Die Geschichte der BMW Motorrad Rennen

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt der sportliche Wettbewerb für die Hersteller von Motorrädern und Automobilen als ideale Bühne, um die Öffentlichkeit von der Leistungsfähigkeit neuer Fahrzeuge zu überzeugen. Ebenso konnte das Aufstellen von nationalen und internationalen Bestmarken seit jeher als Beleg für fortschrittliche Technologie dienen.

Die Basis für die Erfolge im Motorradsport wurde von einer deutschen Ingenieurslegende gelegt. 1923 setzte Max Friz, der unter anderem durch die Flugmotoren BMW IIIa und BMW IV international bekannt wurde, mit der Entwicklung des Motorrades BMW R 32 einen weiteren Meilenstein der Unternehmensgeschichte.

Noch vor der offiziellen Präsentation startete der BMW Chefkonstrukteur im Mai 1923 mit der BMW R 32 zur „Fahrt durch Bayerns Berge“, einer Zuverlässigkeitsprüfung des Automobilclubs München, die er strafpunktfrei absolvierte. Der Leitsatz „Erprobt im Sport - bewährt in der Serie“ wurde damit schon in der Frühphase der Motorradsparte von BMW untermauert. Die konstruktive Detailausarbeitung der BMW R 32 lag in den Händen des jungen Ingenieurs und Rennfahrers Rudolf Schleicher.

Der erste Rennerfolg für die Marke BMW gelang im Februar 1924. Mit der BMW R 32 gewann der Konstrukteur und Rennfahrer Rudolf Schleicher an diesem Tag das Bergrennen auf der Mittenwalder Gsteig. Beim Bergrennen auf der Mittenwalder Steig erzielte er am 2.

Für die BMW R 37 konstruierte Schleicher den weltweit ersten Leichtmetall- Zylinderkopf im Motorradbau. Mit dem neuen Modell gewann Franz Bieber 1924 das Eifel- und das Ruselbergrennen sowie die Deutsche Meisterschaft. Bei der Stuttgarter Solitude fuhren mit Bieber, Schleicher und Rudolf Reich gleich drei BMW Werksfahrer Klassensiege ein. So etablierte sich die Marke bereits im ersten Rennsportjahr als führendes Fabrikat.

Es folgte eine wahre Welle des Erfolgs: 91 Siege im Jahr 1925, 105 im Jahr 1926 und 171 im Jahr 1927. Auch international gelang der Durchbruch. Bei den Sixdays im englischen Buxton, der damals härtesten Geländefahrt der Welt, holte Rudolf Schleicher 1926 eine Goldmedaille der Fahrerwertung. Begeisterte Kommentare in der britischen Presse über die BMW Motorräder als „interessanteste Maschinen des Wettbewerbs“ zeugen vom Renommee, das die Marke nun auch im Ausland genoss.

Eines der anspruchsvollsten Rundstreckenrennen der Welt, die italienische Targa Florio, wurde 1927 von BMW dominiert. Die BMW Werksfahrer Paul Köppen und Ernst Henne holten auf Sizilien die Plätze eins und zwei.

Rekorde und Triumphe in den 1930er Jahren

Auf zwei Rädern gelangen dem BMW Werksfahrer Ernst Jakob Henne zwischen 1929 und 1937 zahlreiche Geschwindigkeitsrekorde. 1929 stellte Ernst Henne auf einem BMW Motorrad mit 750-Kubikzentimeter- Boxer-Motor den ersten von 76 Geschwindigkeits-Weltrekorden in seiner Karriere auf. Auf der Ingolstädter Landstraße bei München erreichte er 216,75 km/h. In den folgenden Jahren schraubte Henne, einer der erfolgreichsten Motorradsportler der Geschichte, die Bestmarke immer weiter nach oben.

Das Unternehmen nutzte die Bestmarken, um mit dem Slogan „BMW - das schnellste Motorrad der Welt“ zu werben. Zuletzt brachte Henne seine Maschine mit 500-Kubikzentimeter-Kompressormotor und Stromlinienverkleidung auf einem abgesperrten Autobahnteilstück bei Frankfurt auf eine Geschwindigkeit von 279,503 km/h - eine Bestmarke, die 14 Jahre lang Bestand haben sollte.

