Die BMW Group legt großen Wert auf die Sicherheit ihrer Kunden und Produkte. Daher werden regelmäßig Qualitätskontrollen durchgeführt, um sicherzustellen, dass alle Fahrzeuge den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.
Ausgerechnet das wichtigste BMW-Modell, der Topseller R 1300 GS, ist wiederholt mit "Kinderkrankheiten", Qualitätsmängeln und auch mit amtlichen Rückrufen in den Schlagzeilen. MOTORRAD zieht eine - vorläufige - Zwischenbilanz.
Rückruf BMW S 1000- und M 1000-Modelle
Nach mehreren Rückrufen wegen undichter Bauteile bei BMW Motorrad im Jahr 2024 folgte Ende November eine weitere Rückruf-Aktion. Diesmal, besonders gefährlich, weil der Ölfilter sich lösen kann. Betroffen sind die leistungsstarken S 1000- und M 1000-Modelle. Inzwischen machte BMW genauere Angaben zu diesem sicherheitsrelevanten Thema.
Das ist keine "Service-Aktion", wie so oft bei BMW, sondern in deutlich ernsterem Ton eine "Rückruf-Aktion, sicherheitsrelevant" - so die Überschrift der BMW-Mitteilung vom 27. November 2024. Direkt darunter die Kernbotschaft: "Ölfilter prüfen, gegebenenfalls ersetzen". Nach Werksangaben sind bisher (Stand 4. Dezember 2024) insgesamt 16 Vorfälle mit ausgelaufenem Öl bekannt. Bereits ab 18. November 2024 hatte BMW eine "Sonderinformation" an die Händler und Werkstätten verteilt - mit einer zumindest provisorischen Lösung des Problems.
Betroffene Modelle
Von dieser Rückruf-Aktion betroffen sind alle 1000er-Vierzylinder-Modelle von BMW ab Baujahr 2009:
- S 1000 RR
- S 1000 R
- S 1000 XR
- M 1000 RR
- M 1000 R
- M 1000 XR
- HP4
- HP4 Race
Der Ölfilter kann sich lösen und Öl kann austreten - Unfallgefahr. Den "Sachverhalt" beschreibt BMW so: "Im Rahmen von Feldbeobachtungen hat BMW Motorrad festgestellt, dass es bei den oben aufgeführten Modellen bei Verwendung des Ölfilters 11 42 7 721 779-04 / Made in Brazil bei Drehzahlen ab 12.000/min zum Lösen der Ölfilterverschraubung kommen kann. Bei lockerer oder gelöster Ölfilterverschraubung kann Öl austreten. Dieser Ölfilter wurde erstmals frühestens am 23.05.2024 aus dem BMW Motorrad Zentralen Teilelager ausgeliefert."
Dazu beschreibt BMW die "Servicelösung" wie folgt: "Bei Fahrzeugen der oben genannten Modelle mit einem Ölwechsel nach dem 23.05.2024 werden die Kunden telefonisch oder mittels Anschreiben über den Sachverhalt informiert und zur Durchführung der technischen Aktion aufgefordert. Der eingebaute Ölfilter kann gemäß den beigefügten Bildern überprüft werden. Ölfilter mit der Kennzeichnung -04 / Made in Brazil sind zu wechseln."
Anfang Dezember 2024 legte BMW genauere Informationen zum Ölfilter-Rückruf nach. Demnach sind davon insgesamt 53.995 Fahrzeuge weltweit betroffen, in Deutschland 11.006. Nach aktuellen Werksangaben bleibt es dabei, dass die Ölfilter-Problematik auf die Vierzylinder-Modelle der S 1000- und M 1000-Baureihen begrenzt ist.
BMW R 1300 GS - alle Rückrufe und Probleme
Die BMW R 1300 GS scheint verflucht, vom Pech verfolgt. Mit dem brandgefährlichen Starter-Relais fing es an, mit Pleuel-Schrauben und Sicherungsgurten für die Koffer ging es weiter, dann folgten die offenbar nicht wasserdichten Lenkerschalter. Aktuell sind die Bremsen der R 1300 GS gestört oder undicht. Hier die - bisherige - Chronologie der Pannenserie:
1.) Probleme mit dem Starter-Relais
Ab November 2023, also kurz nach Auslieferungsbeginn der neuen BMW R 1300 GS in den Handel, kam es zu einzelnen, brandgefährlichen Vorfällen, ausgelöst von defekten oder beschädigten Starter-Relais und dort eindringender Feuchtigkeit: plötzliches Drehen des Anlassers, Rauchentwicklung, Brand. Einzige wirksame Gegenmaßnahme war schnellstmögliches Abklemmen der Batterie.
