Ein Laufrad zu bauen, ist für viele Fahrer eins der abschreckendsten Dinge, die man an seinem BMX-Rad machen kann. Zu viele Speichen, zu viele Löcher in der Felge, zu viele Dinge, die man falsch machen kann. Damit dich diese Aufgabe nicht in die Verzweiflung treibt, stellen wir heute die entsprechende Folge unserer Technikserie online.
Nicht jeder hat schon einmal ein BMX Rad aufgebaut, aber keine Angst die meisten Modelle kommen ohnehin zu 90% vorinstalliert, und da man anderst wie bei einem Mountainbike keine Schaltung oder Federgabel einstellen muss, ist der Aufbau im Handumdrehen erledigt und man kann in wenigen Minuten fahrbereit durch die Lüfte springen.
In unseren weitern Technik Teilen werden wir uns mit Einspeichen, Zentrieren von BMX Felgen, Pflege des Kettenantriebs, Pfelge der Lager, Aus-und Einbau einer BMX Kurbel, Reifen wechseln, Anbau von BMX Pegs, Installation einer Kette, beschäftigen.
Die richtigen Zutaten und Werkzeuge
Es gibt viele verschiedene Methoden, seine Laufräder zu bauen, aber allen Herangehensweisen ist eines gleich: Zuerst braucht man die richtigen Zutaten. Das dürften heutzutage fast immer ein Felgenring mit 36 Löchern und eine dazu passende Nabe mit der gleichen Lochzahl sein. Wie lang die Speichen sein müssen, solltest du unbedingt im Fachhandel erfragen.
An Werkzeug brauchst du nur einen Schraubenzieher und einen Speichenschlüssel. Ein Zentrierständer ist zwar sehr hilfreich, der kostet aber richtig Geld und lohnt sich nur, wenn man häufiger Laufräder baut bzw. und kann recht kurzfristig einspeichen. deshalb sind diese Voraussetzungen nötig.
- Speichennippel werden zumeist aus vernickeltem Messing hergestellt.
- Für Leichtgewicht- und Hochleistungslaufräder gibt es auch Aluminiumnippel.
- Sie sparen ein klein wenig Gewicht und sind sehr zuverlässig, wenn man sie richtig benutzt.
- Aluminiumnippel dürfen nur mit Felgen verwendet werden, die um die Löcher herum ein anders Material haben als Aluminium selbst (geöste Felgen).
Materialien - woraus bestehen Laufräder?
Bei Naben und Speichen ist sich die Fahrradindustrie nahezu einig: Nabenkörper werden aus Aluminium und Speichen aus Stahl hergestellt. Es gibt vereinzelt auch Speichen aus Aluminium, Titan, Carbon oder Textilfasern, oder Naben mit Carbonteilen; aber am großen Markt spielen sie kaum ein Rolle. Felgen hingegen waren früher oft aus Stahl, werden mittlerweile meist aus Aluminium und immer öfter aus Carbon hergestellt.
Alu-Felgen sind dabei günstiger und Carbonfelgen präzise nach der gewünschten Steifigkeit oder Flexibilität konstruierbar. Aluminium lässt sich zudem farbig eloxieren und macht so individuellen Gestaltungsspielraum bei Laufrädern möglich.
Die Speiche und ihre Bauweisen
Die Speiche ist ein Draht aus Stahl; ihre Anzahl und Vorspannung ergeben die Stabilität des Laufrads. Herkömmliche Speichen sind J-förmig, haben also ein gebogenes Ende mit flachem Speichenkopf, das durch ein Loch im Flansch der Nabe gefädelt wird. Das andere Ende der Speiche ist mit einem Gewinde versehen, auf das der Nippel aufgeschraubt wird. Die Speiche ist quasi eine Schraube und der Nippel eine Mutter.
Naben ohne klassischen Flansch benötigen sogenannte Straightpull-Speichen, die einer Schraube noch ähnlicher sind, weil sie keinen Bogen aufweisen und gerade in den Speichensitz der Nabe eingefädelt werden. Das Zentrieren von Straightpull-Speichen ist schwieriger, da man sie vor dem Mitdrehen schützen muss.
