Motorrad Bremsbeläge prüfen: Eine detaillierte Anleitung

Einwandfrei funktionierende Bremsen sind ein wesentliches Sicherheitsmerkmal für jedes Fahrzeug. Die regelmäßige Prüfung der Bremsbeläge ist daher unerlässlich, um die Sicherheit des Fahrers zu gewährleisten. Bremsbeläge sind Verschleißteile, daher gehört ein Bremsen-Check zu jeder TÜV- und Wartungsinspektion.

Wann und warum Bremsbeläge prüfen?

Wie bei allen anderen Pkw mit ABS, gilt auch für Motorräder: Die Bremsanlage bringt nur dann optimale Sicherheit, wenn die Fahrer frühzeitig alle dort verbauten Verschleißteile ersetzen, also die Bremsbeläge wechseln. Denn Bremsscheiben altern und der Belag auf den Bremsklötzen nutzt sich im Betrieb ab, sodass sich der Bremsweg mit der Zeit gefährlich verlängern kann. Spätestens, wenn du feststellst, dass die nötige Bremsleistung nicht mehr erbracht wird, besteht Handlungsbedarf.

Erste Anzeichen erkennen

Fahrzeuge der jüngeren Generation verfügen in der Regel über eine elektronische Verschleißanzeige, die signalisiert, wann eine Bremsenkontrolle notwendig ist. Wer ein älteres Modell fährt, muss sich zunächst auf seine Augen verlassen. Aber bereits vor dem Werkstattbesuch gibt es Möglichkeiten, um zu kontrollieren, in welchem Zustand die Bremsbeläge sind:

  • Geräusche: Trauen Sie Ihren Ohren - Bremsbeläge sind im Inneren mit Metallstiften versehen. Wenn diese mit der Bremsscheibe in Berührung kommen, entstehen Quietschgeräusche. Sobald die Bremse Geräusche macht, sind die Bremsbeläge definitiv abgefahren.
  • Sichtprüfung: Sichtprobe - Wenn die Räder der Vorderachse eingeschlagen sind, wird ein Blick auf die Bremsscheiben ermöglicht. Besser noch wäre die Entfernung des Rades und das Anheben des Fahrzeugs mittels eines Wagenhebers oder einer Hebebühne. Sind Rostspuren auf den Scheiben erkennbar, handelt es sich häufig um harmlosen Flugrost.
  • Bremsflüssigkeit: Bremsflüssigkeit prüfen - Die Füllmenge sollte zwischen Minimum und Maximum liegen, beträgt sie weniger als das Minimum, sollte die gesamte Bremsanlage kontrolliert werden.
  • Veränderung im Bremsverhalten: Motorradfahrer sollten im Alltag auf das Bremsverhalten des Motorrads achten, um mögliche Änderungen wahrzunehmen.

Wie man die Bremsbeläge prüft

Das Prüfen der Bremsbeläge am Motorrad ist deutlich einfacher, da die Bremsanlage ohne große Ausbauarbeiten gut einsehbar ist. Mit einer Taschenlampe können von unten oder vorn der Bremssattel und damit die Beläge gut eingesehen werden.

Wie weit die Bremsbeläge abgerieben und ob sie fällig für einen Wechsel sind, lässt sich durch eine Sichtkontrolle der Bremsklötze erkennen. Dazu sind diese freizulegen und es ist abzumessen, wie dick der Belag darauf noch ist. Die Dicke der Bremsbeläge sollte mindestens zwei Millimeter betragen. In der Regel empfehlen die Hersteller eine Stärke von mindestens zwei Millimetern. Oft ist die Minimalstärke der Bremsbeläge auch farblich markiert. Ist die Farbschicht erreicht, sind die Beläge zu erneuern. Gleiches gilt, wenn sich die Materialeigenschaft des Bremsbelags etwa durch heiß gelaufene Bremsen verändert hat und glasig geworden ist.