Nach Werksangaben schien das Problem in der Serienproduktion ab 16. Januar 2024 behoben. Kunden mit bereits ausgelieferten Fahrzeugen bat BMW in die Werkstätten - schnellstmöglich. Laut BMW betraf die ab 22. Januar 2024 laufende "Service-Aktion" insgesamt 14.698 R 1300 GS weltweit, davon 2.657 in Deutschland. Am 29. Februar 2024 veröffentlichte das Kraftfahrt-Bundesamt diesen Rückruf als amtlich überwacht.
Ende Juli 2024 folgte dann die überraschende Fortsetzung des Relais-Dramas: BMW Motorrad kündigte die Umrüstung aller BMW R 1300 GS vom modernen Halbleiter-Starter-Relais (MOSFET) auf ein "klassisches" elektromechanisches Starter-Relais an. Offenbar kam es zwischenzeitlich zu weiteren brandgefährlichen Störfällen mit der nachgebesserten ersten Version des Relais. Ab Mitte August 2024 ließ BMW die bis zu diesem Zeitpunkt ausgelieferten über 40.000 R 1300 GS in den Werkstätten weltweit umrüsten, mitsamt neuer Software. Nach der Umstellung auf das "Classic"-Relais scheinen diese Probleme behoben zu sein, weitere brandgefährliche Vorfälle sind nicht bekannt.
2.) Probleme mit den Pleuel-Schrauben
Im Februar 2024 wurde bekannt, dass weltweit insgesamt 52 BMW R 1300 GS einen neuen Motor eingebaut bekommen sollten. Laut Werk handelte es sich hierbei um eine Vorsichtsmaßnahme, durchgeführt als "Service-Aktion". Grund dafür sei die nicht zweifelsfreie Dokumentation der Fertigung im Werk Berlin-Spandau gewesen. Konkret ging es dabei um die Verschraubung der Pleuel an Pleuellager und Kurbelwelle.
Komplette Motoren zu tauschen sei einfacher und als Sofortmaßnahme schneller abzuwickeln, als die schwer zugänglichen Pleuel-Verschraubungen einzeln zu überprüfen, so die Begründung. Nach dieser "Service-Aktion" für die betreffenden 52 BMW R 1300 GS waren die Pleuel-Schrauben kein Thema mehr.
3.) Probleme mit Vario-Koffern und Vario-Topcase
Die Vario-Koffer und das Vario-Topcase sind die originalen Gepäcksysteme für die BMW R 1300 GS, produziert von Zulieferer Touratech. Von Anfang an gab es Beschwerden und Reklamationen über Qualität, Passgenauigkeit und Schließfunktionen. Im März und im April 2024 wurden diesbezüglich Rückruf-Aktionen veröffentlicht, von der NHTSA in den USA und vom KBA in Deutschland. Für bereits ausgelieferte Koffer und Topcases sollte es Reparatur-Kits geben, entsprechend verbesserte Ausführungen sollten ab Anfang Mai 2024 im Handel verfügbar sein.
Doch ab Juli 2024 waren die Vario-Koffer für die BMW R 1300 GS erneut wegen Sicherheitsbedenken (während der Fahrt öffnende Deckel oder gar abfallende Koffer) im Gespräch - und wieder nicht mehr lieferbar. Kunden, die bereits welche hatten, sollten die Koffer zurückgeben - nicht mehr zur Nachrüstung, sondern zur Entsorgung - und sich zumindest den Kaufpreis erstatten lassen. Bis dahin empfahl BMW dringend die Absicherung der Kofferdeckel mit Spanngurten und dazu Aufkleber mit Warnhinweisen. Die nächste, nachgebesserte Ausführung der Vario-Koffer sowie des Vario-Topcase ist erst seit Anfang 2025 endlich verfügbar. Erneute Probleme damit sind bislang nicht bekannt.
4.) Probleme mit den Lenkerschaltern
Bei BMW R 1300 GS und R 1300 GS Adventure (sowie R 12 und R 12 nineT) waren die rechten Lenkerschalter nicht wasserdicht, eindringende Feuchtigkeit konnte zum Ausfall der Elektrik bis hin zum Absterben des Motors führen. Da das sicherheitsrelevant sein kann, läuft seit November 2024 eine Rückruf-Aktion bei BMW.
Das Kraftfahrt-Bundesamt hat diese Rückruf-Aktion veröffentlicht und überwacht sie. BMW informierte betroffene Kunden, Besitzer oder Halter ab November 2024 schriftlich per Post. Sie wurden oder werden in die Werkstätten gebeten, um die Lenkerschalter gegen "verbesserte Bauteile" tauschen zu lassen.
5.) Probleme mit der Handbremsarmatur
Die erste "Service-Aktion" im Jahr 2025 für ein technisches Problem der BMW R 1300 GS wurde gleich Mitte Januar bekannt: Zu geringes Schnüffelspiel in der Handbremsarmatur kann - in Verbindung mit der Sonderausstattung Riding Assistant samt Frontkollisionswarnung (FCW) - zu irritierenden Fehlfunktionen führen. Nämlich dann, wenn die R 1300 GS automatisch weiterbremst, grundlos bis zum Stillstand. Insgesamt circa 34.000 BMW R 1300 GS und R 1300 GS Adventure weltweit sind hiervon betroffen, alle bis Produktionsdatum August 2024.
