BMW Motorrad Integral ABS: Eine Erklärung

Die "Teilintegral-Bremse" von BMW ist eine bemerkenswerte Technologie, die das Bremsen sicherer und einfacher macht. Sie ermöglicht es dem Fahrer, fast ausschließlich die Handbremse zu verwenden, während das Teilintegral-ABS beide Bremsen steuert. Die Fußbremse hingegen steuert nur die Hinterradbremse, wobei das ABS auch hier eine Blockierung verhindert.

Funktionsweise der Teilintegralbremse

Bei der Teilintegralbremse steuert der Handbremshebel sowohl die Vorder- als auch die Hinterradbremse, während die Fußbremse nur die Hinterradbremse betätigt. Dies geschieht unabhängig davon, ob das ABS regelt oder nicht. Das ABS verhindert dabei eine Blockierung der Räder.

Die Bremskraftverteilung wird vom System automatisch geregelt. Dabei wird der Bremsdruck vorne und hinten je nach Fahrsituation angepasst. Das System ist jedoch nicht in allen Situationen überlegen. In steilen Bergabkehren kann es notwendig sein, die Maschine zusätzlich mit der Hinterradbremse und etwas Gas auf Zug zu halten.

Unterschied zwischen Teilintegral- und Vollintegral-ABS

  • Teilintegral-ABS: Bei Betätigung der Vorderradbremse wird auch die Hinterradbremse aktiviert. Die Hinterradbremse kann jedoch auch separat über die Fußbremse betätigt werden.
  • Vollintegral-ABS: Sowohl Hand- als auch Fußbremshebel betätigen Vorder- und Hinterradbremse gleichzeitig.

BMW Integral ABS: Innovationen und Funktionen

Das BMW Integral ABS nutzt die technischen Möglichkeiten der neuen, weiterentwickelten dritten ABS-Generation und verbindet diese mit zusätzlichen Funktionen. So besitzt es einen völlig neuen elektrisch-hydraulischen Bremskraftverstärker und ein Integralbremssystem, bei dem der Handbremshebel oder auch der Fußbremshebel gleichzeitig auf Vorder- und Hinterradbremse wirkt sowie eine adaptive Bremskraftverteilung.

Das Integral ABS ist noch leichter als das ABS II, es regelt noch schneller und gleichmäßiger, es macht bei Notbremsungen - also bei unvorhersehbaren Vollbremsungen - den Bremsweg bei Geradeausfahrt noch kürzer und verhindert gleichzeitig einen Sturz durch ein blockierendes Rad. Insbesondere bei plötzlich wechselnder Fahrbahnbeschaffenheit wie etwa Trockenheit und Nässe reagiert das Integral ABS schneller und zuverlässiger als der Fahrer.

Im normalen Fahrbetrieb sorgt es durch deutlich geringere Bremsbetätigungskräfte für eine komfortable und den Einsatzbedingungen angepasste Nutzung der Bremsen. Gewisse Gesetze der Physik kann jedoch auch das ABS nicht aufheben.

Bestandteile des BMW Integral ABS

Kernelemente des neuen Integral ABS sind die beiden Regelventile, je eines für Vorder- und Hinterradbremssystem. Bei Betätigung des Hauptbremszylinders am Hand- oder Fußbremshebel wird der Steuerkolben mit hydraulischem Druck beaufschlagt, den er über eine Steuerstange an eine Kugel im Radkreis weitergibt. Gleichzeitig startet die von einem Elektromotor angetriebene Hydraulikpumpe des Bremskraftverstärkers. Der sich dadurch im Radkreis bildende Staudruck wirkt über die Sitzfläche der Kugel auf die Steuerstange zurück; es herrscht ein Kräftegleichgewicht.

Probleme und Kritik am Integral-ABS

Trotz seiner Vorteile gab es auch Kritik am BMW Integral-ABS, insbesondere an den Versionen mit Bremskraftverstärker (BKV). Einige Fahrer bemängelten eine schlechte Dosierbarkeit und ein frühes Eingreifen des ABS, was zu verlängerten Bremswegen führen konnte. In einigen Fällen öffnete das ABS die Bremse kurz vor dem Stillstand vollständig, was zu einer unerwarteten Bremswegverlängerung führte.

