Der Umbau eines Motorrads zum Bobber ist ein beliebtes Projekt für Motorradenthusiasten, die ihrem Bike eine individuelle Note verleihen möchten. Dieser Artikel bietet eine umfassende Anleitung für den Umbau eines BMW Motorrads zum Bobber, einschließlich technischer Details, Zulassungsinformationen und Tipps von erfahrenen Schraubern.
Planung und Vorbereitung
Bevor Sie mit dem Umbau beginnen, sollten Sie sich genau überlegen, was Sie vorhaben. Können Sie es technisch umsetzen? Dann suchen Sie sich einen Prüfer, mit dem Sie das durchsprechen. Hierbei sollten Sie natürlich nicht den Eindruck erwecken, dass Sie keine Ahnung haben. Zeichnungen, Bilder etc. sind bei so einem Gespräch sehr hilfreich. Wenn Sie den Prüfer überzeugen konnten, haben Sie schon fast gewonnen. Achten Sie aber darauf, dass der Prüfer auch die notwendigen Eintragungen machen darf (nicht jeder Prüfer darf Eigenbauteile abnehmen).
Komponentenauswahl
Bei der Auswahl der Komponenten für Ihren Bobber-Umbau gibt es viele Möglichkeiten. Hier sind einige Ideen und Überlegungen zu wichtigen Teilen:
- Vorderradgabel: Eine Option ist die Vorderradgabel einer R100S mit Doppelscheibenbremse. Alternativ könnte man eine K100-Gabel in Betracht ziehen, da diese breitere Standrohre hat und die Verwendung anderer Radnaben ermöglicht.
- Motor: Ein Motor mit ca. 60 PS (z.B. R100S) ist eine gute Wahl.
- Tank: Entweder Anfertigung oder aber den originalen R50/R60 Tank (schöne Tropfenform).
- Räder und Reifen: Für einen Bobber-Look eignen sich dicke Reifen auf 15 oder 16 Zoll Felgen. Die alten 5.00 Reifen oder 130er könnten gut passen.
- Schutzbleche: Schutzbleche natürlich so klein wie geht.
- Lenker: Breiter Lenker und, sofern überhaupt Blinker ran müssen, Ochsenaugen.
Technische Details und Kompatibilität
Es ist wichtig, sich im Vorfeld über die technischen Details und die Kompatibilität der verschiedenen Komponenten zu informieren. Passt zum Beispiel die Vorderradgabel einer R100S ohne Weiteres in den R50/R60 Rahmen oder sind Anpassungen notwendig? Solche Fragen sollten im Vorfeld geklärt werden.
Die K100-Gabel habe ich selbst schon in eine R80G/S und in ein "Low-Budget"-Gespann verbaut. Du kannst bei der K100-Gabel z.b. ein R100R-Vorderrad einbauen. Die obere Gabelbrücke nimmst du von der K75, damit du den Lenker "fest verschrauben" kannst (die K100-Brücke oben hat diese Wackelgummivorrichtung für die Lenkerbefestigung).
TÜV und Zulassung
Ein wichtiger Aspekt beim Bobber-Umbau ist die Zulassung. Hier sind einige wichtige Punkte, die Sie beachten sollten:
- Suchen Sie sich einen Prüfer, mit dem Sie das durchsprechen. Achten Sie aber darauf, dass der Prüfer auch die notwendigen Eintragungen machen darf (nicht jeder Prüfer darf Eigenbauteile abnehmen).
- Bei größeren Umbauten kommt man an einer Einzelabnahme nicht vorbei: Um unnötigen Ärger zu vermeiden, empfiehlt es sich, Kontakt zu einem kompetenten, auf die Abnahme von Motorrädern spezialisierten Mitarbeiter bei den Prüfstellen (in Westdeutschland der TÜV, in Ostdeutschland die DEKRA) aufzunehmen und im Vorfeld bereits abzuklären, was möglich ist und was man besser unterlassen sollte.
- Wer für seinen Umbau Teile ohne Gutachten z. B. von anderen Motorrädern verwenden möchte, sollte zu der Vorbesprechung alle Teile, alle verfügbaren Papiere und gegebenenfalls auch Gutachten anderer Motorräder mitbringen. Nur so lässt sich klären, ob das geplante Projekt überhaupt realisierbar ist. Je älter ein Motorrad ist, umso geringer sind die Vorgaben.
Erfahrungen und Tipps von anderen Schraubern
Es ist immer hilfreich, von den Erfahrungen anderer Schrauber zu profitieren. Hier sind einige Tipps und Anregungen aus verschiedenen Foren:
- Vorderradgabel: Das hat sich über Jahrzehnte hingezogen,und vielleicht kannst Du mit meinen Erfahrungen ja etwas für Dein Projekt anfangen. Ehe ich hier alles nochmal ausbreite, schau mal unter "Restaurierung", ich glaube, Seite 2, bei "R 60 - ...
