Die Geschichte von BMW Motorrad in Spandau

Das BMW Group Werk Berlin zählt zu den traditionsreichsten Standorten der BMW Group. Ein ausgestelltes Motorrad weist den Weg zum BMW Group Werk Berlin. BMW-Motorräder fahren mit Berliner Luft in den Reifen. Bis zu 900 Motorräder laufen täglich im Motorradwerk der BMW Group in Berlin-Spandau vom Band.

Die Geschichte des Produktionsstandorts beginnt Mitte des 18. Jahrhunderts, als König Friedrich Wilhelm I. nahe der Zitadelle Spandau eine Gewehr- und Munitionsfabrik für die preußische Armee errichten lässt. Lediglich zu militärischen Zwecken durfte in der direkten Umgebung der Zitadelle produziert werden. Diese war zur Verteidigung der Residenzstadt Berlin errichtet worden.

Im Werk der BMW Group in Berlin-Spandau werden in historischen Backsteinbauten BMW Motorräder für den Verkauf rund um den Globus hergestellt. Bei Werksführungen werden Einblicke in die hochmoderne Fahrzeugproduktion gewährt. Als traditionsreicher Produktionsstandort erzählt das Werk gleichzeitig eine spannende Geschichte.

Die Anfänge: Von Flugmotoren zur Motorradproduktion

1928 entsteht dann auf einem Teil des Geländes das Flugmotorenwerk von Siemens & Halske. Zuvor war das Areal im Besitz der Firma Siemens & Halske, die 1928 auf dem heutigen BMW Gelände ihr neues Flugmotorenwerk errichtete und so berühmte Motoren wie etwa den Sternmotor Sh-14a für den berühmten deutschen Kunstflug-Doppeldecker Bücker 133c „Jungmeister“ fertigte. Mit der Ausgliederung aus dem Siemenskonzern firmiert das Werk ab 1936 als Brandenburgische Motoren Werke GmbH (Bramo). 1936 übernahmen die Brandenburgischen Motoren Werke GmbH (Bramo) das Gelände und begannen mit der Produktion von Flugzeugmotoren. Auch die Bayerischen Motorenwerke (BMW), die das Werk drei Jahre später erwarben, fertigten weiterhin Flugzeugmotoren. Die Bayerischen Motoren Werke (BMW) übernehmen schließlich ab 1939 das Gelände und die Produktion.

Nach Kriegsende wird das Werk in Berlin Spandau - wie andere Fabriken auch - von den Alliierten demontiert. Doch bereits im Mai 1945 produzieren etwa 100 Mitarbeiter Gebrauchsgüter für den täglichen Bedarf.

Nach den Kriegswirren gelingt BMW 1948 ein Neubeginn mit der Motorrad-Herstellung. Alle Motorrad-Fertigungseinrichtungen sowie Konstruktionsunterlagen, kriegsbedingt Anfang der vierziger Jahre nach Eisenach ausgelagert, sind für die Münchener unerreichbar geworden. Die Demontage der Werksanlagen in München, Berlin und Eisenach scheint für BMW nach dem Krieg das Ende zu bedeuten. Geliehene Werkzeugmaschinen anderer Firmen machen den unendlich schwierigen Neubeginn möglich.

Im Jahre 1949 lief die Fertigung von Motorradteilen für das Münchener Stammhaus an - ein erster Schritt zur allmählichen Verlagerung der Motorradproduktion von der Isar an die Spree. 1949 nahm BMW Berlin die Fertigung von Motorradteilen auf, die im Stammwerk in München fertig montiert wurden.

