Bremsbeläge im Vergleich: Shimano vs. Tektro

Bremsen sind ein entscheidender Faktor für Kontrolle und Sicherheit auf dem Fahrrad. Trotzdem schenken ihnen die meisten Radfahrer kaum Beachtung. Zu Unrecht! Eine oft gehörte Frage beim Radkauf: „Hat das Rad eine XT-Schaltung?“ Gemeint ist das XT-Schaltwerk, auf das die Kundschaft stark achtet. Die Bremsanlage? Egal. Dabei sorgt diese doch für eine kontrollierte Entschleunigung und damit Sicherheit.

Tektro und Shimano: Eine Gegenüberstellung

Tektro sehe ich als Hersteller günstiger Bremsen in diesem Bereich bei den einfachen gleichauf mit Shimano. Die Marke ist in China ansässig und dort präsenter als in Europa. Im Highend-Bereich hat Shimano ganz klar die Nase vorn. Viele Teile sind mit Shimano kompatibel, so auch Bremsbeläge und Leitungen mit Zubehör. Je nach dem welche Tektro verbaut ist, bremsen die auch ordentlich. Ich erlaube mir das Adjektiv günstig, weil Tektro an Fertigrädern eher in diesem Segment vertreten ist als im Bereich Highend. Und auch aufgrund meiner Erfahrungen mit der HD-E715 an meinem Giant Quick S Pedelec. Im Web habe ich einen Test der Auriga Comp gefunden, die im Vergleich zu den anderen Kandidaten als "extrem günstig" beschrieben wird, und sehr gut abgeschnitten hat.

Ersatzteilversorgung und Nachhaltigkeit

Weder von Shimano noch von Tektro bekommst du Ersatzteile. Selbstverständlich bekommst Du von Shimano Einzelteile, und nicht nur komplette Einheiten. Bei dem deutschen Generalimporteur Lange, der die Kataloge zum Teil auch online gestellt hat, aber auch anderen Anbietern. Ich meine als Ersatzteil im Original aber primär Bremsbeläge. Die Beschaffung für die Bremse an meinem Rad ist mittlerweile nicht mehr so einfach. Paul Lange hatte früher mal die TechDocs auf seiner Seite, heute nur noch einen Link auf die Shimano Seite. War da eben mal drauf.

Die von mir angesprochen Ersatzteile findet man teilweise auch auf den Seiten der üblichen verdächtigen Onlinehändler. Das ist korrekt. Unter Ersatzteilen verstehe ich die angesprochenen Teile und weitere, die es mir erlauben die Bremse zu reparieren. Dazu gehören auf jeden Fall auch Geber- und Nehmerkolben, Quadringe und dergleichen. Da gibbet aber nix. btw: ich glaube nicht, dass wir ernsthaft über die Nachhaltigkeit von Shimano und Tektro diskutieren müssen.

Vergleich von Bremsanlagen: XT und BR-MT520

Die XT 8020 (4 Kolben) beispielsweise ist technisch identisch mit der halb so teuren BR-MT520. Die XT hat zusätzlich den überflüssigen Freestroke und werkzeuglose Griffweiteneinstellung.

Wichtige Aspekte bei Scheibenbremsen

Zum Test sind Bremsen geladen, die an Fitness-, Cross-, Trekking-, Reiserad und Mountainbike eine gute Figur machen. Die BigPlayer im Erstausrüstergeschäft (Neuräder) sind Magura, Shimano, Sram und Tektro. Als Edelschmieden gelten Hope und Trickstuff. Bevor die Bremsen an Gabel und Rahmen angebaut werden, sollten die Aufnahmen und Adapter mit einem Spezialwerkzeug plangefräst werden. Der Grund: Meist befindet sich Lack auf Rahmen und Gabel, wodurch die Bremse nie perfekt zur Bremsscheibe ausgerichtet ist. Beim Arbeiten an Bremsanlagen sollte zudem mit der nötigen Sorgfalt und mit passendem Spezialwerkzeug gearbeitet werden. Erstmal müssen Montage und Wartung einfach von der Hand gehen.

