Bremsbeläge für Fahrradfelgenbremsen: Materialunterschiede und worauf zu achten ist

Die Fahrradbremse ist das wichtigste Sicherheitsbauteil am Fahrrad. Damit die Bremse zuverlässig funktioniert und das Fahrrad bei normalen Bremsvorgängen aber auch bei Gefahrenbremsungen zum Stillstand bringt, sollten die Bremsbeläge und die Bremsen Hand in Hand arbeiten.

Grundlegendes zu Felgenbremsen

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen zwei der verschiedenen Arten von Fahrradbremsen: Felgenbremsen (V-Brakes, Seitenzugbremsen, Cantilever-Bremsen) und Scheibenbremsen. Beide Bremsarten haben Bremsbeläge, die von außen sichtbar sind und bei denen man den Verschleiß optisch erblicken kann. Die klassische Felgenbremse ist dabei oftmals die einfachere Variante, wenn es um den Austausch von Bremsbelägen geht. Scheibenbremsen sollte man, sofern man sich selbst als Laie sieht, in einer Fachwerkstatt wechseln lassen.

Im Gegensatz zu Nabenbremsen, die in oder nahe der Laufradnabe sitzen, stoppen Felgenbremsen das Fahrrad mit zwei gegenüberliegenden Bremsbelägen, die von beiden Seiten gegen die Felgenflanken des Laufrads drücken. Meist stammen sie an Markenrädern von Shimano, Sram oder auch Magura.

Der Grundträger der Felgenbremse hat zwei Arme, die bis zu den Felgenseiten reichen. Am Ende dieser Arme befinden sich Bremsbeläge. Anders als bei der Rücktrittbremse, einer Form der Nabenbremse, die du mit den Pedalen aktivierst, ziehst du bei der Felgenbremse den Bremshebel mit den Händen.

Arten von Felgenbremsen

Im Großen und Ganzen findet man noch drei verschiedene Felgenbremsen im Einsatz: Seitenzugbremsen, Cantilever-Bremsen und V-Brake-Bremsen.

  • Seitenzugbremsen: Eine Caliper-Bremse besteht aus einer Bremszange, die du mit je einer Befestigungsschraube an Fahrradrahmen und -gabel anbringst. Von der Bremszange führen zwei Arme zu den Seiten der Felgen. Bei der Seitenzugbremse teilen sich beide Bremsarme einen einzigen Drehpunkt (Single Pivot), der mittig über dem Rad sitzt. Bei der Mittelzugbremse hat jeder Bremsarm einen separaten Drehpunkt. Die Dual-Pivot-Bremse kombiniert die beiden Systeme: Ein Bremsarm hat seinen Drehpunkt seitlich, der andere in der Mitte. Direct-Mount-Bremsen sind flache Bremsen, die auf einen Grundträger verzichten. Stattdessen sitzen die Drehpunkte im Rahmen bzw. der Gabel.
  • Cantilever-Bremsen: Cantilever-Bremsen sind eine Art Mittelzugbremse. Sie bestehen aus zwei separaten Bremsarmen, die links und rechts der Felge sitzen. Um Cantilever-Bremsen anbringen zu können, müssen dafür geeignete Bremssockel am Rahmen vorhanden sein, an denen die Klemmschrauben Halt finden. Dieser Bremsentyp entfaltet seine Wirkung über Kipphebel, die auch „Ausleger" (engl. Cantilever) genannt werden.
  • V-Brakes: Arten: Die Direktzugbremse ist die Seitenzug-Variante der traditionellen Cantilever-Bremse. Hier kommt das Kabel von der Seite. Die Bremsarme sind länger, wobei ein Arm mit dem Kabelgehäuse und einer mit dem Seilzug verbunden ist.

Mechanische vs. hydraulische Felgenbremsen

Neben den mechanischen Felgenbremsen, die über Handkraft und Seilzüge, sogenannte Bowdenzüge, arbeiten, gibt es auch hydraulische Felgenbremsen. Sie arbeiten mit Öldruck und gelten im Vergleich zu mechanischen Felgenbremsen als sehr direkt und leistungsstark.

