Die Wartung und Schmierung von Bowdenzügen ist ein wichtiger Aspekt der Motorradpflege. Durch regelmäßige Pflege kann die Lebensdauer der Züge verlängert und ein reibungsloser Betrieb gewährleistet werden. Hier sind einige Tipps und Informationen zur richtigen Vorgehensweise.
Wann und wie oft sollten Bowdenzüge geschmiert werden?
Viele Motorradfahrer fragen sich, wie oft sie die Bowdenzüge schmieren sollten. Einige handhaben es alle 10.000 km beim Kundendienst oder nach jeder Wäsche, während andere es regelmäßig alle paar Monate machen. Eine allgemeine Empfehlung ist, die Züge einmal jährlich in der Winterpause zu schmieren.
Welche Schmiermittel sind geeignet?
Die Wahl des richtigen Schmiermittels ist entscheidend. Hier eine Übersicht:
- Bowdenzugspray: Viele verwenden spezielle Bowdenzugsprays, die bei Fachhändlern wie Louis erhältlich sind. Ein Adapter erleichtert das Auftragen.
- Gabelöl: Einige Motorradfahrer nutzen Gabelöl, da es für Teflon und Kunststoffe geeignet ist, die in den Gabeln verbaut sind.
- Lithiumseifenfett: Dieses Fett kann zusätzlich in die Stellschrauben, Schlitze und Durchgänge der Züge geschmiert werden.
- Lagerfett: Für Fußrasten und Seitenständergelenke ist Lagerfett empfehlenswert.
- Teflon- oder Silikonspray: Diese Sprays sind besonders für Züge mit Teflonbeschichtung geeignet.
- Fein-Schmieröl: Ein hochwertiges, dünnflüssiges Fein-Schmieröl mit gutem Korrosionsschutz kann für Ventile, Klappen, Schieber, Armaturen und Schlösser verwendet werden.
- Nähmaschinenöl: Einige Motorradfahrer empfehlen Nähmaschinenöl als Alternative.
Welche Schmiermittel sollten vermieden werden?
Es gibt auch Schmiermittel, die für Bowdenzüge ungeeignet sind:
- WD-40: Auf gar keinen Fall WD-40 verwenden! Es ist ein Reinigungsöl, das Fette löst und somit mehr schaden als nutzen kann.
- Ölhaltige Mittel: Öle können mit der Zeit klebrig werden und Dreck anziehen. Zudem können sie die Teflonbeschichtung der Züge angreifen.
Besonderheiten bei Teflon-beschichteten Zügen
Viele moderne Bowdenzüge, insbesondere Kupplungszüge, sind mit Teflon beschichtet. Diese Beschichtung reduziert die Reibung und sorgt für eine leichtere Betätigung. Es ist wichtig, bei der Wartung dieser Züge spezielle Vorsicht walten zu lassen.
Die Innenseiten der Bowdenzüge können mit Teflon beschichtet sein, welches Reibung vermindert. Wird dieses Teflon mit den falschen Mitteln gepflegt, quillt es auf. Daher sollten Teflon-beschichtete Züge nur mit speziellem Teflon-Spray oder Silikonspray behandelt werden. Ölhaltige Mittel sind unbedingt zu vermeiden, da sie die Beschichtung beschädigen können.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Schmierung von Bowdenzügen
- Zugänglichkeit schaffen: Lenker ganz nach rechts einschlagen, um das linke Lenkerende höher zu positionieren.
- Einstellschraube justieren: Die Einstellschraube am Kupplungshebel so drehen, dass der Schlitz nach oben zeigt, um den Bowdenzug zugänglich zu machen.
- Öl einfüllen: Hebel ziehen und Öl in den Spalt geben. Dies kann mit einer Dose mit Röhrchen oder einem klassischen Ölfläschchen erfolgen.
- Öl verteilen: Hebel loslassen, wodurch das Öl in die Tülle geschoben wird. Diesen Vorgang so oft wiederholen, bis das Öl am anderen Ende des Bowdenzuges wieder herauskommt.
- Überschuss entfernen: Das überschüssige Öl, das an den Enden austritt, abwischen.
Reinigung von Bowdenzügen
Vor dem Schmieren kann es sinnvoll sein, die Bowdenzüge zu reinigen, um alten Schmutz und Ablagerungen zu entfernen. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten:
- Bremsenreiniger vermeiden: Kunststoffe und längerer Kontakt von Bremsenreiniger sind keine gute Kombination, da sie sich dann zersetzen können.
- Trockenreinigung: In der Regel müssen Bowdenzüge nicht gereinigt werden, da sie ein halbwegs geschlossenes System bilden.
Austausch von Bowdenzügen
Wenn ein Bowdenzug schwergängig ist oder Beschädigungen aufweist, sollte er ausgetauscht werden. Ein defekter Zug kann das Fahrvergnügen erheblich beeinträchtigen. Es ist ratsam, bei der Montage darauf zu achten, dass der Bowdenzug nirgends abknickt und nicht eingeklemmt wird, besonders im Bereich des Lenkkopfes.
Anstatt eines speziellen Schmiermittels kann man auch einfach einen neuen Zug kaufen. Alle 70000 km oder 12 Jahre kann man die auch auf Verdacht wechseln.
Alternative Methoden zur Schmierung
Einige Motorradfahrer bevorzugen alternative Methoden zur Schmierung:
- Trichter-Methode: Aus einem dünnen Stück Pappe oder steifer Folie einen Kegel um das Seil rollen, dessen Spitze in die Hülle ragt. Hier wird das Öl eingefüllt, bis es unten aus der Hülle wieder herausläuft.
- Spritzen-Methode: Eine Spritze (10 ml o.ä.) mit Öl und eine Kanüle verwenden, um das Öl in den Zug zu injizieren.
Fußrasten und andere bewegliche Teile
Neben den Bowdenzügen sollten auch andere bewegliche Teile wie Fußrasten und Seitenständergelenke regelmäßig geschmiert werden. Hierfür eignet sich Lagerfett oder Lithiumseifenfett. Die Gelenke der Hebel selbst können mit Sprühfett behandelt werden, da andere Öle schnell durch Regen abgewaschen werden.
Problemlösung
Einige Motorradfahrer haben spezifische Probleme mit ihren Bowdenzügen. Ein Beispiel ist ein Motorrad, bei dem die Drehzahl im Stand hochgeht, wenn der Lenker voll eingeschlagen ist. In solchen Fällen sollte man prüfen, ob der Gaszug eingeklemmt ist oder ob es lose Kontermuttern am Vergaser gibt. Durch Bewegen des Mantels des Bowdenzuges kann man feststellen, ob der innere Zug beeinflusst wird.
Zusätzliche Tipps
- Reparaturbücher: Es gibt Reparaturhandbücher, die wertvolle Informationen und Tipps zur Wartung von Motorrädern enthalten.
- YouTube-Tutorials: Auf YouTube finden sich zahlreiche Tutorials, die die verschiedenen Wartungsschritte anschaulich erklären.
- Ersatzteile: Es ist ratsam, einen Ersatz-Bowdenzug mitzuführen, um im Falle eines Defekts schnell handeln zu können.
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