- Hinterradfederung: Weiterer, dort beschriebener Nachteil: Die Hinterradfederung versteift beim Bremsen, weil die Gleitstücke auf den Führungsrohren verkanten.
Bobber Kits von Wunderkind und Wunderlich
Für BMW R18 Modelle gibt es Bobber Kits von Wunderkind und Wunderlich. Hier sind einige Erfahrungen und Eindrücke dazu:
- Qualität und Verarbeitung: Verarbeitung und Material sind absolut wertig und stimmig.
- Sitzkomfort: Sitzkomfort war anfänglich so la la. Sitz (ist im übrigen von Triumph) kann man zwar einstellen, war für mich mit 1,75 M Grösse aber ein wenig zu tief und zu weit vom Tank entfernt. Hab den Sattel dann etwas aufpolstern lassen und in die Sitzschale ein passendes Loch gebohrt um ca.1,5 cm weiter nach vorne zu kommen. Jetzt passt das super, auch auf längeren Strecken.
- Montage: Geschick, technisches Verständnis, Drehmomentschlüssel und Werkstatt sollte vorhanden sein. Auch sicher Aufbocken solltest Du in können. Zum Beispiel mit dem Kern-Stabi-Ständer. Das Hinterrad muss raus und dazu die Töpfe ab.
- Kosten: Aus meiner Sicht gibt man egal bei wem für den Bobberkit soviel Geld aus, das das Ergebnis für Dich perfekt sein muss. Auf die zwei drei hundert Euro Unterschied kommt es da bei einem >30.000€ Moped nicht mehr wirklich an.…aber das ist nur meine Meinung.
- Lackierung: Ich war mit 120€ Für’s Lackieren dabei. War ein Freundschaftsdienst.
Rechtliche Grundlagen für Motorrad-Umbauten
Die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) verbietet den Betrieb eines Motorrads, wenn wesentliche Veränderungen bezüglich der Motorabstimmung (Leistungssteigerung/Abgas- bzw. Geräuschverhalten) oder sicherheitsrelevanter Baugruppen (Bremsanlage, Fahrwerk, Rahmen, Lenkung, Bereifung etc.) vorgenommen werden. Genehmigt werden solche Umbaumaßnahmen nur bei Vorlage entsprechender Prüfzeugnisse bzw. Bescheinigungen und bei sachgerechter Montage.
Am einfachsten ist es, wenn die Komponente über eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) oder eine KBA-Nummer (für Kraftfahrt-Bundesamt) verfügt, denn dann wurde sie schon geprüft. Vergleichbar ist ein E-Prüfzeichen, das eine entsprechende Prüfung auf europäischer Ebene bescheinigt. Ein TÜV-Besuch ist dann nicht erforderlich. Aber Vorsicht, nur wenn alle Teile entsprechend der zugehörigen Dokumentation auch korrekt montiert sind, bleibt die Betriebserlaubnis des Motorrads erhalten, und das Prüfzeugnis gilt im Prinzip auch nur für den Anbau an ein Motorrad im Serienzustand. Wildes Kombinieren ist also nicht erlaubt.
Wichtige Bestimmungen
- Scheinwerfer, Blinker, Rücklicht, Beleuchtung: Dass nur lichttechnische Einrichtungen mit Prüfzeichen montiert werden dürfen und z. B. billige LED-Scheinwerfer aus Asien daher tabu sind, ist nachvollziehbar. Erstaunlich ist aber eine Fülle von Regelungen für die Montage bezüglich Anzahl, Höhe oder Abstand.
- Lenker, Hebel, Griffe, Spiegel: Sie dürfen prinzipiell getauscht werden, müssen aber geprüft sein, d. h. über ABE oder Teilegutachten verfügen.
- Sitzbank: Solange sich die Zahl der Sitzplätze nicht verändert, gibt es keine einzuhaltenden Vorgaben. Bekommt der Café Racer nach der Heckkürzung aber eine zum Stil passende Einmann-Sitzbank, dann ist dies ein eintragungspflichtiger Umbau, und die Soziusfußrasten müssen demontiert werden.
- Rad, Felgen, Radabdeckung: Eine fette Felge hinten oder ein Supermoto-Umbau? Mit einem entsprechenden Gutachten ist auch das möglich.
- Auspuff und Ansaugtrakt: Grundsätzlich gilt, dass die Betriebserlaubnis erlischt, wenn sich das Geräuschverhalten verschlechtert. Zubehör-Anlagen für die Straße tragen in der Regel eine KBA-Nummer oder ein E-Zeichen, ein DB-Killer muss im Endtopf verbleiben.
- Fahrwerk: Bohren, Schweißen, Verformen sind untersagt, Polieren wird nicht gern gesehen, und es darf dabei keinesfalls Material abgetragen werden. Besonders beliebt sind aktuell Heckumbauten bei Café Racern.
- Bremsen: Unabhängig von optischen oder technischen Veränderungen (z. B. Wave-Scheiben) sind bei der Bremsanlage oft Änderungen aufgrund von Verschleiß oder Alterung unvermeidbar.
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