BMW Nostalgie-Motorradmodelle: Eine Reise durch die Zeit

Im Jahr 2023 blicken wir auf 100 Jahre BMW-Motorradbau zurück. Dieses Jubiläum begleiten wir mit Geschichten über die Entwicklung und den Einfluss von BMW Motorrädern im Laufe der Jahrzehnte.

Die Anfänge: BMW R 80 G/S und die Geburt der Reiseenduro

Reiseenduros sind heute die Cashcow vieler Hersteller, allen voran BMW. Geländegängig und doch reisetauglich. Wer hätte das damals ahnen können, als im Herbst 1980 die R 80 G/S - für Gelände und Straße - vorgestellt wurde? Die Mannen aus der Entwicklungsabteilung hatten sich in den Jahren zuvor aus vorhandenem Material Geräte gebaut, um zackig in die Alpen zu kommen, um dort etwa die Dolomiten-Rallye mitzufahren, veranstaltet von einem gewissen Helmut Dähne. Und der erste Designer der G/S, Hans A. Muth, hatte ein Motorrad für jüngeres Publikum eingefordert. Das Ergebnis dieser Aktivitäten legte den Grundstein für eine ziemlich beispiellose Erfolgsgeschichte. Mit unter 200 kg war die erste G/S aus heutiger Sicht leicht, damals erschien sie vielen fürs Gelände als viel zu schwer.

Renovierte Zweiventiler ab 1985

Auch ins übrige, zum Herbst 1980 noch ziemlich übersichtliche BMW-Programm flossen zahlreiche in der G/S erstmals aufgetauchte Änderungen ein, die der Fahrbarkeit guttaten, wie Brembo-Festsattelbremsen mit dem Hauptbremszylinder am Lenker, Plattenluftfilter, Nikasil-beschichtete Zylinderlaufbahnen oder reduzierte Motor-Schwungmasse. Nur die Einarmschwinge blieb zunächst der G/S vorbehalten. Die R 100 CS trug ein letztes Mal die ikonische S-Verkleidung auf, die Hans A. Muth für die R 90 S kreiert hatte. Aber es half nichts, dieses wohl erste Retro-Modell überhaupt wurde nur 4.038-mal gebaut, erzielte von den vier 1000er-Boxern die geringsten Verkaufszahlen.

1984 war Schluss mit den hochverdichteten 70-PS-Boxern, ab 1985 brummten die renovierten Zweiventiler im Monolever-Chassis wie bei der G/S. Ein kleineres Vorderrad, nun 18 Zoll, sorgte mit für die deutlich gesteigerte Handlichkeit, hinzu kamen die reduzierte Verdichtung für nun bleifreies Normalbenzin sowie eine leisere Auspuffanlage mit großem Sammler. Zunächst nur als 650er und 800er lieferbar, schob BMW auf vielfachen Wunsch (auch aus Japan!) die R 100 als RT und RS nach, mit den kleinen 32-mm-Vergasern der 800er und auf 60 PS reduzierter Leistung.

Die 1990er: Innovation und neue Wege

Die 1990er - ein Jahrzehnt, in dem bei BMW richtig viel passierte. Die wohl wichtigste Neuerung betrifft aber kein Fahrzeug an sich, sondern einen Motor. Gemeint ist der neue Vierventil-Boxer. Der löst den alten Zweiventiler ab und wird zusammen mit der R 1100 RS erstmals 1993 vorgestellt. Dass es überhaupt so weit kommt, daran hegte so mancher damals Zweifel. Schließlich zeigten die Drei- und Vierzylinder-Reihenmotoren der 1980er-Jahre deutlich auf, dass BMW auch Fortschritt und Leistung kann, da wirkte der im Vergleich alte Boxer wie ein Relikt vergangener Tage.

Der Vierventil-Boxer

Diesen Umstand kannten auch die Ingenieure in den BMW-Entwicklungsabteilungen. Wenn ein neuer Boxer kommen soll, muss er technisch fit fürs nächste Jahrzehnt sein. Allerdings: Der Boxer-Motor ist so typisch für BMW wie das Weißbier für Bayern. An Grundfesten wie der Luftkühlung durfte (noch) niemand rütteln. Um trotzdem mehr Leistung zu generieren, erhielt der neue Boxer Vierventil-Köpfe, die wegen der halbhohen Anordnung der Ventilsteuerung erfreulich schräglagentauglich ausfielen. Von den K-Modellen adaptierte man die Zünd- und Einspritzelektronik, die Bosch Motronic MA 2.2, und passte sie an den neuen Boxer an. Damit’s dem Motor nicht zu heiß wird, senkt an die Kolbenböden gespritztes Öl die Temperatur. Ein taugliches Layout, das dem neuen Boxer zu 90 PS bei 7.250/min verhilft.