Die Verlagerung der Motorradproduktion nach Berlin-Spandau

Als in München Mitte der sechziger Jahre auf Grund der stark steigenden Automobilproduktion über die Verlagerung der Motorradproduktion nachgedacht wurde, war Berlin mit seiner gut ausgebildeten Belegschaft erste Wahl. Seit 1949 ist das Werk auf die Produktion von Motorradteilen spezialisiert und zwanzig Jahre später verlässt das erste komplett in Berlin hergestellte BMW-Motorrad das Werk. Zwanzig Jahre später rollte das erste komplett in Spandau produzierte BMW Motorrad vom Band. Ab dem 6. Jahrzehnt begann in Berlin über die Jahre eine blühende Motorradproduktion.

1969 wurde dort die Produktion der komplett neu entwickelten BMW /5 Baureihe aufgenommen. Vom Fahrwerk bis hin zum Boxermotor handelte es sich dabei um eine grundlegende Neukonstruktion nach dem Baukastenprinzip. Als das Motorrad - noch in den 60er Jahren vom Automobil an den Rand der Bedeutungslosigkeit verdrängt - zu Beginn der 70er Jahre wieder in Mode kam, kletterten die Produktionszahlen im BMW Werk Berlin rasant.

1970 verließen bereits 12.287 Fahrzeuge die Werkshallen, und schon im Juli 1973 hatten bei Einstellung der /5 Baureihe exakt 68.956 Motorräder das Berliner Werk verlassen und man durfte auf eine Verfünffachung der Produktion binnen nur drei Jahren zurückblicken. Zudem feierte man bereits das 500.000. Produktionsjubiläum 10.000.

Zum 50 jährigen Jubiläum von BMW Motorrad wurde im Herbst 1973 die neue, in zahlreichen Punkten weiter entwickelte /6 Baureihe und mit ihr die legendäre BMW R 90 S präsentiert. Bereits im Januar 1975 läuft in Berlin-Spandau die 100.000. dort gefertigte BMW vom Band, und im Jahr darauf erreichen die BMW Boxer Modelle mit der Einführung der /7 Baureihe einen neuen Entwicklungsstand. Neben der R 60/7 und R 75/7 trägt BMW Motorrad mit der Einführung der R 100/7 dem allgemeinen Trend zum vollen Liter Hubraum Rechnung.

Auch diese neue Baureihe feiert große Verkaufserfolge und macht eine Erweiterung des Werks in Berlin-Spandau unumgänglich. Die Fertigungsanlagen werden durch den Bau einer neuen Montagehalle erweitert. Symbolisch werden vom damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel die Bauarbeiten gestartet. 1978 erweitert BMW Motorrad seine Modellpalette um die R 100 RT, ein voll verkleidetes Motorrad mit starken Verwandtschaftsgraden zur R 100 RS, jedoch ganz auf die Belange der Tourenfahrer ausgerichteter Aerodynamik, Ergonomie und Komfort.

Im Jahr 1980 läuft bereits das 250.000. in Berlin gefertigte BMW Motorrad vom Band. Bei diesem Motorrad handelt es sich um eine Sonderanfertigung für die Palast-Eskorte des jordanischen Königs Hussein. Im selben Jahr gewinnt Rolf Witthöft mit einer 800er BMW die Gelände-Europameisterschaft, und kurz darauf debütiert die R 80 G/S mit heute vergleichsweise bescheidenen 50 PS. Mit ihrer innovativen Fahrwerkstechnik und ihrem geringen Gewicht von nur 186 Kilogramm glänzt sie nicht nur im Gelände, sondern bewährt sich auch im Alltag und auf Reisen als idealer Partner. Eine Aufsehen erregende Neuerung ist die Einarmschwinge, BMW Monolever genannt, als Hinterradführung.

Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte des BMW Werks Berlin-Spandau stellt die Einführung der neuen BMW K-Baureihe mit längs liegend eingebautem, wassergekühlten Vierzylinder Reihenmotor mit Kraftstoffeinspritzung dar. Das Streben nach technischer Innovation bringt 1988 schließlich die BMW K1 hervor, die eine Vielzahl technischer Highlights in sich vereint. Erstmals verfügt mit ihr ein BMW Serienmotorrad über einen Motor mit vier Ventilen pro Zylinder. Mit 100 PS Leistung und einer ausgeklügelten Aerodynamik werden zudem 240 km/h Höchstgeschwindigkeit realisiert.

