch viel aufrechter sitzt. Dafür fühlt sich auf dem Solosportler HP alles direkter an, in einem guten sportlichen Sinne steifer. Das gilt auch für die Lenkpräzision, sie ist einfach knackiger, zielgenauer, straffer.

BMW R 1200 RS oder BMW HP2 Sport - beide BMWs haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Wenn's wüst ums Eck gehen soll bietet die BMW HP2 Sport viel mehr Schräglagenfreiheit. Energischere Lenkimpulse braucht die BMW HP2 Sport. Ihr schönes blaues Gitterrohr-Flechtwerk hat nur Hilfsfunktion, anders als der Brückenrahmen der RS. Brembo-M 50 mit Magura-Radialpumpe waren 2008 State of the Art. Sie beißen kräftig zu, sind nur nicht ganz ideal dosierbar. Da ankert die modernere BMW R 1200 RS brachialer.

Die BMW R 1200 RS gibt‘s für geneigte Boxerfreunde jetzt neu beim Händler. Die BMW HP2 Sport nur noch gebraucht - sie wird längst nicht mehr gebaut. Echtes Garagenglück also.

BMW R 1250 GS Adventure: Details und Besonderheiten

BMW Motorrad bringt von seinem Bestseller GS die Botox-Version auf den Markt: die 1250 GS Adventure. "Den Adventure-Fahrer interessieren eigentlich zwei Argumente", sagt BMW-Motorräder-Produktmanager Reiner Fings. "Erstens die enorme Reichweite durch den 30-Liter-Tank. Und dann der Wetterschutz durch den breiten Vorbau."

Tatsächlich ist das Enduro-Dickschiff nicht für jeden Biker gemacht: 268 Kilogramm Fahrgewicht und bis zu 217 Kilogramm zulässige Zuladung - knapp eine halbe Tonne Rollgewicht möchte man Fahranfängern ungern in die Hand geben. Auch die Leistung flößt Demut ein: BMW hat der großen Adventure einen Antrieb mit 136 PS und mächtigen 143 Nm Drehmoment spendiert.

BMW setzt erstmals die ShiftCam-Technologie ein, mit der über eine verschiebbare Nockenwelle variable Ventilsteuerzeiten möglich sind. "Das bringt uns mehr Fahrdynamik über das gesamte Drehzahlband und sorgt für weniger Verbrauch und bessere Emissionswerte", sagt Frings. Der Motor zieht nun zwischen 4,75 l (Landstraße) und 5,9 (Gelände).

Die 1250 GS Adventure dagegen fühlt sich sofort zu Hause: Erstaunlich, wie die Vierteltonne in Fahrt an spürbarem Gewicht verliert und der tiefe Schwerpunkt des Motors das Handling vereinfacht. Der Boxer hat jetzt durch den höheren Hubraum noch mehr Druck aus dem Drehzahlkeller. Gerade auf technisch anspruchsvollen Offroad-Passagen, auf engen Tracks und losem Untergrund arbeitet der Motor auch bei niedrigsten Drehzahlen mit optimaler Schwungmasse und Traktion.

Unterstützt wird der Fahrer dabei durch die opulente Bordelektronik. In der Sonderausstattung "Fahrmodi Pro" wird die 1250 GS Adventure mit den zusätzlichen Fahrmodi "Dynamic" und "Dynamic Pro" (konfigurierbar), der dynamischen Traktionskontrolle DTC (Dynamic Traction Control) und den Fahrmodi "Enduro" und "Enduro Pro" (konfigurierbar) veredelt.

Dynamisch ist die große Adventure auf der Straße dann allemal: Kurven, Geraden und Richtungswechsel machen Bremsanlage und Fahrwerk ohne Mucken mit. Wer den besten Allrounder mit optimaler Zuladung und Reichweite sucht, kommt an der R 1250 GS Adventure kaum vorbei. BMWs größte Enduro kann auf der Straße so schnell reisen wie die Konkurrenz und findet im Gelände keine Gegnerin, die es mit ihr aufnehmen könnte.

Der Basispreis für die neue BMW R 1250 GS Adventure liegt bei 17.700 Euro. Dafür wird sie in "Icegrey uni" auf schwarzen Speichenrädern, Heckrahmen sowie Antriebsstrang ausgeliefert. Dank des Zubehörprogramms von BMW kann das Motorrad erheblich teurer werden.

Die BMW 1250 GS Adventure ist für Fahrer, die mit ihr umzugehen wissen, jeden Euro wert.

Technische Daten im Vergleich

Merkmal BMW HP2 Sport BMW R 1200 RS BMW R 1250 GS Adventure
Leistung 133 PS 121 PS 136 PS
Drehmoment 115 Nm k.A. 143 Nm
Gewicht 206 kg 250 kg 268 kg
Tankinhalt 16 Liter k.A. 30 Liter

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