Neben Ernst Henne wurde noch ein weiterer Fahrer zum idealen Botschafter für die Motorradmarke BMW. Georg „Schorsch“ Meier machte 1938 durch den Gewinn der Deutschen und der Europameisterschaft in der 500- Kubikzentimeter-Klasse von sich reden. Sein größter internationaler Coup folgte im Jahr darauf: Auf einer BMW Kompressor-Rennmaschine gewann Meier bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man als erster Nicht-Brite die 500er-Klasse, die sogenannte Senior-TT. Der Brite Jock West, ebenfalls BMW Fahrer, wurde Zweiter.

Neuanfang und Erfolge in der Nachkriegszeit

Mit dem Namen „Schorsch“ Meier ist auch der Wiederbeginn des Motorradsports nach dem Zweiten Weltkrieg eng verbunden. Diesen Erfolg konnte Deutschlands „Sportler des Jahres“ 1949 in den drei folgenden Jahren wiederholen. Doch auch andere Piloten waren für BMW erfolgreich. Insgesamt 119 Siege und sieben nationale Meistertitel stehen für das Unternehmen zwischen 1947 und 1949 zu Buche.

Bereits zur Saison 1951 hatte der Internationale Motorsportverband FIM den Ausschluss deutscher Fahrer von seinen Veranstaltungen aufgehoben. Verbannt wurden hingegen aufgeladene Motoren. BMW musste daher für das internationale Kräftemessen die erfolgreichen Kompressor-Aggregate durch neue Saugmotoren ersetzen. Mit der 33 kW/45 PS starken und 130 Kilogramm leichten BMW RS 54, deren Boxer-Motor mit Königswellen und zwei obenliegenden Nockenwellen pro Zylinder versehen wurde, gelang 1954 die Umrüstung.

Auch auf internationalem Parkett knüpfte BMW bald an alte Glanzzeiten an. Walter Zeller wurde 1956 Vizeweltmeister mit der BMW Werksmaschine. Dickie Dale beendet die Saison 1958 auf Rang drei.

Dominanz im Seitenwagenrennsport

Weitaus imposanter fällt die Siegesserie aus, die Wilhelm Noll und Fritz Cron im Gespannrennsport starteten. Zwischen 1954 und 1974 konnte BMW nicht weniger als 19 Fahrer- und 20 Marken-Weltmeistertitel sammeln. Allein das BMW Team Klaus Enders und Ralf Engelhardt war Ende der 1960er-/Anfang der 1970er- Jahre sechsmal erfolgreich. Nie zuvor dominierte ein Hersteller derart eine Motorsportdisziplin.

BMW gelangen in dieser einmaligen Erfolgsperiode auch 21 Langstreckenweltrekorde. 1955 sicherte sich Wilhelm Noll mit einem BMW-Gespann den absoluten Geschwindigkeits-Weltrekord mit 280,2 km/h.

Die 1960 vorgestellte BMW R 69 S stellte ihr sportliches Potenzial unter anderem bei Langstreckenrennen wie dem Bol d’Or und den 24 Stunden von Montlhéry in Frankreich sowie mit Langstreckenweltrekorden unter Beweis. Darüber hinaus nahmen Privatfahrer mit einer für den Offroad-Einsatz umgerüsteten Variante der BMW R 69 S überaus erfolgreich an Geländewettkämpfen teil.

Sebastian Nachtmann und Kurt Tweesmann gewannen mehrfach die Deutsche Geländemeisterschaft, Herbert Schek tat es ihnen mit dem Nachfolgemodell BMW R 75/5 in den Jahren 1970 bis 1972 nach. Und auch Richard Schalber und Werner Schütz gehörten zu den nationalen Titelträgern auf BMW Motorrädern mit Boxer-Motor.

Internationale Erfolge wurden in den 1970er-Jahren auch im Straßenrennsport erzielt. Hans-Otto Butenuth und Helmut Dähne holten 1976 mit der BMW R 90 S den Klassensieg bei der Production TT. Steve McLaughlin gewann mit ihr das 200-Meilen-Rennen von Daytona, sein Teamkollege Reg Pridmore wurde im gleichen Jahr US-Superbike-Champion. Helmut Dähne nahm auch an den Weltrekordfahrten teil, die 1977 und 1980 im italienischen Nardo mit der BMW R 100 RS absolviert wurden.

