Shimano BR-M355 Bremsbeläge: Test, Vergleich und Alternativen

Wer richtig schnell sein will, muss auch schnell langsam werden können. Starke Bremsen helfen, maximale Verzögerung auf den Boden zu bringen und die Kontrolle auf immer anspruchsvolleren Strecken zu behalten. Aber nicht nur für Racer und Sekundenjäger ist eine starke Bremse, die wenig Fingerkraft erfordert, wichtig. Gerade Einsteiger tendieren dazu, mehr auf der Bremse zu hängen - das geht nicht nur aufs Material, sondern auch auf die Unterarme. Wer viel Kraft zum Bremsen braucht, kriegt schnell Arm-Pump. Das kostet Sicherheit und zwingt euch dazu, langsamer zu werden oder sogar stehen zu bleiben, während eure Kumpels davon ziehen - mies.

Die Lösung dafür lautet starke Bremsen, die dennoch gut zu dosieren sind. Reine Power hilft nicht, solange sie nicht fein dosierbar ist. Die beste MTB-Scheibenbremse muss zuverlässig, einfach zu warten, leicht und am besten auch noch erschwinglich sein.

Im Testfeld fanden sich sowohl Budget-Bremsen, die üblichen Verdächtigen, die sich an den meisten Serien-Bikes finden, als auch echte Boutique-Bremsen, die eurem Kontostand alles abverlangen. Was alle Scheibenbremsen gemeinsam haben? Vier Bremskolben und eine hydraulische Betätigung - also mit einer Flüssigkeit.

Das Bremsmedium - also die Flüssigkeit, die die Power vom Hebel zum Bremssattel am Rad überträgt - variiert nur zwischen mineralischem Öl oder DOT-Bremsflüssigkeit. Ebenfalls nur diametral sind die Unterschiede bei den Bremsbelägen, die entweder metallisch oder organisch sein können.

Funktionsweise hydraulischer Scheibenbremsen

Im Test finden sich nur hydraulische Scheibenbremsen, wie sie schon seit Jahren in modernen MTBs als Standard gelten. Bremsen besitzen immer eine Gebereinheit: Das ist der Teil, der am Lenker befestigt ist und umgangssprachlich auch häufig nur Hebel genannt wird. Am Rahmen bzw. der Gabel ist dann die Nehmereinheit montiert. Verbunden sind die beiden Komponenten über die Bremsleitung, die den Druck vom Geber- auf den Nehmerkolben überträgt.

Der Druck entsteht im Geber, wo vom Bremshebel ein kleiner Kolben vorgeschoben wird. Weil sich die Bremsflüssigkeit nicht komprimieren lässt, steigt der Druck im System an und wird auf den Bremssattel übertragen, wo die größeren Bremskolben sitzen. Um die Handkraft zu verstärken, ist das Oberflächen-Verhältnis der Kolben von Geber- zur Nehmereinheit entscheidend. Die physikalische Grundlage dafür sind das Pascalsche Gesetz und die Formel für Druck = Kraft/Oberfläche.

Hydraulisch betätigte Bremsen bedeutet, dass diese die Kraft durch eine Flüssigkeit übertragen. Derzeit sind zwei Arten von Bremsflüssigkeit vertreten: Mineralöl und DOT. Der Vorteil von Flüssigkeiten: Sie lassen sich im Gegensatz zu Luft nicht komprimieren, die Kraftübertragung findet also nahezu verlustfrei statt. Aus diesem Grund ist auch penibles Entlüften - also kleinste Lufteinschlüsse aus dem Bremssystem zu entfernen - so wichtig. Noch ein Faktor: Bremsflüssigkeit siedet viel später als Wasser.

DOT-Bremsflüssigkeit kommt ursprünglich aus dem Kfz-Bereich. Sie trägt den Namen vom US-Verkehrsministerium - Department of Transportation. Die DOT-Flüssigkeit ist in Nummern unterteilt, wobei hauptsächlich DOT 4 und 5.1 bei MTBs vertreten sind. Je höher die Zahl, desto höher ist die Siedetemperatur der Flüssigkeit. Das wichtigste Merkmal von DOT-Bremsflüssigkeit ist, dass sie hygroskopisch ist. Das heißt, DOT bindet Wasser (unter anderem aus der Luft) und bildet eine homogene Flüssigkeit. Dadurch ändern sich die Eigenschaften von DOT und der Siedepunkt (regulär bis zu 260° C) sinkt. Darum sollte die Bremsflüssigkeit regelmäßig getauscht werden. Zudem ist DOT gesundheitsschädlich und aggressiv gegenüber Lack, Haut und Klamotten. Spült man DOT gleich mit ausreichend Wasser ab, ist es kein Problem.

