Warum fahren Menschen auf alten, unbequemen und vergleichsweise schwer zu bewegenden Vintage-Rennrädern? Ein paar Erklärungsversuche.
Da geht aber nichts mehr, der leichteste Gang ist längst fix. Aber was heißt schon leicht - 42 x 26, mehr geht eben nicht bei Retro-Rennrädern. Die Waden krampfen mehr und mehr, der Tritt ist so zäh wie Flüssigbeton, und wie zum Hohn begrenzen brennende Fackeln links und rechts den gefühlt 20 Prozent (tatsächlich eher 10 Prozent) steilen Naturweg durch das toskanische Weingut Brolio. Sieht aus wie der Weg zu einer Beerdigung und fühlt sich auch ein bisschen so an.
Irgendwann ist auch dieser Anstieg zu Ende und der Schmerz lässt nach, auch ohne Endorphin.
Das war eine kleine Szene von der L’Eroica in Gaiole, dem alljährlichen Treffen der Retro-Rennrad-Fans aus aller Welt, die sich hier zu Tausenden am ersten Oktobersonntag auf knapp 50 und bis zu mehr als 200 Kilometern die Kante geben. Auf Vintage-Rennrädern, die mindestens 30 Jahre alt sind und weder Klickpedale noch Schaltbremsgriffe oder innen liegende Züge haben dürfen. Auf den Felgen kleben Schlauchreifen, die Velos haben meist so zehn Gänge. Die Fahrer sollten für das Trittwerk die Muskulatur von Crossern haben, andernfalls können sie das große Kettenblatt vergessen.
Nach Brolio geht es wieder bergab, Kraft braucht man jetzt nur noch an den vergleichsweise putzigen Bremshebeln. Mit sinkendem Puls kommt dann die Frage aller Fragen hoch - warum tut man das? Ist es nicht so, dass die Spezies Mensch eher so programmiert ist, es sich ein wenig leichter zu machen?
Aber es gibt darunter ganz offensichtlich welche, die auch abseits der großen Retro-Treffen mit Begeisterung auf schlankem Stahl und mit dickem Gang unterwegs sind. Manchmal sogar in Wolltrikots, mit auf alt getrimmten Lederschuhen und Sturzring auf dem Kopf. Wenn schon, denn schon.
Mark Horlacher aus Nürtingen zum Beispiel faszinieren “die Fahrräder an sich”. Alter Stahl strahlt für den 57-jährigen Weinhändler “Schönheit und Eleganz” aus. Etwa 1000 Kilometer reißt er im Jahr auf seinem Moser Campione del Mondo aus dem Jahr 1982 runter, darunter auch gerne mal den langen Kanten bei L’Eroica - also 209 Kilometer mit 3900 Höhenmetern, die Hälfte davon auf Naturstraßen. “Radfahren soll ja auch eine Herausforderung sein”, sagt Horlacher, der zudem beeindruckt ist, “zu spüren, mit welchen Material sie vor 50 Jahren Rennen gefahren sind.” Und dann noch der “feine Sound der Nabe”, der sich so ganz anders anhört als das aggressive Klackern moderner Rennräder, die er natürlich auch fährt, um gut genug in Form zu sein für seine zwei Vintage-Rennräder. Am Ende eines Jahres kommen da so 8500 Kilometer zusammen.
Bei vielen nicht mehr ganz so jungen Retro-Rennrad-Fans ist natürlich auch die Erinnerung an die eigenen Anfänge auf dem Rennrad ein starkes Motiv, immer mal wieder auf die alte Maschine zu steigen. Thomas Weber aus Stuttgart hat zum Beispiel noch sein erstes Rennrad, ein mittlerweile 47 Jahre altes Centurion. Den Ingenieur interessiert auch die Technik. Am liebsten fährt der 67-Jährige ein Gios Torino aus den 80ern, natürlich im originalen Blau und mit der historischen Campa-Gruppe: “Es ist faszinierend, sich in die Zeit zurückzuversetzen und live zu spüren, wie sich die Technik verändert hat.”