Auf Tour ist dann wichtig, dass der Bremshebel angenehm in der Hand liegt, die Bremse für gute Kontrolle fein dosierbar ist, eine ausreichende Bremskraft anliegt und die Bremse auch unter hoher Belastung nicht ausfällt. Bei der Montage setzen alle Hersteller beim Bremssattel auf den Postmount-Standard. Dieser ist einfach und schnell montiert, zudem kann der Bremssattel über ein integriertes Langloch genau zur Bremsscheibe ausgerichtet werden. Zur Anpassung an individuelle Vorlieben lässt sich an jeder Bremse die Hebelweite zum Lenker justieren. Ohne Werkzeug ist das bei BFO, Hayes, Hope, Shimano XT, Sram und TRP möglich. Zu finden bei BFO, Hayes, Hope und Sram. Und bei der Leitungsverlegung schwören Ästhetiker auf drehbare Leitungsanschlüsse am Bremssattel, weil diese die Bremsleitung optimal ausrichten.

Bremsmedium: DOT vs. Mineralöl

Damit eine Bremse auf Dauer ihre Arbeit einwandfrei verrichtet, gehören Wartung und Service dazu. Hier spielt das Bremsmedium eine wichtige Rolle, denn im Radbereich gibt es aktuell vier verschiedene Typen, die untereinander nicht kompatibel sind! Vorteil von DOT: weltweite Verfügbarkeit in hoher Qualität, günstiger Preis, ein hoher Siedepunkt und das Binden von Wasser. Nachteile: Es unterliegt Alterungserscheinungen, sollte daher jährlich getauscht werden. Vorteilhafter und immer weiter verbreitet sind indes Mineralöle, wie sie Magura, Shimano, Tektro und TRP einsetzen. Sie sind etwas dickflüssiger als DOT, greifen Oberflächen nicht so aggressiv an und brauchen keinen regelmäßigen Wechsel. Allerdings gibt es keinen Standard für Mineralöle, daher sollte nur die jeweilig vorgeschriebene Variante bei einer Bremse eingesetzt werden.

Hydrauliköl und Wasser als Bremsmedium

Hydrauliköl wird bei Trickstuff eingesetzt. Das sogenannte Bionol wird in Deutschland aus nachwachsenden und biologisch abbaubaren Pflanzenölen hergestellt, ist giftklassefrei, toxikologisch unbedenklich und sogar für die Lebensmittelproduktion zugelassen! Einziger Nachteil: der sehr hohe Preis. Wasser ist der absolute Exot und findet sich bei BFO. Positiv ist die hohe Druckstabilität, Dünnflüssigkeit und das hohe Wärmeaufnahmevermögen. Zudem ist es billig, überall zu bekommen und an sich umweltfreundlich.

Wartung und Verschleiß

Beim Spülen und Entlüften des Bremssystems achten wir auf eine gute Zugänglichkeit und Bedienung der Serviceports sowie den Entlüftungsvorgang an sich. Shimano XT und Sram sind hier perfekt. Beim Verschleißcheck gilt: Nicht nur die Beläge sollten regelmäßig überprüft werden. Die Bremskraft ergibt sich aus dem Übersetzungsverhältnis des Bremshebels zum -sattel, der Scheibengröße sowie dem Zusammenspiel von Belag und Bremsscheibe. Den Belägen kommt eine elementare Aufgabe zu: Sie sind Hauptreibpartner und damit zum Großteil für die Performance einer Bremse verantwortlich. Auf dem Markt gibt es organische, semi- oder Sintermetallbeläge. Die meisten Hersteller haben verschiedene Belagstypen im Portfolio. Aber Vorsicht: Nur bei Trickstuff verliert man bei Fremdbelagsnutzung die Garantie der Bremse nicht!

Bremsbeläge im Test

Weiterhin wurde die TRP Bremse exemplarisch mit drei unterschiedlichen Belägen gefahren. Das Ergebnis: Die Bremse zeigt deutliche Unterschiede. Damit die Bremsanlage von Anfang an ihre Leistung abruft, müssen Beläge und Scheibe aufeinander eingebremst werden.

  1. Auf circa 20 km/h beschleunigen, im Sattel sitzen bleiben und langsam, gleichmäßig bis auf Schrittgeschwindig keit abbremsen.
  2. Wichtig: Bremsungen bis zum Stillstand vermeiden!
  3. Nun auf 30 km/h beschleunigen und erneut bis auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen.
  4. Vor der ersten Ausfahrt das Bremssystem abkühlen lassen.