Bremsbeläge für Felgenbremsen

Bremsklötze sind allen Felgenbremsen gemein und der Verschleiß, der damit einhergeht. Es ist der Aufpreis, den man für die leichtere und günstigere Bauweise der Felgenbremse zahlt. Ein Bremsklotz besteht aus zwei Teilen: dem Bremsschuh und dem Bremsbelag. Der Bremsschuh besteht aus Metall und man befestigt daran den Bremsbelag, welcher aus Gummi besteht und bei Betätigung der Bremse die Felge berührt. Je nach Bremsentyp und Felge benötigt man andere Bremsklötze.

Werden die Bremsschuhe oder Bremsbeläge erneuert, so sind immer beide Seiten auszutauschen. Selbst wenn der Verschleiß einseitig stärker sein mag, sollten beide Bremsbeläge aus dem selben Material bestehen und den selben Härtegrad aufweisen. An dieser Stelle der Hinweis, ist ein Bremsbelag merklich stärker abgenutzt, ist die Bremse evtl. nicht korrekt eingestellt oder Defekt. Es sollte, sofern der Mangel nicht selbst erkannt und behoben werden kann, ein Fachmann konsultiert werden.

Es kann bei den Bremsbelägen ebenfalls eine „linke“ und eine „rechte“ Seite geben. Wird dies auf dem Belag angegeben, ist darauf zu achten, dass dies bei der Montage und dem Wechsel beachtet wird. Die meisten Bremsschuhe weisen eine leichte Krümmung auf und signalisieren damit ein „Oben“ und „Unten“, diese Krümmung wird bei der Montage an die Rundung der Felge angelegt.

Ähnlich wie es bei Fahrradreifen der Fall ist, können Bremsbeläge auch einen unterschiedlichen Härtegrad aufweisen. Alleine durch Temperaturunterschiede können die Materialien im Winter wesentlich härter sein als im Sommer. Die Bremswirkung wird bei der Felgenbremse durch Reibung ausgelöst. Je nach Reibungswiderstand hält das Rad schneller oder nicht so schnell an. Verringert sich die Reibung, dauert ein Bremsvorgang bei sonst gleichen Bedingungen, länger.

Das Material für die Bremsschuhe für die Felgenbremse, V-Brake oder U-Brake kann unterschiedlich hart sein. Auch hier kommt auf die eigenen Bedürfnissen und Ansprüchen an, dazu spielt jedoch das Material der Felge ebenfalls eine Rolle. Nicht jeder Bremsschuh ist für Stahl und Aluminiumfelgen geeignet. Hier gilt es die Beschreibung zu lesen. Bremsschuhe mit unterschiedlichen Materialien sollen verschiedene Eigenschaften miteinander kombinieren. So können die Klötze aus weichem und hartem Material bestehen.

Worauf ist bei Bremsbelägen für Felgenbremsen zu achten?

Es gibt unterschiedliche Bauarten der Felgenbremsen. Am weitesten verbreitet ist die V-Brake mit zwei längeren Hebelarmen. Bei Rennrädern kommen in der Regel Seitenzugbremsen zum Einsatz. Deshalb sollte man beim Kauf selbstverständlich berücksichtigen, dass der Belag auch zur Bremsanlage passt. Ein weiterer wichtiger Indikator ist das Material der Felge. Denn für Carbonfelgen werden spezielle Bremsschuhe benötigt. Sofern nichts anderes in der Produktbeschreibung steht, handelt es sich um klassische Bremsbeläge für Metallfelgen. Wer Carbonfelgen besitzt, sollte deshalb darauf achten, dass explizit ausgewiesen wird, dass die Beläge dafür geeignet sind.

Materialunterschiede bei Bremsbelägen

Bei unterschiedlichen Felgen wirken diese Partikel stark unterschiedlich abrasiv. Es kann alles gut gehen, es kann im Extremfall aber auch ein starkes Kratzgeräusch entstehen was durch Alminumanlagerung im Bremsklotz entsteht.