Für Weber sind zum Beispiel die modernen Schaltbremsgriffe ein guter Beweis, dass technischer Fortschritt ein Segen sein kann. Trotzdem steigt er immer wieder mit Genuss auf sein Gios, bei L’Eroica auch in Wolltrikot und Retro-Schuhen. “Ein immer wieder intensives Erlebnis”, sagt er, “und hinterher schätzt man dann die Technik des neuen Rades noch mehr.”
Jugenderinnerungen können es nicht sein, welche die Architektin Senta Hajek aus Reutlingen immer wieder auf ein Bianchi aus den frühen 80er-Jahren steigen lassen. Als das Rad gebaut wurde, war die 32-Jährige noch nicht geboren. In ihrer Jugend fuhr sie Amateurrennen auf modernem Material. Aber schon damals hat sie ihr Vater mit dem Retro-Rennrad-Virus infiziert. Wilfried Hajek ist ein Freund von Claudio Marinangeli, einem der Mitbegründer der L’Eroica und seit dem Beginn vor 26 Jahren in der Toskana am Start. Tochter Senta ist seit einiger Zeit auch dabei. Sie fasziniert “das ursprüngliche Gefühl, ganz ohne Schickimicki durchkommen zu müssen. Hinterher steigst du ab und sagst - wow, wie haben die das früher geschafft?”
Aber vielleicht ist ja genau dies der Charme von Retro. Sich ein wenig zu quälen, das aber mit dem sicheren Gefühl, dass man ja am nächsten Tag wieder die federleichte Carbonmühle aktivieren, mit geschmeidigem Trikot und gnädiger Übersetzung durch die Gegend rollen kann.
Da wird nicht im Sattel hektisch ein Riegel mit irgendeiner Isobrühe runtergespült. Da gibt es Pausen, und in denen darf’s dann gerne ein Glas Wein zu etwas Pasta sein. Haben die Profis früher auch gemacht. Damals kamen dann noch rohes Ei und ein paar amtliche Stimulanzien mit ins Glas. Diese Zugaben braucht man zwar nicht, aber Retro wäre ohne den Genuss nur halb so schön - und dann wohl wirklich auch zu anstrengend. Es soll ja Sportsfreunde geben, die das Fahren auf dem Oldtimer ohnehin nur als eine Art Antipasti für ein amtliches Gelage danach betrachten. Das ist dann allerdings auch nicht der Sinn der Sache. Die Mischung macht’s: Viel alter Stahl und ein wenig edler Wein - fein.
Gino Bartali, Fausto Coppi, Fiorenzo Magni, Hugo Koblet, Jacques Anquetil, Eddy Merckx. Wer weiß, weshalb sich mir diese Namen so eingeprägt haben. Denn ein wirklicher Radsport-Fan war ich nie. Aber wenn alle Welt sich für ein paar Wochen im Jahr für etwas begeistert, wenn manche Namen immer und immer wieder in der Presse stehen und vom Fernsehen genannt werden, dann muss wohl etwas an ihnen dran sein.
Gino Bartali lebt weiter. Zumindest im Herzen vieler Menschen. Der italienische Radstar riskierte sein Leben, um Juden vor den Nazis zu retten. Deshalb holte der nach Israel ausgewanderte Milliardär den Giro d'Italia 2018 nach Israel, zumindest die ersten drei Etappen.
Vor mehr als hundert Jahren, am 13. Mai 1909, startete der Giro d'Italia, die berühmte Italien-Rundfahrt, zum ersten Mal. Gesamtsieger wurde der Italiener Luigi Ganna. Der Giro d’Italia gilt als das nach der Tour de France zweitwichtigste Etappen-Radrennen der Welt. Er wird sowohl für Männer als auch (seit 1988) für Frauen („Giro d’Italia femminile") ausgetragen. Seit 1909 wird der Giro - mit Ausnahme der Zeit beiden Weltkriegeall - jährlich während drei Wochen im Mai ausgetragen und führt dabei in wechselnder Streckenführung quer durch Italien und das nahe Ausland.
