Laufräder sind bei Kindern sehr beliebt, da sie eine recht hohe Geschwindigkeit erreichen können. Viele Eltern kennen die Situation, wenn die Kleinen begeistert mit dem Laufrad unterwegs sind und auf eine Kreuzung zurasen oder immer schneller bergab fahren, ohne rechtzeitig bremsen zu können. Stopp-Rufe werden dann oft ignoriert, und die Eltern rennen besorgt hinterher.
Die beiden Gründer von myStopy, Sebastian Lyschick und Julius Müller, haben das offenbar selbst zu oft erlebt - und kamen auf die Idee der ferngesteuerten Notbremse für Laufräder. Der myStopy-Bremsassistent ist besonders interessant für Eltern, die in einer Gegend mit hohem Verkehrsaufkommen wohnen und Kinder haben, die eine Gefahrensituation auf dem Laufrad noch nicht richtig einschätzen können. Diese Gefahrensituationen können übrigens nicht nur im Straßenverkehr entstehen, sondern auch beim Zurollen auf eine steile Rampe oder beim falschen Abbiegen auf dem Pumptrack. Mit dem myStopy können die Eltern schnell und vor allem aus der Distanz reagieren, noch bevor das Kind in eine brenzlige Situation kommt.
Wie funktioniert die ferngesteuerte Bremse?
Der ferngesteuerte Bremsassistent wird einfach an der Sattelstange des Laufrads befestigt und kann durch ein Funksignal aktiviert werden. Dazu müssen die Aufsichtspersonen lediglich den Knopf am mitgeliefertem Armband drücken. Dadurch fällt der Bremskeil auf das Hinterrad und das Laufrad bleibt stehen.
Die Eltern oder Großeltern können entspannt zu ihrem Kind laufen, die Bremse wieder lösen und gleichzeitig die Situation gemeinsam besprechen - bevor die Fahrt wieder weitergeht. Durch diese einfache Funktionsweise wird kaum Energie benötigt: Denn für den Bremsvorgang selbst wird die vorhandene kinetische Energie genutzt und wieder gelöst wird die Bremse nicht automatisch per Knopfdruck, sondern mit der Hand.
Das war den Unternehmern wichtig: Die Kinder können somit nicht einfach unkommentiert aus der Entfernung abgebremst werden und wieder weiterfahren. Stattdessen müssen die Aufsichtspersonen kontrolliert eingreifen und können so bei den Kindern vielleicht auch einen Lerneffekt erzielen. Durch den geringen Energieverbrauch hat die Bremse auch eine enorm lange Akkulaufzeit. Schließlich soll das Laufrad jederzeit einsatzbereit sein.
Montage und Bedienung des myStopy-Bremsassistenten
Die Montage des myStopy-Bremsassistenten ist sehr einfach und geht wirklich schnell. Zunächst wird die Sattelklemme mit dem beiliegenden 5-mm-Innensechskantschlüssel gelöst und der Sattel samt Stütze aus dem Rahmen gezogen. Jetzt wird der myStopy-Bremsassistent auf den Rahmen beziehungsweise auf das Sattelrohr gesteckt. Selbstverständlich sollte dabei das Bremselement knapp über dem Hinterrad sitzen. Sollte das Brennelement bereits hier schon am Reifen streifen, kann man das mitgelieferte, etwas dünnere Brennelement anstelle des dickeren Elements verwenden. Die Bremselemente sind mit jeweils zwei Schrauben am Bremsassistenten befestigt.
Ist die Klemmschelle wieder komplett auf das Sattelrohr gesteckt und der Sattel in der richtigen Höhe eingestellt, kann die Schraube der Schelle mit dem Innensechskantschlüssel angezogen werden. Hierfür sind an den Seiten des Bremsassistenten entsprechende Aussparungen vorhandent. Tipp: Puky-Laufräder besitzen meist einen Stahlrahmen, der rosten kann, sollte der Lack beschädigt werden. Bestreicht man die Innenseite der Klemmschelle mit etwas Fett, kann man das Rosten an dieser Stelle das Rosten etwas verzögern.