Im Rahmen der "Service-Aktion" wird beim nächsten Werkstatt-Termin das Schnüffelspiel überprüft, gegebenenfalls wird die Handbremsarmatur komplett getauscht. Laut BMW ist dieses "Thema" nicht sicherheitsrelevant - doch das kann man durchaus anders einschätzen. Bisher sei in diesem Zusammenhang allerdings kein Unfall bekannt, lediglich ein einziger, glimpflich abgelaufener Vorfall. Ein amtlicher Rückruf läuft aus diesem Grund bisher nicht.
6.) Probleme mit undichten Bremszangen
Das neueste "Qualitäts-Thema" betreffend die BMW R 1300 GS sind seit Frühjahr 2025 deren potenziell undichte Bremszangen. Konkret geht es dieses Mal um austretende Bremsflüssigkeit bei der "Sportbremse", die als Sonderausstattung bei fast allen bisher ausgelieferten R 1300 GS montiert ist (98 Prozent in Deutschland, 97 Prozent weltweit). Diese vorderen Bremszangen liefert Brembo zu. Ursache ist wohl Niederdruck-Undichtigkeit bei langer, mehrmonatiger Standzeit - genau wie bereits beim Vorgängermodell R 1250 GS, damals noch mit Bremszangen von Hayes.
Bei der BMW R 1300 GS treten gegebenenfalls nur geringe Mengen Bremsflüssigkeit aus, akute Gefahr besteht nicht, ein Rückruf steht deshalb aktuell nicht im Raum. In den USA könnte es dennoch erneut zu einem Rückruf kommen, wegen der dortigen strengeren (Umwelt-)Anforderungen. In Deutschland informiert BMW die Werkstätten, entsprechende Reklamationen kulant im Rahmen der Gewährleistung abzuwickeln.
Weitere Rückrufe und Serviceaktionen
BMW Motorrad hat zwei sicherheitsrelevante Abhilfemaßnahmen für verschiedene Motorradmodelle gestartet. Betroffen sind insgesamt über 114.000 Fahrzeuge weltweit. Bei den Modellen R 1300 GS Adventure, R 12, R 12 NineT und R 1300 GS aus den Baujahren 2022 bis 2024 kann Feuchtigkeit in den rechten Kombischalter eindringen.
Laut BMW sind weltweit 60.778 Motorräder betroffen, davon 10.284 in Deutschland. Die Fahrzeuge erhalten im Rahmen des Rückrufs eine neue Schaltereinheit. Es handele sich nicht um eine Rückrufaktion, betonte er. Die behördliche Überwachung der Maßnahme befindet sich laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) allerdings noch „in Untersuchung“.
Der zweite Rückruf betrifft die Modelle S 1000 RR, S 1000 R, S 1000 XR, M 1000 RR, M 1000 R, M 1000 XR, HP4 und HP4 Race. Bei diesen Fahrzeugen kann sich der Ölfilter bei hohen Motordrehzahlen (ab 12.500 U/min) lösen. Dies führt zu Ölverlust und kann gefährliche Straßenverhältnisse verursachen.
Dieser Ölfilter sei erstmals am 23. Mai 2024 aus dem Zentralen Teilelager von BMW Motorrad ausgeliefert worden, so der Sprecher. „Bei Fahrzeugen der oben genannten Modelle mit einem Ölwechsel nach dem 23.05.2024 werden die Kunden telefonisch beziehungsweise mittels Anschreiben über den Sachverhalt informiert und zur Durchführung der technischen Aktion aufgefordert.“
Betroffene Stückzahlen
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die betroffenen Stückzahlen bei einigen der genannten Rückrufe:
| Rückruf-Grund | Betroffene Modelle | Weltweit | Deutschland |
|---|---|---|---|
| Starter-Relais | R 1300 GS | 14.698 | 2.657 |
| Lenkerschalter | R 1300 GS, R 1300 GS Adventure, R 12, R 12 nineT | 60.778 | 10.284 |
| Ölfilter | S 1000 RR, S 1000 R, S 1000 XR, M 1000 RR, M 1000 R, M 1000 XR, HP4, HP4 Race | 53.995 | 11.006 |
Bitte beachten Sie: Die Modell- und Motorenbezeichnung allein ist kein zuverlässiger Indikator dafür, ob ein Fahrzeug von einem Rückruf betroffen ist. Möglicherweise kann die Ursache eines Rückrufs auf bestimmte Bauteile oder Produktionszeiträume eingegrenzt werden. Im Zweifelsfall wenden Sie sich bitte an uns.
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