E-Bikes sind heute weit mehr als nur Fahrräder mit Motor. Sie sind vernetzte Systeme, die zunehmend von Software gesteuert und begleitet werden.
Ob Navigation, Reichweitenanzeige, Motorsteuerung, Fehlerdiagnose oder Fahrstatistik - für all das braucht es moderne, leistungsfähige Apps. Immer mehr Hersteller setzen auf eigene App-Ökosysteme. Gleichzeitig buhlen etablierte Drittanbieter wie Komoot, Strava oder Ride with GPS um die Gunst der Nutzer. Die einen bieten maximale Integration, die anderen maximale Freiheit. Doch welche App ist für wen geeignet? In diesem Beitrag nehmen wir die wichtigsten E-Bike-Apps unter die Lupe.
Getestet wurden sowohl markeneigene Lösungen wie Bosch eBike Flow oder Bafang Go als auch unabhängige Touren- und Fitness-Apps.
Die wichtigsten E-Bike-Apps im Überblick
Hier ist ein Überblick über einige der getesteten Apps:
- Bosch eBike Flow
- Komoot
- Strava
- Ride with GPS
- Bafang Go
Bosch eBike Flow App
Die eBike Flow App ist das zentrale Steuerungselement für alle Bosch Smart System E-Bikes ab Modelljahr 2022. Sie verbindet Smartphone, Akku, Motor und Bordcomputer wie den Kiox 300 oder das LED Remote. Besonders gelungen ist die Navigation: Über komoot-Integration lassen sich Routen einfach importieren und in der App nutzen.
Allerdings ist die App ausschließlich mit Bosch-Systemen kompatibel. Nutzer anderer Antriebe bleiben außen vor.
Komoot
Komoot ist eine der beliebtesten Outdoor-Apps in Europa - nicht nur für E-Biker, sondern auch für Wanderer und Radreisende. Ein Highlight ist der speziell entwickelte E-Bike-Routingmodus. Hier werden Höhenmeter, Untergründe und Energiebedarf berücksichtigt, um möglichst effiziente Routen zu berechnen.
Ein klarer Pluspunkt: Die App funktioniert komplett offline, sobald die jeweilige Region einmal heruntergeladen wurde. Komoot hat keine eigene Schnittstelle zur Motorsteuerung, dafür aber viele Integrationen: Bosch, Wahoo, Garmin, Sigma und andere Systeme lassen sich problemlos anbinden.
Strava
Strava ist die App der Wahl für alle, die ihre E-Bike-Fahrten detailliert analysieren, mit Freunden vergleichen oder Trainingspläne aufstellen möchten. In der E-Bike-Kategorie bietet Strava spezielle Filter und Segmente an. Der soziale Aspekt steht bei Strava im Vordergrund.
Nutzer können sich gegenseitig folgen, Fahrten liken, kommentieren und sich zu Touren verabreden. Strava selbst bietet keine Navigation oder Reichweitenanzeige.
Ride with GPS
Ride with GPS ist in Deutschland weniger bekannt, in Nordamerika aber die Standard-App für Fahrradreisen und lange Touren. Besonders überzeugend ist die Offline-Fähigkeit: Karten und Routen lassen sich in beliebiger Zahl lokal speichern - inklusive Navigation, POI-Infos und Höhenprofil.
Anders als Strava legt Ride with GPS Wert auf Navigation und weniger auf Leistungssport. Nutzer können Touren nach Energieprofilen sortieren, etwa „wenig Steigung“, „Panoramaroute“ oder „Akkuschonend“. Ein Nachteil: Viele Funktionen sind erst in der kostenpflichtigen Premiumversion verfügbar.
Bafang Go App
Die Bafang Go App richtet sich an Besitzer von Bafang-Antrieben und ermöglicht grundlegende Einstellungen sowie Diagnosedaten. Ein interessanter Punkt ist die Möglichkeit, die Unterstützungskennlinien anzupassen. Die Navigation ist rudimentär, basiert auf Google Maps und bietet keine Höhenprofilanalyse oder Reichweitenschätzung.
Für Gelegenheitsnutzer genügt das, Vielfahrer werden die Tiefe vermissen. Bafang arbeitet laut eigenen Angaben an einer Überarbeitung für 2026, bei der mehr Konnektivität, cloudbasierte Einstellungen und Over-the-Air-Updates geplant sind.
Diebstahlschutz für E-Bikes: Bosch ConnectModule und Flow+
Die Zahl der gemeldeten Fahrraddiebstähle nahm in den letzten Jahren zwar nicht zu, aber die Schadenshöhe steigt dennoch an. Für alle E-Bikes mit einem Bosch Smart System bietet der schwäbische Motorenhersteller nun den eigenen Ortungsdienst mit entsprechender Hardware an.