Zum gleichen Zeitpunkt nahm BMW auch im Geländerennsport wieder internationale Titel ins Visier. 1980 wurde Rolf Witthöft Europameister, bei den Sixdays in Frankreich gewann er mit dem deutschen Team die Mannschaftswertung. Eine Ableitung des erfolgreichen Motorrades wurde bald darauf auch als Serienmodell angeboten.

Erfolge in der Rallye Paris-Dakar

Der Siegeszug der BMW R 80 G/S hatte begonnen. Der Franzose Hubert Auriol ging mit dem Enduro- Boxer-Modell im Jahr 1981 bei der legendären Rallye Paris-Dakar an den Start und gewann auf Anhieb die Motorradwertung. 1983 wiederholte Auriol seinen Erfolg beim schwersten Off-Road-Etappenrennen der Welt. 1984 und 1985 setzte sich Gaston Rahier jeweils mit seriennahen 1 000- Kubikzentimeter-Modellen durch.

1999 und 2000 gewann Richard Sainct mit der Rallye-Versionen der BMW F 650. Das Jahr 2000 ist auch deshalb bemerkenswert, weil die vier vorderen Plätze von BMW Fahrern belegt wurden. In jüngster Vergangenheit sorgte der Finne Juha Salminen für Erfolge im klassischen Geländesport.

Comeback des Boxer-Motors und Engagement in der Superbike-WM

Erfolgreich verlief auch das Comeback des BMW Boxer-Motors im Langstreckensport. Genau 50 Jahre nach Walter Zellers letztem Werkseinsatz im Jahre 1957 ging das BMW Motorrad Motorsport Endurance Team erstmals bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start. Mit ihrer BMW HP2 Sport belegten die Fahrer Markus Barth, Thomas Hinterreiter und Rico Penzkofer Rang 16 im Gesamtklassement und Platz eins in der Open Class. Insgesamt konnte das BMW Motorrad Team in der Saison 2007 vier Klassensiege bei der Langstrecken-Weltmeisterschaft für sich entscheiden und somit souverän den WM-Titel in der Open Class einfahren.

Zwischenzeitlich konnte BMW Motorrad außerdem mit einem attraktiven Markencup für Furore sorgen. identischen BMW R 1100 S gegeneinander an. In der Saison 2005 wurde der BMW Motorrad Boxer Cup zum BMW Motorrad Power Cup.

Mit der Vorstellung der BMW S 1000 RR wurden die Weichen für ein weiteres Rennsport-Engagement gestellt. Das neuformierte BMW Motorrad Motorsport Team griff mit dem neuen Supersportler 2009 erstmals in das Geschehen bei der Superbike-Weltmeisterschaft ein. Gleich zum Auftakt der Saison im australischen Phillip Island machte Lokalmatador Troy Corser mit Rang acht sowie mit der schnellsten Rennrunde auf sich aufmerksam. In der Folgezeit ging es national wie international kontinuierlich bergauf. 2010 sicherte sich Corser die ersten Podestplatzierungen in der Superbike-WM. In der Superbike-Wertung der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) landete BMW auf Anhieb auf Rang zwei in der Markenwertung.

Die ersten WM-Erfolge wurden 2012 erzielt. Der Italiener Marco Melandri gewann mit der BMW S 1000 RR gleich sechs Rennen und verpasste den WM-Titel nur knapp. Nach mehr als 30-jähriger Unterbrechung kehrte BMW Motorrad zudem im Jahr 2012 auch in die Seitenwagen-Weltmeisterschaft zurück. Jörg Steinhausen, Sohn des zweimaligen Gespannweltmeisters Rolf Steinhausen (1975 und 1976), pilotierte zusammen mit Beifahrer Grégory Cluze ein in den traditionellen BMW Motorsportfarben gehaltenes Renngespann mit dem Motor der BMW S 1000 RR. Die Comeback-Saison beendete das Duo als Vize -Weltmeister.

BMW-Motorrad ist seit der frühesten Phase seiner Historie eng mit dem Motorsport verbunden. Die aktuellen BMW-Werksfahrer Marco Melandri und Chaz Davies treten in die Fußstapfen von Legenden wie Ernst Jakob Henne und Georg "Schorsch" Meier, die vor fast 90 Jahren den Grundstein für die erfolgreiche Geschichte von BMW-Motorrad im Rennsport legten.

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