Mineralöl als Bremsflüssigkeit ist die Alternative zu DOT. Das Mineralöl wird aus Erdöl gewonnen und hat in der Regel einen niedrigeren Siedepunkt von 190° C. Es ist nicht gesundheitsschädlich oder schlecht für den Lack, nur der Kontakt mit den Bremsbelägen sollte unbedingt vermieden werden. Mineralöl zieht kein Wasser an, bindet es aber auch nicht: Wie beim Salatdressing schwimmt das Öl einfach oben - eine typische Emulsion.

Die Wahl der Bremsflüssigkeit obliegt in jedem Fall dem Hersteller, einfaches Wechseln zwischen den verschiedenen Flüssigkeiten ist nicht möglich. Dabei können Dichtungen und auch Bremsleitungen zu Schaden kommen. Der Einfluss aufs Bremsgefühl ist zudem marginal. Mineralöl sollte ebenso herstellerspezifisch gewählt werden, wie DOT nur mit der richtigen Nummer verwendet werden kann.

Bremsbeläge: Organisch vs. Metallisch

Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern wie z. B. Sinter, GALFER oder Kool-Stop verfügbar. Hiermit lässt sich häufig vergleichsweise günstig die Bremspower steigern. Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische. Wobei sie sich in den Grund-Bestandteilen nicht unterscheiden. Diese sind Reibmaterial, Gleitmittel und Fasern.

Das Reibmaterial ist für die Reibung verantwortlich und erzeugt dadurch auch die Bremspower, die man am Ende spürt. Das Reibmaterial besteht aus einem Mix aus harten Materialien wie Metalloxiden und Carbiden und sorgt somit auch für den meisten Verschleiß an der Bremsscheibe. Das Gleitmittel wiederum versucht, den Verschleiß zu begrenzen und den Reibungskoeffizienten stabil zu halten. Die Fasern unterscheiden sich in organischen Materialien wie Kevlar und Carbon oder metallischen Materialien wie Kupfer oder Stahl.

Um die Masse zu verbinden, sind noch Binde- und Füllmaterial wie Harze enthalten. Die Herstellung der Beläge erfolgt grundsätzlich bei allen Belägen gleich: Die Masse wird unter Hitze und hohem Druck auf die Trägerplatte gepresst.

Bremsbeläge Shimano SLX, DEORE, BR-M525, MT200, MT400, MT500 und Cyclotech Prodisc Kevlar

Die Cyclotech Bremsbeläge mit schwarzer Rückseite verfügen über eine Bremsfläche aus einer organischen Verbindung. Diese Beläge bieten eine optimale Leistung bei niedrigen Temperaturen und sind deshalb bestens für den XC und Alltagseinsatz geeignet.

Die Prodisc Kevlar Verbindung besteht aus Fasern organischer Stoffe. Der Zusatz von Kevlar macht die Bremsbeläge sehr dauerhaft und bietet ein perfekt dosierbares Bremsgefühl. Die Hochleistungsbremsbeläge von Cyclotech sorgen für optimale Bremsleistung und das bei geringem Verschleiß. So ist ein schnelles Verzögern jederzeit möglich.

Cyclotech Prodisc Kevlar® - Features:

  • 15 % mehr Bremsleistung, egal ob nass oder trocken
  • 35 % längere Lebensdauer
  • Kevlar reinforced
  • Max. Dosierbarkeit

Kompatibilität

Cyclotech Prodisc Kevlar Bremsbeläge sind kompatibel mit:

  • Shimano BR-M315
  • Shimano BR-M355
  • Shimano BR-M365
  • Shimano BR-M375
  • Shimano BR-M395
  • Shimano BR-M415
  • Shimano BR-M416
  • Shimano BR-M416A
  • Shimano BR-M445
  • Shimano BR-M446
  • Shimano BR-M447
  • Shimano BR-M465
  • Shimano BR-M475
  • Shimano BR-M485
  • Shimano BR-M486
  • Shimano BR-M495
  • Shimano BR-C501 Nexave
  • Shimano BR-M515 Deore
  • Shimano BR-M515 La Deore
  • Shimano BR-M525 Deore
  • Shimano BR-M575
  • Shimano BR-C601 Nexave
  • Shimano BR-T615 Deore
  • Shimano BR-T675 Deore LX
  • Shimano BR-TX805 Tourney TX
  • Shimano BR-M3050 Acera
  • Shimano BR-M4050 Alivio
  • Shimano BR-M6000 Deore
  • Shimano MT500
  • Upgrade pads für Shimano B01S
  • Alhonga HJ-OD04
  • Alhonga HJ-OD05
  • Alhonga HJ-MD11
  • Alhonga HJ-Latoo
  • Bengal Ares 5
  • Bengal Ares Pro
  • Bengal Helix 7B
  • Clarks S2
  • Giant Root
  • Giant Root 2
  • Gusset Chute
  • Quad QHD-1 Sting
  • Quad QHD-1.2 Rapide