Denn es waren der Herausgeber der „Gazzetta dello Sport“ Eugenio Camillo Costamagna und die Redakteure Armando Cougnet und Tullo Morgagni, die, angeregt durch die Tour de France, den ersten Giro d'Italia ins Leben riefen. Die Finanzierung erfolgte mit Hilfe des italienischen Radsportverbands, des Corriere della Sera und verschiedener Firmensponsoren. Diese Zeitung war es, die all die ersten Radrennen Italiens, darunter die Lombardei-Rundfahrt (1905), Mailand-Sanremo (1907) und eben den Giro (1909) organisierte.
Seit 1931 trägt der Gesamterste des Giro die Maglia Rosa, das rosafarbene Trikot, und dient somit als Werbeträger der Zeitung, die sich auch optisch mit ihren rosafarbenen Seiten von der Konkurrenz abhebt. Der Führende der Gesamteinzelwertung trägt jeden Tag die Maglia rosa, das italienische Gegenstück zum Gelben Trikot der Tour de France, der Führende in der Bergwertung ein grünes Trikot (Maglia verde), während der Führende in der Punktewertung ein malvenfarbiges Trikot (Maglia ciclamino) trägt.
Die technischen Pionierleistungen, das Lebensgefühl und die Ästhetik der 19. Jahrhundert‑Räder sind keineswegs Museumsstücke. Die von John Kemp Starley 1885 vorgestellte Rover‑Serie kombinierte diese Idee mit dem bis heute dominierenden Diamantrahmen. Auch der Nervenkitzel der frühen Hochradrennen lebt weiter. Es gibt zahlreiche ähnliche Retro‑Formate, die bewusst auf minimalistische Fahrradtechnik der Frühzeit setzen. Blogs und DIY‑Werkstätten greifen genau diesen Upcycling‑Gedanken auf.
Manche Fahrräder sind Designikonen, Zeitzeugen und emotionale Erinnerungsstücke zugleich. Die Fahrradwelt ist bunt und manchmal auch auf positive Weise verrückt.
Als Hommage an das klassische Rennrad erblühen seit etwa einem Jahrzehnt weltweit stimmungsvolle Retro-Rad-Veranstaltungen, bei denen meistens die Teilnahme wichtiger ist als das Ergebnis. Außerdem bieten diese Vintage-Fahrrad-Events den Teilnehmern und Gästen oft die Möglichkeit, nützliches Hintergrundwissen zu erlangen, alte Ersatzteile zu beschaffen und sich natürlich mit Gleichgesinnten auszutauschen.
So vielfältig wie die unterschiedlichen Rennräder sind auch die einzelnen Orte und Strecken.
Ein langsames, rhythmisches Keuchen schneidet die Mittagsstille, die sich über die Landschaft gelegt hat. Der schwere Atem geht im Takt der Pedale. Meter für Meter arbeitet sich das Rad am Steilhang empor, im Lauf gehalten durch nichts als Willenskraft und Muskelspannung. Unter den schmalen Reifen knirscht der Schotter der Strada biancha, einer der weit gerühmten weißen, zypressengesäumten Straßen der Toskana. Doch solche Anmut erreicht das Auge kaum noch. Alles ist konzentriert und reduziert auf den mörderischen Anstieg. Das Herz klopft am Hals. Man glaubt, jeden Stein einzeln zu hören, wie er vom Profil zermahlen wird.