  • Gummibremsbeläge: Gummibremsbeläge kommen hauptsächlich bei Felgenbremsen und damit bei City-, Trekking- und Rennrädern zum Einsatz. Sie bestehen aus einer speziellen Gummimischung und sind generell recht langlebig. Bei Nässe können sie allerdings an Bremskraft verlieren und neigen dazu, schneller zu verschleißen. Vor allem, wenn Schmutz und Wasser auf die Felge gelangen.
  • Korkbremsbeläge: Diese speziellen Bremsbeläge bestehen aus einer Mischung aus Kork und anderen weichen Materialien. Sie werden in erster Linie bei Rennrädern mit Carbonfelgen verwendet und bringen eine Reihe an Vorteilen mit sich. Zum einen leiten sie Wärme besser ab als herkömmliche Gummibeläge. Das reduziert die Gefahr der Überhitzung. Zum anderen bieten Korkbremsbeläge eine sanfte und gleichmäßige Bremswirkung, was für eine bessere Kontrolle und ein angenehmes Fahrgefühl sorgt.

Ein Bremsschuh, der lange hält, verursacht den Verschleiß woanders, nämlich an der Felge. Deshalb nehme ich gern billige, weiche Bremsschuhe. Die ziehen auch gut.

Verschleiß und Austausch

Da es sich bei Bremsbelägen um Verschleißteile handelt, sollten diese unbedingt regelmäßig geprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden. Andernfalls ist die einwandfreie Funktion der Bremse nicht gewährleistet und die Bremsscheibe oder die Felge können beschädigt werden.

Der Verschleiß ist bei Felgenbremsen oft besser zu sehen als bei Scheibenbremsen. Da das Prinzip von Bremsen denkbar einfach ist, bleibt es nicht aus, dass die Bremsbeläge abnutzen. Durch mechanische Kraft wird ein Material an das andere Gedrückt. Je dreckiger die Felge und der Bremsbelag ist, umso mehr Material wird dabei von der Felge und von dem Bremsbelag gerieben. Der Bremsbelag sollte daher auch immer weicher als das Material der Felge sein, dies ist wiederum der Grund, wieso nicht alle Bremsschuhe gleichermaßen für jede Felge geeignet ist.

Den Verschleiß können Sie häufig ganz einfach an einer Indikatorlinie ablesen. Sie zeigt an, wann ein Wechsel der Beläge notwendig ist. Sicher können Sie auch dann noch ein paar Kilometer fahren, bevor die Beläge komplett aufgebraucht sind.

Wichtig ist jedoch, jede Bremse sollte immer frei von Fett und Dreck sein. Wird das Fahrrad für den Transport zerlegt und die Räder abgenommen, so ist das Rad bei der Montage genau zu zentrieren, damit die Bremsbeläge gleichzeitig an der Felge oder der Bremsscheibe ankommen.

Wann sollten Bremsbeläge gewechselt werden?

Wie oft Sie die Bremsbeläge bei Ihrem Fahrrad wechseln sollten, hängt von mehreren Faktoren ab. Darunter die Art der Bremsen, die Fahrbedingungen und die gefahrene Strecke. Im Allgemeinen sollten Bremsbeläge regelmäßig geprüft und bei Abnutzung ausgetauscht werden. Bei Felgenbremsen sollten die Beläge gewechselt werden, wenn die Rillen fast verschwunden sind oder die Beläge hart und spröde wirken.

Wer häufig bei Nässe oder in hügeligem Gelände fährt, der muss die Beläge häufiger wechseln, da sich der Verschleiß durch Schmutz, Wasser und Bremsmanöver verstärkt. Eine genaue Einschätzung gibt es nicht. Die Abnutzung variiert nämlich individuell. Daher lohnt es sich regelmäßig einen Blick auf die Bauteile zu werden und sie rechtzeitig zu wechseln.

Kosten für den Wechsel von Bremsbelägen

Den Wechsel von Bremsbelägen beim Fahrrad kannst du ganz einfach in einer Werkstatt durchführen lassen. Dort kostet der Spaß zwischen 15 und 30 Euro, je nach Art der Bremsen und Arbeitsaufwand. Dazu kommen die Kosten für die Bremsbeläge selbst: zwischen 5 und 20 Euro.