Das Bosch ConnectModule ist ein kleines Ortungsgerät mit integriertem Bewegungssensor, einem GPS-Tracker und einem Mobilfunkmodul (LTE & NB-IoT). Für das Nachrüst-Kit verlangt Bosch 139 €, bei Online-Händlern ist es jedoch bereits ab 100 € zu haben. Zusätzlich zum einmaligen Anschaffungspreis werden laufende Kosten für den Flow+ Service fällig, denn das ConnectModule überträgt seine Position über das Mobilfunknetz.
Nach einem kostenlosen Probejahr schlägt das Folgejahr mit 39,99 € zu Buche, oder man wählt ein monatlich kündbares Abo für 4,99 € pro Monat.
Installation des ConnectModule:
Die erste Hürde beim Einbau des ConnectModule ist die Auswahl der passenden Variante. Es gibt zwei Modelle, eines für E-Bikes mit Bosch Performance Line CX- und Cargo Line-Motoren, und eines für Performance Line-Antriebe. Die Modelle weisen unterschiedliche Halteplatten auf, die jeweils nur zum entsprechenden Motor passen. In den meisten Fällen wird das ConnectModule direkt am Motor befestigt.
Das ConnectModule besitzt zwei Kabelanschlüsse, um sich in die Verbindung vom Motor zum Display oder vom Motor zur Steuereinheit einzuklinken. Dafür liegt dem Nachrüst-Kit ein kurzes Kabel bei. Ein Ende geht zum Motor, das andere zur LED-/Purion 200-Remote, dem System-Controller oder einem Kiox 300/500-Display - je nachdem, was an eurem E-Bike gerade verbaut ist.
Als letzten Schritt müsst ihr in der Bosch Flow-App den Flow+ Service aktivieren und euch mit eurem E-Bike verbinden.
Funktionen des Flow+ Abos
- eBike Lock-Funktion: Der Motor wird beim Ausschalten gesperrt und kann nur durch das Smartphone oder ein Kiox-Display wieder entsperrt werden.
- eBike Alarm: Ortungsfunktionen sowie die Alarm- und Benachrichtigungs-Funktionen.
- Parkposition: Zeigt den letzten Abstellort des E-Bikes an.
- Service Charge: Das ConnectModule kann auch das E-Bike aus dem Standby aufwecken und eine sogenannte Service Charge vornehmen.
Alarmfunktionen
Hat man in der Flow-App den Bike-Alarm aktiviert, folgt auf eine verdächtige Bewegung im ausgeschalteten Zustand ein schnelles Piepen. Außerdem geben die LEDs an der Remote eine verräterische Lightshow von sich, und das Display zeigt „eBike gesperrt“ an.
Interessanterweise verfügt das ConnectModule selbst über keinen Lautsprecher, sondern macht sich den Lautsprecher des Motors zunutze.
Registriert das E-Bike im geschützten Zustand Bewegungen, sendet es eine Benachrichtigung an das Smartphone. Verändert sich dann noch der Standort, wird der Tracking-Modus aktiviert.
Transport-Modus
Hat man vor, mit dem E-Bike zu verreisen, lässt sich der Transport-Modus aktivieren. Das E-Bike bleibt weiterhin durch die eBike Lock-Funktion geschützt, aber alle Alarm- und Tracking-Funktionen sind vorübergehend deaktiviert.
Wichtig ist, dass man den Transport-Modus nur in Bluetooth-Reichweite mit dem Smartphone wieder deaktivieren kann, aber nicht aus der Ferne.
Fazit zum ConnectModule
Einfacher als mit dem ConnectModule war es noch nie, ein Bosch E-Bike mit einem GPS-Tracker samt Mobilfunkmodul auszurüsten. Und dank der Integration in das Bosch Smart System fällt die Funktionalität höher aus als bei vergleichbaren Drittanbieter-Lösungen.
Bosch eBike Flow App: Das smarte System im Detail
Beim neuen smarten System von Bosch ist grundsätzlich erst einmal alles neu. Am meisten sieht man davon bei der neuen LED Remote am Lenker. Dann gibt es da noch das KIOX 300 Display. Das ist nicht Pflicht. Du kannst auch nur mit der LED-Remote fahren.
Die App für Android und iPhone ist das einzige extern verbundene „Connected Device“ für das smarte System.