Der neue Motor ist aber nicht das einzige Highlight der R 1100 RS. Als erstes Motorrad von BMW erhält sie einen Telelever. Der entbindet die Radführung vorn von den Federungs- und Dämpfungsaufgaben. Die übernimmt ein Federbein, das oben am Rahmen und unten an einem Längslenker befestigt ist. Der Vorteil: ein mechanischer Brems-Nickausgleich. Auf diese Fahrwerkstechnik setzt BMW bis heute, wenn der Bauraum vor dem Motor dafür ausreicht.

Die R 1100 GS: Der erste Entenschnabel

Nach der R 1100 RS schiebt BMW im Jahr 1994 den ersten Entenschnabel, die R 1100 GS, nach, allerdings mit angepasstem Boxer-Motor. Ihr Antrieb leistet in der Spitze 80 PS und liefert ein Drehmomentmaximum von 97 Nm. Dies erreicht BMW durch eine leicht zurückgenommene Verdichtung im Vergleich zur R 1100 RS sowie eine modifizierte Motorsteuerung. Auch wenn ihr Design nicht sofort alle überzeugt, in Sachen Funktion machen ihr die damaligen Mitbewerber-Modelle nichts vor. Die R 1100 GS überdauert die 1990er-Jahre aber nicht. Im Jahr 1999 stellt BMW bereits die R 1150 GS vor. Der Entenschnabel bleibt, dafür gibt’s jetzt unterschiedlich große Rundscheinwerfer und einen Boxer-Motor mit 1130 cm³, der mit 85 PS noch kräftiger antritt.

Wer damals bei all den Neuheiten rund um die GS den alten Zweiventiler-Boxermodellen noch eine Träne nachweint, kann 1996 bei der Abschiedsvorstellung des ehrwürdigen Antriebs zur R 80 GS Basic greifen. Nach mehr als 70 Jahren und über 684 830 gebauten Einheiten beschließt sie das Kapitel Zweiventil-Boxer endgültig.

"Funduro" BMW F 650 ab 1993

Dreht sich in den 1990er-Jahren denn alles um den Boxer-Motor? Nein. Mit der F 650 bringt BMW 1993 einen neuen Einzylinder auf den Markt, den ersten seit 1966. Aprilia unterstützt bei Entwicklung und Produktion, Rotax liefert den Antrieb zu. Die "Funduro" richtet sich vor allem an Einsteiger, die BMW bisher nicht bediente. Novum aus Kostengründen: Als erste BMW hat die F 650 einen Ketten-Endantrieb statt Kardan. Kann das erfolgreich sein? Und wie! Neben der Zweizylinder-GS wird sie zum bestverkauften Modell im BMW-Programm der 1990er-Jahre.

Roller mit Dach - BMW C1

Und dann ist da noch etwas: ein Roller mit Dach! 1992 zeigt BMW erstmals eine Designstudie des C1, 1999 betritt er in der Realität die Motorradbühne. Bertone in Italien baut die Roller für BMW, Rotax liefert wie bei der F 650 den Motor. Sicherheitsgurte, die stabile Fahrgastzelle und ein Vorbau als Crash-Element sind zu der Zeit einmalig - und wären es noch heute. Der C1, der ohne Helm gefahren werden darf, entpuppt sich nicht als Erfolg. Der futuristische Roller wirft einen Blick in die Zweiradzukunft, glänzt mit tadelloser Funktion und hohem Praxisnutzen. Allerdings wissen das nur wenige zu schätzen. 2003 wird BMW das Kapitel C1 schließen.

BMW K 1200 RS

Viel Mut beweist BMW indes auch 1996 mit der neuen K 1200 RS. Der Vierzylinder bricht zum ersten Mal mit der freiwilligen Leistungsbeschränkung auf 100 PS. Aus 1.172 Kubik entwickelt der Motor 130 PS bei 8.750 Touren. Mit derart gestählten Muskeln rennt die K bis zu 245 km/h schnell und setzt damit im BMW-Kosmos neue Maßstäbe. Nur in Frankreich und in Deutschland, dem Land der unbegrenzten Autobahn, gibt’s eine zivile 98-PS-Version. Um so viel Leistung auf die Straße zu bringen, spendeten die Boxer-Typen ihren Telelever, während ein neuer Aluminium-Brückenrahmen Lenkkopf und Schwingenaufnahme verband. Dieser neuen Sportlichkeit trägt auch die Lackierung der K 1200 RS Rechnung, deren Rautenmuster an den Seiten wohl kaum zufällig an eine Zielflagge erinnert.

