Breite MTB-Lenker: Vor- und Nachteile

Die Wahl des richtigen Lenkers ist entscheidend für Fahrdynamik, Komfort und Ergonomie auf dem Mountainbike. Der Lenker beeinflusst die Körperhaltung, das Handling und den Komfort maßgeblich. Es gibt eine Vielzahl von Lenkerformen, und die Klassifizierung erfolgt nach Breite, Biegung nach hinten (Kröpfung oder Backsweep), Biegung nach oben bzw. unten (Upsweep bzw. Downsweep) und Bauhöhe (Riser oder Flatbar).

Lenkerbreite: Mehr Kontrolle oder eingeschränkte Manövrierfähigkeit?

Je breiter der Lenker, desto größer ist der physikalische Hebel, was zu mehr Druck, Kontrolle und präziseren Lenkbewegungen führt. Deshalb sind die MTB-Lenkerbreiten in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen. Allerdings ist mehr nicht zwangsläufig besser. Als Faustregel gilt: je technisch anspruchsvoller und abfahrtslastiger der Einsatzbereich, desto breiter der Lenker.

  • Cross-Country- oder Marathon-Racer: 700 bis 740 mm
  • Trailbikes und Enduros: 740 bis 780 mm
  • Downhill- und Freeride-Mountainbiker: 780 mm und breiter (bis zu 820 mm)

Die Breite des Lenkers sollte auch auf die Statur des Fahrers angepasst sein. D.h. man sollte den Lenker anhand der eigenen Schulterbreite wählen. So breit, damit die Handgelenke beim Greifen nicht einknicken.

Unangenehm wird es oft dann, wenn Du das Gefühl hast, die Arme künstlich spreizen zu müssen. Auch für Menschen, die häufig sehr enge Trails in Angriff nehmen, ist „bigger“ nicht automatisch „better“, schließlich kann die Differenz zwischen 750 und 780 mm im Fichtenslalom schon den Unterschied zwischen Frust und Freude ausmachen.

Wählen Sie einen zu breiten Lenker, müssen Sie zu weit nach außen fassen. Um die Stabilität und Haltung zu erhalten, müssen die Arme, Hände und Handgelenke unnötig viel Muskelkraft aufwenden, was zu Schmerzen in den Schultern, Nacken und Armen, aber auch zu einem erhöhten Kraftverlust führt. Das gleiche gilt, wenn Sie einen zu schmalen Lenkerbügel wählen.

Je schmaler ein Lenker ist, desto geringer ist die Kontrolle beim Fahren. Deshalb sind zum Beispiel MTB-Lenker mit oft deutlich über 70 cm meist besonders breit gestaltet. Für City-Bikes hingegen ist es wichtig, dass die Räder nicht zu ausladend sind, um sich auf dem Radweg nicht ins Gehege zu kommen. Hier sind Breiten um die 50 bis 58 cm gängig.

Rise, Upsweep und Backsweep: Die Geometrie des Lenkers

Rise

Der Rise, bzw. die Steigung eines Lenkers wird meist in Millimetern angegeben. Der Begriff bezeichnet den Höhenunterschied zwischen Lenkermitte und Griffbereich. Lenker ohne Rise werden auch Flatbar genannt, solche mit Steigung eben Riser-Lenker oder Riser-Bar. Der gebräuchlichste Rise liegt zwischen 10 mm und 30 mm, bei mehr spricht man von High-Risern.

Mit dem Lenker-Rise kannst Du relativ einfach Deine gewünschte Cockpit-Höhe an Stack-Höhe, Steuerrohrlänge und Gabel-Einbauhöhe Deines Bikes anpassen. Allgemein sorgt ein niedriges Cockpit für viel Druck auf dem Vorderrad und verhindert, dass es beim Klettern steigt. Ein höheres Cockpit macht die Sitzposition entspannter und reduziert Überschlaggefühle, wenn es steil bergab geht.

Upsweep

Der Upsweep bezeichnet die Biegung des Lenkers nach oben, gemessen in Grad zwischen der Mittelachse des Lenkers und dem Griffbereich. Werte zwischen drei und acht Grad sind üblich. Weil der Upsweep stark mit Lenkerbreite und Rise zusammenhängt, geben manche Hersteller ihn nicht separat an.

Backsweep

Der Backsweep ist die Biegung des Lenkers nach hinten. Ein Lenker mit einem geringen Backsweep zwischen 5° und 8° erleichtert eine dynamisch angewinkelte Ellenbogenposition und sorgt so für viel Kontrolle über das Vorderrad. Gleichzeitig erhöht eine solche Lenkerform die Belastung auf die Handgelenke. Hersteller bieten deshalb Modelle mit einem relativ hohen Backsweep von 12° oder 16° an, die für eine natürliche Handposition sorgen.

Deutlich zum Fahrer hin gebogene Lenker finden sich vor allem bei Alltags- und Cityrädern sowie bei vielen Touren-Bikes. Sie erlauben eine vergleichsweise entspannte Haltung. Diese horizontale Biegung wird bei Fahrradlenkern auch als Kröpfung oder Backsweep bezeichnet.

Materialien: Carbon, Aluminium, Stahl oder Titan?