Es gab auch Berichte über Ausfälle des ABS und den Rückfall in die Restbremsfunktion, was zu einer deutlich schwächeren Bremswirkung führte. Diese Probleme traten vor allem bei Maschinen mit BKV auf, die von 2001 bis 2006 verbaut wurden.

Einige Medien berichteten über angebliche Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Integral-ABS, was jedoch von BMW zurückgewiesen wurde. Das Unternehmen betonte, dass das System umfangreich erprobt und qualitätsüberwacht werde und alle gesetzlichen Bestimmungen erfülle.

Empfehlungen für Fahrer von BMW-Motorrädern mit Integral-ABS

  • Verfahren Sie beim Start nach Bedienungsanleitung: Brems- und Kupplungshebel nicht ziehen, Zündung einschalten, Selbstdiagnose abwarten, Motor starten.
  • Prüfen Sie immer, ob die ABS-Warnleuchte nach Fahrtbeginn erlischt.
  • Unterbrechen Sie die Fahrt, wenn die Warnleuchte eine Störung meldet. Fahren Sie in der Restbremsfunktion extrem vorsichtig.
  • Achten Sie stets auf den einwandfreien Zustand von Batterie und Elektrik, lassen Sie Umbauten an der Elektrik nur von versierten Fachleuten vornehmen.
  • Vermeiden Sie längere Standzeiten mit eingeschalteter Zündung.
  • Vermeiden Sie vielmaliges Bremsen im ABS-Regelbereich in schneller Folge, etwa bei Sicherheitstrainings.
  • Wenden Sie sich umgehend an Ihre Fachwerkstatt, wenn es zu Problemen oder Auffälligkeiten mit der Bremsanlage kommt.

Aktuelle Entwicklungen und Nachfolgesysteme

BMW arbeitet kontinuierlich an der Weiterentwicklung seiner Bremssysteme. Zukünftige Systeme werden das integrale Konzept konsequent fortführen, wobei der Technologiefortschritt neue Möglichkeiten eröffnet, Funktionalitäten des bisherigen Systems auf andere Art darzustellen.

ABS Pro

ABS Pro ist eine innovative Weiterentwicklung, die neben den notwendigen Daten, die ein herkömmliches ABS misst, auch laufend den Schräglagenwinkel ermittelt. Damit kann der Aufbau des Bremsdrucks optimal verzögert ausgesteuert werden. BMW Motorrad ist weltweit der einzige Anbieter der ABS Pro für Supersportler anbietet. Für die BMW HP4 gibt es jetzt ABS Pro zum Nachrüsten.

Zusammenfassung der ABS-Generationen bei BMW Motorrad

BMW war Vorreiter bei der Verbreitung von ABS-Bremsen und hat im Laufe der Jahre mehrere Generationen von ABS-Systemen entwickelt:

  • 1988: Einführung des ersten Anti-Blockier-Systems (ABS I)
  • 1993: Einführung der zweiten, weiterentwickelten ABS-Generation (ABS II)
  • 2001: Einführung des Integral-ABS (ABS III) mit elektrisch-hydraulischem Bremskraftverstärker
  • Ab 2006: Einführung des Integral-ABS der zweiten Generation (I-ABS-2) ohne Bremskraftverstärker
  • Aktuell: Weiterentwicklung der ABS-Systeme, z.B. mit ABS Pro

Tabelle: ABS-Generationen bei BMW Motorrad

Generation Einführung Merkmale
ABS I 1988 Erstes ABS-System für Motorräder
ABS II 1993 Kompakter und leichter als ABS I
Integral-ABS (ABS III) 2001 Elektrisch-hydraulischer Bremskraftverstärker, Integralbremssystem
I-ABS-2 Ab 2006 Integral-ABS ohne Bremskraftverstärker
ABS Pro Aktuell Berücksichtigt den Schräglagenwinkel

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