BMW bringt Cruiser R 1200 C

Und damit zum Schluss doch noch einmal zurück zum Vierventil-Boxer, schließlich darf der noch in einer für BMW komplett neuen Motorradgattung ran: Cruiser. Die 1990er sind das Jahrzehnt der glänzenden, coolen Feuerstühle. Als weltweiter Anbieter will BMW ein Stück vom Kuchen der fast ungezügelten Nachfrage abhaben. Das Ergebnis heißt 1997: R 1200 C. Auch sie nutzt den Vierventil-Boxer als Antrieb. Für viel Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen wächst der Hubraum auf 1.170 Kubik, dazu gibt’s Updates beim Ventiltrieb und der elektronischen Motorsteuerung.

Als Lohn liefert der R-1200-C-Antrieb nach dieser Kur 98 Nm schon bei 3.000/min über den Kardan Richtung Hinterrad. So viel Innovationsgeist hat auch "James Bond"-Darsteller Pierce Brosnan überzeugt, der mit einer R 1200 C im Agentenstreifen "Der Morgen stirbt nie" in Thailand über einen Hubschrauber springt. Spektakulär, doch ein richtiger Erfolg wird der 1200er-Bayern-Cruiser nicht.

BMW R 12 S neu für 2025: Eine Hommage an die Sportboxer-Ikone

Über 50 Jahre nach der BMW R 90 S und über 10 Jahre nach der BMW Concept Ninety wird der Retro-Sportboxer im Jahr 2025 endlich Realität - in Form der neuen BMW R 12 S.

1973 erschien die BMW R 90 S, mit dem S für Sport und markentypisch mit Boxer-Motor. Ins kollektive Motorradfahrer-Gedächtnis eingeprägt hat die R 90 S sich besonders in der Farbvariante "Daytona Orange" (ab 1975). Nach diesem Vorbild präsentierte BMW im Jahr 2013 die Concept Ninety, doch erst 2025, also nach über 50 Jahren, knüpft die neue BMW R 12 S als Retro-Modell wirklich an die klassische Sportboxer-Historie an.

BMW R 12 S kommt 2025

Bei der BMW R 12 S handelt es sich nicht nur um ein Concept, sondern um ein rundum serienreifes neues Modell für 2025. Als Hommage an die Sportboxer-Ikone R 90 S hat BMW sie am 28. November 2024 vorgestellt. Wie es sich gehört in Orange, wobei das diesmal nicht "Daytona Orange", sondern "Lavaorange metallic" heißt. Als stilsichere Garnitur bekommt die R 12 S orangefarbene Nähte am Sitzpolster sowie eine Doppel-Linierung und S-Embleme in Rot verpasst. Weitere Ausstattungsdetails sind die klassisch rundliche, lenkerfeste Cockpitverkleidung und die beiden runden Zeigerinstrumente dahinter.

Alu-Tank und Sitzbank-Höcker im Café-Racer-Stil

Dass der runde Scheinwerfer der BMW R 12 S sowie alle anderen Leuchten auf dem heutigen Stand der Technik mit LED bestückt sind, stört allenfalls die Hardliner unter den Klassik-Fans. Die versöhnen wiederum der Benzintank und der Sitzbank-Höcker im Café-Racer-Stil, jeweils mit gebürsteten und klarlackversiegelten Aluminiumflächen. In der Klassik-Szene auf Akzeptanz stoßen dürften außerdem die Drahtspeichenräder, hier sogar schlauchlos eingespeicht ("Option 719 Rad Classic II"). Und, ganz entscheidend für die Aussichten auf Verkaufserfolg: Im Gegensatz zur R nineT Racer (ab 2017) hat die R 12 S keine tiefen Lenkstummel mit Bückzwang, sondern einen normalen Rohrlenker.

Die BMW R 12 S kostet stolze 22.000 Euro. Hinzu kommen weitere Details aus dem Original-Zubehör ("Option 719") wie etwa die Lenkerenden-Rückspiegel oder die Zylinderkopfhauben mit gefrästen Aluminiumteilen. Zur gehobenen Grundausstattung der BMW R 12 S gehören zudem der Schaltassistent Pro, adaptives Kurvenlicht, Griffheizung, Tempomat, Berganfahrhilfe ("Hill Start Control") und Funkschlüssel-System ("Keyless Ride"). Unterm Strich kommt für die stolze R 12 S ein ebenso stolzer Preis heraus: 22.000 Euro (plus Liefernebenkosten). Zum Vergleich: Das Basis-Modell BMW R 12 nineT gibt’s aktuell ab 17.410 Euro. Ab sofort ist die R 12 S vorbestellbar, die Auslieferung der ersten Exemplare ist für März 2025 geplant.