Innovation und Wachstum in den 1990er Jahren

Siebenstelliger Geburtstag 1991 - die 1.000.000. Ein Jahr später läuft in Berlin-Spandau das 1.000.000. Zum 70. Geburtstag des BMW Boxermotors steht 1993 die Einführung einer radikalen Neukonstruktion mit dem BMW typischen Bauprinzip an. Die 90 PS starke R 1100 RS debütiert mit 215 km/h Höchstgeschwindigkeit sowie Vollverkleidung. Der Boxermotor wartet nun mit halbhoch angeordneten, kettengetriebenen Nockenwellen, vier Ventilen pro Zylinder sowie Kraftstoffeinspritzung auf. Noch heute bildet diese Motorenkonstruktion die Basis für sämtliche aktuellen BMW Boxer Modelle. Auch die neue Boxer Baureihe feiert große Erfolge, und erstmals in der Geschichte von BMW Motorrad werden 1995 mehr als 50.000 Motorräder produziert und verkauft.

Doch die Innovationskraft und Zukunftsorientierung von BMW Motorrad erstreckt sich nicht nur auf die hauseigenen Produkte mit zwei Rädern. Auch Arbeitsqualität und Umweltschutz sind unverzichtbare Bestandteile des Unternehmensleitbilds. So wird das BMW Werk Berlin 1997 als erstes Motorradwerk der Welt nach den internationalen Normen für Arbeits- und Umweltschutzmanagement überprüft und anerkannt. 1999 wird mit der F 650 GS neben Boxer und K Baureihe die dritte Modellbaureihe eingeführt.

Erweiterungen und Erfolge im neuen Jahrtausend

Die Erfolgsstory von BMW Motorrad und des BMW Werks Berlin setzt sich weiter fort. So erfolgt im Mai 2001 die Grundsteinlegung für eine neue Produktionshalle, das Gebäude 7, welches bereits zwei Jahre später seiner Bestimmung übergeben wird. Insgesamt investiert BMW von 1999 bis 2003 280 Millionen Euro für eine neue Montagehalle, eine automatisierte Lackieranlage und neue Anlagen in der mechanischen Fertigung und liefert damit ein eindeutiges Bekenntnis zu seinem Motorrad Produktionsstandort Berlin-Spandau. Noch im selben Jahr läuft mit einer R 1100 RT für das Rote Kreuz die 500.000.

Auch in den Folgejahren bestimmen nicht nur Motorräder, sondern auch die damit verknüpften Produktionsbedingungen das Geschehen im Werk Berlin. 2006 überspringt das BMW Werk Berlin erstmals die Zahl von 100.000 gebauten BMW Motorrädern innerhalb eines Kalenderjahres. Mit einer BMW R 1200 GS läuft am 12. Mai 2009 die 500.000.

Innovationen und Erfolge in den 2010er Jahren

Die 2010er sind eine Dekade voller Innovationen und Erfolge. Die Einführung der S 1000 RR setzt neue Maßstäbe im Superbike-Segment. Hinzu kommt ein völlig neues Segment - die Heritage Motorräder. Sie bringen jede Menge Retro-Charme in die Modellpalette, während die GS-Modelle weiterhin Abenteuerlustige begeistern.

Mehr und mehr haben sich BMW Motorräder aber weltweit nicht nur einen exzellenten Ruf hinsichtlich Qualität, Fahrdynamik und Komfort erarbeitet, sondern tragen auch wesentlich zur Imagebildung der Marke BMW bei. Auch viele Prominente genießen die „Freude am Fahren“ auf einer BMW, und so lässt es sich der amerikanische Schauspielers Peter Fonda, den Motorradfahrern spätestens seit „Easy Rider“ bestens bekannt, nicht nehmen, am 23. Februar 1990 anlässlich seines 50.

