Nierengurt beim Motorradfahren: Notwendigkeit und Nutzen

Der Nierengurt ist ein Verkaufsschlager und neben Handschuhen und Motorradhelm vermutlich der meistverkaufte Motorradartikel auf dem Markt. Es handelt sich um einen 15 bis 30 cm breiten und elastischen Leibgurt, der von Motorradfahrern um die Taille getragen wird. Dem Nierengurt werden verschiedene Funktionen und Aufgaben zugesprochen.

Ist Motorradfahren ohne Nierengurt sicher?

Es besteht keine Pflicht, auf dem Motorrad Schutzkleidung zu tragen. Einzige Ausnahme stellt der Motorradhelm dar. Dieser ist gemäß § 21a Abs. 2 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) tatsächlich beim Fahren vorgeschrieben und zwar nicht nur für den Motorradfahrer selbst, sondern auch für jeden Passagier, den er auf seinem Bike mitnimmt.

Auf Motorrädern können Sie leicht die Balance verlieren, was zu schmerzhaften Stürzen führen kann. Vor allem bei hohen Geschwindigkeiten besteht die Gefahr, dass Sie sich dabei Verletzungen zuziehen. Eine dick gepolsterte Motorrad-Schutzausrüstung verringert dieses Verletzungsrisiko erheblich.

Juristische Aspekte und Konsequenzen

Es kann aber auch juristische Konsequenzen haben, wenn Sie auf dem Motorrad ohne Schutzkleidung unterwegs sind. Ein Bußgeld müssen Sie dafür nicht fürchten, denn wie schon erwähnt ist das Tragen von Schutzkleidung auf dem Motorrad nicht vorgeschrieben. Sind Sie allerdings in einen Unfall verwickelt und werden verletzt, wird Ihnen aufgrund der fehlenden Schutzausrüstung möglicherweise eine Teilschuld zugesprochen, selbst wenn Sie ansonsten nichts für den Unfall können.

Dies ist immer eine Einzelfallentscheidung, die vom Gericht getroffen werden muss (z. B. OLG Brandenburg, Urteil vom 23.07.2009 - 12 U 29/09 oder OLG Düsseldorf, Urteil vom 12.02.2007 - 1 U 182/06). Die Teilschuld wird in derartigen Fällen üblicherweise damit begründet, dass der betroffene Motorradfahrer nicht alle zumutbaren Maßnahmen getroffen hat, um sich selbst vor möglichen Verletzungen zu schützen.

Mitverschulden und Schadensersatz

Als Folge eines solchen Mitverschuldens kann ein möglicher Anspruch auf Schadensersatz reduziert werden. Doch gerade in jüngerer Zeit tauchen auch vermehrt Urteile auf, laut denen dem Fahrer keine Teilschuld an seinen Verletzungen aufgrund fehlender Motorrad-Schutzkleidung zugesprochen wurde. So geschah es zum Beispiel in einem Fall in München, bei dem der betroffene Biker Turnschuhe statt Motorradstiefeln trug (OLG München, Endurteil v.

Die unterschiedlichen Urteile zeigen: Ob Ihnen bei einem Unfall ein Mitverschulden an Ihren Verletzungen angerechnet wird, ist stets eine Einzelfallentscheidung.

Nierengurt in der Fahrschule

Für Fahrschüler ist Schutzkleidung auf dem Motorrad tatsächlich Pflicht. Tauchen Sie ohne entsprechende Motorrad-Schutzkleidung auf, wird die Schulungs- bzw.

Aufgaben und Funktionen des Nierengurts

Der Nierengurt gehört zur Grundausstattung eines Motorradfahrers. Neben Helm, Handschuhen und geeigneten Stiefeln findet man ihn nahezu bei jedem Motorradfahrer. Er wird um die Leibesmitte bzw. Taille getragen und dient also Schutz, Erwärmung und Stabilisation.

Schutz vor Auskühlung

Motorradfahrer sind stärker vom Wetter abhängig als zum Beispiel Autofahrer. Sie müssen daher ihre Kleidung immer dem Wetter anpassen - im Sommer wie im Winter. Ein Nierengurt kann vor Unterkühlung schützen, die zum Beispiel aus ständigem Fahrtwind resultieren kann. Der Nierengurt schützt einen sehr empfindlichen Körperbereich. Auskühlen kann zu Muskelverspannungen führen und im schlimmsten Fall auch zu Organproblemen.

