Bowdenzug Kupplung am Motorrad: Funktion, Aufbau und mehr

Die Kupplung ist ein essenzielles Teil am Motorrad, und jeder interessierte Motorradfahrer sollte wissen, wie diese funktioniert. Vor allem, wenn die Kupplung mal nicht wie gewünscht arbeitet, stellt sich die Frage, wie diese aufgebaut ist und an welcher Stelle Reparaturen vorzunehmen sind.

Was vielen nicht bewusst ist: Bei der Kupplung handelt es sich um ein Verschleißteil. Bei normaler Fahrweise muss die Kupplung nach 30.000-50.000 Kilometern überholt werden, bei extremer Belastung schon früher. Deshalb möchte ich in diesem Beitrag erklären, wie eine Motorradkupplung aufgebaut ist, wie sie funktioniert und was für Defekte entstehen können.

Wofür benötige ich die Kupplung und wo ist diese zu finden?

Ganz einfach gesagt, sorgt die Kupplung dafür, dass man stehen bleiben und anfahren kann, ohne den Motor zu stoppen. Aus technischer Sicht ist die Kupplung das Bindeglied zwischen dem Motor und dem Getriebe, sie ermöglicht eine Trennung der Beiden zu jedem Zeitpunkt. Im weitesten Sinne besteht die Kupplung aus dem Teil im Motor, dem Bowdenzug und dem Hebel am Lenker. Ich fokussiere mich auf den Teil im Motor, bei Arbeiten an der Kupplung sollte man jedoch das ganze System betrachten.

Da du nicht ohne Weiteres in deinen Motor schauen und die Kupplung suchen kannst, beschreibe ich die Position der Kupplung kurz. Die Kupplung befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite der Kette, im Motor hinter einem großen Seitendeckel. Dieser Seitendeckel ist auch bei verbautem Motor demontierbar, um die Arbeit an der Kupplung zu ermöglichen.

Wie ist die Motorradkupplung aufgebaut?

Vorneweg möchte ich sagen, dass jede Kupplung anders konzipiert ist und dementsprechend auch die Funktionsweisen unterschiedlich sein können. Der hier beschriebene Aufbau ist beispielhaft und dürfte auf 99% aller Motorräder zutreffen, im Zweifel solltest du aber einen Mechaniker zu Rate ziehen. Die Motorradkupplung besteht aus einem inneren und einem äußeren Kupplungskorb, der Druckplatte, den Reibscheiben, den Stahllamellen und den Federn. Dazu kommen noch ein paar Kleinteile, aber das sind die Hauptbestandteile. Ich beschreibe den Aufbau der Montagereihenfolge entsprechend.

Das erste Teil ist der äußere Kupplungskorb, dieser hat auf der Außenseite einen großen Zahnkranz, der in das Ritzel an der Kurbelwelle greift, und läuft innen frei auf der Antriebswelle des Getriebes. Der innere Kupplungskorb kommt als nächstes und wird durch eine Verzahnung fest mit der Antriebswelle verbunden. Die beiden Kupplungskörbe sind nicht miteinander verbunden und können sich unabhängig voneinander bewegen.

Meist rasten die Reibscheiben in den äußeren Korb und die Stahllamellen in den inneren Korb ein, eine umgekehrte Konstruktion ist auch möglich, jedoch sehr selten. Die Reibscheiben und Stahllamellen sind abwechselnd in die Kupplungskörbe eingesetzt, beginnend und endend mit einer Reibscheibe, zusammen nennt man diesen Stapel das Kupplungspaket. Den Abschluss dieses Paketes bildet die Druckplatte. Zu guter Letzt werden die Federn montiert und die Kupplung ist komplett.

Wie funktioniert die Motorradkupplung?

Jetzt wo der Aufbau bekannt ist, lässt sich auch die Funktionsweise leichter verstehen. Wenn wir den Kraftfluss nachvollziehen, ergibt sich die Funktion der einzelnen Bauteile. Die grundsätzliche Aufgabe der Kupplung ist es, die Kraft von der Kurbelwelle zur Antriebswelle im Getriebe zu leiten und eine Trennung der Kraftübertragung zu ermöglichen.