Selbstwechsel der Bremsbeläge

Möchten Sie sich ein paar Euro sparen, können Sie die Bremsbeläge auch selbst wechseln. Dazu benötigen Sie das passende Werkzeug, zum Beispiel Inbusschlüssel, und etwas handwerkliches Geschick. Für Felgenbremsen reicht es oft, die alten Beläge zu lösen und die neuen einzusetzen. Beachten Sie in jedem Fall die Anleitungen des Herstellers und testen Sie nach dem Wechsel die Bremsen, um eine sichere Funktion zu gewährleisten. Für Einsteiger gibt es zahlreiche Anleitungen und Video-Tutorials, die den Vorgang Schritt für Schritt erklären.

Was sind Cartridge-Beläge?

Um bei einer V-Brake den Bremsbelag zu wechseln, muss dieser komplett abgeschraubt und der neue angebracht werden. Anschließend ist es notwendig, den Ersatzbelag ideal auszurichten. Die Cartridge-Bremsschuhe vereinfachen diesen Prozess ungemein, denn der Gummi kann direkt aus der Fassung gezogen werden. Für den Austausch müssen Sie deshalb lediglich eine Metallklammer entfernen, den verschlissenen Belag herausziehen, den neuen einstecken und wieder mit der Klammer sichern. Eine Schraube braucht nicht geöffnet zu werden und die Nachjustierung entfällt ebenfalls.

Weitere wichtige Aspekte

Fading

Bei den Bremsvorgängen entsteht durch die Reibung zwischen Brems-Belag und -Scheibe Wärme, die beide Bauteile erhitzt. Durch die steigende Hitze werden die Reibungskräfte und somit auch die Bremsleistung verringert. Dieser Effekt, der als Fading bezeichnet wird, tritt jedoch nur auf, wenn die Bremsen durch lange Abfahrten stark belastet werden. Im Alltag ist dieser Effekt kaum messbar. Um die Wärmeentwicklung zu verringern, kann man auf Bremsbeläge zurückgreifen, die den Fahrtwind zur Kühlung verwenden. Zudem sind Bremsscheiben erhältlich, die aus einem Verbund von Metallen bestehen und dadurch die Hitze besser ableiten. Die Scheibengröße spielt ebenfalls eine große Rolle. Im Vergleich erhitzen sich kleine Rotoren schneller.

Reinigung von Bremsbelägen

Bei Felgenbremsen ist es ausreichend, die Felge und den Belag nach der Berührung mit Öl gründlich zu reinigen.

Einbremsen neuer Bremsbeläge

Wer seine Bremsbeläge gewechselt hat, egal ob für Scheibenbremsen oder die Bremsschuhe für die V-Brake bzw. Felgenbremse, der sollte die neuen Bremsen einbremsen. Das hat den Hintergrund, dass die Beläge und Bremsschuhe nicht immer einwandfrei plan und glatt sind. Auch kann die Felge oder die Bremsscheibe durch die die alten Beläge minimale Veränderungen aufweisen. Beim Einbremsen werden erste Unebenheiten von den neuen Bremsbelägen „abgebremst“ und an die Bremsscheibe bzw. die Felge angepasst. So wird sichergestellt, dass die Bremse um Ernstfall ihre volle Bremsleistung entfalten kann.

Tabelle: Bremsbeläge Übersicht

Name Hersteller Preis Lieferumfang Bremsenart Felgentyp Größe
XLC Bremsschuhe Cantilever BS-C02 XLC 7,49 EUR 4er Set Cantilever Aluminium-Felgen 55mm
Shimano Bremsschuhsatz M70T4 Shimano 13,15 EUR 4er Set V-Brake Aluminium-Felgen 70mm
AWE 3-fach Contour V-Bremsbeläge AWE Preis nicht verfügbar 2er Set V-Brake Aluminium- oder Stahlfelgen 72mm
SwissStop Race Flash Pro SwissStop 29,49 EUR 4er Set Seitenzugbremse Aluminium-Felgen --
Campagnolo Carbon Bremsbeläge BR-BO500 Campagnolo 29,99 EUR 4er Set Seitenzugbremse Carbonfelgen --

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