Medizinisch gesehen ist diese Funktion des Nierengurtes unumstritten. Allerdings muss man auch einräumen, dass die heutige Motorradkleidung und Schutzausrüstung separate Nierengurte gar nicht immer mehr nötig macht. Insbesondere die Motorradkombis (also Einteiler) bieten hier bereits guten Schutz.

Schutz vor Vibrationen

Im Gegensatz zum Auto spürt der Motorradfahrer das Bike und die Kraft des Motors sehr direkt und sehr deutlich. Bei mittleren und höheren Geschwindigkeiten gibt es eine Menge Vibrationen, die über Sattel und Gesäß direkt in die Körpermitte gelenkt werden. Daher ist oft die Meinung vertreten, dass deswegen die Nieren eine besondere Stabilisierung benötigen.

Was ja auch den Namen des Nierengurtes erklären würden. Hier ist es aber so, dass Mediziner dafür keine Indikation sehen, da die Nieren im Körper ausreichend gut gelagert und geschätzt sind. Einen zusätzlichen „Stoßdämpfer“ braucht es daher also nicht.

Stabilisierung

Zu guter Letzt wird dem Nierengurt eine stabilisierende Wirkung nachgesagt. Durch den Nierengurt wird der untere Rumpfbereich kompakt gehalten und gestützt. Da der Unterkörper (Beine, Gesäß und Hüfte) durch die Sitzposition eng am Tank eine gute Stabilität bekommt, wird hier quasi der Rumpfbereich mit stabilisiert und nach oben verlängert.

Das Tragen des Nierengurts gibt also nicht nur ein „sicheres“ Gefühl, weil man kompakt gehalten und gestützt wird, sondern entlastet auch deutlich bei langen Fahrten. Es muss etwas weniger Kraft aufgewendet werden, um die Körpermitte zu halten und auch die Erschütterungen werden etwas kompensiert. Verspannungen können verhindert werden und der Fahrkomfort steigt dadurch sozusagen.

Arten von Nierengurten

Man kann Nierengurte aus verschiedenen Perspektiven betrachten: nach ihrem Material, nach ihrer jahreszeitlichen Nutzung und nach dem Verschluss.

Material

Es gibt Nierengurte aus Polyester und aus Neopren. Das sind die Hauptgruppen.

Jahreszeit

Es macht einen großen Unterschied, ob du einen Nierengurt für Touren im warmen Sommer benötigst oder für Fahrten im Winter bzw. in kalten Monaten.

  • Nierengurte für Frühling und Sommer verfügen in der Regel über Belüftungssysteme und sind aus atmungsaktiven Materialien (Polyester, Polyamid) hergestellt.
  • Im Herbst und Winter hingegen eignet sich Neopren besonders gut, da Nierengurte aus diesem Material hervorragend wärmen.

Verschluss

Im Grunde haben sich nur zwei Verschlussarten durchgesetzt: der Klettverschluss und der Haken bzw. Schnallenverschluss. Mit Handschuhen mag der Klettverschluss etwas besser zu schließen und zu öffnen sein, aber das ist wohl eher Geschmacksache.

Was kostet ein Nierengurt?

Nierengurte gibt es in den verschiedensten Ausführungen und bewegen sich preislich im Mittel zwischen 40 und 60 Euro. Aber es gibt auch preiswertere Modelle und durchaus hochpreisige Ausführungen.

Hier ist eine Übersicht über die Preisspannen:

Ausführung Preisspanne
Einsteiger ab 15 Euro
Leder ab 40 Euro
Protektoren integriert 60 Euro

Wie trage ich den Nierengurt richtig?

Der Körpermitte-Gurt wird am besten unter der Motorradkleidung - Motorradjacke, Protektorenhemd, Protektorenweste oder Motorradkombi - getragen. Aber über der Unterbekleidung, also nicht auf der nackten Haut.

Reinigung und Pflege

Nierengurte aus synthetischen Materialien können in der Waschmaschine gewaschen werden. Allerdings nur bei niedrigen Temperaturen (30 Grad) und dann auch nur im Schonwaschgang. Und auch nicht im Wäschetrockner trocknen, sondern auf der Leine!

Nierengurte aus Leder gehören natürlich nicht in die Waschmaschine. Das versteht sich von selbst. Sie werden mit einem feuchten Tuch gereinigt und nach Bedarf anschließend mit Lederpflege behandelt, damit sie schön geschmeidig bleiben und lange halten.

Fazit

Ein Nierengurt gehört neben Helm, Handschuhen und Motorradstiefeln zur Standardausrüstung eines Motorradfahrers. Er wird eng um die Körpermitte getragen, wodurch er den Rumpf stabilisiert und schützt.

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