Die Qualitäts-, Preis- und Gewichtsunterschiede von Speichen finden sich in ihrer Form und Stärke. Üblicherweise sind Fahrradspeichen am Kopf und am Gewinde 2 Millimeter stark. Man spricht von Glattspeichen, wenn sie durchgängig von derselben Stärke sind (z. B. DT Swiss Champion oder Sapim Leader.
Bei sogenannten Eindickendspeichen (z. B. DT Swiss Alpine III) wird der Speichenbogen verstärkt. Bei Sportlaufrädern werden meist sogenannte Doppeldickendspeichen verwendet, die im langen, graden Teil schlanker werden, wie etwa bei der DT Swiss Competition und der Sapim Race (beide 2,0-1,8-2,0 mm) oder der DT Swiss Revolution (2,0-1,5-2,0 mm).
Während die bisher genannten Speichen einen runden Querschnitt haben, gibt es auch sogenannte Messerspeichen mit ovalem Querschnitt (z. B. Sapim CX-Ray). Sie weisen ab 35/40 km/h bessere Aerodynamik auf und sind durch die Bearbeitung ein wenig dauerhaltbarer.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Einspeichen
- Die inneren Speichen einsetzen: Du fängst damit an, die inneren Speichen auf beiden Seiten in die Nabe zu stecken. D.h. du steckst in jedes zweite Loch im Flansch von außen eine Speiche.
- Bonustipp: Bonustipp für Verrückte, die durch das Ventilloch das Logo auf der Nabe sehen wollen: Du steckst das vom Logo aus gesehen dritte Speichenpaar in die Löcher links vom Ventilloch.
- Felgenausrichtung beachten: Achte auf jeden Fall darauf, dass die meisten Felgen die Speichenbohrungen leicht versetzt Richtung Rand angebracht haben und du die Speiche vom rechten Nabenflansch in dem Loch befestigst, das auf der rechten Seite der Felge ist.
- Die erste äußere Speiche: Die erste äußere Speiche einzubauen, ist am schwierigsten. Es ist sowieso ein bisschem komplizierter, die Speiche von innen durch den Flansch zu stecken.
- Speichen kreuzen: Bei Laufrädern mit 36 Speichen ist es üblich, die Speichen dreimal zu kreuzen. Wenn du das geschafft hast, baut sich der Rest des Laufrades quasi von alleine. Auch auf der anderen Seite werden auch alle Speichen dreifach gekreuzt.
Das Zentrieren des Laufrads
Das Laufrad ist jetzt fast fertig und muss nur noch zentriert werden. Bevor es aber mit dem richtigen Zentrieren losgeht, müssen die Speichen auf Spannung gebracht werden. Zuerst schraubt man alle Nippel mit einem Schraubenzieher bis zum Gewindeende auf die Speichen. Dann zieht man mit einem Speichenschlüssel alle Speichen zwei Umdrehungen fest. Das tut man aber bitte zuerst auf einer und dann auf der anderen Seite.
Je nach verwendeter Kombination von Felgen, Speichen und Nabe kann es sein, dass die Speichen immer noch zu wenig Spannung haben. Als Faustregel sollte gelten, dass die Spannung möglichst hoch und möglichst gleichmäßig sein sollte. Wenn alle Speichen die gleiche Spannung haben, wird die Felge aller Voraussicht nach noch nicht perfekt rund laufen. Das ist einfach zu beheben.
- Bei einem Seitenschlag ziehst du die Speiche(n) etwas fester, die auf der dem Schlag gegenüberliegenden Seite sitzen.
- Bei einem Höhenschlag musst du die Speichen auf beiden Seiten festziehen.
Die "Acht" in der Felge beseitigen
Früher oder später ist er da: Der Seitenschlag in der Felge. Wie Du Dein Laufrad wieder zurück in die Spur bekommst, erfährst Du hier. Die "Acht" in der Felge - wer kennt sie nicht? Wenn der Schlag nicht zu extrem ist, bekommst Du ihn meistens wieder herauszentriert. Aber wie geht das? Beim Zentrieren veränderst Du die Spannung der Speichen. Durch diese Speichenspannung wird die Felge gleichzeitig von beiden Seiten nach außen und Richtung Nabe gezogen, wodurch das Laufrad eine enorme Steifigkeit erlangt.