Die meisten Bremsbeläge verfügen über eine Nut (manchmal auch mehrere), die dir anzeigt, ob die Verschleißgrenze erreicht ist. Ist diese Nut nicht mehr sichtbar, ist die Verschleißgrenze erreicht - also raus mit den Belägen.

Der Wechsel der Bremsbeläge

Grundsätzlich ist es möglich, die Bremsbeläge selbst zu wechseln. Gut funktionierende Bremsen sind essentiell für die Sicherheit von Motorradfahrern. Daher gilt: Am besten sollten ausgebildete Experten in einer Werkstatt das Wechseln der Bremsbeläge am Motorrad übernehmen. Hier eine kurze Anleitung für den Wechsel:

  1. Vorbereitung: Um vor den Demontagearbeiten Druck aus dem Hydrauliksystem zu nehmen, ist zunächst der Behälter mit der Bremsflüssigkeit etwa zur Hälfte abzusaugen. Als nächstes sind die Bremssättel vorne und hinten mit dem passenden Drehmomentschlüssel zu lösen und von den Bremsscheiben abzunehmen.
  2. Alte Bremsbeläge demontieren: Die Sicherungsstifte sind aus dem Bremsklotz zu lösen, bevor sich der Bremsklotz aus dem Sattel nehmen lässt.
  3. Neue Bremsklötze einbauen: Damit die Bremsen nach dem Einbau der neuen Klötze nicht quietschen, ist auf deren Rückseite Kupferpaste aufzutragen - oder, im Fall von Sinter-Bremsbelägen oder Fahrzeugen mit ABS, Keramikpaste. Dann lassen sich die neuen Bremsbeläge in den gesäuberten Sattel einlegen und mit den Haltestiften wieder dort verankern.
  4. Bremstest: Zuletzt ist die Bremsflüssigkeit wieder aufzufüllen und der Handbremshebel zu betätigen, damit der Bremskolben durch die Hydraulik in die richtige Position kommt.

Wichtige Hinweise:

  • In einem Bremssattel sind niemals unterschiedliche Bremsklötze zu verwenden!
  • Bremsflüssigkeit ist gesundheitsschädlich. Es ist dringend mit Handschuhen zu arbeiten.
  • Alle Teile, die beim Wechsel der Bremsbeläge abzubauen sind, sind später wieder in der exakt gleichen Position zu montieren.
  • Frisch gewechselte Bremsbeläge können nicht sofort volle Leistung erbringen, sondern sind für die ersten 100 bis 200 Kilometer einzufahren.
  • Nach dem Wechsel solltest du neue Bremsbeläge zunächst vorsichtig einbremsen. Um die Oberflächen der neuen Bremsbeläge den Oberflächen der Bremsscheiben anzupassen, empfiehlt es sich, die Bremsen zunächst mehrfach hintereinander bei geringem Tempo zu betätigen.

Kosten für den Wechsel

Wer die Bremsbeläge bei seinem Motorrad selbst wechseln möchte, benötigt zunächst das passende Werkzeug wie einen Drehmomentschlüssel und idealerweise auch ein Gerät zur Rückstellung des Bremskolbens. Hinzu kommen die Kosten für die neuen Bremsklötze. Der Preis für einen Satz Bremsbeläge variiert je nach Hersteller und Motorradmodell zwischen rund 20 und 70 Euro.

Bremsbelagarten

Es gibt organische Bremsbelägen und Sintermetallbeläge. Bei einem Wechsel von einem organischen zu einem Sinterbelag ist besondere Vorsicht geboten, da die Bremsen durch das plötzliche Mehr an Biss auch nach mehr Gefühl verlangen.

Eigenschaften verschiedener Bremsbeläge:

  • Sintermetallbeläge beanspruchen als organische Bremsbeläge dies tun.
  • Organische Bremsbeläge haben je nach Modell bei Nässe etwas schlechtere Bremswirkung.
  • Sintermetallbeläge müssen erst „eingebremst“ werden.

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