Die Kraft kommt vom Ritzel der Kurbelwelle und wird an den äußeren Kupplungskorb weitergegeben. In diesen sind die Reibscheiben eingesetzt und übertragen die Kraft an die Stahllamellen. Diese Lamellen sitzen auf dem inneren Kupplungskorb und dieser überträgt die Kraft auf die Antriebswelle des Getriebes. Die erste Funktion ist also erfüllt.

Möchte man, durch Ziehen der Kupplung, den Kraftschluss unterbrechen muss man die Druckplatte entlasten. Diese wird durch die Federn im Normalzustand fest auf das Kuplungspaket gedrückt und sorgt für die notwendige Reibung um die Kraft zu übertragen. Das wollen wir in diesem Fall aber nicht, also entlasten wir die Druckplatte und trennen somit die Reibscheiben von den Stahllamellen. Wenn diese getrennt sind, kann die Kraft nicht mehr von der Kurbelwelle ins Getriebe geleitet werden.

Hydraulische Kupplungen vs. Seilzugkupplungen

Einige Motorräder sind mit einer hydraulischen Kupplung ausgestattet, während andere eine Seilzugkupplung haben. Die Grundelemente einer hydraulischen Kupplung sind den herkömmlichen Seilzugkupplungen ähnlich: Lamellen, Fasern und der Kupplungskorb bilden weiterhin das Herzstück dieses Systems. Hydraulische Kupplungen haben die gleichen Lamellen, Fasern und den gleichen Kupplungskorb wie eine normale Seilzugkupplung. Der einzige Unterschied besteht in dem System, das die Kupplungsscheiben auskuppelt.

Wenn der Kupplungshebel bei einer hydraulischen Kupplung gezogen wird, wird Flüssigkeit durch einen Schlauch nach unten gedrückt, um die Kupplungsscheiben zu trennen. Bei einer normalen Seilzugkupplung zieht der Hebel an einem Seil.

Vorteile hydraulischer Kupplungen

  • Leichter Einzug: Die Idee, hydraulische Kupplungen aufgrund ihres leichteren Einzugs zu implementieren, ermöglichte es KTM, steifere Kupplungsfedern zu verwenden. Diese Veränderung stärkte die Kupplung erheblich und verlieh ihr zusätzliches Drehmoment.
  • Einfacher Herstellungsprozess: Im Gegensatz zu seilbetätigten Kupplungen, die oft aufwändige Mechanismen erfordern, nutzt das hydraulische System von KTM einen Kupplungsnehmerzylinder und eine Schubstange, die sich geschützt innerhalb des Motors befinden.
  • Automatische Einstellung: Hydraulische Kupplungen stellen sich automatisch ein, so wird das ungewollte Kupplungsschleifen und somit erhöhter Verschleiß ausgeglichen, bzw. verhindert. Dies bedeutet, dass die Kupplungsscheiben sich nicht durch die auftretende Reibungswärme so stark ausdehnen und der Ausrückpunkt konstant bleibt.

Mögliche Probleme bei hydraulischen Kupplungen

Wenn Dein Bike trotz gezogener Kupplung nicht still steht, kann dies auf Probleme hinweisen, dass die Hydraulikflüssigkeit im System der Kupplung entweder abgenutzt ist oder Luftblasen enthält.

  1. Prüfe den Flüssigkeitsstand im Hydraulikbehälter der Kupplung.
  2. Entlüfte die Kupplung gemäß den Anweisungen in Ihrer Betriebsanleitung.
  3. Ersetze die Hydraulikflüssigkeit, falls die Flüssigkeit alt oder abgenutzt ist.
  4. Stelle sicher, dass die Kupplung richtig eingestellt ist.

Hier ist Vorsicht geboten, denn einige ältere Magura-Hydraulikkupplungssysteme nutzen Mineralöl anstelle von Bremsflüssigkeit. Wenn Bremsflüssigkeit in einem System verwendet wird, das für Mineralöl ausgelegt ist, führt die Bremsflüssigkeit dazu, dass die Dichtungen aufquellen und undicht werden.

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