Ähnlich wie beim Tauziehen, wenn beide Parteien gleich stark sind, stabilisiert sich das System. Im Idealfall ziehen alle Speichen gleichmäßig, dann läuft die Felge gerade.
Um das Laufrad zu zentrieren, musst Du natürlich zuerst einmal wissen, wo an der Felge der Seitenschlag sitzt und zu welcher Seite er ausschlägt. Dazu hängst Du Dein Laufrad in den Zentrierständer. Stelle die Schenkel der sogenannten Justierzange so nahe an die Felgenflanke, dass sich das Laufrad gerade noch frei drehen kann. Der Abstand zwischen der Justierzange und der Flanke sollte also möglichst klein sein.
Wenn Du nun das Laufrad im Zentrierständer drehst und währenddessen die Justierzange noch näher an die Felge heranfahren lässt, wirst Du sehen, wie die Felge seitlich taumelt. Die Felgenflanke wird bald die Justierzange touchieren, aber nur an einem Teil der Felge. Dies macht sich durch ein kurzes, schabendes Geräusch bemerkbar. Genau dort sitzt Dein Seitenschlag!
Vorsicht bei Messerspeichen
Wenn Du Messerspeichen (also abgeflachte Speichen) hast, musst Du sie mit einem Speichenhalter festhalten. Sonst kann es sein, dass sie sich verdrehen. Das hat zwei Folgen: Die Speiche hat dann kaum noch Steifigkeit in die Belastungsrichtung und kann schnell brechen. Außerdem "schneidet" die auf Aerodynamik optimierte Speiche nun nicht mehr durch die Luft, sondern wirkt wie ein Segel. Der Vorteil der Messerspeiche ist damit dahin und kehrt sich gar zum Nachteil um.
Platziere den Speichenhalter beim Anziehen der Speichen so nah wie möglich am Speichennippel, um so wenig Torsion (Verdrehung) wie möglich zu erreichen. Wichtig: Messerspeichen immer vor Verdrehung schützen.
Zentrieren Schritt für Schritt
- Drehe das Laufrad im Zentrierständer oder am Bike an.
- Schau genau hin, ob die Felge nach links oder rechts auslenkt.
- Zieht sie nach rechts, müssen die Speichen gespannt werden, die vom Felgenring aus zur Gegenseite hin zeigen, also zum linken Nabenflansch (Nicht-Antriebsseite).
- Zieht sie nach links, müssen die Speichen gespannt werden, die vom Felgenring aus zur Gegenseite hin zeigen, also zum rechten Nabenflansch (Antriebsseite).
Die Speichenspannung wird in Schritten von einer viertel Umdrehung des Speichennippels erhöht. Achtung: Dafür muss der Speichenschlüssel, wie abgebildet, von oben betrachtet gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden. Um die Speiche zu spannen, muss der Nippelspanner (von oben betrachtet) gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden.
Ziehe alle Speichen der entsprechenden Seite an, die sich auf dem Kreisbogen befinden. Gehe dabei kleinschrittig vor, am Besten in viertel Umdrehungen. Kontrolliere den Schlag direkt nach dem ersten Durchgang. Er wird nun dezenter als zuvor ausfallen, sowohl in der Auslenkung als auch in der Länge des Kreisbogens. Taste dich nun weiter vor, bis der Schlag gänzlich oder fast ganz verschwunden ist.
Wenn Du dich dem Optimalzustand annäherst, in dem die Felge schnurgerade ist, musst Du beim Anziehen noch kleinschrittiger werden. Lässt sich eine Speiche nur extrem schwer drehen, da sie schon stark gespannt ist, müssen zuerst die benachbarten Speichen der Gegenseite links und rechts davon etwas gelöst werden (Nippelspanner im Uhrzeigersinn drehen).
Beim Anziehen einer Speiche hörst Du hier und da sicher mal ein Knarren oder Knarzen. Das ist nicht schlimm und kommt durch die Reibung zwischen Nippelkopf und Felgenbett unter Druck.