Die Bedienung sowie die Funktionsweise des myStopy-Bremsassistenten ist sehr einfach, durchdacht und funktioniert tadellos. Um den myStopy einzuschalten, hält man die Fernbedienung direkt an das Rücklicht und drückt den roten Knopf der Fernbedienung für 3 Sekunden. Leuchtet das Rücklicht dauerhaft auf, ist der myStopy einsatzbereit. Vielleicht mag das Aktivieren zunächst etwas umständlich erscheinen, es ist aber ziemlich genial. Denn so wird sichergestellt, dass weder das Kind noch die Begleitpersonen den myStopy unbeabsichtigt ausschalten können.
Damit die Kinder überhaupt losfahren können, wird der Bremskeil gegen eine Federkraft nach oben gezogen, bis dieser durch einen Halter einrastet. Sollte es bei einer Laufradrunde nun zu einer Gefahrensituation kommen, kann durch Betätigen des roten Kopfes an der Fernbedienung die Bremse ausgelöst werden. Dabei löst sich der Halter und der Bremskeil wird durch die Federkraft nach unten gedrückt. Durch den Reifen und die vielen kleinen Zähne am Bremselement wird der gesamte Bremskeil zwischen Reifen und dem myStopy eingeklemmt, wodurch das Hinterrad blockiert wird.
Falls das Kind samt Laufrad bereits teilweise auf der Straße steht, kann es mit dem blockierten Hinterrad nicht mehr nach vorne fahren, der myStopy erlaubt es jedoch, dass das Kind das Laufrad rückwärts schieben kann, um selbstständig aus der Gefahrensituation rollen zu können. Hier schiebt der rollende Hinterreifen den Bremskeil ein kleines Stück nach oben. So kann ein Elternteil nicht nur durch Auslösen des myStopy eine Gefahrensituation verhindern, sondern die Kinder können sich bei Bedarf selbst aus einer Situation retten.
Um die Fahrt nach der Bremsung fortzusetzen, wird der Bremskeil einfach an der kleinen Lasche wieder nach oben gezogen, bis er einrastet. Mit etwas Übung bekommen die Kinder das auch selbst hin.
Technische Details und Besonderheiten
- Um die Sichtbarkeit zu erhöhen, ist der myStopy-Bremsassistent mit zwei roten LEDs ausgerüstet. Bei einer Bremsung blinken diese deutlich heller und insgesamt achtmal auf.
- Der myStopy verfügt zudem über eine Ladestandsanzeige. Bei einem Akkustand von weniger als 20 Prozent blinken die beiden LEDs alle zehn Sekunden und signalisieren so, dass des myStopy aufgeladen werden muss. Ab einem Akkustand von weniger als 5 Prozent blinken die beiden LEDs alle fünf Sekunden zweimal auf. Nach weiteren fünf Minuten bremst der myStopy schließlich das Laufrad und schaltet sich aus.
- Insgesamt sollen mit dem myStopy 6500 Auslösungen möglich sein. Im Standby-Modus hat der Akku eine Laufzeit von ca.
Praxistest und Erfahrungen
Im Praxistest hat sich der myStopy-Bremsassistent gut geschlagen und in seiner Funktion hat er uns nicht enttäuscht. Während mehreren Testrunden mit Kind und Puky-Laufrad haben wir weit mehr als 100 Testbremsungen absolviert, so lange bis unser kleiner Testpilot erschöpft war. Generell raten wir aber dazu, die Kinder mit dem myStopy vertraut zu machen und etwas zu üben. Das Auslösen der Bremsung ist mit einem deutlich hörbaren und klackenden Geräusch verbunden, bei dem sich Kinder zu Beginn vielleicht erschrecken können. Auch erfolgt die Bremsung sehr ruckartig, da das Hinterrad blockiert. Überschlagen kann sich das Kind zwar nicht, dennoch kann gerade auf rutschigem Untergrund das Heck zu einer Seite hin ausbrechen.
myStopy arbeitet und produziert laut eigenen Angaben nachhaltig und verwendet zum Beispiel recycelte Materialien für ihre Kunststoffe und Verpackungsmaterialien. Ein USB-Ladekabel ist nicht im Lieferumfang. Das Argument ist hier, dass solche Kabel schon zur Genüge in jedem Haushalt vorhanden sein sollten, womit myStopy mit hoher Wahrscheinlichkeit Recht hat. Böse Zungen könnten behaupten, dass sich hier etwas Kosten sparen lassen, denn um den montierten myStopy laden zu können, ist ein entsprechend langes Kabel notwendig. Außerdem verwendet myStopy noch eine Micro-USB Ladebuchse, der Standard ist heutzutage jedoch USB-C.