Um das Rad mit der App zu verbinden brauchst du eine Bosch ID. Die kannst du direkt in der App anlegen. Bitte nicht mit dem Bosch eBike Connect Portal verwechseln! Wichtig für alle Umsteiger vom Nyon oder KIOX. Das smarte System ist nicht mehr mit dem Connect Portal kompatibel!
Über die Bosch Flow App kannst du alle „nicht-Plus“ Unterstützungsstufen individuell konfigurieren. In meinem Fall waren das Eco, Sport und Turbo. Der Tour+ Modus reagiert progressiv auf den Fahrer und ist nicht weiter individualisierbar.
Individualisierung der Unterstützungsstufen
In der Praxis musst du allerdings viel Zeit und Geduld mitbringen um dich langsam an deine perfekte Einstellung heranzutasten. Am Ende war ich dann doch meist im Tour+ Modus unterwegs.
| App | Bluetooth | GPS | Daten | Offline-Modus |
|---|---|---|---|---|
| Bosch eBike Flow | Hoch | GPS | Daten | Nein |
| Komoot | Mittel | Nur GPS | Daten | Ja |
| Strava | Mittel bis Hoch | GPS | Tracking | Nein |
| Ride with GPS | Gering | GPS | Daten | Ja (effizient) |
| Bafang Go | Gering | GPS | Daten | Nein |
Konnektivität und fehlende Funktionen
Mir fehlt ECHTE Vernetzung. Warum sendet Bosch beim Systemwechsel nicht die Daten über die Standard-Schnittstelle ANT+ LEV? Des weiteren vermisse ich die Ladebuchse für Smartphone, GPS & Co. So kann ganz schnell der Handy-Akku auf Tour schlapp machen.
Smartphone als Navi: Alternativen und Zubehör
Denn nur das vorhandene Handy mit einer passenden Outdoor-App auszustatten, reicht noch nicht für einen erfolgreichen Bike-Ausflug.
Um der Strecke zu folgen, muss das Display gut ablesbar im Blickfeld des Bikers liegen. Außerdem muss in jedem Fall verhindert werden, dass sich das teure Telefon löst und auf den Trail stürzt. Wir haben unterschiedliche Modelle getestet. Passgenaue Hüllen mit Lenkerbefestigung und Universalhalterungen.
Stromversorgung
Auf ausgedehnten Touren verdient die Stromversorgung besondere Beachtung. Durch das eingeschaltete Display mit aktiver Hintergrundbeleuchtung schnellt der Stromverbrauch rapide in die Höhe. Ein leerer Akku nach zwei bis drei Stunden ist keine Ausnahme, wenn man das Handy als Bike-Navi nutzt.
Was liegt näher, als per Powerbank oder aus dem großen E-Bike-Akku während der Fahrt nachzuladen? Aber Vorsicht: Das dauernde Gewackel ist nicht gut für die kleinen USB-Steckverbindungen. Bei modernen Telefonen bietet die drahtlose Qi-Ladetechnik eine praktische Alternative.
Alternativen zum Smartphone: GPS-Geräte
Spricht in Zeiten von wasserdichten Smartphones und einer Fülle an ausgereiften Apps überhaupt noch etwas für ein teures, eigenständiges GPS-Navigationsgerät?
Pro Smartphone als Bike-Navi
- Der größte Posten bei der Anschaffung ist schon erledigt - das Smartphone selbst.
- Die Bedienung ist eingängiger, da sich die App-Entwickler an den Prinzipien der Handy-Bedienung orientieren.
- Das Display ist sehr groß und im schattigen Bereich ordentlich ablesbar.
- Größte Stärke ist die riesige Auswahl an Apps. Jeder findet seinen Favoriten.
Pro GPS-Navi
- Der GPS-Radcomputer mit Navigation ist deutlich robuster gebaut.
- Bei der Akku-Laufzeit muss man sich keine Gedanken machen.
- Das Display ist in der prallen Sonne deutlich besser ablesbar, auch wenn es kleiner ist.
- Das GPS-Navi funktioniert immer - auch ohne Internet im Funkloch.
- Im Kaufpreis ist alles enthalten: Halterung, Software ohne laufende Abo-Kosten und Karten inkl. kostenloser Updates.
App-Vergleich: Komoot, Outdooractive, Locus Map, Bergfex
Wir haben vier Apps genauer angeschaut. In der Praxis wurden Auswahl und Qualität der Touren-Vorschläge geprüft. Während der Navigation spielte der Komfort der Zielführung eine große Rolle, ebenso wie der Funktionsumfang auf abgelegenen Strecken ohne mobilen Internetempfang.
