Die Bremsen sind ein entscheidender Faktor für Sicherheit und Leistung beim Mountainbiken. Wer richtig schnell sein will, muss auch schnell langsam werden können. Starke Bremsen helfen, maximale Verzögerung auf den Boden zu bringen und die Kontrolle auf immer anspruchsvolleren Strecken zu behalten.
Viele Mountainbiker stehen irgendwann vor der Frage, ob ein Upgrade ihrer Bremsanlage sinnvoll ist. Ein solcher Fall kann eintreten, wenn die vorhandenen Bremsen, wie beispielsweise die Shimano BR M315, nicht mehr den Anforderungen entsprechen, insbesondere bei anspruchsvollen Fahrten mit Hänger oder in bergigem Gelände. Im Folgenden werden verschiedene Aspekte eines solchen Upgrades beleuchtet, inklusive Erfahrungen, Empfehlungen und Testergebnisse.
Erfahrungen mit der Shimano BR M315
Einige Nutzer berichten von einem schnellen Verschleiß der Bremsbeläge bei der Shimano BR M315, insbesondere bei Fahrten mit Anhänger in bergigem Gelände. Die ersten Bremsbeläge waren nach 400 km fast blank. Die Bremswirkung wird im Hängerbetrieb bergab als unzureichend beschrieben.
Alternativen und Empfehlungen
Als Alternative zur BR M315 werden häufig höherwertige Bremsen wie die Shimano XT oder SLX empfohlen. Z.Zt. gibts die gute SLX bei Canyon zum Superpreis.
Für den Einsatz mit Hänger und in anspruchsvollem Gelände wird die Shimano Zee mit Ice Tech Scheiben empfohlen. Auch eine TRP Bremse ist sehr zuverlässig.
Ein Nutzer berichtet von einem Umstieg von einer Tectro-Bremse mit ähnlicher Problematik (geringe Laufleistung der Bremsbeläge) auf eine Saint M820 mit IceTech Scheiben. Nach diesem Umbau wurden 1500 km mit brachialer Bremsleistung in allen Lagen erreicht.
Empfehlungen für Bremsscheiben
Es stellt sich die Frage, ob beim Wechsel auf eine höherwertige Bremse auch die Bremsscheiben ausgetauscht werden sollten. Die Meinungen gehen hier auseinander.
Einige empfehlen, die vorhandenen, preiswerten Scheiben vorerst weiter zu nutzen und erst bei Verschleiß auf teurere Scheiben umzusteigen. Andere raten direkt zu IceTech Scheiben, um die Bremsleistung zu optimieren.
Shimano setzt zum Beispiel bei den XTR ICE-TECH-Bremsscheiben auf einen Kern aus Aluminium, der die Wärmeableitung und das Gewicht verbessern soll. Das Labor hat gezeigt: Die Sandwich-Struktur der Bremsscheibe ergibt Sinn und die Shimano XTR-Bremsen bleiben am kältesten. Besonders mit Sinter-Belägen wird der Effekt noch verstärkt.
Es gibt ein- und zweiteilige Bremsscheiben. Letztere sind auf einem „Stern“ in der Mitte vernietet und schwimmend gelagert. So wird verhindert, dass sich die Reibscheiben bei Wärme ungleichmäßig ausdehnen und verziehen können.
Bremssatteladapter und Scheibengröße
Beim Umstieg auf größere Bremsscheiben ist zu beachten, dass ein Adapter für den Bremssattel benötigt wird. Dieser Adapter sorgt dafür, dass der Bremssattel weiter absteht. Dabei muss auf die Aufnahme des Bremssattels an der Gabel bzw. am Rahmen geachtet werden.
Ein wichtiger Hinweis ist, dass nicht jede Gabel für größere Bremsscheiben geeignet ist. Vor dem Umstieg auf eine 203mm Bremsscheibe sollte geprüft werden, ob die Gabel dafür freigegeben ist.
Bremsbeläge: Organisch oder metallisch?
Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen.
Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische. Wobei sie sich in den Grund-Bestandteilen nicht unterscheiden. Diese sind Reibmaterial, Gleitmittel und Fasern. Das Reibmaterial ist für die Reibung verantwortlich und erzeugt dadurch auch die Bremspower, die man am Ende spürt.
Organische Bremsbeläge auf einer Shimano Zee Bremse können eine gute, geräuschlose Lösung sein. Die Bremswirkung der Zee (ist ja eine 4 Kolben Bremse) ist der absolute Hammer, kein Vergleich zur 315er.
Bremsflüssigkeit: Mineralöl oder DOT?
Hydraulisch betätigte Bremsen bedeutet, dass diese die Kraft durch eine Flüssigkeit übertragen. Derzeit sind zwei Arten von Bremsflüssigkeit vertreten: Mineralöl und DOT.
DOT-Bremsflüssigkeit kommt ursprünglich aus dem Kfz-Bereich. Kleiner Fun-Fact: Sie trägt den Namen vom US-Verkehrsministerium - Department of Transportation. Das wichtigste Merkmal von DOT-Bremsflüssigkeit ist, dass sie hygroskopisch ist. Das heißt, DOT bindet Wasser (unter anderem aus der Luft) und bildet eine homogene Flüssigkeit. Darum sollte die Bremsflüssigkeit regelmäßig getauscht werden. Zudem ist DOT gesundheitsschädlich und aggressiv gegenüber Lack, Haut und Klamotten.
Mineralöl als Bremsflüssigkeit ist die Alternative zu DOT. Das Mineralöl wird aus Erdöl gewonnen und hat in der Regel einen niedrigeren Siedepunkt von 190° C. Es ist nicht gesundheitsschädlich oder schlecht für den Lack, nur der Kontakt mit den Bremsbelägen sollte unbedingt vermieden werden. Mineralöl zieht kein Wasser an, bindet es aber auch nicht.
Testverfahren und Ergebnisse
Um die Performance verschiedener Bremsen zu vergleichen, wurden umfangreiche Tests durchgeführt. Diese Tests umfassen Laboruntersuchungen, Telemetrie-Aufzeichnungen und Praxistests auf dem Trail.
Labortest
Im Labortest wurden Bremsen mit original Bremsbelägen und Bremsscheibe auf dem Prüfstand montiert. Dann folgten 20 Abläufe von je zwei Testverfahren: Der erste Test simulierte eine Verzögerung von 30 km/h bis zum Stillstand und der zweite Test eine Bremsung von 30 auf 15 km/h.
Telemetrie-Aufzeichnung
Um die Unterschiede der Bremsen auf einer Teststrecke aufzeichnen zu können, wurde das BrakeAce Telemetrie-Messsystem verwendet. Das System misst unter anderem die Anzahl und Dauer von Brems-Events. Außerdem werden die durchschnittliche Bremsleistung und die Kraftverteilung zwischen Vorderrad- und Hinterradbremse gemessen.
Trail-Test
Auf den Trails wurden Bremspower, Standfestigkeit, Modulation, Hebelgefühl und die Ergonomie der Bremsen getestet. Die Trails sind gespickt mit Steinplatten und sandigen Kurven, auf denen feines Dosieren besonders wichtig ist.
Testergebnisse
Die Hayes Dominion T4 zeigt eine enorme Performance, sowohl auf dem Trail mit einem sehr guten Bremsgefühl als auch im Labor, und legt damit ein erfolgreiches Comeback hin. Ihre beeindruckende Power und das Hebelgefühl, kombiniert mit dem geringsten Gewicht und nützlichen technischen Features wie die Crosshair-Bremssattel-Montage, machen die Hayes Dominion T4 zum Testsieger im Rennen um die beste MTB-Scheibenbremse.
Die Shimano SLX überzeugt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis im Test und einer starken Verzögerung samt solider Dosierbarkeit. Das digitale Bremsgefühl erfordert eine kurze Eingewöhnung, dafür muss man bei Anmutung, Ergonomie und Handling keine Abstriche in Kauf nehmen.
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