Die englische Pazifistin und Frauenrechtlerin Emily Hobhouse engagierte sich nach dem Ersten Weltkrieg für die karitative Kinderhilfe.
Die englische Pastorentochter Emily Hobhouse lebte provinziell abgeschieden bis 1895 im Elternhaus, durfte immerhin bei der Armenfürsorge in der Gemeinde helfen, aber sich nicht wie ihre Brüder weiterführende Bildung aneignen.
Nach dem Tod der Eltern unterstützte sie - durch erzbischöfliche Protektion angebahnt - die anglikanische Gemeindearbeit in einer Bergarbeitersiedlung im US-Bundesstaat Minnesota.
Dort erfuhr sie vom Ausbruch des Britisch-Südafrikanischen Burenkrieges (1899-1902) und den furchtbaren humanitären Zuständen in von der britischen Armee für südafrikanische Frauen, Kinder und Alte eingerichteten „Concentration Camps“ und besuchte 1901 viele dieser Lager.
Hobhouses Engagement in der Nachkriegszeit
Im Ersten Weltkrieg bezog Emily Hobhouse pazifistische Positionen.
Sie knüpfte unter anderem Kontakte zu Frauen der neutralen und gegnerischen Staaten (unter anderem den Deutschen Dr. Alice Salomon und Lida Gustava Heymann).
Nach Kriegsende 1918/19 konzentrierte sie sich auf die Linderung der Not hungernder Kinder, wirkte insbesondere für den „Save the Children Fund“ (gegründet 1919 in London) als Spendenwerberin in Großbritannien sowie als Beauftragte in Mitteleuropa.
In Bern kam es zur Begegnung mit dem in Gautzsch/Markkleeberg bei Leipzig wohnenden Prof. Dr. Richard Woltereck (Zoologe), der zeitweilig an der Deutschen Gesandtschaft in der Schweiz Fürsorgereferent war.
Er überzeugte sie von einem Besuch Mitte November 1919 in Leipzig, wo er ihr persönlich „das Elend der Leipziger Schulkinder“ aufzeigte.
Die Leipziger Schulspeisungsaktion
Im Ergebnis eines weiteren Aufenthaltes in Deutschland im Dezember 1919 mit dem Schweizer Arzt Dr.
Dem am 15.01.1920 dazu konstituierten Leipziger „Komitees zur Speisung unterernährter Schulkinder“ gehörten neben Schulamtsleiter Stadtrat Dr. Ackermann (Vorsitz) noch 12 Mitglieder an: unter anderem die Oberlehrerin Magdalene Focke, die Stadtverordnete Edith Mendelssohn Bartholdy sowie als erfahrene Kriegsküchenorganisatorin Ida Mansfeld.
Am 22.01.1920 begann die Schulspeisungsaktion mit 225 Kindern in vier Leipziger Schulen und 100 Kindern in Gautzsch, am 16.02.1920 kamen 1.450 Schüler in sieben städtischen Schulen hinzu.
Emily Hobhouse führte circa Mitte 1920 die Schulspeisungsaktion in Eigenverantwortung weiter, da die bewilligten Gelder des „Save the Children Fund“ aufgebraucht waren.
Der Abschlussbericht des Komitees vom 13.07.1922 belegt, dass sich der körperliche und geistige Zustand der Kinder infolge der Schulspeisung wesentlich besserte, circa 5.484.000 Essensportionen ausgegeben, mehr als 1,3 Millionen Kilogramm Lebensmittel dafür beschafft und durch 130 Eisenbahndoppelwaggons transportiert wurden.
Jede verabreichte Portion entsprach 700 kcal.
Emily Hobhouse besichtigte trotz zunehmender Herzschwäche persönlich Leipziger Schulen, ließ „Speisesäle“ aus ungesunden Kellerräumen verlegen, kontrollierte die Mittelverwendung und ließ sich regelmäßig berichten.
Ehrung und Vermächtnis
Viele Dankesbriefe, eine von der Stadt bei Mathieu Molitor in Auftrag gegebene Marmorbüste und ein Porzellanmedaillon Emily Hobhouse‘ sowie die Errichtung von Hobhouse-Stiftungen zeugen von ihrer Würdigung und Verehrung in Leipzig.
Das Deutsche Rote Kreuz verlieh Hobhouse 1925 das „Ehrenzeichen 2.
„Es ist sehr erfreulich für mich, dass Sie meinen Namen so eng mit diesem Liebeswerk für die Kinder verbunden haben, weil ich weiss, dass selbst in ferneren Tagen ich ein wenig Anteil an der Geschichte der Stadt haben werde, zu der ich mich so hingezogen fühle…“ (Emily Hobhouse, 22.07.1922, übersetzter Brief an Leipzigs Schulstadtrat Dr.
Nach langer Krankheit verstarb sie in London 1926. Ihre Asche wurde in Bloemfontein am Denkmal für die südafrikanischen Frauen im Krieg 1899-1902 mit großen Ehren beigesetzt.
Zusammenfassung der Schulspeisungsaktion in Leipzig
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Beginn der Aktion | 22. Januar 1920 |
| Anzahl der ausgegebenen Portionen | Ca. 5.484.000 |
| Gesamtmenge der beschafften Lebensmittel | Mehr als 1,3 Millionen Kilogramm |
| Transport der Lebensmittel | 130 Eisenbahndoppelwaggons |
| Kalorien pro Portion | 700 kcal |
Archivalische Quellen
- Akten des Leipziger Stadtarchivs: Schulamt: Nr. 364: Akten, die Südafrika-Emily-Hobhouse-Stiftung betreffen; Nummer 892 - 899: Akten, Komitee für Speisung unterernährter Schulkinder - Miß-Hobhouse-Hilfe in Leipzig (1919 - 1929).
- Nummer 903: Ehrung der Miss Hobhouse und Frau Mansfeld.
- Kapitelakten: Nr. 36, Stiftungen „H“, Nr. 97: Akten, die Emily-Hobhouse-Stiftung betreffen 1923.
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