Dabei bleibt festzuhalten: Es gibt nicht die eine App für alles. Aber das ist der Vorteil des Smartphones. Jede App spielt ihre Stärken aus, und es lassen sich problemlos mehrere Apps nebeneinander zu Navigation oder Tracking nutzen. Am Ende muss jeder für sich entscheiden, ob das sündhaft teure Smartphone am Lenker den Gefahren eines Trail-Abenteuers ausgesetzt wird.
Komoot
- Stärke: Einfache Bedienung; gute Streckenvorschläge; viele Schnittstellen (GPS, E-Bike)
- Schwäche: Nicht komplett offline; Premium-Abo mit begrenztem Mehrwert
Outdooractive
- Stärke: Detaillierte Such- und Filtermöglichkeiten für Touren-Vorschläge; viele Integrationen der Smartwatch
- Schwäche: Nicht komplett offline; kein Re-Routing
Locus Map
- Stärke: Volle Offline-Funktion; preiswerte Abo-Modelle; große Kartenauswahl
- Schwäche: Keine fertigen Touren-Vorschläge; Schnittstellen zu GPS und E-Bike fehlen
Bergfex
- Stärke: Sehr schönes Kartenbild; gute Oberflächen-Infos und Wegtypen; detailliertes Höhenprofil mit Hangneigung
- Schwäche: Keine Zielführung; Touren-Vorschläge versteckt zwischen Tourismusangeboten
Bosch eBike Flow App: Neue Funktionen durch Updates
Gleich mehrere praktische Verbesserungen für E-Bike-Fahrer bringt die gerade veröffentlichte neue Version 1.25 der eBike-App Flow von Bosch. Besonders interessant ist die neue Anfahrhilfe für die eShift-Lösung Rohloff E-14. Diese sorgt dafür, dass beim Anhalten automatisch ein niedrigerer Gang eingelegt wird.
Komoot wurde noch tiefer integriert. Über „Live Sync“ lassen sich geplante Touren jetzt noch einfacher in die eBike Flow App übertragen, sagt Bosch.
Nutzer können nun mit einem Klick zwischen einer zentrierten Kartenansicht und einer herausgezoomten Gesamtübersicht wechseln.
Wichtig: Apple-Nutzer sollten beachten, dass die eBike Flow App künftig nur noch auf Apple Watch-Modellen ab Series 4 unterstützt wird.
Weitere Neuerungen in Version 1.23
- Detailliertere Kartendarstellung auf Kiox 300 und Kiox 500
- Anzeige des Akku-Ladezustands in Prozent
- Kreisdiagramm zur Darstellung der Leistungsaufteilung zwischen Fahrer und Motor
- Balkendiagramm zur Anzeige der Nutzung der Fahrmodi
- Installation neuer Fahrmodi per App (z.B. Eco+)
- Speicherung der App-Daten in der Cloud
Bosch SmartphoneHub: Die intelligente Steuerzentrale
Das Bosch SmartphoneHub macht euer Handy zur intelligenten Steuerzentrale des E-Bikes und kombiniert Navigation mit interessanten Zusatzfunktionen. Solo ist es ein minimalistisches E-Bike-Display, das die nötigsten Fahrdaten anzeigt.
In Kombination mit eurem Handy wandelt sich sein Charakter komplett und es wird zur intelligenten Steuerzentrale. Die Fahrdaten wandern dann über Bluetooth vom Minidisplay auf die große Leinwand des Smartphones. Die COBI.Bike-App regelt dabei den Datenaustausch.
Während der Fahrt kann das eigene Smartphone vom SmartphoneHub aufgeladen werden. Als Nachrüstlösung kostet das Bosch SmartphoneHub 230 €.
Navigation mit dem SmartphoneHub
Wer mit GoogleMaps vertraut ist, wird schnell mit der Navigation der COBI.Bike-App zurechtkommen. Wählen könnt ihr zwischen der schnellsten, der kürzesten oder der ruhigsten Verbindung. Auf der ruhigsten Route werden Hauptstraßen weitestgehend vermieden.
Die Navigationsfunktion gleicht die Akkureichweite der gewählten Motorunterstützungsstufe mit der Distanz zum Ziel ab und platziert einen roten Marker als Hinweis, wenn das Ziel außerhalb der Reichweite liegt. Während der Fahrt besteht sogar die Möglichkeit, wie bei einem Auto-Navi eine Sprachausgabe zu aktivieren, die auf Abzweigungen hinweist.
Komplexere Routen mit Zwischenzielen lassen sich nur über das Bosch eBike Connect-Portal oder die verbundenen Dienste wie Komoot und Strava planen.
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