Manchmal gibt es Momente, die uns stoppen lassen. Sie bringen uns dazu, die Vergangenheit mit neuen Augen zu sehen. Dies passiert bei dem Eroica-Vintageradrennen. Es ist ein historisches Radsportevent in der wunderschönen Toskana. Jedes Jahr treffen sich Tausende von Radfahrern im Oktober in Gaiole. Sie lieben alte Stahlrennräder und Retro-Trikots. Dieses Vintageradrennen ehrt die Anfangszeiten des Radsports. Damals waren Entschlossenheit und Abenteuer wichtig. Nur Räder, die vor 1987 gebaut wurden, dürfen mitmachen. Moderne Kleidung ist nicht erlaubt. So bleibt der Spirit alter Zeiten erhalten.
Die Eroica ist ein bekanntes Vintage Fahrradrennen, das in Gaiole, Toskana, begann. Giancarlo Brocci, ein Arzt, gründete es 1997. Beim ersten Eroica-Rennen machten 92 Leute mit. Das Ziel war, die Schönheit des Radfahrens zu zeigen. Die Eroica wurde schnell berühmt. Jetzt kommen Tausende aus aller Welt zu dem Rennen. Dank seines Erfolgs gibt es jetzt weltweit viele Eroica-Rennen.
Das Eroica-Rennen ist ein klassisches Radrennen. Es führt durch wunderschöne Landschaften. Es ist eine einzigartige Herausforderung für erfahrene Fahrer und Liebhaber von Vintage-Rennrädern. Die Regeln für die Teilnahme am Rennen sind streng. Jedes Rennrad muss vor 1987 hergestellt worden sein. Fahrer müssen auch Trikots aus Wolle tragen und ein Reparaturkit dabei haben. Das Rennen bietet verschiedene Strecken, von 46 bis 209 Kilometer. Diese Routen haben Schotterstraßen und steile Steigungen bis zu 18 Prozent. Teilnehmer müssen auch ihre Rennfähigkeiten nachweisen. Sie brauchen Bescheinigungen, die zeigen, dass sie erfahren genug sind.
Die Eroica-Vintageradrennen in der Toskana sind ein echtes Highlight für Fans von Nostalgie-Rennen. Diese Events mischen historischen Charme mit sportlicher Herausforderung. Die strade bianche und das Gemeinschaftsgefühl machen es unvergesslich. Die strade bianche sind ein Highlight der Eroica. Diese Wege sind schön und herausfordernd zugleich. Sie nutzen historische Räder und tragen authentische Kleidung.
Bei der Eroica zählt das Miteinander. Der Wettbewerb steht nicht im Fokus, sondern das gemeinsame Erleben. Sie knüpfen neue Freundschaften. Die Eroica ist mehr als nur ein Radrennen in Deutschland.
Das Eroica-Vintageradrennen ist weltweit bekannt und lockt jedes Jahr Tausende in die Toskana. Es vereint Radsportfans und Liebhaber von Geschichte und Kultur. Die „strade bianche“ und die Schönheit der Toskana machen das Event unvergesslich. Es ist die Kombination aus Herausforderung, Gemeinschaft und Leidenschaft, die das Eroica besonders macht.
Eroica ist mehr als ein Rennen. Es ist eine Zeitreise in die Radsportgeschichte und feiert die reiche Fahrradkultur der Toskana. Dieses Vintage-Rennen verbindet Sport, Kultur und Tradition auf einzigartige Weise.
| Ereignis | Ort | Information |
|---|---|---|
| Eroica Cuba | Viñales, Kuba | 115 km Tour mit 740 Höhenmetern |
| Eroica Japan | Izu Peninsula, Japan | Verschiedene Strecken mit unterschiedlichen Distanzen |
| Eroica South Africa | Montagu, Südafrika | Rund 200 Kilometer östlich von Kapstadt gelegen, drei Routen |
| Eroica Montalcino | Montalcino, Italien | Verschiedene Strecken, teilweise angelehnt an die Originalrouten der Eroica |
| L’Eroica | Gaiole in Chianti, Italien | Der Klassiker: Nostalgie-Radrennen seit 1997, mittlerweile mit über 7.000 Teilnehmern |
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