Luft-ölgekühlter Boxer-Motor mit 109 PS

Motor und Fahrwerk übernimmt die BMW R 12 S unverändert von der BMW R 12 nineT. Also vor allem den nach wie vor luft-ölgekühlten Zweizylinder-Boxer mit 1.170 Kubik und maximal 109 PS (80 kW) bei 7.000/min sowie 115 Nm bei 6.500/min. Daran hängt die Kardan-Einarmschwinge mitsamt Zentralfederbein, und die Vorderradführung ist eine noch unklassischere Upside-down-Gabel. Immerhin: Eine Doppelscheibenbremse vorn hatte bereits die R 90 S, damals allerdings noch nicht mit radial angeschraubten 4-Kolben-Zangen und ohne ABS. Mit gefülltem Alu-Tank (16 Liter) wiegt die BMW R 12 S circa 220 Kilogramm. Damit ist sie nur wenige Kilos schwerer als die R 90 S, deren Zweiventil-Boxer mit 898 Kubik allerdings "nur" auf 67 PS kam.

BMW Heritage Modelle: Eine Hommage an die Vergangenheit

Manche nennen die Bikes Retro, Vintage oder Classic. Wir nennen sie Heritage. Denn bereits ein Blick auf das ikonische Design und den unverwechselbaren Boxer Motor zeigt: Es geht um Design, um Fahrgefühl, um Reduktion. Um ein Lebensgefühl. Die R 18 Modelle vereinen High-End-Ausstattung mit unverwechselbarem Design und komfortabler Ergonomie. Ihr Motto: Celebrating Big Boxer Culture. Leistungsstarkes Herzstück ist der mit 1.802 ccm hubraumstärkste Boxer, den BMW Motorrad je gebaut hat. Zeitlose Schönheit: die BMW R 18. Die R 18 B vereint Exklusivität mit der Coolness eines typischen Baggers.

Die R 12 Modelle bringen mit reduzierter Formensprache und einzigartigem Roadster Design einen unverwechselbaren Look auf die Straße. Angetrieben werden sie von einer weiteren Evolutionsstufe des Boxer Motors. Ansonsten wurde bei der Entwicklung kaum eine Schraube in ihrem Gewinde gelassen. Der aufs Customizing ausgelegte Backbone mit einem klassischen Gitterrohrrahmen wurde komplett neu entwickelt.

Kompromissloser Roadster mit unverkennbaren Proportionen und stylischen Elementen. Der unübersehbare Retro-Roadster ist eine Hommage an die legendäre R 90 S. Lässiger Cruiser mit ikonischem Design, niedriger Sitzhöhe und einprägsamer Formgebung. Reduziert auf das Wesentliche: Eine Retro-Enduro, deren Performance hält, was die Optik verspricht. Stilvoll, authentisch, legendär.

BMW Motorrad: 100 Jahre Leidenschaft und Innovation

Die BMW Motorrad Geschichte ist geprägt von Vorwärtsdrang. Von Herausforderungen und Erfolgen. Aber auch von Rückschlägen und Durchhaltevermögen. Aufgeben war nie eine Option. Sie handelt vor allem von Menschen, die eine Leidenschaft teilen: Abenteurer, Träumer, Tüftler, Sportler, Visionäre - Männer wie Frauen. Die mit großen Ideen auf zwei Rädern die Straßen revolutionieren wollen. 100 Jahre Make Life a Ride Spirit. In diesem Spirit schauen wir heute zurück und gleichzeitig nach vorne: auf Events und Highlights im Jubiläumsjahr 2023.

Die Menschen, die die Geschichte der BMW Motorräder maßgeblich gestalten, brechen Normen. Alles begann mit Chefkonstrukteur Max Friz, der das erste BMW Motorrad konstruierte, das am 28. September 1923 auf der deutschen Automobilausstellung präsentiert wurde. Ihm folgten Konstrukteure, Rennfahrer, Vordenker, die ebenfalls den Status Quo herausforderten. Rudolf Schleicher war 1924 federführend an der Entwicklung des Motors der BMW R 37, dem ersten Sportmodell von BMW Motorrad, beteiligt. Ernst Jakob Henne brach im Jahre 1937 auf einer vollverkleideten BMW 500 Kompressor mit 279,503 km/h den Geschwindigkeitsrekord. Georg „Schorsch“ Meier gewann im Jahre 1939 als erster Nicht-Brite auf einer Kompressor BMW die Senior TT auf der Isle of Man.

Tabelle: Legendäre BMW Motorrad Modelle

Modell Baujahr Besonderheiten
BMW R 80 G/S 1980 Begründer der Reiseenduro-Klasse
BMW R 1100 GS 1994 Erster "Entenschnabel"
BMW K 1200 RS 1996 Erstes BMW Motorrad mit über 100 PS
BMW R 1200 C 1997 Cruiser mit Vierventil-Boxer
BMW R 12 S 2025 (geplant) Retro-Sportboxer als Hommage an die R 90 S

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