Um den Bremsen auf den Zahn zu fühlen, beinhaltet der Praxistest Abfahrten auf Teer, Schotter und Waldwegen. Die Trekkingräder wurden zusätzlich mit Packtaschen bestückt, um ein Systemgewicht von 130 kg zu erreichen. Alle anderen geben keine Gewichtsbeschränkung vor. Während des Tests wurden Hebelergonomie, Druckpunkt, Dosierbarkeit und Bremskraft überprüft. Jede Scheibenbremse wurde von mehreren Testern bewertet.

Prüfstandtest und Ergebnisse

Bei der Hebelergonomie wurde auf die Form und Verstellbarkeit des Bremshebels geachtet. Beim Prüfstandtest wurden alle Scheibenbremsen auf ein Rad montiert, welches auf einem Rollenprüfstand fixiert war. Das Prüfprogramm bremste alle Bremsen ordnungsgemäß ein, bis die maximale Bremskraft anlag. Der Test basiert auf der DIN-Norm für Bremssysteme und wurde vom Prüfinstitut Velotech in Schweinfurt durchgeführt. Bei der Bremskraft bieten Hayes und Trickstuff mit Abstand die höchste Leistung. Hier reicht ein Finger auch für starke Verzögerungen. Im Vergleich von trockenen zu nassen Bedingungen bremsen Hayes und Magura MT Sport am konstantesten. Hier ändert sich das Bremsverhalten quasi nicht. Top sind Sram, Tektro und Trickstuff, weil die Handkräfte fast annähernd gleich bleiben.

Garantie

Der letzte Punkt geht an die Garantie. Alle Hersteller geben zwei Jahre, mehr nicht. Weiter geht nur Magura: Die Schwaben geben fünf Jahre auf Dichtigkeit ihres Bremssystems. Weder große Probleme noch ein Ausfall sind erfreulich!

Empfehlungen

Am Ende stechen fünf Scheibenbremsen hervor: TRP ist durch die Bank gutmütig und problemlos, verdient sich den Preis-Leistungstipp. Durchweg gute Noten und ein Liebling der Tester ist die Sram G2. Sie heimst eine Empfehlung ein.

Scheibenbremsbeläge im Vergleich

Die folgende Tabelle zeigt einen Vergleich verschiedener Scheibenbremsbeläge:

Artikel-Nr. Material Trägerplatte Material Bremsbelag Bremskraft Geringer Verschleiß Geringe Wärmeleitung Kompatibilität mit Bremsmodellen Geeignet für Kompatibel mit
BP10675 Stahl Semi-metallisch Sehr hoch Geringer Verschleiß Geringe Wärmeleitung Sehr hoch Für viele Fahrprofile geeignet Shimano Deore, Altus, SLX, XT, XTR, Saint, Tektro Auriga, Orion, Draco/Draco 2, Aquila, Dorado, und weitere
BP10675 Stahl Semi-metallisch Sehr hoch Geringer Verschleiß Geringe Wärmeleitung Sehr hoch Für viele Fahrprofile geeignet Shimano Deore, Altus, SLX, XT, XTR, Saint, Tektro Auriga, Orion, Draco/Draco 2, Aquila, Dorado, und weitere
BP10675 Stahl Semi-metallisch Besonders hoch Sehr geringer Verschleiß Geringe Wärmeleitung Sehr hoch Performance-Bereich: MTB, Downhill Avid Elixir, XX, X0, Trickstuff the Cleg
BP10675 Stahl Semi-metallisch Besonders hoch Sehr geringer Verschleiß Geringe Wärmeleitung Sehr hoch Performance-Bereich: MTB, Downhill Magura MT 5
BP10675 Stahl Resin - organisch Hoch Relativ hoher Verschleiß Sehr geringe Wärmeleitung Sehr hoch Für viele Fahrprofile geeignet Shimano Deore, Altus, SLX, XT, XTR, LX, Acera, Nexavave, und weitere
BP10675 Stahl Resin - organisch Hoch Relativ hoher Verschleiß Sehr geringe Wärmeleitung Hoch Für viele Fahrprofile geeignet Shimano Deore, SLX, XT, XTR, Alfine, und weitere

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