Als Faustregel für eine vernünftig Zentrierung gilt: Ein Laufrad für Felgenbremsen sollte nahezu perfekt gerade sein, da sich beim Bremsen sonst ein störendes Pulsieren bemerkbar machen kann. Ein Scheibenbrems-Laufrad ist da unkritischer: Da ist 1mm Seitenschlag gar nicht schlimm und kann ohne weiteres toleriert werden, solange die Speichenspannung stimmt.
Video Bitte bei der ersten Fahrt nach dem Zentrieren nicht erschrecken: Die Speichen haben nun mehr Spannung als vorher und können sich daher noch an den Speichenkreuzungen „setzen“. Dies macht sich durch ein deutlich hörbares Knarzen bemerkbar. Dieser Effekt ist ganz normal, sollte aber schon nach kurzer Fahrt aufhören.
Laufradbau: Tipps und Beratung
Du stehst vor der Frage: System-Laufradsatz oder Laufrad selber bauen? Wir erklären Dir die Grundlagen für die Auswahl von Felgen, Speichen und Naben. Ein Laufrad besteht von innen nach außen aus einer Nabe, einer Anzahl Speichen mit Speichennippeln und einer Felge. Alles Weitere, der Freilauf etwa, Kassette, Achse, Bremsscheiben oder Reifen, wird in anderen Beiträgen behandelt. Wie sorgfältig diese Bauteile ausgesucht und miteinander kombiniert werden, entscheidet über die Lebensdauer des Rads.
Heute gibt es eine Menge guter fertiger Laufräder oder Systemlaufräder zu kaufen, weshalb nicht mehr jeder Laden automatisch selbst welche baut. Systemlaufräder gibt es in leicht, steif, robust oder preiswert. Sie zeichnet allerdings oft die Verwendung herstellergebundener Bauteile aus. Man ist dann bei einem Defekt auf das konkrete Bauteil angewiesen. Hier muss ein Laufrad für viele Menschen gut passen. Wenn Du Dein individuelles Laufrad baust, kannst Du es ganz auf Deine Bedürfnisse abstimmen. Der Aufwand ist allerdings größer.
Bei der Belastung, also beim Fahren, arbeitet das Laufrad. Das Gewicht von Mensch und Fahrrad hängt an der Nabe, die wiederum an dem oberen Teil der Felge hängt. Die unteren Speichen sind dabei „entspannt“. Das Laufrad arbeitet also permanent. Das sieht man nicht mit dem bloßen Auge und hören darf man es auch nicht.
Was direkt auffällt: Es gibt Laufräder mit verschiedenen Anzahlen von Speichen. Weit verbreitet sind 24, 28, 32 und 36 Stück. Heutzutage sind, abgesehen von Systemlaufrädern, 32 Speichen am üblichsten. Die Menge muss dabei nicht zwangsläufig etwas über Stabilität und Gewicht aussagen, kann aber ein Indiz sein. Die Anzahl ist immer durch vier teilbar, denn es gibt auf beiden Seiten der Nabe innen und außen liegende Speichen - macht vier Arten.
Wichtig ist, dass die Anzahl der Speichenlöcher an Nabe und Felge übereinstimmen. Am Mountainbike sind Speichen fast immer dreifach gekreuzt, das heißt, jede Speiche kreuzt drei entgegenlaufende Speichen zwischen Nabe und Felge. Das ergibt die beste Balance aus Stabilität und Elastizität. Andere Muster wie Zweifachkreuzungen sind möglich, darauf gehen wir an anderer Stelle detaillierter ein.
Die Physik und der Laufradbau
Du kennst die Basics und willst mehr erfahren über die physikalischen Hintergründe, die an einem Laufrad wirken? Wir erklären Dir die Zusammenhänge.
Verwandte Beiträge:
- Laufrad selbst einspeichen: Anleitung & Tipps für den Erfolg
- Laufrad einspeichen 28 Loch: Anleitung & Tipps für den Profi
- Laufrad einspeichen 36 Loch 3-fach gekreuzt: Anleitung & Tipps
- Laufrad richtig einspeichen: Anleitung für Einsteiger & Profis
- Moped Theorie Fragen: Prüfungsvorbereitung & Tipps zum Bestehen
- Radfahren nach Hüft-TEP: Die besten Tipps für einen sicheren und erfolgreichen Neustart
Kommentar schreiben