Carbon und Aluminium dominieren die MTB-Welt. Ein Carbon-Lenker ist leichter oder kann noch steifer gebaut werden. Er kann aber auch mit mehr Eigendämpfung entwickelt werden, um Vibrationen zu filtern, was zu weniger Ermüdung führt. Allerdings ist Carbon auch teurer als Aluminium.

Mit Aluminium lassen sich bei vertretbarem Gewicht sehr steife Lenker bauen, die zudem bei Stürzen oder intensiver Belastung unempfindlicher sind. Zudem ist Aluminium nahezu beliebig oft recycelbar und damit trotz der relativ hohen Energiekosten bei der Herstellung ein recht umweltfreundlicher Werkstoff. Nicht zuletzt sind Aluminium-Lenker günstiger.

Lenker aus Stahl kommen wegen des relativ hohen Gewichts trotz ihrer hervorragenden Steifigkeits- und Komfortwerte eher im unteren Preissegment sowie im Tourenbereich zum Einsatz. Lenker aus Titan sind leicht, wunderschön, langlebig, begehrenswert und teuer.

Vorbauklemmungen und Durchmesser

Mountainbike-Lenker gibt es üblicherweise in drei Klemmdurchmessern: 25,4 Millimeter, 31,8 Millimeter und 35 Millimeter. Der Trend zu immer breiteren Lenkern hat historisch zu einer Vergrößerung des Klemmmaßes geführt. Denn der größere Hebel bedeutet auch mehr Stress für das Material. Wer das Maximum an Steifigkeit und Kontrolle sucht, ohne das Gewicht in die Höhe zu treiben, greift zum größeren Durchmesser. Etwas mehr Flex und Komfort bietet oft „die goldene Mitte“ mit 31,8 Millimetern.

Beim Lenkerdurchmesser an den Griffen ist aber alles ganz einfach. Er beträgt immer 22,2 Millimeter.

Den richtigen Lenker finden

Die Form und Ausrichtung des Lenkers trägt zu einem nicht unerheblichen Teil dazu bei, wie komfortabel sich ein Bike fährt. Prinzipiell solltest du deinen Lenker so wählen, dass du dich auf dem Rad auch bei längerem Fahren rundum wohl fühlst.

Ein zentraler Schritt auf dem Weg zum perfekten Lenker ist, die für sich richtige Breite herauszufinden. Das braucht ein paar simple Tests, die aber kein Geld kosten, sondern nur einen vorhandenen Lenker und etwas Entschlossenheit erfordern.

Versetzt die Hebel eurer aktuellen Cockpit-Einstellung mitsamt den Griffen exakt um den Wert nach innen, den ihr als Kürzung des Lenkers simulieren wollt. Wenn eure Lock-On-Griffe das nicht mitmachen, ersetzt sie für die Testphase durch ein anderes, vielleicht schon abgenutztes Paar, das ihr an den Enden kappt, sodass ihr sie beliebig weit nach innen schieben könnt.

Okay, Test abgeschlossen und 750 mm Breite fühlten sich am besten an? Das ist eine geniale Erkenntnis! Einfach abschneiden wäre ein einfacher Job für jeden, der eine Metallsäge und eine Schneidehilfe im Werkzeugkoffer liegen hat - oder sogar einen Rohrschneider.

Labortests haben gezeigt, dass die Steifigkeit mit jeder Kürzung um 20 mm recht gleichmäßig um jeweils 10 % zunimmt. Das gilt für Alu ebenso wie für Carbon. Aus genau diesem Grund sind Lenkerkürzungen um mehr als 20 mm bereits kritisch. Um nicht nur die Länge, sondern auch das Fahrgefühl und den Flex eines Lenkers perfekt zu erwischen, ist es ratsam, ihn möglichst nahe an der Breite zu kaufen, in der er nach dem Zuschnitt auch tatsächlich gefahren wird.

Wer sich die Erkenntnisse zu idealer Breite, Flex und Klemmmaß zu Herzen nimmt und bereit ist für einige Testfahrten, hat gute Chancen, für sich einen Lenker zu finden, der wirklich passt.

Zusammenfassung

  • Breite Lenker bieten mehr Kontrolle und präzisere Lenkbewegungen, können aber die Manövrierfähigkeit einschränken.
  • Die Wahl der richtigen Breite hängt von Einsatzbereich, Körpergröße und Schulterbreite ab.
  • Rise, Upsweep und Backsweep beeinflussen die Körperhaltung und den Komfort.
  • Carbon-Lenker sind leichter und können mehr Eigendämpfung bieten, sind aber teurer als Aluminium-Lenker.
  • Die richtige Vorbauklemmung und der Durchmesser sind wichtig für Steifigkeit und Kontrolle.
  • Testfahrten helfen, den perfekten Lenker für die individuellen Bedürfnisse zu finden.
Eigenschaft Vorteile Nachteile
Breite Lenker Mehr Kontrolle, präzisere Lenkbewegungen Eingeschränkte Manövrierfähigkeit, mögliche Schmerzen in Handgelenken
Schmale Lenker Bessere Manövrierfähigkeit auf engen Trails Weniger Kontrolle, eingeschränkte Atmung
Carbon-Lenker Leicht, gute Dämpfung Teuer, empfindlich
Aluminium-Lenker Robust, günstig Weniger Dämpfung, schwerer

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0