Bremsbelagwechsel und Einbremsen

Wenn Du neue Bremsbeläge montiert hast, dann musst Du diese unbedingt einbremsen. Dadurch werden zum einen eventuell vorhandene Unebenheiten abgeschliffen und die Bremsscheibe und der Bremsbelag schleifen sich aufeinander ein. Zum anderen gasen die ab Werk noch in den Belegen enthaltenen Bindemittel, welche bei der Herstellung (besonders bei organischen Bremsbelägen) vorkommen, aus. Dadurch erreichen die Beläge ihren maximalen Härtegrad.

Wenn die Bremsbeläge nicht richtig eingebremst werden, dann führt das zu einer geringeren Lebensdauer und einer schlechteren Bremsleistung. Das Einbremsen solltest Du nach einem Wechsel der Bremsbeläge immer machen, bevor Du mit Deinem E-Bike wieder eine neue Tour startest bzw. im Straßenverkehr unterwegs bist. Dazu solltest Du am besten einen befestigten Radweg, der nicht zu stark befahren ist, nutzen. Besonders ideal ist es natürlich, wenn eine leichte Gefällstrecke für das Einbremsen zur Verfügung steht.

In der Praxis solltest Du von Bremsvorgang zu Bremsvorgang eine gesteigerte Bremsleistung spüren. Das kommt daher, weil sich auf der Bremsscheibe eine dünne Reibschicht bildet.

Verschleiß und Austausch der Bremsbeläge

Es gibt hier nur sehr grobe Richtwerte, da der Verschleiß von vielen Faktoren abhängt. Aber wenn die Bremsleistung merklich nachlässt, dann sollte man auf jeden Fall mal die Bremsbeläge ausbauen und die Dicke des Bremsbelages überprüfen. Wenn diese nur noch 0,5 Millimeter oder weniger beträgt, sollten die Bremsbeläge unbedingt ausgetauscht werden. Auch sollten die Belege unbedingt dann ausgetauscht werden, wenn die Ränder brüchig aussehen.

Du Deine Bremsbeläge austauschst, dann musst Du die Bremsscheibe nicht zwingend mit austauschen. Das ist nur dann sinnvoll, wenn Du auf eine andere Mischung der Bremsbeläge wechselst, da gesinterte und organische Bremsbeläge einen unterschiedlichen Abrieb (Reibfilm) auf der Bremsscheibe hinterlassen.

Die Bremsscheibe sollte immer dann ausgetauscht werden, wenn sie sichtbare Beschädigungen aufweist bzw. wenn die Mindeststärke der Scheibe unterschritten wird. Wie diese Mindeststärke der Bremsscheibe ist, ist von Hersteller zu Hersteller etwas unterschiedlich. Bei Shimano zum Beispiel gilt als Untergrenze für die Dicke der Bremsscheibe 1,5 mm. Auf manchen Bremsscheiben steht die minimale zulässige Dicke sogar direkt auf der Scheibe mit drauf.

Auf Shimano Bremsscheiben gibt es in der Regel auch einen Hinweis darauf, mit welchen Bremsbelägen (organisch oder gesintert) die Bremsscheibe kombiniert werden sollte.

Optimierung der Bremsleistung

Wenn Du mit der Bremsleistung Deines E-Bikes oder Pedelecs nicht zufrieden bist, dann musst Du nicht zwangsläufig gleich eine komplett neue Bremsanlage kaufen. In manchen Fällen reicht es schon aus, wenn Du hochwertigere Bremsscheiben und Bremsbeläge montierst. Das gilt im Besonderen für den Cross & Country-Einsatz, also wenn Du Dein E-Bike viel auf der Straße, dem Feldweg oder im leichten Gelände bewegst.

Wenn Du ein harmonisches Bremsverhalten haben möchtest und Wert darauf legst, dass Deine Bremse gut dosierbar ist, im kalten Zustand optimal verzögert und das möglichst geräuscharm, dann solltest Du organische Bremsbeläge verwenden. Wenn Du eher einen aggressiven Fahrstil hast und bei Nässe die maximale Bremswirkung haben möchtest, dann sind gesinterte Bremsbeläge die bessere Wahl für Dich. Allerdings muss beim Einsatz von gesinterten Bremsbelägen Deine Bremsscheibe auch für diese Beläge geeignet sein. Steht „RESIN PAD ONLY“ drauf, dann dürfen nur organische Bremsbeläge genutzt werden.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0