Wenn man über das Thema Nachhaltigkeit spricht, gehört auch die Haltbarkeit der Produkte dazu. myStopy gibt auf den Bremsassistenten eine Garantiezeit von 24 Monaten, was eine entsprechend lange Haltbarkeit verspricht. Dennoch müssen wir an dieser Stelle berichten, dass unser Testgerät die Testdauer nicht unbeschadet überstanden hat. Der Bremskeil wird über eine kleine Haltenase aus Kunststoff in der Auslöseposition gehalten, die beim Hochziehen des Bremskeils am Ende der Tests abgebrochen ist.
Betrachtet man die kleine abgebrochene Haltenase, wirkt diese etwas unterdimensioniert. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass Kinder oftmals nicht sehr schonend mit den Laufrädern umgehen. Mal fällt das Laufrad auf den Boden, mal wird es mit einem Stock oder einem Stein bearbeitet. So könnte auch der myStopy beschädigt werden. Daher musste die Firma auf Anraten der Prüfstelle aus eine Sollbruchstelle einbauen, um eine Zulassung zu bekommen. Treffen plötzliche Erschütterungen von 20 kg und mehr schlagartig von oben auf den myStopy auf, bricht die Nase ab. Durch den Bruch der Haltenase ist der myStopy offensichtlich nicht mehr funktionsfähig. Im Falle einer Beschädigung kann der myStopy eingeschickt und repariert werden.
Bricht die Haltenase jedoch wie in unserem Fall durch Krafteinwirkung von außen ab, wird das Gerät innerhalb der Garantiezeit ersetzt oder repariert. Zudem hat uns die Firma myStopy versichert, dass bisher ein entstandener Schaden wie bei uns nicht vorkam.
myStopy und Puky
So weit, so gut - allerdings gibt es auch eine Einschränkung: Im Moment lässt sich der myStopy-Bremsassistent nur an Puky-Laufräder montieren. Laut Hersteller soll sich das jedoch in naher Zukunft ändern. Beim Kauf ist außerdem unbedingt darauf zu achten, dass der myStopy zum genauen Laufrad passt, die hier die Bremselemente unterschiedlich dick sind.
Und auch Puky, der Weltmarktführer für Laufräder, ist von der Rhöner Innovation überzeugt: Ab 2022 wird der Hersteller die Bremse ins Sortiment aufnehmen und direkt vertreiben - mit oder ohne Laufrad.
Bike Zipper
Der Bike Zipper ist eine 120 cm lange, aufrollbare und dünne Abschleppleine, die mit einem Klettband an den Lenker oder den Vorbau des Laufrades oder Kinderfahrrads montiert ist. Sollte es mal zu steil werden, kann das Kind mit dieser Leine den Berg hinaufgezogen werden. Dabei liegt der kugelrunde Korkgriff gut in der Hand. Am Ende ist die Abschleppleine zwar nichts besonderes, aber mit nur 30 Gramm ist sie sehr leicht und passt in jede Hosentasche oder an jeden Lenker.
Am Ende können wir berichten, dass uns der myStopy-Bremsassistent gut gefallen hat und er das tut, was er soll: Beim Auslösen bringt er Kind und Laufrad innerhalb kürzester Strecke zum Stehen. Das einzige, was zu bemängeln ist, wäre eben jene Haltenase aus Kunststoff, die aber wie erwähnt von der Prüfstelle aus eingebaut werden musste.
Laurastro
„Laurastro” nennt Jakob Braun seine Lösung für dieses Problem. Er konzipierte eine elektronische Bremse, die sich per Smartphone bedienen lässt. So haben die Eltern jederzeit die Kontrolle über das Laufrad. Dabei können sie zwischen zwei Steuerungsoptionen wählen: dosiertes Bremsen und Vollbremsung. Fährt das Kind aus der Reichweite der Funkverbindung, wird es automatisch gestoppt.
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