Heute das modernste Motorradwerk der Welt. Die alten Werkshallen sind heute Industriedenkmäler und wurden mit großem Aufwand restauriert.

Besichtigung des BMW Group Werks Berlin

Im Werk der BMW Group in Berlin-Spandau werden in historischen Backsteinbauten BMW Motorräder für den Verkauf rund um den Globus hergestellt. Bei Werksführungen werden Einblicke in die hochmoderne Fahrzeugproduktion gewährt. Als traditionsreicher Produktionsstandort erzählt das Werk gleichzeitig eine spannende Geschichte. BMW Motorradreifen sind gefüllt mit Berliner Luft.

Was sie antreibt? In 100 Minuten nehmen wir Sie mit auf eine Reise durch das Logistikzentrum und die Montagehalle des Leitwerks der Motorradproduktion. Sie besuchen das modernste Logistikzentrum der Motorradindustrie. Hier arbeitet BMW Motorrad nicht nur innovativ, sondern auch besonders organisiert: Alle 75 Sekunden verlässt ein fertiges Motorrad das Werk und macht sich auf den Weg in eines der 130 Länder, die von Berlin-Spandau aus beliefert werden. In den Montagehallen des BMW Group Werks Berlin können Sie miterleben, wie der Motor, das Herzstück eines jeden Motorrads, entsteht. Seien Sie live dabei, wenn aus rund 2.000 Teilen und Komponenten individuelle Motorräder nach Kundenwunsch produziert werden.

Die Extended Tour sind 130 Minuten voller spannender Einblicke in das BMW Group Werk Berlin. Freuen Sie sich auf einen Besuch des innovativen Logistikzentrums und der Montagehallen, sowie exklusiv bei der Extended Tour auch auf den Besuch der Mechanischen Fertigung, dort erfahren Sie alles rund um die Herstellung unserer Motorräder. Im historischen Gebäude der Mechanischen Fertigung entstehen dank modernster Technologien rund 4.000 Motorteile am Tag. Gemeinsam schauen wir uns die einzelnen Arbeitsschritte und die neuesten Technologien aus den Bereichen Virtualisierung, Data Science und Künstlicher Intelligenz an. Erhalten Sie detaillierte Informationen zur Motorradfertigung und verfolgen Sie den gesamten Produktionsprozess der BMW Motorräder! Buchen Sie jetzt einen Termin für Ihre iFACTORY EXPERIENCE im BMW Group Werk Berlin.

Die Schultour ist für Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren konzipiert. In 100 Minuten werden die Inhalte der Basic Tour altersgerecht vermittelt. Gezeigt werden die Bereiche der Logistik und die Montagehallen. Dort dürfen Schulklassen die einzelnen Produktionsschritte begleiten - vom Einzelteil bis hin zum fertigen Motorrad! Interessierte Lehrkräfte buchen im Ticketshop bitte das Gruppenticket Basic Tour und geben im Kommentarfeld an, dass es sich um eine Schulklasse handelt. Sie können für Ihre Gruppe ein Mittagessen in der Betriebsgastronomie des BMW Group Werks Berlin hinzubuchen.

Kinder unter 14 Jahren dürfen nicht an der Führung teilnehmen. Für eine vollwertige Tour-Erfahrung werden Audioguides mit einem Kopfhörer bereitgestellt. Das Tragen des Kopfhörers ist Pflicht. Die Tour ist nicht geeignet für Schwangere und Personen mit elektronischen medizinischen Implantaten (z.B. Herzschrittmacher, Insulinpumpen etc.), da in einigen Bereichen elektromagnetische Strahlung eingesetzt wird, die bei Implantaten zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Tickets erhalten Sie im Ticketshop. Bitte beachten Sie, dass alle Tickets für Führungen vorab gekauft werden müssen.

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